Die ersten legalen Online Casinos in Deutschland Rückblick – Den Finger in die Wunde gelegt – Teil 2

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
E-Mail: info@isa-guide.de


100 er DM Jeton<br>der Spielbank Hamburg(rs) Als erstes Beispiel für eine deutsche Spielbank, die einen Internet-Auftritt riskiert hat, um neue Wege zu beschreiten, wäre die Spielbank in Hamburg zu nennen.

Die Spielbank Hamburg kann man getrost als Pionier der Zukunft des deutschen Onlinegamings nennen. Sie investierte Gelder und neue Arbeitsplätze, um dieses Projekt auf die Beine zu stellen.

Wie schwer es diesem ersten Onlinecasino Deutschlands schon beim Start gemacht wurde, zeigt die viele Kritik bereits bei Eröffnung des Projektes, welches doch ein Meilenstein in der Geschichte Deutschlands für Internet-Casinos war.

Aus einem Bericht der ISA-CASINOS vom 23.09.2002:

„Ist es nicht schade, dass nun, da endlich kontrolliertes und legales Onlinecasino auf dem weltweiten Internetmarkt in Sicht ist, sofort überlegt wird, wie man diesem vermeintlichen Übel zu Leibe rücken könnte? Sofort werden den Casinos Knüppel zwischen die Beine geworfen. Durch solche unbedachten Aktionen wird aber nur erreicht, dass illegale Internetcasinos ungestört weiterhin ihr Unwesen treiben können. Deutsche Spielbanken sollten sich zum Wohl der Spieler seriös im Internet mit ihren Onlinecasinos platzieren können. Die Spieler könnten dann endlich ohne Angst, abgezockt zu werden, spielen!
Sicherlich ist Spielsucht ein wichtiges Thema. Niemand bestreitet das heutzutage. Doch Spielsüchtigen kann leichter geholfen werden, wenn sie nicht durch die weiten Maschen eines illegalen Casinonetzes schlüpfen können. Eine Legalisierung des Marktes für deutsche Casinos mit den entsprechenden Kontrollorganen könnte das Netz um suchtgefährdete Spieler enger ziehen, sie beim Spielen gegebenenfalls professionell begleiten, sie nötigenfalls vom Spiel ausschließen und sie so vor dem Ruin retten.

Deutsche Spielbanken, siehe „Casinos Holland“ im online Bereich, sollten sich weiter verstärkt um eine Zulassung der Casinos für das Internet bemühen. Dieser lukrative Markt sollte auch für deutsche Anbieter geöffnet werden. Vielleicht erkennen die Unternehmen dann die wachsende Bedeutung des Internets für alle Bereiche der Bevölkerung. Warum sollten inländische Casinos dieses fruchtbare Feld nicht auch beackern dürfen?
Dabei stellt sich die Frage, ob es anstelle eines Verbots nicht klüger und weitsichtiger ist, den Spielern ein staatlich kontrolliertes System anzubieten. Jeder, der Interesse an gutem Glückspiel hat, begrüßt schon aus eigenem Schutz den offiziell überwachten Spielablauf. Doch auch die seriösen Spieler greifen notgedrungen auf ominöse, illegale Anbieter zurück, da deutsche Casinos im Internet entweder nicht erwünscht sind oder von diesen einfach keine Spiele angeboten werden.“

Der Ablauf des Onlinespiels war für jeden Besucher, der das Online-Roulette in Hamburg besuchte, klar erkennbar:

Hier wurden Spezialkameras auf einen Roulette-Kessel gerichtet und das Geschehen konnte von jedem möglichen Ort auf der Welt vom Computer aus, per Internet, beobachtet werden. Ein Croupier war zuständig, um die Kugel einzuwerfen, jedoch hatte diese Person mit den Auszahlungen nichts zu tun Ebenfalls sah er auch nicht, wer von wo und wie viel eigentlich einsetzte, wenn er alle 60 Sekunden die Kugel neu in den großen Roulette-Kessel aus Mahagoni einwerfen musste. Eigentlich war alles „wie im richtigen Spiel“: Das Spielergebnis ergab sich aufgrund des Kugelfalls in einem richtigen Kessel und war nicht von einer „undurchsichtigen Software (Zufallsgenerator)“ abhängig – alles spielte sich öffentlich, nämlich in den Räumen der Hamburger Spielbank unter den Augen der dortigen Gäste ab. Nur die „Abrechnung“ erfolgte online. Dies war das erste „legale“, in Deutschland konzessionierte, Onlinecasino. Zum damaligen Zeitpunkt eigentlich ein gut gemeinter Ansatz für einen Einstieg in ein Onlineangebot einer Spielbank. Doch der Betreiber hatte derart strenge Auflagen zu erfüllen, dass er heute nicht mehr in Betrieb ist. Von der offizieller Seite des Betreibers auf der Website der Spielbank Hamburg heißt es wie folgt:

Liebe Besucher unseres Online Roulettes,

aus gesetzlichen Gründen dürfen wir bis auf weiteres unser Internet-Roulette nicht mehr im Echtgeld-Betrieb anbieten…

(ISA-CASINOS-Leser kennen die wahren Hintergründe: ein Hamburger Gericht hat das Online-Spiel wegen einer fehlenden Grundlage im Hamburger Spielbankgesetz untersagt.)

