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Grosser Rat: Das Mini-Casino Biel steht auf dem Spiel

Wie lang rollt der Rubel noch?
Mit einer Motion sollen die Kursäle in Biel, Thun und Gstaad gerettet werden. Wird sie abgelehnt, entgeht Biel rund eine Million Franken. Was mit dem Gebäude am Bahnhof geschieht, ist noch offen.
Sibylle Dickmann

Ende nächster Woche werden die Würfel gefallen sein: Dann wird der Grosse Rat entschieden haben, ob er die Motion Oppliger (SVP Thun) annehmen will oder nicht. Damit wird auch das Schicksal des Bieler Mini-Casinos besiegelt sein: Ende März 2005 läuft nämlich die letzte Verlängerung der Erlaubnis für Glücksspielautomaten aus. Was bleibt, sind Geschicklichkeitsspiele, bei denen man Warengutscheine oder Freispiele ergattern kann. Die Motion Oppliger verlangt nun, dass auch Geldgewinne ausgeschüttet werden können – was attraktiver ist und mehr Gewinne bringt. «Damit könnte der Betrieb des Mini-Casinos weiter aufrechterhalten werden», betont der Bieler Stadtpräsident Hans Stöckli. In die Kursäle Biel, aber auch Thun und Gstaad sei erheblich investiert worden, argumentiert Hans Oppliger. Die Säle jetzt zu schliessen, sei «volkswirtschaftlich unsinnig».

Die Regierung zeigte sich von der Idee Oppligers wenig begeistert und beantragte dem Grossen Rat, die Motion abzulehnen. Warum, will Hans Stöckli nicht in den Kopf. Beim Kampf um die Casino-Lizenzen habe der Kanton für fünf Kursäle gekämpft, und jetzt wolle er die drei Kursäle nicht aufrechterhalten, die leer ausgegangen waren. Stöckli: «Ich bin sehr erstaunt über diese plötzliche Kehrtwende der Regierung.»

Diese stellte sich auf den Standpunkt, die Gemeinden hätten schon lange nach alternativen Nutzungen für ihre Kursäle suchen können. Hans Stöckli kontert: «Wir sind nicht untätig geblieben.» Das Begehren sei juristisch bis in die Details abgeklärt. Stimme der Rat zu, könne man anderntags bereits mit einer Verordnung aufwarten.
Auf politischer Ebene hatte bereits im vergangenen Sommer der Berner Freisinnige Christoph Erb mit einer Motion die Zulassung von Geschicklichkeitsautomaten verlangt. Das Anliegen scheiterte. «Das jetzige Anliegen geht viel weniger weit», hält Hans Oppliger dagegen.

Die Frage wird in den meisten Fraktionen erst heute zur Sprache kommen, Prognosen über den Ausgang der Abstimmung erfolgen ohne Gewähr. Doch Hans Oppliger ist zuversichtlich, dass sein Vorstoss vor dem Rat Gnade findet. «Inoffiziellen Gesprächen zufolge ist die SVP der Idee gegenüber positiv eingestellt.» Nun rechnet Oppliger fest auf die Unterstützung der FDP – die SP zeigt sich vorerst gespalten.

Sagt Bern Nein, kommt Biel in «erhebliche Schwierigkeiten», so Stöckli. Immerhin bringe das Mini-Casino zurzeit noch über eine Million Franken Einnahmen. «Natürlich haben wir angesichts der offenen Fragen vorsichtig budgetiert», erklärt CTS-Direktor Felix Frei. Doch die Golden Game AG hat mit der Stadt über das ganze Untergeschoss des Palace-Gebäudes einen Mietvertrag bis ins Jahr 2007 abgeschlossen. Kann die Firma keine Spielautomaten mehr betreiben, wird sie eine Kündigung wohl ins Auge fassen müssen. Zumal sie schon diesen Sommer gegenüber dem BT erklärt hatte, dass die Bar «Abricot» nicht genügend Gewinn abwerfe. «Bis jetzt hat die Golden Game AG nichts dergleichen verlauten lassen», betont CTS-Direktor Felix Frei. Aber man werde im Fall eines negativen Entscheides wohl neu verhandeln müssen.