Italien plant umfassende Reform des landbasierten Glücksspielsektors

Glücksspielreform ItalienItalien steht vor einer tiefgreifenden Neustrukturierung seiner nationalen Glücksspielgesetzgebung. Nach der Reform des Online-Glücksspiels im Jahr 2024 plant die Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni nun eine umfassende Überarbeitung des landbasierten Glücksspielsektors. Ziel ist es, ein seit Jahren als unübersichtlich geltendes Regelwerk zu vereinheitlichen und nationale Standards zu schaffen.

Der stationäre Glücksspielmarkt in Italien ist bislang stark fragmentiert. Regionen und Kommunen haben eigene Vorgaben zu Standortfragen, Abstandsbeschränkungen und Öffnungszeiten erlassen. Für Betreiber führte dies zu erheblichen rechtlichen Unsicherheiten, da ein Geschäftsmodell in einer Region zulässig sein konnte, in einer anderen jedoch nicht.

Einheitliche Regeln für ganz Italien geplant

Nach fast zweijähriger Ausarbeitung liegt nun ein Dekretentwurf vor, der landesweit einheitliche Vorgaben schaffen soll. Die Reform betrifft sämtliche Formen des stationären Glücksspiels – von Spielautomaten in Bars und Tabakläden über Spielhallen und Bingohallen bis hin zu VLT-Standorten.

Der Entwurf muss noch mehrere formale Schritte durchlaufen: Zunächst ist die Zustimmung des Ministerrats erforderlich, anschließend die Beratung in der Gemeinsamen Konferenz von Staat und Regionen sowie in den zuständigen Parlamentsausschüssen. Ein konkreter Zeitplan wurde bislang nicht veröffentlicht.

Zweistufiges Zertifizierungssystem als Kern der Reform

Zentrales Element der Neuregelung ist ein zweistufiges Zertifizierungssystem, das von der italienischen Zoll- und Monopolbehörde ADM (Agenzia delle Dogane e dei Monopoli) verwaltet werden soll. Ziel ist es, Betreiber zu höheren Standards beim Spielerschutz zu motivieren.

Um eine Zertifizierung zu erhalten, müssen Glücksspielstätten unter anderem nachweisen, dass sie wirksame Maßnahmen zum Schutz der Spieler umsetzen, präventiv gegen Spielsucht vorgehen und Minderjährigen den Zugang zuverlässig verwehren.

Zertifizierte Standorte sollen regulatorische Vorteile erhalten, während nicht zertifizierte Anbieter strengeren Vorgaben unterliegen.

Abstandsregeln und Öffnungszeiten neu geregelt

Die Reform sieht erstmals bundesweit einheitliche Abstandsregelungen vor. Für zertifizierte Spielstätten gilt ein Mindestabstand von 100 Metern zu sogenannten sensiblen Orten wie Schulen, Suchtberatungsstellen und Krankenhäusern. Nicht zertifizierte Spielstätten müssen einen Abstand von 200 Metern einhalten.

Auch die Öffnungszeiten werden differenziert geregelt. Zertifizierte Betriebe müssen täglich sechseinhalb Stunden schließen, nicht zertifizierte acht Stunden. Für zertifizierte Standorte sind unter anderem nächtliche und kurze Nachmittags­schließungen vorgesehen, während nicht zertifizierte Anbieter längere Pausen einhalten müssen.

Reduzierung von Standorten und Geräten vorgesehen

Ein weiteres Ziel der Reform ist die Reduzierung der Glücksspielpräsenz im öffentlichen Raum. Nach aktuellen Planungen soll:

  • die Zahl der Verkaufsstellen mit Spielautomaten um 10 Prozent auf rund 40.000 Standorte sinken,
  • die Zahl der Spielautomaten von 240.000 auf 200.000 reduziert werden,
  • die Zahl der VLT-Geräte von 55.000 auf 46.000 zurückgehen.

Aufbauend auf der Online-Reform von 2024

Die geplante Neuregelung knüpft an das Gesetzesdekret Nr. 41/2024 an, mit dem Italien bereits den Online-Glücksspielmarkt neu geordnet hatte. Diese Reform führte unter anderem neue Konzessionsgebühren, strengere Spielerschutzauflagen und Limits für Bargeldtransaktionen ein.

Mit der nun geplanten Reform des stationären Sektors verfolgt die Regierung das Ziel, erstmals einen kohärenten und landesweit einheitlichen Rechtsrahmen für das öffentliche Glücksspiel zu schaffen – auch wenn dabei Spannungen mit den Regionen zu erwarten sind, die bislang eigene Einnahmen und Entscheidungsspielräume verteidigten.