Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 10)

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
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Auch Kirk Kerkorian, über den wir bereits früher berichtet hatten, hatte noch einiges vor. Erst das The International, dann das MGM Grand (I), und später sollte es noch viel grösser und spektakulärer werden.

Nachdem er seine Beteiligungen und Rechte des ursprünglichen MGM Grand an die Bally’s Corporation veräußert hatte, begann er ein neues Projekt. Am damals südlichsten Zipfel des Las Vegas Boulevard kaufte er in den frühen 90er-Jahren grössere Landparzellen in der Nähe des Tropicana Hotels. Er übernahm außerdem den Tropicana Golf Platz und ein kleineres Hotel das “Marina”.
1992 begannen dann die Bauarbeiten an einem Hotel-Projekt, das selbst für Las Vegas Maßstäbe als gigantisch galt. So eröffnete er kurz vor Weihnachten 1993, am 18. Dezember, das Casino and Themepark MGM Grand Hotel. Benannt wurde das Hotel nach dem Hollywoodstudio Metro-Goldwyn-Mayer, in dem Kirk Kerkorian ebenfalls Mehrheitsaktionär war.

Das MGM Grand Hotel mit seinem Markenzeichen Leo dem Löwen über dem Haupteingang. (Foto: Bobak Ha'Eri / CC BY 3.0)

Das MGM Grand Hotel mit seinem Markenzeichen Leo dem Löwen über dem Haupteingang. (Foto: Bobak Ha’Eri / CC BY 3.0)

Die Baukosten wurden auf 2,4 Milliarde USD geschätzt und wurden zum grössten Teil durch Kirk Kerkorian selbst finanziert. Bei seiner Eröffnung war es der Weltgrößte Hotelkomplex und selbst heute, über 20 Jahre nach seiner Eröffnung, liegt es noch auf dem dritten Platz. Es hat die unvorstellbare Dimension von 5.044 Hotelzimmern, eine Casinofläche von rund 16.000 qm, unzählige Restaurants, einen Food-Court, der nicht einmal in einem Shoppingcenter grösser hätte sein können und eine riesige Parkgarage für 6.000 Fahrzeuge. Dazu kam ein separater Eingang nur für Busse und Zubringer, eine Taxi-Wartebereich von mehreren hundert Metern und ein Unterhaltungskomplex der Superlative. Nicht zu vergessen der hauseigene Themenpark der Metro Goldwyn Meyer Film Studios mit Attraktionen für Kinder und Erwachsene. Zu Beginn betrug die Eintrittsgebühr für einen Tag im Themenpark gerade einmal etwas mehr als 10 Dollar, also im Grunde genommen ein Gratisspass für jeden Besucher. Im MGM Grand kümmerten sich bereits damals 7.500 Mitarbeiter um das Wohl der Gäste.

Das Casino wurde anfänglich mit 3.500 Spielautomaten und 170 Tischspielen ausgestattet, in vier verschiedenen Spielbereichen, die von unterschiedlichen Betreibern und Gesellschaften geleast wurden. Zur Freude der europäischen Besucher wurde sogar französisches Roulette angeboten. Doch dieses Spiel hatte sich nie richtig in Las Vegas durchgesetzt. Zu langsame Spielweise, zu traditionsbewusst, zu “steif” und bald wurden die Tische entfernt und durch Baccarat Tische ersetzt.
Die vier Spielbereiche innerhalb des Casinos waren unterschiedlichen Themen gewidmet. Es gab das Emerald City Casino, mit Szenen aus “The Wizard of Oz”, das Hollywood Casino, mit Bildern und Figuren von Hollywood Schauspielern, daneben das Monte Carlo Casino, wo eben French Roulette angeboten wurde, so ganz im Stil der französischen Riviera, und zuletzt gab es noch das Sports Casino, mit einem Wettbüro, Poker Room, usw.
Ein spezieller High Limit Bereich wurde für Spieler aus Übersee, die gewillt waren, Beträge zwischen 150.000 und 1 Million Dollar in einem einzigen Spiel zu riskieren, geschaffen. Denn die Statistik hat gezeigt, dass mit nur wenigen solcher High Limit Spieler erstaunlicherweise bis zu 20% des Gesamtumsatzes eines Casinos generiert werden können. Und das trotz tausenden von Spielautomaten und unzähligen Black Jack Tischen. Das Ganze hat natürlich auch einen nicht zu unterschätzenden Nachteil, welcher auch Hotels wie z.B. das Vegas Hilton manchmal in ernsthafte Probleme brachte. Ein Casino, welches High Limit Spieler anzieht, muss über eine extrem hohe Geldreserve verfügen. Es konnte sein, dass ein Casino in den ersten 20 Tagen des Monats fantastische Zahlen schrieb und genau im Business-Plan liegt. Aber dann passiert das unerwartete. Zwei oder drei risikofreudige High Rollers aus Japan treffen ein und spielen Baccarat mit Einsätzen von mehreren hunderttausend Dollar pro Hand! Wenn solche Spieler einen guten Abend erwischen und ein paar Stunden lang häufiger auf die gewinnenden Chancen setzen als auf die Verlierer, konnten sie dem Casino massive Verluste einbringen. Aus diesem Grund verzichteten viele Casinos auf High Limit Player, denn nur äußerst finanzstarke Casinos können sich Schwankungen in diesen Größenordnungen leisten. Das MGM Grand war eines dieser Spielcasinos mit nahezu unlimitierten Geldreserven.

