Interview in Las Vegas bei der WSOP 2007, mit Jan von Halle

Jan-Christoph von Halle – „50outs“ – ist in der deutschen und internationalen Poker- Szene bestens bekannt. Meist hielt sich Jan allerdings eher bedeckt im Hintergrund und überließ seiner Katja Thater das Rampenlicht. Gegenüber [key:IC] meinte er als wir uns in Las Vegas im Whynn trafen: „Es liegt mir nicht so im Rampenlicht zu stehen. Ich bin lieber im Hintergrund und mache von dort aus mein Spiel. Aber vielleicht sollte auch ich etwas umdenken und mich mehr der Öffentlichkeit stellen, so wie jetzt bei dir, Reinhold. Also fangen wir an – lege mal richtig los und ja – ich werde auch zu der Gerüchteküche zwecks unserer Heirat dir Auskunft geben.“

[key:IC], Chefredakteur, Reinhold Schmitt: Jan, du warst dieses Jahr bei der WSOP sehr erfolgreich. Leider langte es nicht zum Titel. Katja dagegen schaffte den Sieg. Was ging da in Dir vor?

Jan von HalleJan von Halle: Ja das stimmt, ich hatte eine gute Series. Insgesamt bin ich viermal ins Preisgeld gekommen: 26. Platz im USD 5000 No Limit (640 Teilnehmer), 18. Platz im USD 5000 Pot Limit (398 Teilnehmer), 9. Platz also Finaltisch im USD 1000 No Limit Holdem mit Rebuys (814 Teilnehmer) und eine Platzierung unter ferner liefen im USD 1500 Pot Limit Holdem. Damit kann ich sehr zufrieden sein.

Ich habe mir viel Zeit genommen, Katja bei ihrem Finaltisch der Ladies wo sie letztlich 5. aus fast 1.400 Damen wurde und beim Razz Event, dass sie ja so spektakulär gewinnen konnte, zuzuschauen. Als sie 5. bei den Ladies wurde war ich enttäuscht, da wäre mehr drin gewesen für Katja, aber die Kombination aus nachlassender Konzentration und unglücklichen Situationen hat einfach nicht mehr zugelassen an diesem Tag. Bei Katjas Sieg im Razz war ich total aus dem Häuschen, ich habe mich bestimmt doppelt so sehr gefreut wie sie sich selber. Das ist nicht besonders, zuschauen ist für den Partner immer um ein vielfaches aufregender als für den Spieler. Ich kann mich an viele Situationen bei großen Cashgames und Turnieren erinnern, wo Katja mir zugeschaut hat und viel Geld auf dem Spiel stand. Auch bei mir hält der Panzer, den man um sich und seine Emotionen aufbaut, immer noch um einiges an nach dem Spiel.

Wenn Du fragst ob ich im dem Moment eifersüchtig oder neidisch war kann ich ganz ehrlich antworten: überhaupt nicht. Ich gönne Katja den Erfolg 100%.

[key:IC], Schmitt: Du bist ja nun kein unbekannter Pokerspieler und in der Szene bestens bekannt. Schmerzt es etwas nun mit einer Weltmeisterin zusammen zu leben?

von Halle: Überhaupt nicht, im Gegenteil, ein Teil des Ruhmes strahlt ja auf mich ab, so werde ich jetzt schon von [key:IC] zum Interview gebeten (lacht). Im Ernst: ich habe keinen persönlichen Vorteil von Aufmerksamkeit oder Publicity, ich bin ja kein gesponserter Spieler und werde auch nicht als Aushängeschild oder Werbefigur benutzt. Bei Katja als Mitglied vom „Team PokerStars“ ist das natürlich etwas anderes. Und ich kann nur wiederholen, es gibt zwischen uns keinen Neid und nicht einmal Wettbewerb, davon haben wir um uns herum schon genug. Noch nie wurden die Gewinnsummen, die Zahl der Winning- oder Losingsessions oder sonst etwas zwischen uns verglichen. Es gibt sogar Abende, wo wir diskutieren, wer von uns beiden den nun zum Cashgame losfahren muss

Jetzt z.B. wo ich diese Fragen beantworte liegt Katjas Bracelet hier auf dem Schreibtisch, Katja ist am Pool. Ich sehe das Bracelet an und kann ganz offen sagen: ich habe keinerlei Bedürfnis selbst so eins zu erringen. Das Preisgeld, ja. Die Anerkennung durch die Pokerwelt, ok. Aber das Bracelet? Nein. Vorgestern saß ich im USD 10.000 WPT Bellagio Cup und der Spieler neben mir hatte sein Bracelet und eine andere Siegesmünze auf dem Tisch vor seinen Chips liegen und ich fand das einfach nur peinlich und auch etwas lächerlich.