Es stellt sich die Frage, warum der Gesetzgeber (in diesem Fall die Hamburger Bürgerschaft) diesem Mangel nicht abhilft und sein Spielbankgesetz ausdrücklich für diese Spielform öffnet. Andere Parlamente sind hier durchaus moderner ausgerichtet und haben den Zug der Zeit erkannt (siehe weiter unten).

Abschließend möchten wir ausdrücklich darauf hinweisen, dass ausschließlich der Beschluss des Hamburger Verfassungsgerichtes vom Oktober 2003 zur
Einstellung des Projektes geführt hat. Das Online Roulette der Spielbank Hamburg hat sich während des kompletten Spielbetriebes, trotz eines regional sehr begrenzten Teilnehmerkreises, reger Resonanz und einer außergewöhnlich hohen Kundenzufriedenheit erfreut. Die Nutzer des Online Casinos haben die erhöhte Zugangsschwelle und eine nur 12-stündige Verfügbarkeit vor allem deshalb akzeptiert, um am seriösen, transparenten und legalen Spiel eines Betreibers teilzunehmen, der sich auch seiner sozialen Verantwortung immer gestellt hat.

Doch blicken wir zurück auf die Auflagen, die die Spielbank Hamburg erfüllen musste:

1. Für die Autorisierung als Online Spieler war immer die Übersendung einer Kopie des Personalausweises vorgeschreiben. Auch Spieler mit einem Erstwohnsitz außerhalb Hamburgs wurden frei geschaltet und konnten immer dann teilnehmen, wenn sie sich nachweislich in Hamburg aufhielten. Nur für Spieler, die einen Erstwohnsitz außerhalb Hamburgs haben, galt folgendes:
Der Aufenthalt in Hamburg wurde regelmäßig bei der Anmeldung über Rückruf auf eine, vom Nutzer angegebene, Hamburger Festnetznummer überprüft (völlig unabhängig davon, ob die Person „aus dem Umland von Hamburg stammte“ oder aus Bayern). Weitere „Kontrollanrufe“ fanden nicht statt.

2. Die „Öffnungszeiten“ dieses Internet-Roulette waren an die Öffnungszeit der Spielbank selbst gebunden. Nach 3 Uhr morgens hieß es auch für das Internet-Roulette: Rien ne vas plus!

Siegfried Hampel, Technischer Leiter <br>der Spielbank HamburgSelbst diese beiden Auflagen, obwohl Punkt 1 noch einleuchtend und sinnvoll war, sind letztendlich schon der Grund dafür gewesen, dass das Projekt zum Scheitern verurteilt war! Für den einzelnen Spieler ist es nur schwer nachvollziehbar, weshalb die Online-Spieler aus Hamburg stammen mussten (dass dies mit Rechtsetzungskompetenzen der Länder, unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen und mit der Abgabenertragshoheit zu tun hat, interessiert einen Spielgast nicht wirklich), so war es total sinnlos und keine große Überraschung, dass das Online-Roulette unter diesen Bedingungen dem Tode geweiht war. Für jeden, der sich mit dem Medium Internet auseinandersetzt und diese Technik mehr oder weniger wie selbstverständlich nutzt, ist doch eines völlig klar:
  • Internetangebote müssen leicht, einfach und sofort zugänglich sein (so wie man sich heutzutage beispielsweise bei einem Online-Versandhaus registrieren und sofort zum Einkauf freischalten lassen kann)
  • Der Zugang muss jederzeit, das heißt rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, gewährleistet werden (das Internet kennt keine Öffnungszeiten – obwohl das Hamburger Konzept mit der Live-Übertragung zwangsläufig nur innerhalb des realen Spielbetriebs übertragen werden konnte),
  • Bei technischen Störungen (Systemabbruch, Verbindungsstörung) muss sichergestellt sein, dass das Spiel genau dort fortgeführt wird, an dem es unterbrochen wurde (es darf nicht der Eindruck entstehen, ein Absturz wurde kurz vor dem Fall „meiner Zahl“ vom Spielanbieter programmgesteuert provoziert, also manipuliert). Im dem Hamburger Online Casinos war hier bereits vorgesorgt. Bei technischen Störungen beim Anwender war jederzeit gewährleistet, dass das Spiel nach erneutem Verbindungsaufbau fortgesetzt werden konnte. Selbstverständlich wurden angenommene Einsätze auch bei Verbindungsstörungen seitens des Nutzers ausnahmslos korrekt abgerechnet.
Ganz anders läuft es ab bei den anderen rund 2.000 frisch gegründeten Onlinecasinos, die im vergangenen Jahr in diesem Markt hinzugekommen sind.