Auch das Entertainment kam natürlich nicht zu kurz, so wurden immer wieder Superstars aus Hollywood eingeladen oder international beachtete Boxkämpfe, in der 15.000 Besucher fassenden Arena arrangiert. So fand im Grand Garden 2007 der Boxkampf mit der bislang höchsten Börse zwischen Óscar de la Hoya und Floyd Mayweather Jr. statt. Stars wie Barbara Streisand, Elton John und David Copperfield bekamen ihre Shows im MGM Grand und bescherten dem Unternehmen Riesenumsätze. Und nicht zuletzt war das MGM auch einer der Schauplätze des Filmes Ocean’s Eleven.

Der ursprüngliche Eingang in das Casino führte durch das Maul, einer Cartoon artigen Version des MGM Logos und musste später umgebaut werden, da die asiatischen Besucher die Auffassung vertraten, daß es Unglück bringe durch ein Löwenmaul zu gehen. Die Marketing Strategen des MGM kamen schnell dahinter, warum dem Casino so viele asiatische Gäste fern blieben und sorgten für einen traditionellen Umbau des Eingangsportals. Das Wahrzeichen von Metro Goldwyn Meyer, Leo der Löwe, posiert heute noch direkt über dem Eingang des Casinos und ist mit seinen 14 Metern Höhe und rund 50 Tonnen Gewicht die größte Bronzestatue der USA.

Da Fußgängern vor dem MGM das überqueren der Strasse nicht erlaubt ist, gibt es diverse Überführungen die zum Hotel führten und von wo aus der Besucher mittels Rolltreppen zum Casino im Erdgeschoss gelangen konnte.

Luftaufnahme des Stratosphere Las Vegas (Foto: Tim Jarrett / CC BY-SA 3.0)

Luftaufnahme des Stratosphere Las Vegas (Foto: Tim Jarrett / CC BY-SA 3.0)

Ganz am anderen Ende des Strip, gegenüber der Sahara Avenue, steht ein weiterer Komplex den man nur schwer übersehen kann: Stratosphere Tower. Gebaut von einem Spieler, dessen grösste Kunst es stets war sich selbst zu vermarkten, in einer eher gefährlichen Gegend die bei Analysten als unsichere Investitionslandschaft galt. Hier beschloss Robert “Bob” Stupak, mit seinem Projekt entweder Geschichte zu schreiben, oder unterzugehen.

Es war Bob Stupak’s Kindheitstraum einmal im Leben mit einem Hotel-Casino, in der Stadt des Glücksspiels und der Unterhaltung, Geschichte zu schreiben. Als Sohn eines Veranstalters von illegalen Bingo- und Würfelspielen an der Ostküste, war Bob Stupak bereits als Kind in engem Kontakt mit der Glücksspielszene und er sollte sein ganzes Leben darauf aufbauen. Er bewies der Welt, dass es möglich ist mit einer gesunden, positiven Einstellung und mit entsprechendem Mut zum Risiko, selbst in einer Stadt wo härteste Konkurrenz an der Tagesordnung ist, erfolgreich zu sein. In einer Wohngegend, die von den Einheimischen als “Naked City” bezeichnet wird, in der die Kriminalitätsrate markant höher ist als überall sonst in Las Vegas, wo die Kulturen die dort aufeinanderprallen unterschiedlicher nicht sein könnten, baute Bob Stupak einen 350 Meter hohen Turm, der in Zukunft ein Orientierungspunkt für alle Besucher der Multimillionen Metropole werden würde.

