
Diese ISA-GUIDE-Serie erzählt diese Entwicklung – nicht als Unternehmenschronik, sondern als Branchenstory. Sie zeigt, wie aus ersten Schritten ein strategischer Kurs wurde, wie aus einzelnen Standorten ein Netzwerk entstand und wie ein mittelständisch geprägtes Familienunternehmen sich in einer hoch regulierten Welt behauptet. Der Fokus liegt dabei auf den Spielbanken – und auf der Frage, was es bedeutet, wenn ein neuer Player in einen traditionsreichen Markt eintritt.
Der Anfang: Sachsen-Anhalt als Testfeld

Foto: Merkur Group
Die Geschichte beginnt nicht in Nordrhein-Westfalen, sondern in Sachsen-Anhalt. Mit dem Gewinn der Spielbankenkonzession für dieses Bundesland setzte die Merkur Group den Grundstein für ihr heutiges Spielbankgeschäft. Der Startpunkt war die Eröffnung der Spielbank in Leuna-Günthersdorf – ein Standort, der bewusst anders konzipiert war als viele klassische Häuser. Moderne Architektur, eine klare Gästeorientierung, Veranstaltungen, Gastronomie und ein starker Fokus auf Service sollten von Anfang an zeigen: Hier geht es nicht um das bloße Fortführen bestehender Modelle, sondern um einen eigenen Ansatz.
Leuna war dabei mehr als nur ein einzelnes Casino. Der Standort diente als Labor für Prozesse, Technik und Organisation. Mit weiteren Häusern in Magdeburg und Halle wuchs die Präsenz in Sachsen-Anhalt zu einem kleinen, aber stabilen Netzwerk. Für Merkur bedeutete das vor allem eines: praktische Erfahrung. In einem staatlich regulierten Umfeld, mit Konzessionsauflagen, Spielerschutzanforderungen und behördlicher Aufsicht, konnte das Unternehmen lernen, wie sich ein modernes Spielbankkonzept im Alltag bewährt.
Rückblickend war dieser Schritt entscheidend. Er verschaffte der Gruppe Glaubwürdigkeit – gegenüber Politik, Behörden und auch gegenüber der Branche selbst. Was später in größerem Maßstab folgen sollte, hatte hier seinen Ursprung.
Beteiligungen, Seegang und erste internationale Schritte
Auf die ersten eigenen Spielbanken folgten weitere Bausteine. Merkur beteiligte sich an bestehenden Häusern in Berlin und Rheinland-Pfalz und erweiterte sein Engagement über klassische Standorte hinaus – etwa auf Kreuzfahrtschiffen. Diese Phase war geprägt von vorsichtigem Wachstum, von Partnerschaften und davon, unterschiedliche Konzepte kennenzulernen.
Gerade die Präsenz auf See – fernab klassischer Landesgrenzen, aber unter strengen internationalen Regularien – zeigte, dass Merkur bereit war, neue Wege zu gehen. Auch hier ging es weniger um kurzfristige Erträge als um Know-how, um operative Erfahrung und um das Verständnis dafür, wie Gäste in unterschiedlichen Umgebungen auf Casinoangebote reagieren.
Parallel dazu reifte im Hintergrund ein größerer Schritt heran. Der Spielbankmarkt in Deutschland befand sich in Bewegung, in mehreren Bundesländern gab es unterschiedlich weit fortgeschrittene Bestrebungen, die landeseigenen Spielbanken zu privatisieren. Für Merkur war das die Gelegenheit, aus der Rolle des Newcomers herauszutreten.
Der Durchbruch: Nordrhein-Westfalen als Leuchtturm

