Anmerkung zur Pressemitteilung der Gauselmann AG vom 7. März zum Verfahren vor dem LG Bielefeld

Diese Pressemitteilung der Gauselmann AG verwundert in mehrfacher Hinsicht und sollte einem Faktencheck unterzogen werden.

So ist es aus unserer Sicht äußerst befremdlich, das Urteil eines Gerichts vorwegzunehmen, das erst in drei Wochen verkündet wird. Es bleibt abzuwarten, wie das Landgericht Bielefeld entscheidet und wie es diese Entscheidung begründet. Dann sehen wir weiter.

Erstaunlich auch, dass in dieser Pressemitteilung Vorschläge zur Umsetzung einer Einlasskontrolle in Spielhallen gemacht werden, die im Prozess gar nicht zur Sprache kamen. So war das Face-Check‐System nicht Thema der Verhandlung. Es wurde nicht einmal namentlich erwähnt. Es stellt sich die Frage: Warum bewahrt man sich so einen Vorschlag für eine Pressemitteilung auf, statt ihn vor Gericht vorzutragen? Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

Und warum wird wider besseren Wissens behauptet, die Kritik unseres Verbandes an Face‐Check sei substanzlos, da ich das System gar nicht kennen würde? Stimmt die Kommunikation im Hause Gauselmann nicht? Hat niemand dem Pressesprecher mitgeteilt, dass der Präventionsbeauftragte David Schnabel, der übrigens in Personalunion Geschäftsführer der Spielbanken in Sachsen Anhalt1 ist, und der ]ustiziar Volker Nottelmann, höchstpersönlich einer kleinen Gruppe von Bielefelder Suchtexpertinnen und ‐experten, der ich auch angehörte, das System am 21.2.17 in einer Bielefelder Spielhalle präsentiert haben? Unsere einhellige Meinung war übrigens: Es steckt noch in den Kinderschuhen und sollte derzeit höchstens als Ergänzung zur von uns favorisierten Einlasskontrolle eingesetzt werden.

Und dann die Eigenlob-Aussagen zur erfolgreichen Präventionsarbeit der Branche. Wäre das im Gerichtssaal vorgetragen werden, hätte das Publikum wahrscheinlich genauso laut gelacht, wie es gelacht hat, als von Seiten der Beklagten vorgetragen wurde, die Geldspielautomaten seien ja gar nicht so gefährlich. Gefährlich sei Lotto.

Wer ernsthaft glaubt, dass die gestiegene Beratungsnachfrage problematischer und süchtiger Glücksspieler auch nur ansatzweise mit der „Präventionsarbeit“ der Automatenbranche zu tun hat, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Es gibt längst empirische Untersuchungen zu dieser Frage, die auch der Automatenbranche bekannt sind. So wurde bereits mehrfach untersucht, ob Glücksspielerinnen und ‐spieler in Spielstätten als problematische bzw. pathologische Spieler erkannt werden, und ob es Interventionen gab. Die Ergebnisse2 sind ernüchternd und zeigen, dass Sozialkonzepte selten und wenn dann meist unzureichend umgesetzt werden. Warum ist das so? Warum werden suchtkranke Menschen nicht wirksam vom Glücksspiel ausgeschlossen? Sollte es etwa daran liegen, dass relevante Umsatzanteile der Geldspielautomatenbranche von ihnen stammen? Will man sie als Kunden nicht verlieren? Präferiert man daher eher unwirksame Maßnahmen? Diese Fragen gilt es künftig zu beantworten.

Für Rückfragen:

Ilona Füchtenschnieder-Petry
Vorsitzende des Fachverbandes Glücksspielsucht e.V.
Meindersstraße 1a
spielsucht@t-online.de


1) http://www.spielbanken-sachsen-anhalt.de/Globale-Seiten/Datenschutz-Impressum.html
2) http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadtreport_artikel,-Spielhallen-fallen-bei-Praxistest-durch-_arid,1494678.html
http://www.gluecksspielsucht.de/tagungdok/2015/03_Sinn_und_Unsinn_von_Sozialkonzepten_in_Spielhallen_Fiedler.pdf
http://www.gluecksspielsucht.de/tagungdok/2016/Rueger_Befragung_Hotline_FAGS_2016.pdf

  • Helmut Kafka

    Einschlägige Verbotsfanatikerinnen wie Fürchtenschnieder werden nie zufrieden zu stellen sein und immer, mit möglichst negativen Meldungen, Aufmerksamkeit zu erregen versuchen.

  • Stephan G.

    Klingt mir nach einem Kompliment Herr Kafka, dass Frau Füchtenschnieder ihren Job und viel darüber hinaus sehr gut macht, was sie hier beschreiben. Ich bin als abstinenter Glücksspieler sehr dankbar, dass es Menschen gibt, die versuchen wirksam auf die Industrie Einfluss zu nehmen, die sehr viel Elend produziert. p.s. Die Automatisierung der Einlasskontrolle ist doch auch nur ein Eingeständnis in dem Bewusstsein, dass es bis jetzt manuell nicht funktioniert und man man weiß, dass man ohne ein aktives Entgegenkommen man sein „dunkles“ Gewerbe irgendwann in die Tonne kloppen kann. Nichts davon schützt aber Menschen in unausgeglichenen Lebenslagen davor süchtig zu werden, nein schlimmer, diese Menschen sind Zielgruppe Nummer Eins dieser „Dunkelindustrie“.

  • Die Lesekompetenz lässt nach in Deutschland. Und die Fähigkeit zur Auseinandersetzung scheinbar auch. Es geht hier nicht um Verbote. Es geht um Forderungen zum Spielerschutz! Und um die Interessen derjenigen, die davon profitieren, wenn der Spielerschutz schwach oder nur scheinbar umgesetzt wird. Also: immer schön sachlich bleiben!

  • Klar, wer verdient an krankhaften Menschen, möchte keine Gewinneinbussen. Hier geht es nicht darum, das Spielen zu verbieten, sondern einen sinnvollen Schutz von kranken Menschen, wo Familie und Kinder leiden.
    Sucht ist unbestritten eine Krankheit, ich selbst habe Jahrelang mir was vorgemacht, meine Familie und Kinder leiden lassen, bevor ich den Weg aus der sucht gefunden habe. 3 teure Rückfälle im Abstand von 3 bis 5 Jahren hätten vermieden werden können, wenn ich durch Einlasskontrollen nicht mehr hätte „Spielen“ können. Kontrollverlust ist eines der wichtigen Merkmale der sucht, Ebenso gehört Lügen und Betrügen dazu.
    Gewinnmaximierung auf Kosten von Kranken Menschen??????
    Natürlich prallen hier zweit Welten aufeinander, Die liberale Gesellschaft und Schutz von kranken Menschen. Die Automatenindustrie sagt, solange die Politik keine Grenzen setzt, ist alles erlaubt, auch Gewinne von ca. 80% krankhaften Menschen in den Spielhallen.