Entwickelt hat sich in den vergangenen Jahren eine Milliarden-Dollar-Branche und der Trend ist durchaus nicht zu unterschätzen. Einige Onlinecasinos boten eine gewisse Zeit lang das Roulettespiel mit der „Doppelzero“ an und versuchten auf diese Weise, den Bankvorteil für sich zu erhöhen. Dies mag beispielsweise für Amerikaner hinnehmbar sein – für europäische Spielbankbesucher gilt eine solche rechnerische Gewinnchancendezimierung jedoch als nicht tolerierbar. Schnell haben sich die Anbieter dieser Besonderheit der von ihnen auserwählten Zielgruppe angepasst und ihr Produkt geändert: die Doppelzero ist fast vollständig vom Markt verschwunden.

Französischer Roulette Kessel„Sex und Glücksspiel sind die einzig tragfähigen Geschäftsmodelle im Internet.“ Diese Aussage stammt von Jason Ader, einem Analyst der New Yorker Investmentbank Bear Stearns. Seine Firma hat den Glücksspielmarkt von Anfang an genau beobachtet und dabei die interessante, aber nicht überraschende Feststellung gemacht, dass selbst heute noch rund 60% der Spieler im Internet Amerikaner sind. An zweiter Stelle kommen bereits die Westeuropäer, wovon die Engländer und Deutschen die bedeutendsten Kundenpotentiale stellen, mit oder ohne Verbote durch den Gesetzgeber.

Hier beißt sich die Katze doch in den eigenen Schwanz.

Zwar wird das Online-Glücksspiel vom deutschen Gesetzgeber für illegal erklärt und verschrieen, doch der Trend geht bei den Spielern ganz eindeutig in diese Richtung und lässt sich auch mit Verboten nicht stoppen. Anstatt also wertlose Verbote zu erteilen, sollte genau das Gegenteil passieren: Dem „illegalen“ Angebot sollte endlich ein legales Glücksspielangebot entgegengestellt werden, eines, welches dem Spieler reelle, transparente Spielchancen bietet, ihm die Gewinnauszahlung garantiert, welches selbst der Aufsicht und Kontrolle durch unabhängige, staatliche Stellen untersteht und welches die Einhaltung bestimmter Standards an Übertragungs- und Serversicherheit gewährleistet.

Dieser Standard ist bei dem zweiten Onlinecasino, das in Hessen veranstaltet wird, selbstverständlich.

Die Spielbank Wiesbaden ging im letzten Jahr mit ihrem Online-Angebot an den Start. Die dazugehörige Gesetzesgrundlage wurde geschaffen und das Spiel ins Leben gerufen. Allerdings erneut mit der regionalen Auflage, dass neben Bewohnern von Hessen Besucher aus dem restlichen Bundesgebiet nur dann spielen dürfen, wenn sie sich in Hessen aufhalten. Dieses wir über die telefonische Standortfeststellung geklärt. Wieder sind die Beschränkungen deutlich erkennbar, aber immerhin ist dies ein Ansatzpunkt, den ausländischen Onlinecasinos Paroli zu bieten. Wenn dieses auch nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist.

Die Bilanz, die 2004 von der Spielbank Wiesbaden veröffentlicht wurde, zeigt, dass man auf dem richtigen Wege ist. ISA-CASINOSberichtete.

So haben sich bereits nach einem halben Jahr knapp 5.000 Teilnehmer beim Online-Spiel registriert. Etwa die Hälfte von ihnen wurde zum aktiven Spiel autorisiert. Pro Tag nutzen mehr als 200 Gäste das Real Game im Internet. Diese Zahl entspricht etwa der Besucherzahl einer mittelgroßen konventionellen Präsenzspielbank in Deutschland.

Klaus Gülker, Geschäftsführer der Spielbank Wiesbaden:

„Offenbar gelingt es der Spielbank Wiesbaden, den öffentlichen Auftrag zur Kanalisierung des Glücksspiels, wie er beim Start des Internet-Angebotes von Innenminister Volker Bouffier definiert wurde, auch in der Online-Welt umzusetzen. Wenn wir hier gegen die zahlreiche und äußerst attraktive Konkurrenz aus dem Ausland noch erfolgreicher sein wollen, müssen wir mit dem Gesetzgeber die Attraktivität unseres Angebotes noch erheblich erhöhen. Die Nutzer honorieren es, aus der illegalen Ecke der Teilnahme bei ausländischen Anbietern herauszukommen.“

Auch mit Blick auf die Besucherstruktur präsentiert sich das Online-Spiel als komplementäres Angebot. Es ist an solche Nutzer adressiert, die bisher illegale und/oder unsichere Angebote wahrnehmen mussten. Diese Zielgruppe findet nun eine legale Spielplattform. Das konventionelle Spiel bleibt in der Besucherfrequenz davon unberührt.

Lesen sie im Teil 3: Ein gigantischer Markt mit Millionen-Umsätzen entstand – das Online Gaming

Lesen sie auch die anderen Teile unserer Serie „Den Finger in die Wunde gelegt“:
Den Finger in die Wunde gelegt – Teil 1