Der Streit zwischen der USA und Antigua Den Finger in die Wunde gelegt – Letzter Teil

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
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(rs) Poker online stellt ein unglaubliches Potential für die Zukunft dar. Einerseits tragen die Medien selbst ihren maßgeblichen Beitrag dazu bei, auf der anderen Seite scheint Poker eine Art Wiedergeburt zu erleben. Zwischen 1970 bis 1990 fand ein Wandel vom Hinterzimmer-Poker zum offiziell zugelassenen Spiel in den Casinos statt und nun spielen die Kartenfreunde sogar schon von zuhause aus gegen Spieler aus aller Welt.

Zu Spitzenzeiten befinden sich insgesamt über 150.000 bis 200.000 Spieler gleichzeitig auf den Servern und der Trend scheint eher noch zuzunehmen. Die größten Sites – also Partypoker, Pokerstars und Paradisepoker – verzeichnen alleine Besucherzahlen in der Größenordnung zwischen 25.000 und 75.000 Spielern an 2.000 bis 8.000 Tischen, die zeitgleich laufen. Über die Bedeutung derartiger Zahlen besteht wohl kein Zweifel. Dennoch bedeutete die Einführung von Casino-Poker nicht das Ende der privaten Runden, ebenso wenig wie Online-Poker die Casino-Poker-Runden ablöst.
Im Gegenteil – Poker gewinnt weltweit an immer größerer Bedeutung. Casinos, die längst ihre Pokertische verkauft oder im Lager verräumt hatten, öffnen wieder ihre Poker-Rooms. In Las Vegas haben MGM Grand, Bally’s, Flamingo, Imperial Palace, Golden Nugget und andere Casinos wieder Poker Rooms eröffnet oder die bestehenden Poker Rooms massiv ausgebaut. Maßgeblichen Beitrag dazu leistet auch das Fernsehen. Fast täglich kann man im Fernsehen die besten Pokerspieler live gegeneinander spielen sehen. ESPN ist hierbei ganz groß im Geschäft, aber auch in Europa nimmt Poker im Fernsehen langsam Einzug. Auf Eurosport finden regelmäßig Übertragungen der wichtigsten Pokertourniere statt! Ist Online Poker dafür verantwortlich? Vielleicht ja, vielleicht aber auch nicht. Tatsache ist jedoch, dass die letzten beiden offiziellen Poker-Weltmeister, die im Binion’s Horseshoe Casino in Las Vegas beim 10.000 Dollar Buy-In No-Limit Texas Hold’em World Championship Event gewonnen haben, beide professionelle Online Pokerspieler sind, die das Startgeld für die Teilnahme in Las Vegas in einem Online Tournier gewonnen haben.

Moneymaker WSOP Las VegasInternet Poker ist trotzdem nicht dasselbe wie Live Poker. Beide Varianten haben ihre Charakteristika, beide ergänzen sich dennoch prima miteinander. Während beim Online Poker die Möglichkeit besteht, jederzeit verschiedene Tische gleichzeitig zu spielen und man Multi-Table Turniere mit bis zu 2.000 oder gar 4.000 Spielern spielen kann, so fehlt hier natürlich die soziale Komponente. Dafür, und das ist ein Vorteil, muss man nicht ständig den Zigarettenrauch seines Nachbarn einatmen und kann sich von zuhause aus bequem sein eigenes Umfeld und Ambiente schaffen. Obwohl von der Regierungsseite der fast hoffnungslose Versuch unternommen wurde, die Finanzströme zu und von den Sites zurück zu den Bankkonten der Spieler einzudämmen, was ein paar Wolken am Poker-Himmel hat aufziehen lassen, so wird Internet Poker dennoch weiterexistieren, und es wird die Basis der zukünftigen Pokerspieler-Generationen darstellen.

Der Streit zwischen der USA und Antigua

Erinnern wir uns zurück: Im Jahre 2003 hat der kleine Karibik-Staat Antigua vor der Welthandelsorganisation (WTO) Klage eingereicht. Es ging in erster Linie darum, dass es US-amerikanischen Bürgern untersagt sei, auf den hauptsächlich in Antigua niedergelassenen Onlinecasinos zu spielen. Grundsätzlich konnte und kann das Spielen selbst nicht durch bloße Verbote eingedämmt werden, aber die Finanzströme konnten unterbunden werden, indem die USA den Banken verboten hat, beispielsweise Kreditkarten-Transaktionen oder Direct-Bank-Wire-Operationen mit offensichtlichen Onlinecasinos auszuführen. Aus diesem Grunde hat ja damals PayPal diesen Service einstellen müssen. Denn PayPal benützt als Partner die nicht unbedeutende Citibank N.A., New York.

