Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 3)

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
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Die Entstehung von Las Vegas Boulevard, auch “The Strip” genannt, ist ebenfalls eine interessante Sache. Um 1940 war Las Vegas noch eine Kleinstadt mit weniger als 16.000 Einwohnern. Die Casinos waren verteilt in Downtown, dem alten Stadtkern von Vegas. Aber die Stadt erlebte einen regelrechten Boom. Innerhalb von nur 2 Jahren verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf 32.000.

Ganzseitige Anzeige, in der Las Vegas Sun, zur Eröffnung des Flamingo im Dezember 1946. (Bild: Richard R. Stadelman / CC BY-SA 3.0)

Ganzseitige Anzeige, in der Las Vegas Sun, zur Eröffnung des Flamingo im Dezember 1946. (Bild: Richard R. Stadelman / CC BY-SA 3.0)

Um zu den Casinos und Gambling Halls in Downtown Las Vegas zu kommen, musste man die ganze Strasse, die heute als Interstate 15 bekannt ist, entlangfahren. Natürlich gab es damals nur eine Strasse, die letzten Endes zum “Strip” werden sollte. Die Autobahn wurde erst viel später gebaut.

Einer Legende zufolge war Thomas Hull im Sommer 1939 unterwegs in seinem Auto von Los Angeles nach Las Vegas. Wegen einer Reifenpanne an seinem Fahrzeug stand er stundenlang in der glühend heissen Sonne kurz vor Las Vegas und wartete auf den Mechaniker, der ihm seinen Reifen auswechseln sollte. Während er also im Auto wartete und wartete, kam ihm die sensationelle Eingebung! So viele Autos, die ständig auf dem Weg in Richtung Downtown, Las Vegas an ihm vorbeifuhren. Warum denn nicht genau hier ein Hotel-Casino bauen??? Warum sollten ausgerechnet alle Spieler nach Old Las Vegas fahren? Hier gab es genug Platz für Hunderte von Casinos – und der Zeitpunkt war mehr als perfekt!

Diese legendäre Reifenpanne war der Meilenstein unzähliger Hotelprojekte am Las Vegas Boulevard und so eröffnete bereits 1941 das El Rancho Hotel als erstes Casino am frisch entstandenen Boulevard. The Last Frontier Hotel öffnete nur wenig später, am 30. Oktober 1942. Ähnlich wie der Meadows Supper Club, so wurde auch das El Rancho Opfer eines tragischen Feuers. Es wurde zwar wiederaufgebaut, aber nicht mehr in seiner ursprünglichen Form.

Benjamin Siegel, auch bekannt unter dem Namen “Bugsie” Siegel, eröffnete 1946 das Flamingo, circa 12 Kilometer südlich von Downtown Las Vegas. Auch hierzu gibt es einiges wissenswerte: zu Beginn der Casino-Aktivitäten – mit Einführung der Assembly Bill 1931 – gab es noch keine gesetzlichen Grundlagen für Wetten auf sportliche Ereignisse wie Pferde- oder Hunderennen über Telegraphen-Leitungen. Dieses Geschäft begann erst 10 Jahre später zu boomen und war in festen Händen der an der Ostküste beheimateten Trans America Wire Corporation. Nur wer Zugriff auf diese Dienstleistung hatte, konnte in das überregionale Wettgeschäft einsteigen. Trans America Wire wurde durch Al Capone kontrolliert – und Benjamin Siegel war der Vertreter dieser Gesellschaft an der Westküste in Los Angeles. Zusammen mit seinem Freund Moe Sedway kam Ben Siegel 1941 nach Las Vegas, um dort den Markt zu erschliessen und die Telegrafen-Dienstleistungen zu promoten. Trans America Wire Corporation hatte hierbei das alleinige Monopol und somit Ben Siegel und seine Freunde die alleinige Kontrolle über das telegraphenbasierte Wettgeschäft in Las Vegas.

Zunächst musste Benjamin Siegel aber Kontakte knüpfen und sich mit den örtlichen Gepflogenheiten rund um das organisierte Glücksspiel vertraut machen. So kaufte er sich eine Beteiligung am El Cortez Hotel und Casino, den er später mit massivem Gewinn wieder veräußern konnte. Einige Zeit später begann er mit der Planung für ein elegantes Luxus Hotel am Südrand des Las Vegas Boulevard. Während die meisten Casinos in Las Vegas im Wild West Stil gebaut waren, mit wenig Luxus, fehlendem Swimmingpool usw., sollte sein Projekt, das Flamingo Hotel & Casino, sämtliche bisher existenten Casinos übertreffen. Im Januar 1945 begannen die Bauarbeiten für das Grossprojekt. Das Hotel bekam seinen Namen nach dem Hollywood Starlet Virginia “Flamingo” Hill, welche gleichzeitig Ben Siegels Geliebte war. Die Fertigstellung verschlang Unsummen Geld. Meyer Lansky und der Rest vom Chicago Mob mussten mehr Geld in das Projekt stecken, als anfänglich geplant war, und darüber hinaus soll Benjamin Siegel Anteile vom Flamingo veräussert haben, die den eigentlichen Wert des Hotels um das mehrfache überstiegen. Am Ende sollen 300% des Aktienwertes im Umlauf gewesen sein. Die Kosten bis zur Fertigstellung, des mit 1 Millionen Dollar projektierten Casinos, betrugen am Ende circa 6 Millionen Dollar.

