Ein gigantischer Markt mit Millionen-Umsätzen entstand – das Online Gaming
Den Finger in die Wunde gelegt – Teil 3

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
E-Mail: info@isa-guide.de


(rs) Es ist immer wieder nach zu lesen, dass genau im Zusammenhang mit Onlinecasinos oder Wetten über das Internet der Zusammenhang zur Spielsucht verstärkt wird. Sicherlich stimmt es, dass jede Form von Spiel ein gewisses Suchtpotential beinhaltet, insbesondere dann, wenn die Spielabfolge sehr hoch ist, also eine hohe Anzahl Spiele pro Stunde stattfinden. Dies gilt grundsätzlich für jegliche Form von Glücksspiel und dabei ist eben Online Gaming keine besondere Ausnahme. Es wird insbesondere kritisiert, dass es heute möglich ist, problemlos und per Mausklick Haus und Hof zu verlieren. Doch ganz so einfach ist es eben nicht, wenn man etwas genauer hinschaut. Es wird auf die „fehlende soziale Kontrolle“ hingewiesen.
Gleichzeitig weis man, dass in den Spielbanken aktiv versucht wird, etwas gegen das Problem der Spielsucht zu unternehmen. Broschüren und Beratungen werden angeboten, Hotlines zu den Spielsucht Beratern geschaltet, Croupiers werden ausgebildet, die frühzeitige Symptome der Spielsucht bei den Spielern feststellen können. Diese Angebote, Spielsucht und frühzeitige Erkennung für ihre Gäste, werden von den Unternehmern der Spielbanken sehr ernst genommen.

Tatsache ist aber, auch das Automatenspiel in einer Spielbank kann ein gewisses Suchtpotential bergen und woher die Millionengewinne kommen, die die Spielautomaten erwirtschaften, wird gar nicht groß erwähnt. Man nimmt das Geld mit Freude an. Aber nicht nur bei den Automaten oder anderen Spielangeboten. Ist beispielsweise beim Lottospiel bisher auch nur irgendjemand auf die Idee gekommen, dass durch die Onlineabgabe des Lottoscheins sich das Suchtpotential verschärfen könnte? Werde ich daran gehindert, von einer Lottoannahmestelle zur Nächsten zu gehen, um „mein Spiel zu machen“? Doch wohl eher nicht.

Wird das Thema Spielsucht nicht etwas einseitige dargestellt? Ist das nicht etwas viel an Scheinheiligkeit, was hier vermittelt wird? Sind den nur die Casinogänger und Automatenspieler die Süchtigen? Zurzeit werden auch die Sportwettentipper in die der Gruppe der Süchtigen mit einbezogen. Hand aufs Herz, gibt es keine süchtigen Lottospieler, keine süchtigen Pferdewetter, keine süchtigen Backgammon Spieler, Fußballfans die ein Vermögen für Karten ausgeben? Die Palette könnte man unendlich fortführen. Geht man der Sache etwas näher auf den Grund und schaut sich die Statistiken an, ist man urplötzlich überrascht. Man liest zwar fast täglich über kriminelle Machenschaften süchtigen Spieler und doch weist die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2002 und 2003 eine Zahl aus die weit unter den der Straftaten gegenüber allen liegt.

ISA-CASINOS berichtete am 13.10.2004 darüber:

Im Jahr 2003 wurden in Deutschland insgesamt 6.572.135 Straftaten polizeilich erfasst. Damit ist bundesweit ein Anstieg um 0,9 Prozent zu verzeichnen. (S. 47).

In der Straftatengruppe Glücksspiel (§§ 284, 285, 287 StGB) wurden im Jahr 2003 1.249 Fälle erfasst. Der Anteil dieser erfassten Straftaten an allen erfassten Straftaten beträgt 0,0190045 , also aufgerundet 0,02 .

Im Jahr 2002 wurden in der Straftatengruppe Glücksspiel 1.322 Fälle erfasst. Dies bedeutet einen Rückgang der erfassten Straftaten um 73 Fälle, das entspricht einem Rückgang um 5,5 %. (S. 64).
Quelle: Die Kriminalität in der Bundesrepublik Deutschland – Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2003.

Jedes Schicksal, ob es über tragische und schicksalhafte Fälle von Spielern geht, ist ohne „Wenn und Aber“ nicht weg zu diskutieren oder zu vergessen. Sie wird es, solange es um das „Spielen“ geht immer geben. Genauso wie beim Alkohol oder den Drogen.