Grundlage für die durch die USA verhängten Einschränkungen sei das im Jahre 1961 erlassene Wire Communications Act, welches das Wetten über Telefon usw. verboten hat. Dadurch sollten Sportwetten und ähnliches reguliert werden. Und genau dieselbe Wire Communications Act von 1961 sei heute noch anwendbar für Wetten und Spiele über das Internet.

Nun klagte Antigua, dass die USA gegen geltendes internationales Recht verstoßen hat und es nicht rechtmäßig sei, einem ausländischen Anbieter zu verbieten, mit gewissen Kunden Geschäfte zu machen.
Vor der WTO sind die USA mit ihrer Berufung jedoch erneut gescheitert und können ihren Bürgern nicht verbieten, auf ausländischen Servern zu spielen. Allerdings dürfen diesen Anbietern gewisse Restriktionen auferlegt werden, so der Entscheid der WTO. Und dies werten beide Streitparteien als gewisse Annäherung und jede sieht so einen Teilerfolg.

Phil Helmuth jun. Las Vegas WSOPInteressant ist außerdem, dass Antigua nebst dem, dass es ein paradiesähnlicher Urlaubsort ist, rund 10% seines Bruttoinlandproduktes mit Online-Spielcasinos erwirtschaftet. Da rund die Hälfte sämtlicher Einnahmen aus diesem Topf von Amerikanern stammen, ist es von essentieller Bedeutung, dass die USA nicht vom Markt ausgeschlossen werden.

In der Folge hat bereits die britische Atlantik-Insel Isle of Man, wo ebenfalls diverse Onlinecasino-Server platziert sind, ihre Restriktionen aufgehoben und lässt Spieler aus den USA zu. Dies aus dem einfachen Grund, dass befürchtet wird, die Anbieter würden ihre Server abziehen und alle in Antigua aufstellen.

Mit großer Sicherheit wird dieses nicht erstaunliche Ergebnis aus dem Streit zwischen den USA und Antigua zu einem weiteren Boom in der Online-Casinobranche führen. Und es sollte allen anderen Parteien zeigen, in welche Richtung der Ball rollt. Das Geschäft mit dem Online-Spiel ist zukunftsorientiert und wird nicht mehr wegzudenken sein. Wenn also Länder, versuchen, dies zu verbieten, dann muss man sich nicht wundern, wenn die Gelder künftig in andere Kassen fließen werden. Online Gambling wird sich nicht mehr stoppen lassen. Deswegen sollte endlich eine einheitliche Gesetzgebung da sein die es ermöglicht legal spielen zu können.

Ein Start in die neue Zukunft wurde bereits in Deutschland realisiert:

Zu Beginn mit den Pioniere aus Hamburg und dem zur Zeit einzigstem legalen Online Casino in Hessen, dass Online Casino in Wiesbaden. Vielleicht schliessen sich die deutschen Bundesländer endlich zusammen und bieten den ausländischen Online Casinos paroli.

Denn ganz genau so, wie es Jason Ader von Bear Stearns bereits 1999 treffend bezeichnet hat:

„Sex und Glücksspiele bringen das Geld im Internet.“

Sicher ist: Die Menschen spielen, so oder so. Mit oder ohne Verbote. Wenn man mit der Zeit gehen will, sollte man versuchen, mit dem Strom zu schwimmen und nicht dagegen, denn sonst wird dasselbe passieren wie mit den Casinos, die wir an den Landesgrenzen platziert haben und die nun von der Konkurrenz aus dem Ausland total überrollt worden sind.

Lesen sie auch die anderen Teile unserer Serie: „Den Finger in die Wunde gelegt“
Den Finger in die Wunde gelegt – Teil 1
Die ersten legalen Online Casinos in Deutschland

Rückblick – Den Finger in die Wunde gelegt – Teil 2

Ein gigantischer Markt mit Millionen-Umsätzen entstand – das Online Gaming

Den Finger in die Wunde gelegt – Teil 3

Die gesetzlichen Regelungen und legalen Aspekte

Den Finger in die Wunde gelegt – Teil 4