Britische Richter: Poker nun doch ein Glücksspiel – ISA-GUIDE.de

Britische Richter: Poker nun doch ein Glücksspiel

Der seit fast drei Jahren andauernde Rechtsstreit zwischen dem Staat und dem Londoner Gutshot Poker Club ist nun endgültig beendet. In der letzten Verhandlung wurde Poker erneut als Glücksspiel deklariert und damit braucht jeder Kartenklub nun eine staatliche Glücksspiellizenz.

Im Jahre 2004 wurde der Klub in der Clerkenwell Road von Derek Kelly eröffnet. Die Kartenklubs haben in Großbritannien eine lange Tradition und schnell gab es Tausende von Mitgliedern. Bereits im folgenden Jahr drohte jedoch schon die Schließung. Derek Kelly wurde angeklagt, Glücksspiel ohne die dafür nötige Lizenz zu betreiben. Regelmäßig wurden Turniere abgehalten, bei denen ein Rake kassiert wurde. Dies verstieß gegen den Gaming Act aus dem Jahre 1968. Doch Derek Kelley gab nicht klein bei und ging in die Offensive.

Er argumentierte, dass Poker, und speziell Turnierpoker, ein taktisches Spiel sei. Dass das Können den Anteil von Glück überwiegt, und somit der Gaming Act nicht greifen würde. Folglich wäre auch keine Lizenz nötig und der Klub könne geöffnet bleiben. Im Januar 2007 kam es dann zur ersten Verhandlung. Derek Kelly ließ sogar einen Experten aus den Vereinigten Staaten einfliegen, der dem Richter ausführlich die strategischen und taktischen Elemente darlegte. Überzeugen ließ sich der ehrenwerte Richter Simon Wilkinson jedoch nicht und sprach Derek Kelly für schuldig.

Kelly selbst kam mit einem blauen Auge davon. Da der Club solide geführt wurde und Kelly sich sehr kooperativ zeigte, erhielt er eine Geldstrafe von £10.000 (rund €13.500), ohne jedoch ins Gefängnis zu müssen. Einen bitteren Beigeschmack hatte das Urteil jedoch: „Ein Nicht-schuldig-Urteil […] hätte gewaltige Probleme für die Spieleindustrie verursachen können […]“, so Simon Wilkinson, der damit auf die damalige Situation in Großbritannien anspielte.

Das Königreich befand sich in einem Wandel. Die Regierung unter Blair lockerte viele Gesetze und versuchte, das Glücksspiel zu regulieren. Somit hätte ein Entscheid zugunsten Kellys diesen Prozess gefährden und den Staat langfristig Milliarden kosten können.

Nach dem Urteil im Januar 2007 benötigte der Gutshot Poker Club nun eine teurere Lizenz. Das Beispiel des From Dusk Till Dawn Clubs zeigt jedoch (siehe News), dass diese nicht leicht zu erhalten ist. Deshalb legte Derek Kelly Einspruch ein. Die Räder der Justiz mahlen erfahrungsgemäß auch in Großbritannien langsam und bis zur endgültigen Entscheidung verging noch ein weiteres Jahr. Das Gericht entschied nun, dass Poker ein Glücksspiel sei. Damit folgten für Derek Kelly die schlechten Nachrichten gleich im Doppelpack. Schon im vergangenen Monat wurden sein Partner Barry Martin urnd er verurteilt, mehr als £55.000 an die Firma Scottish & Newcastle zurückzahlen zu müssen. Die beiden hatten sich im März 2004 £45.000 geliehen und der Firma eine Gewinnbeteiligung versprochen, konnten jedoch diese Vereinbarung durch den andauernden Rechtsstreit nicht einhalten.

Eine Ironie des Schicksals bedeutet auch folgende Tatsache: Derek Kelly verlor die erste Verhandlung unter anderem deshalb, weil damals die neuen Gesetze zum Glücksspiel geschützt werden sollten. Mit dem Rücktritt Blairs und dem Amtsantritt von Gordon Brown (Foto) im Sommer letzten Jahres wurde jedoch die gesamte Glücksspielreform zunichte gemacht.

Ein ehrgeiziges Projekt unter diesen neuen Gesetzen war unter anderem das geplante Casino in Manchester. Die Pläne scheiterten im Parlament im Oberhaus (House of Lords), die damit den Premierminister Gordon Brown unterstützten. Die allerletzte Entscheidung wird zwar erst nächste Woche erwartet, aber schon jetzt rechnen Experten mit einer Ablehnung. Aus diesem Grund hat bereits in dieser Woche die Las Vegas Sands Corp. ihren Rückzug aus Großbritannien bekannt gegeben. „Wir haben viel Zeit mit den Leuten hier verbracht, um herauszufinden wie man im großen Stil das Glücksspiel anbieten könnte. […] Das hat nicht funktioniert. Herr Brown hat das geschickt verhindert,“ so der Geschäftsführer der Sands Corporation, William Weidner.