Eingangsbereich des Flamingo Hotel & Casino 1947. (Bild: Kstadelman / CC BY-SA 3.0)

Eingangsbereich des Flamingo Hotel & Casino 1947. (Bild: Kstadelman / CC BY-SA 3.0)

Das Casino öffnete schliesslich am 26. Dezember 1946. Entgegen aller Warnungen, dass eine Eröffnung um die Weihnachtszeit selten eine gute Idee ist, glaubte Ben Siegel an den Erfolg und öffnete am 2. Weihnachtstag. Die Grand Opening Party war ein spektakulärer Anlass mit Scharen von Hollywood Stars wie William Holden, Ava Gardner, Jimmy Durante, und vielen anderen Prominenten. Dennoch sollte sich das Ganze als Flop herausstellen.
Die High Roller, die nötig waren, um für grosse Umsätze an den Würfeltischen zu sorgen, blieben trotz der Festlichkeiten aus und das Casino verlor von Anfang an Geld.
Eine der möglichen Ursachen war die Tatsache, dass die 97 Hotelzimmer bei der Eröffnung noch nicht bereit waren, und die Gäste im benachbarten El Rancho oder Last Frontier übernachten mussten, wo sie wohl auch gleich ihr Geld liessen.
Ein anderer Grund für das Ausbleiben der Gäste war sicherlich auch der vom Management auferlegte Dress Code an die Gäste. Eine Krawatte und ein Anzug war nötig, um im Flamingo spielen zu dürfen. Diese Regelung sollte jedoch später schnell wieder abgeschafft werden.

Allein in der Eröffnungsperiode, verlor das Flamingo über 100.000 Dollar innerhalb weniger Tage. Aufgrund solch substantiellen Verluste, entschloss man sich am 1. Februar 1947, gerade mal einen Monat nach Eröffnung des Casinos, zur vorübergehenden Schliessung, um die Bauarbeiten zu Ende zu führen.

Zwei Monate später, am 27. März 1947 waren sämtliche Hotelzimmer fertig gestellt und das Casino eröffnete zum zweiten Mal. Aber die Pechsträhne schien nicht abzureissen. Das Haus verlor weiterhin Geld. Siegels Geldgeber aus der Unterwelt waren längst desillusioniert und hatten den Verdacht, dass Bugsie Siegel über seine Freundin Virginia Hill Geld aus den Spielgewinnen unterschlagen würde. Nachforschungen ergaben, dass Virginia Hill in Zürich Bankkonten eröffnen liess, dorthin das Geld schickte und davon Immobilien in der Schweiz und Österreich kaufte. Im Auftrag von Meyer Lansky, einem der Mafia-Bosse aus Chicago, wurde Benjamin Siegel am 20. Juni 1947 in seinem Haus in Beverly Hills durch einen Auftragsmörder beseitigt. Virginia Hill musste das Geld, welches sie nach Europa schaffte, zurückgeben, und beging kurze Zeit später in Österreich Selbstmord.

Die Beerdigung Ben Siegels fand in einem äusserst bescheidenen Rahmen statt, mit weniger als 10 Anwesenden. Viele Freunde schien Bugsie Siegel nicht gerade gehabt zu haben.

Benjamin Siegel wurde beseitigt, und zeitgleich, wenige Minuten, bevor Ben Siegel in seinem Haus in Los Angeles erschossen werden sollte, betraten 3 bedeutende Führer des organisierten Verbrechens die Büro-Räumlichkeiten des Flamingos und übernahmen die Kontrolle. Darunter niemand geringerer als Gus Greenbaum, Morris Rosen und Moe Sedway.

Rückblickend kann erwähnt werden, dass das Flamingo der eigentliche Start für ein explodierendes Wachstum in Las Vegas war. Es bedeutete den Wendepunkt in der Geschichte des Glücksspiels. Ein Luxus-Hotel nach dem anderen sollte fortan gebaut werden, und auch heute dauert dieser Trend noch an. Wichtige Personen wie Bob Stupak oder Steve Wynn sollten der Stadt Las Vegas ihr heutiges Gesicht geben. Andere Personen glaubten, mit Geld alleine könne man sich die Kontrolle über Las Vegas erkaufen, darunter beispielsweise Howard Hughes, über den wir im nächsten Bericht schreiben werden.

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