[key:IC], Schmitt: Böse Zungen behaupten der „Meister“ wurde nun von seiner „Schülerin“ übertroffen. Ist da etwas dran?

von Halle: Ja, das ist so. Nicht erst seit dem Bracelet. Katja erzielt mit ihrer geduldigen, engagierten und aggressiven Spielweise kontinuierlich bessere Ergebnisse als ich. Ich bin bisher meistens für die großen Gewinne und Verluste zuständig gewesen. Ich spiele halt einfach nur mein „A-game“ wenn es um viel Geld geht, alles darunter langweilt mich ehrlich gesagt und ich spiele nicht konzentriert genug was entweder zu schicken Gewinnen mit verzweifelten Gegnern oder aber zu hohen Verlusten führt.

Meiner Meinung nach fehlt es Katja noch etwas am „gamble“ um unberechenbarer für ihre Gegner zu werden und manchmal schafft sie es nicht rechtzeitig genug, aus einem hohen Gang wieder runterzuschalten und es langsamer angehen zu lassen. Aber Raum für Verbesserungen ist immer da und sogar der sonst so großmäulige Phil Hellmuth sagt dass er noch fast jeden Tag etwas dazulernt.

[key:IC], Schmitt: Welche Pokerdiziplinen liegen Dir am besten?

von Halle: Kommt drauf an was Du mit Disziplin meinst. Geht es um die Varianten, spiele ich am besten Stud, dann Holdem, dann Omaha was an der geringen praktischen Erfahrung im Omaha liegt. High-Low Games liegen mir insgesamt nicht so, machen aber viel Spass.

Meinst Du die Setzvarianten bevorzuge ich ganz klar Pot Limit, egal in welchem Spiel. Danach Limit und dann erst No Limit Holdem.
Geht es die spielerischen Qualitäten dann bin ich gut in Geduld, Aggressivität, „changing gears“ und „big laydowns“. Nicht so gut steht es mit meiner Qualität, andere Spieler auf eine Hand festzulegen, vermutlich weil ich selber in jeder Situation jede Hand haben könnte (lacht).

[key:IC], Schmitt: Was sagst Du zur Organisation von Harrah’s der WSOP 2007 gegenüber dem letzten Jahr?

von Halle: Nun, gegenüber dem letzten Jahr mag man Verbesserungen im Detail erkennen aber das große Ganze bleibt einfach grottenschlecht. Man fühlt sich gemolken. Der Umgang mit den Medien und den Zuschauern ist katastrophal. Harrah’s sieht das als reine Gelddruckmaschine und hat keinerlei Ambitionen, den Spielern und Pokerbegeisterten irgendeine Art von „Event“ anzubieten. Harrah’s hebt hervor, dass jetzt endlich genügend Toiletten zur Verfügung stehen würden. Das sagt meiner Ansicht alles über deren Sichtweise. Ich bin enttäuscht und entrüstet, ziehe aber natürlich keinesfalls einen Boykott in Betracht und entspreche damit vermutlich genau Harrah‘s Erwartungen – zahlen, bisschen aufregen aber doch wiederkommen.

[key:IC], Schmitt: Hast Du damit gerechnet das dieses Jahr nur 6661 Spieler am Mainevent teilnehmen? Gibt es dafür Gründe?

von Halle: Mein Erwartung waren 5.000 Teilnehmer. Grund dafür ganz klar die erschwerten Bedingungen für die Online-Pokerräume, Qualifier anzubieten. Bei PokerStars z.B. hat man das Geld für seinen Seat direkt auf sein Konto gutgeschrieben bekommen – man kann sich denken, wie viele Spieler dann letztendlich doch den weiten Weg gescheut haben und das Geld anders verwendet oder es „auf dem Weg“ noch irgendwie verspielt haben.

Beleg dafür ist auch die ruhige, konzentrierte Spielatmosphäre an den ersten Spieltagen der WSOP dieses Jahr. Ähnelte das ganze in den vergangen zwei Jahren eher einem Zirkus weil so viele Leute auf einem „Freeroll“ waren hat man dieses Jahr gemerkt, dass fast alle Spieler sich der Tatsache, $ 10.000 bezahlt zu haben, sehr deutlich bewusst waren.