Entstanden ist Bob Stupak’s Projekt Stratosphere Tower aus einer viel kleineren Version namens Vegas World – einem Casino, welches ursprünglich nur wenige Hotelzimmer und nur ein paar Spielautomaten hatte. Die Bewilligung als Casinobetreiber bekam er erst nach unzähligen Versuchen und mittels Hilfe von zusätzlichen Investitionen.

Aber von Anfang an: Zuerst stand auf dem Platz, wo heute der Stratosphere Tower steht, ein kleines Gambling Museum das den unscheinbaren Namen „Bob Stupak’s World Famous Million-Dollar Historic Gambling Museum and Casino“ hatte und in dem man als Besucher authentische Spielautomaten, Spielchips, Fotos aus den Ursprungszeiten von Las Vegas sowie eine authentische 100.000-Dollar Banknote bewundern konnte. Leider brannte das Museum in einer tragischen Nacht nieder und nur wenige Ausstellungsstücke konnten gerettet werden. Bob Stupak selbst war Augenzeuge der Löschversuche und mußte mit Tränen in den Augen mit ansehen wie das Museum ein Opfer der Flammen wurde. Sollte sein Kindheitstraum nun jäh scheitern und dem Untergang geweiht sein? Nein! Bob Stupak war stets eine Kämpfernatur. Und so eröffnete er am 13. Juli 1979 das besagte Vegas World, ein kleines Casino mit 90 Zimmern, 1.400 qm Spielfläche und einem überdimensionierten Glücksrad im Spielbereich. Auch wenn es am Anfang nicht so gut lief, erwirtschaftete das Casino zu seinen besten Zeiten einen beachtlichen Umsatz von 100 Mio. Dollar im Jahr. Nach einigen Um- und Ausbauten musste Vegas World Stupaks größtem Projekt dem Stratosphere Tower Platz machen.

Ein Bild aus der Bauphase des Towers. (Foto: Stu Seeger / CC BY 2.0)

Ein Bild aus der Bauphase des Towers. (Foto: Stu Seeger / CC BY 2.0)

Das Konzept, “Größe zu demonstrieren”, entwickelte sich mit der Zeit ständig weiter. So war ein riesiger Turm erstmal gar nicht Bob Stupaks Grundgedanke, er wollte eigentlich nur die monumentale Stardust Werbetafel übertreffen um die Aufmerksamkeit auf sein Vegas World Casino zu ziehen. Dies gelang ihm selbstverständlich. Seine Werbetafel wurde nicht nur vier mal so groß wie die Tafel, die vor dem Stardust stand, es war auch noch die größte Leuchtreklame der Welt. Aber Stupak wollte mehr, und so kam ihm der Gedanke, eine Replik des Pariser Eifelturms zu erschaffen, nur größer. Da der zur Verfügung stehende Platz aber keine so breite Basis erlaubte, kreierte Chuck Barnard von Ad Arts Inc. den heutigen Stratosphere Tower. Einen gigantischen Turm, der höchste Turm westlich des Mississippi, mit einem sich um 360 Grad drehenden Restaurant an der Spitze und mit verschiedenen Attraktionen versehen.

Seine ursprüngliche Idee, den Turm zum höchsten Turm der Welt zu bauen, wurde jedoch seitens der Behörden verhindert. Ein weiterer Einschnitt in die Entscheidungsfreiheit Stupak’s. Einem Mann, der alles wollte, und der nach den Sternen griff, einem Self-Promoter, wie es ihn in der Welt selten gibt, wurden plötzlich Regeln vorgeschrieben? Letztendlich saß die Flugsicherheitsbehörde am längeren Hebel und um die Anflüge an den McCarran International Airport nicht zu gefährden musste die Gesamthöhe des Towers, auf die heutigen 150 Meter, reduziert werden.