Wer sich im Casino ruinieren möchte, der kann dies tun, mit oder ohne der ausliegenden Broschüren oder Eintrittskontrolle, soviel steht wohl fest. Und wer sein ganzes Erspartes online verspielen will, dem sind auch keine Hürden vorgeschoben. Er findet im Internet an jedem Ort und zu jeder Zeit einen Anbieter, bei dem er sein Geld verspielen kann und niemand kann ihn wirklich daran hindern.

Doch was ist, wenn er – früher oder später – feststellt, dass er einem zwielichtigen Casinoanbieter aufgesessen ist? Wenn er sich Gewinne auszahlen lassen möchte und darauf hingewiesen wird, dass er sich mit seiner Spielteilnahme dem Recht von Panama (oder sonst irgendeinem Staat, welcher Spielbanklizenzen vergibt) unterworfen hat oder ihm aufgrund der „Teilnahmebedingungen“ die Pflicht auferlegt wurde, selbst zu prüfen, ob er „nach seiner Gerichtsbarkeit“ oder „seiner Rechtsordnung“ berechtigt ist, am Spiel teilzunehmen.

Ich denke, hier muss mit gesundem Menschenverstand geurteilt werden, um zu sehen, dass Online Gambling gar nicht so sehr vom Spielen in Casinos unterschieden werden kann.

Was ist falsch an der Überlegung: was für das wirkliche Leben maßgeblich ist, kann für das Internet nicht falsch sein?

Übertragen auf das Glückspiel bedeutet dies: Wenn als Daseinsberechtigung für die vielen Spielbanken von Politikern und Betreibern (siehe oben) immer wieder deren ordnungspolitischer Kanalisierungsauftrag hervorgehoben wird, von Gerichten und Verbänden betont wird, dass niemand sich übermäßig „am nicht zu unterdrückenden Spieltrieb des Menschen bereichern soll“, dass dem Gast ein faires manipulationsfreies Glücksspiel in angenehmer Atmosphäre geboten werden soll, dann frage ich mich:

Bin ich als Internetnutzer ein Bürger zweiter Klasse? Müsste mein Spieltrieb nicht auch kanalisiert werden? Bin ich nicht schützenswert? Warum lässt „mein Spielbankbetreiber“ es zu, dass ich von „dubiosen, nur sich selbst verpflichteten Geschäftsleuten“ ausgenommen werde, anstatt mir ein gleichwertiges, seriöses Angebot anzubieten, so wie ich es seit Jahren in „meiner Spielbank“ gewohnt bin?

Ehrlicherweise ist einzuräumen, dass nicht immer die Spielbankunternehmen diejenigen sind, die das Onlinespiel verhindern: Es gibt eine Vielzahl von (Länder)Spielbankgesetzen, die diese Möglichkeit des Spiels ihren konzessionierten Spielbanken nicht einräumen – so ist es zum Beispiel in Bayern, Hamburg, Baden Württemberg nach derzeitiger Rechtslage wohl nicht möglich. Andererseits hat das Land Niedersachsen schon im Jahre 2001(*) – Sachsen-Anhalt und Hessen etwas später – rechtliche Hindernisse aus dem Weg geräumt. Warum reagieren dann die dortigen Spielbankunternehmen nicht und bieten ihren Gästen auch online ein zuverlässiges Angebot?

Und während man sich in der Spielbank Hamburg Gedanken gemacht hatte, die Menuführung auf der Website auf Englisch zu ändern, um internationale Kundschaft anzulocken, wurde dem Ganzen ein Riegel rangeschoben. Anstatt expandieren und vielleicht noch andere Casino-Spiele übers Internet anbieten zu können, wurde es der Spielbank Hamburg verboten, ihr Online-Roulette zu betreiben! Bis auf weiteres kann man nur noch im fun-modus ohne Geldeinsatz spielen. Wann entsprechende Gesetzesänderungen in Kraft treten und diesen Markt liberalisieren, ist offen.

Zeitgleich und scheinbar ohne irgendwelche Grenzen nach oben fließen die Millionen von Dollar über speziell ausgerichtete Finanzdienstleistungs-Server in die Karibik, wo sich rund 80 Prozent aller Onlinecasinos befinden. Auch Spieler aus Deutschland spielen täglich auf den Servern von Cryptologic, dem Prima-Netzwerk, Wagerlogic, Microgaming, Boss Media, Oddson, RTG, OddsOn und viele anderen. Die meisten dieser Netzwerke betreiben mehrere, bis zu Hunderten von Onlinecasinos, teilweise als Lizenzvergabe an Dritte oder organisiert in großen Gruppen, um eine größere Anzahl Spieler zu konzentrieren.

