Milliardenpoker um Casinos, Lotterien und Online-Gaming: Was bei der Lizenz-Neuvergabe auf dem Spiel steht

In Österreich spitzt sich die Debatte um die künftige Ausrichtung des Glücksspielmarkts zu: Mehrere zentrale Konzessionen laufen 2027 aus – darunter Lotto und Online-Glücksspiel sowie ein Teil der Casino-Lizenzen. Damit rückt eine Neuvergabe näher, die nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch brisant ist.

Welche Lizenzen stehen zur Entscheidung?

Nach Angaben aus Medienberichten enden die Konzessionen für Lotto inklusive der daran geknüpften Online-Glücksspiel-Konzession am 30. September 2027. Zudem laufen die Konzessionen für sechs Casinos (u. a. Wien, Linz, Salzburg, Graz, Innsbruck, Bregenz) mit 31. Dezember 2027 aus; weitere Standorte sind länger abgesichert und enden erst 2030.

Damit gerät das Finanzministerium unter Zeitdruck: Für EU-weite Ausschreibungen gelten lange Vorlaufzeiten – auch, weil Rechtsmittel unterlegener Bewerber als wahrscheinlich gelten und „Zeitreserven“ empfohlen werden.

Monopol vs. Öffnung: Der Kern des Streits

Österreich zählt beim Online-Glücksspiel zu den letzten EU-Ländern mit einem staatlich geprägten Monopol. Als einzige Plattform darf derzeit win2day (über die Österreichischen Lotterien) offiziell Online-Glücksspiele anbieten.

Ein im politischen Raum diskutierter Gesetzesentwurf sieht laut Berichten die Schaffung einer unabhängigen Glücksspielbehörde vor, die künftig über Lizenzen entscheiden soll. Gleichzeitig würde der Entwurf den Status quo im Kern fortschreiben: zwölf Casinos im Land sowie weiterhin eine einzige Online-Lizenz, gekoppelt an die Lotto-Lizenz. Genau an diesem Punkt wird es innerhalb der Dreierkoalition kontrovers: Während das Finanzministerium (SPÖ) eher auf Monopol-Stabilisierung und strengere Regeln setzt, drängen die NEOS auf eine kontrollierte Marktöffnung mit mehreren Lizenzen.

Spielerschutz: Strengere Limits und Sperren

Unabhängig von der Marktfrage soll der Spielerschutz deutlich ausgebaut werden. Genannt werden u. a. niedrigere Einsatz- und Gewinnlimits sowie strengere Verlustgrenzen. In Berichten ist etwa von einer Reduktion des Einzahlungslimits pro Spiel (von 10 auf 2 Euro) sowie einer Absenkung des maximalen Gewinns (von 10.000 auf 2.000 Euro) die Rede; außerdem werden altersabhängige Wochen-Verlustlimits diskutiert. Ein weiterer Hebel betrifft die Bekämpfung illegaler Angebote: Diskutiert werden DNS-/IP-Sperren sowie Payment-Blocking, um Zahlungen an nicht lizenzierte Anbieter zu erschweren.

Milliardenfrage: Welche Einnahmen sind möglich?

Die Reform fällt in eine Phase angespannter öffentlicher Finanzen – entsprechend zentral ist die Frage möglicher Steuereffekte. Eine von Medien zitierte Marktanalyse (Branchenradar) kommt zum Ergebnis: Würde der restriktive Entwurf umgesetzt, könnten die kumulierten Steuern aus dem Online-Gaming 2026 bis 2031 im Vergleich zum Status quo von 901 auf 600 Mio. Euro sinken. Im Szenario einer Teilöffnung werden hingegen deutlich höhere Einnahmen genannt (u. a. 1,66 Mrd. Euro bei mehreren Lizenzen).

Was als Nächstes droht: Notlösung Verlängerung?

Weil die Zeit bis 2027 knapp wird und eine neue Behörde bislang nur als politische Absicht existiert, wird laut Berichten im Finanzministerium auch über eine temporäre Verlängerung bestehender Lizenzen nachgedacht – per gesetzlicher Regelung. Das würde den bisherigen Anbietern Planungssicherheit geben, könnte aber potenzielle neue Bewerber gegen sich aufbringen.