Die Bautätigkeiten für das Stratosphere Tower Casino begannen 1991, die Fertigstellung benötigte 4 Jahre und zwischenzeitlich wurde das alte Vegas World Casino abgerissen und durch einen Neubau mit 1.500 Hotelzimmern ersetzt. Die lange Bauzeit im Vergleich zu anderen Casinoprojekten ähnlicher Größe ist durch die finanziellen Engpässe begründet in denen sich Bob Stupak 1993 befand. Stupak’s einzige Möglichkeit an mehr Kapital zu kommen war es, zusätzliche Anteile zu verkaufen und eine Partnerschaft einzugehen. Zusammen mit der Hilfe seines Freundes Lyle Berman, einem Pokerspieler und Casinobetreiber aus Minneapolis wurde das Stratosphere Hotel and Casino schließlich restfinanziert und fertiggestellt. Mit der Beteiligung von Grand Casinos, einer Casino-Gesellschaft mit mehreren Beteiligungen in Mississippi, Minnesota und Louisiana, konnte Bob Stupak seine eigenen finanziellen Beteiligungen etwas zurückschrauben, war aber auch nicht mehr alleiniger Manager dieses Projektes.

1995, kurz vor Fertigstellung seines Traums erlitt Bob Stupak einen tragischen Unfall mit seinem Motorrad, als er zusammen mit seinem Sohn mit hoher Geschwindigkeit in einen korrekt fahrenden Subaru prallte und meterhoch durch die Luft geschleudert wurde. 2 Monate lang im Koma liegend, überlebte er auch diesen Schicksalsschlag, und konnte die Fertigstellung des Stratosphere Towers mit eigenen Augen verfolgen.

Der Stratosphere Tower bei Nacht. Gut zu sehen das Fahrgeschäft Big-Shot an der Spitze. (Foto: Popey900 / CC-BY-SA 4.0)

Der Stratosphere Tower bei Nacht. Gut zu sehen das Fahrgeschäft Big-Shot an der Spitze. (Foto: Popey900 / CC-BY-SA 4.0)

Heute ist Stratosphere Tower nach wie vor ein sensationeller Ort, um die Landschaft von Las Vegas aus der Vogelperspektive zu betrachten. Die Aussichtsplattform erreicht man über einen der vier High-Speed Lifte in gerade mal 30 Sekunden. Das Restaurant dreht sich im Laufe einer Stunde einmal komplett um seine Achse und bietet den Gästen einen hervorragenden Überblick über die Stadt und die Wüste, die sie umgibt. Und für die ganz mutigen und vor allem schwindelfreien Besucher des Stratosphere Towers, gibt es rundherum diverse Fahrgeschäfte. Unter anderem mit einem Big-Shot, welcher die Besucher in Höchstgeschwindigkeit nach oben katapultiert und dann wieder nach unten fallen lässt, das höchste Fahrgeschäft der Welt.

Kritiker oder Geschichtsschreiber haben immer die Tatsachen erwähnt, dass die Menschen Dinge bauen lassen, die für die Zukunft einen Meilenstein darstellen sollen. Wie beispielsweise in Rom das Kolosseum, oder in New York das Empire State Building, oder vielleicht auch in Paris der Eifel Turm. So gesehen kann man sagen, dass der Stratosphere Tower zum Wahrzeichen von Las Vegas geworden ist. Im Landeanflug kann man ihn als erstes erblicken und wer oben auf der Aussichtsplattform steht oder im Restaurant sitzt, wird den Ausblick auf Las Vegas nicht mehr vergessen können. Auch wenn Stratosphere Tower Hotel and Casino ständig von finanziellen Schwierigkeiten geplagt werden, so ist es doch ein Casino welches man sich heute nicht mehr wegdenken mag.

Nach einer ungefähr zwei Jahre andauernden Unterbrechung der Bautätigkeiten, eröffneten neue Casinos am Strip, wie beispielsweise das Monte Carlo Casino, New York New York, und andere. Darüber werden Sie beim nächsten Mal mehr erfahren.

Hier finden Sie eine Übersicht aller bisher erschienen Teile unseres Las Vegas Rückblicks.

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