Wer glaubt, dass sich hier eine nicht ernst zu nehmende Industrie aufgebaut hat, der irrt sich gewaltig.

In klimatisierten Großraumbüros arbeiten die Techniker im 24-Stunden-Betrieb und sorgen für einen reibungslosen Ablauf des Geschehens. Sowohl Sicherheit wie auch Seriosität ist für die Onlinecasinos das oberste Gebot. Anliegen der Kundschaft müssen prompt und zuverlässig erledigt werden, denn sonst leidet das Image eines Onlinecasinos.
Schließlich haben letztes Jahr alleine rund 2.000 neue Onlinecasinos den Betrieb aufgenommen. Je höher die Konkurrenz, desto besser für den Konsumenten, denn er hat die Wahl und kann sich das Casino aussuchen, bei dem er den besten Service bekommt und von dem er weiß, dass er sich darauf verlassen kann, dass alles funktioniert. Wer online spielt, will die Garantie haben, dass sein Geld ausgezahlt wird und dass der Zufallsgenerator tadellos funktioniert (nicht nur im Fun-Modus, sondern auch und gerade dann, wenn um echtes, reales Geld gespielt wird). Und genau dasselbe wollen die Betreiber auch. Für ein Onlinecasino ist der Ruf sehr wichtig. So verlangen die meisten Sites – genau wie im obigen Beispiel der Spielbank Hamburg – einen Altersnachweis des Spielers. Ohne die Dokumente des Spielers (Kopie des Passes) erhalten zu haben, ist eine Auszahlung in den meisten Fällen nicht möglich. Ein Onlinecasino kann es sich auch nicht (mehr) leisten, Geschäfte auf Basis von Unseriosität zu machen. Klar muss man dazu sagen, dass es trotzdem eine Liste schwarzer Schafe gibt. Wer immer sie auch bewertet hat.

Das allerschwierigste für ein Onlinecasino in diesem riesigen Markt ist die Werbung, weil sie eben in vielen Ländern verboten ist.

So setzen die Onlinecasinos in erster Linie auf Mund-zu-Mund-Propaganda oder auf diese so genannten „Affiliate-Programme“. Darunter versteht man ein Marketing-Programm, welches anderen Anwendern mit einer eigenen Website ermöglicht, am Erfolg des Casinos indirekt teilzunehmen. Indem auf der Partner-Website Werbebanner platziert werden und via Suchmaschinen oder sonstiger Hilfen neue Kunden angesprochen werden, führt ein Mausklick auf dem Werbebanner zu einer Verknüpfung zum Onlinecasino. Hat der User sich entschieden, auf dem Onlinecasino seiner Wahl zu spielen und ist sein Spielkonto aktiviert, erhält der Affiliate Partner schließlich einen Prozentsatz des Umsatzes vergütet. Dennoch bleibt bei vielen Spielern aus Deutschland bei einer Spielteilnahme das ungute Gefühl, ob auf den „Überseerechnern“ wirklich alles mit rechten Dingen zugeht. Ob die Siegel und Zertifikate auf den Websites wirklich echt sind und ob man ihnen „sein Geld anvertrauen“ kann.

Gezielt nutzen sie die Online Casinos, jede Chance, um in die Presse zu kommen. Dazu ist ihnen fast jedes Mittel recht. Bei Internet Auktionen werden skurrile Dinge ersteigert, wie ein angebissener Hamburger den ein Musikstar liegengelassen hat, oder einen Fußball aus einem internationalen Match. Jede Möglichkeit um in die Schlagzeilen zu kommen, wird gnadenlos von den Online Casinos vermarktet. Sie nutzen jede Art der Marketingmaßnahmen die ihnen offen stehen.

Als jüngstes Beispiel:

Für stolze 188.938 Euro ist der VW Golf von Papst Benedikt XVI. unter den Hammer gekommen. Das Online-Casino Golden Palace in den USA kann nun ein echtes „Papamobil“ sein Eigen nennen, Der Sinn dieses Projekt zu kaufen ist klar erkennbar.