Letztendlicher Grund ist damit natürlich dieser unsägliche UIGEA. Wie frei die „freien Bürger“ des ach so freien Landes USA tatsächlich noch sind und welchen Schaden die gegenwärtige Bush-Administration ihrem Land und der Welt zugefügt haben ist eine andere Diskussion aber der Teilnehmerzahl im Main Event der World Series Of Poker 2007 hat es jedenfalls mal nicht gut getan.

[key:IC], Schmitt: Bist Du mit Deinen Platzierungen in der diesjährigen WSOP zufrieden oder hätte es mehr sein können?

von Halle: Ich bin nicht zufrieden. Die Summe meiner Gewinne übersteigt die Summe meiner Buyins und Spesen nur unwesentlich. Das ist worauf es letztendlich ankommt. Das Plus, das ich mit nach Hause nehme ist für den immensen Zeitaufwand, immerhin bin ich fast 7 sieben Wochen hier in Las Vegas, absolut unangemessen. Klar, ich habe eine Menge Spaß hier aber wenn ich die in Turnierpoker investierten Stunden, das finanzielle Risiko und mein Ergebnis ins Verhältnis setze ist das das Ganze nicht zufriedenstellend. Gottseidank habe ich in insgesamt nur 6 Stunden Cashgame in einer verrückten 300/600 7-Stud Partie soviel gewonnen, dass der Trip unterm Strich dann doch recht positiv ausfällt, dass ist aber etwas ganz anderes.

[key:IC], Schmitt: Unter uns privat gefragt: bist Du eifersüchtig auf Deine Katja wenn andere Pokerspieler mit ihr flirten?

von Halle: Nein. Wäre ich ein eifersüchtiger Mensch wäre es nicht möglich, mit Katja zusammen in der Pokerwelt über die Runden zu kommen. Katja hat eine sehr verbindliche, herzliche Art und ist oft alleine unter Männern, rechne dann noch diese Herzenbrecher wie Patrick Bruel oder Matt Damon dazu, ich würde ja vor lauter Eifersucht zu gar nichts mehr kommen. Im Januar z.B. ist sie alleine zur PCA auf die Bahamas geflogen und hat teilweise die Nächte mit 2-3 fremden Männern in Hotelzimmern beim Chinese Poker verbracht. Mir gehen da Fragen nach Sicherheit im Kopf herum, nicht nach Affären.

[key:IC], Schmitt: Man munkelt, dass eine Heirat zwischen euch beiden bevorsteht – ist da etwas dran?

von Halle: Ja, wenn dieses Interview veröffentlicht wird sind wir bereits verheiratet, außer es kommt uns ein Finaltisch dazwischen.

[key:IC], Schmitt: Was rätst du Newcomern die zum ersten Mal an der WSOP teilnehmen?

von Halle: Einem Newcomer rate ich zunächst mal, gar nicht erst an der WSOP teilzunehmen. Die verschiedenen Anbieter haben einen tollen Job gemacht, jedermann glauben zu lassen es sei möglich als Neueinsteiger hier abzusahnen. Die Chancen darauf sind aber verschwindend klein und das Niveau der Teilnehmer ist im Schnitt sehr hoch.

Ich empfehle, zunächst mal kräftig zu üben und Erfahrungen, auch in Livepoker, zu sammeln. Sorel Mizri, Onlinepoker-Legende und auch im Livepoker erfolgreich, hat gerade in einem Interview gesagt, dass man Online- und Livepoker überhaupt nicht miteinander vergleichen kann; das seien zwei komplett unterschiedliche Spiele die nur die Regeln gemeinsam haben. Ich kann dem nur zustimmen.

In diesem Zusammenhang sei mir noch etwas Werbung in eigener Sache gestattet: PokerStars baut gerade, zunächst speziell für den deutschen Markt, ein eigenes Lehrangebot auf unter www.intellipoker.de. Hier wird dem Neueinsteiger die Möglichkeit geboten, kostenfrei Poker zu erlernen, zu diskutieren und sein Spiel deutlich zu verbessern.

[key:IC], Schmitt: Jan, danke für das Gespräch.

von Halle: Bitte, gern geschehen.

Nachtrag der [key:IC] anlässlich der Hochzeit von Katja und Jan.

Alles Gute vom gesamten ISA-Team und die besten Glückwünsche. Wer weis vielleicht werden neue Weltmeister noch geboren und im Pokerrampenlicht stehen. Lasst es euch gut gehen und bleibt wir Ihr seit. Kritisch, selbstbewusst und erfolgreich.

World Series of Poker 2007