Mit der Übernahme der ehemaligen WestSpiel-Häuser in Nordrhein-Westfalen wurde aus dem ambitionierten Projekt ein sichtbarer Player. Die Standorte in Aachen, Duisburg, Hohensyburg und Bad Oeynhausen gehörten zu den bekanntesten Spielbanken des Landes – traditionsreich, aber vielerorts auch in die Jahre gekommen. Für Merkur war Nordrhein-Westfalen nicht nur ein weiteres Bundesland, sondern ein Prüfstein.
Die Übernahme war politisch und gesellschaftlich umstritten. Gewerkschaften, Institutionen und Teile der Öffentlichkeit äußerten Skepsis gegenüber der Privatisierung eines staatlich geführten Angebots. In dieser Situation setzte Merkur, durch die Übernahme aller Mitarbeiter, ein frühes und deutliches Zeichen das Vertrauen schaffen sollte.
Parallel dazu begann eine Investitionsoffensive. Gebäude wurden modernisiert, Technik erneuert, Designs überarbeitet. Besonders sichtbar wurde dieser Wandel in Monheim, wo in kürzester Zeit ein Neubau entstand, der als Leuchtturm für den neuen Spielbankstil gilt. Auch denkmalgeschützte Häuser wie die Hohensyburg wurden behutsam, aber konsequent an die neue Markenwelt angepasst.
NRW wurde damit zur Blaupause. Hier zeigte sich, wie Merkur Spielbanken denkt: als Erlebnisorte, die über das reine Spiel hinausgehen, als Treffpunkte mit Gastronomie, Events und einem klaren Servicegedanken.
Der Blick über die Grenzen: Großbritannien
Während in Deutschland die Integration der NRW-Häuser lief, ging Merkur einen weiteren Schritt: die Expansion nach Großbritannien. Mit der Eröffnung des ersten Merkur Casinos in Aberdeen begann 2023 der Aufbau einer eigenen Casino-Marke im Vereinigten Königreich. Zwei Jahre später folgte der zweite Standort in Milton Keynes – ein deutliches Signal, dass es sich nicht um ein Einzelprojekt, sondern um eine langfristige Strategie handelt.
Der britische Markt unterscheidet sich grundlegend vom deutschen. Andere Regulierungen, andere Gästestrukturen, eine andere Wettbewerbssituation. Für Merkur bedeutete der Eintritt in diesen Markt vor allem eines: die Bereitschaft, sich auf neue Rahmenbedingungen einzulassen und das eigene Modell weiterzuentwickeln. Die UK-Casinos sind dabei keine Kopien deutscher Häuser, sondern eigenständige Konzepte, angepasst an lokale Erwartungen.
In der Gesamtschau unterstreicht die Expansion nach Großbritannien, dass Merkur sein Spielbankgeschäft nicht als rein nationales Projekt versteht. Die Gruppe positioniert sich als international orientierter Betreiber, der bereit ist, auch außerhalb der gewohnten Komfortzone zu investieren.
Der nächste Meilenstein: Niedersachsen
Mit der Übernahme der zehn Spielbanken in Niedersachsen im Jahr 2025 erreichte die Merkur Group einen weiteren Höhepunkt ihrer Entwicklung. Die Standorte von Bad Bentheim bis Wolfsburg, von Norderney bis Göttingen bilden eines der größten zusammenhängenden Spielbanknetze in Deutschland. Für Merkur bedeutete dieser Schritt nicht nur Wachstum, sondern auch eine neue Dimension an Verantwortung.
Wieder wurde der Weg über die vollständige Übernahme der Belegschaften gewählt. Rund 430 Beschäftigte wechselten in die neue Struktur. Für die Häuser bedeutete das Kontinuität – für Merkur die Aufgabe, gewachsene Teams in ein neues organisatorisches Umfeld zu integrieren. Die Tarifverhandlungen, die Anfang 2026 begannen, zeigen, wie eng wirtschaftliche Realität und soziale Verantwortung in diesem Geschäft miteinander verknüpft sind.
Niedersachsen steht damit exemplarisch für die neue Phase der Merkur-Spielbanken: nicht mehr der Aufbau einzelner Standorte, sondern das Management großer, regional verteilter Netzwerke.
Ein roter Faden: Verlässlichkeit und Entwicklung

Rückblickend zieht sich ein Motiv durch alle Stationen dieser Geschichte: Verlässlichkeit und Entwicklung. Von Leuna bis Milton Keynes, von Sachsen-Anhalt bis Niedersachsen hat Merkur immer wieder betont, dass Investitionen nur dann nachhaltig sind, wenn sie von stabilen Strukturen und motivierten Mitarbeitern getragen werden.
Die vollständige Übernahme der Belegschaften bei Betreiberwechseln, die sichtbaren Investitionen in Gebäude und Technik, der Versuch, Spielbanken als moderne Erlebnisorte zu positionieren – all das folgt einer klaren Linie. Es geht nicht darum, kurzfristige Effekte zu erzielen, sondern darum, ein Geschäftsfeld langfristig zu etablieren.
Ausblick auf die Serie
Teil 1 dieser ISA-GUIDE-Serie hat den Rahmen gesetzt: von den ersten Schritten in Sachsen-Anhalt über den Durchbruch in NRW bis zur internationalen Expansion und der jüngsten Übernahme in Niedersachsen. In den folgenden Teilen wird der Blick enger – auf die Häuser selbst, auf die Menschen, die dort arbeiten, auf die Führung vor Ort und schließlich auf die strategische Perspektive.
Denn hinter all diesen Entwicklungen steht eine zentrale Frage: Was bedeutet es, wenn ein neuer Player ein traditionsreiches System betritt? Die Antwort darauf findet sich nicht nur in Zahlen und Standorten, sondern vor allem im Alltag der Spielbanken.
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