Hierzu auch noch ein Zitat aus der Online-Ausgabe von „Die Welt“: Die Spielergemeinde im Internet ist riesig. Experten schätzen, dass es bis zu drei Millionen Spieler auf der Welt gibt, zwischen 200.000 und 300.000 davon in Europa. Allerdings machen die Betreiber die größten Geschäfte mit Spielern aus Japan, China und den USA. Die Betreiber virtueller Spielcasinos sitzen oft auf kleinen Karibikinseln wie Antigua. Deutsche Spieler spielen genau genommen illegal, denn nur der Staat darf Lizenzen für das Glücksspiel erteilen. Eine Strafverfolgung ausländischer Betreiber ist aber nicht möglich und Spieler aus Deutschland brauchen realistisch ebenfalls keine Strafverfolgung zu befürchten.

Viel wichtiger ist die Frage nach der Seriosität der Anbieter. In einem Interview, das Constantin Gillies mit Reinhold Schmitt vom Informationsdienst ISA-CASINOS führte, schätzte er etwa die Hälfte der Anbieter im Netz als dubios ein. Achten sollte man darauf, dass Gewinne sofort ausgezahlt werden, empfiehlt Schmitt. Manche Anbieter haben eine Klausel, nach der die Regeln jederzeit ohne Zustimmung des Spielers geändert werden können – ebenfalls ein Hinweis auf einen unseriösen Anbieter. Mittlerweile bieten viele Casinos eine Hotline mit deutschsprachigen Mitarbeitern, was dabei helfen kann, Fragen vorher abzuklären. Allerdings bleibt neben dem Verlustrisiko ein Problem. Wer sich von ausländischen Anbietern betrogen fühlt, hat kaum rechtliche Möglichkeiten dagegen vorzugehen. © Die Welt

Ein interessanter Aspekt ist auch, dass inzwischen die meisten operierenden Onlinecasinos so genannte Selbst-Überwachungsorgane oder externe Stellen engagiert haben, die die Seriosität dieser Sites kontrollieren.
So gibt es beispielsweise das „Interactive Gaming Council“, welches 1999 in Canada gegründet wurde. Die Mitglieder dieses Gaming Council verpflichten sich zu einem Code of Conduct (Verhaltens-Codex), welches dem Spieler unter anderem folgendes garantiert: Das Unternehmen (Casino)

– besitzt eine gültige Lizenz
– lässt die Hard- und Software freiwillig überwachen
– behandelt Kundendaten vertraulich
– ermöglicht dem Kunden Einblick in die Transaktionsdaten (cash-history, etc)
– verhindert den Zugriff für Minderjährige, bzw. erschwert ihn für Spielsüchtige

Daneben gibt es andere Kontrollorgane, wie z.B. die „Online Players Association“, eine Vereinigung von Spielern, die die Möglichkeit haben, Casinos zu vergleichen und zu beurteilen. Die „Internet Gaming Comission“ bietet eine Liste von lizenzierten Casinos an, über welche lückenlose Informationen vorliegen. Ebenfalls werden auch die „schwarzen Schafe“ aufgelistet, also Casinos, bei denen es jemals Probleme mit Auszahlungen und dergleichen gegeben hat. Dadurch soll versucht werden, dass unlizenzierte Casinos vom Markt verschwinden, dass der End-User vor nicht kreditwürdigen Unternehmen gewarnt wird und sich für seriöse Anbieter entscheidet. Auf diese Art und Weise findet eine Art automatische Selbstregulierung des Marktes statt.
Daneben existiert eine „Gambling Comission“, welche ebenfalls 1999 gegründet wurde. Deren Ziel und Aufgabe ist es, durch Information an den User der Onlinecasinos das Geschehen zu regulieren und dafür zu sorgen, dass der Spieler ein sicheres Umfeld erwarten kann. Auch hier wird nach ähnlichen Kriterien gearbeitet und untersucht (Überwachung des Zufallsgenerators der Casinos, Qualität der Software, Zuverlässigkeit bei Auszahlungen, prompte Reaktion bei Kundenanfragen, Transparenz der eigenen Spielerkonten, Kontakt zu Casino-Verantwortlichen usw.).

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* Zumindest in Niedersachsen ist entsprechenden Presseverlautbarungen zu entnehmen, dass ein Internetspiel „noch in 2005“ auf den Markt kommen soll!
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Lesen sie im Teil 4: Die gesetzlichen Regelungen und legalen Aspekte

Lesen sie auch die anderen Teile unserer Serie „Den Finger in die Wunde gelegt“:
Den Finger in die Wunde gelegt – Teil 1
Die ersten legalen Online Casinos in Deutschland

Rückblick – Den Finger in die Wunde gelegt – Teil 2