Spielbetrug – Glücksspiel

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
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(rs) In den Spielbanken weltweit werden jährlich geschätzte 6 – 8 Billionen US-Dollar bei Glücksspielen umgesetzt; davon ca. 960 Millionen Euro (2003), in den ca. 76 deutschen Spielbanken und Spielcasinos.

Es geht also um viel Geld. Und wie (leider fast) überall im Leben gilt auch hier:

Wo es um viel Geld geht, wird betrogen und (hier wörtlich zu nehmen) abgezockt!

Dadurch entstehen den einzelnen Spielbanken enorme Verluste. Betrogen wird nämlich nicht der Kunde, also die Spieler, sondern stets die Bank.
Überregionale und internationale Täter und Tätergruppen betrügen durch Falschspiel auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen. Oft in Zusammenarbeit mit Casino-Mitarbeitern (Croupiers) und/oder durch Nutzung neuester technischer Mittel.

Lediglich in (illegalen) Spielhöllen werden Spieler durch professionelle Falschspieler abgezockt. Mit diesen wollen wir uns hier aber nicht befassen.Ebenfalls wird hier zunächst auch nicht auf online-Spiele eingegangen.

Laut Statistiken steigen die Umsätze der Spielbanken seit einigen Jahren kontinuierlich, besonders im Automatenspiel. Dies deutet u.a. auch auf höhere Besucherzahlen hin. Diese höheren Besucherzahlen entstehen wohl auch durch die Öffnung der Grenzen und somit der erleichterten Ein- und Ausreise von Spielern.
Kulturell betrachtet ist Glücksspiel in süd- und osteuropäischen Ländern schon seit Jahrhunderten wesentlicher weiter verbreitet als in Deutschland. Dies wiederum bedeutet, dass statistisch gesehen auch prozentual mehr Glücks- und somit auch Falschspieler aus diesen Herkunftsländern kommen. Erfahrungen belegen diese Aussagen.
Zusätzlich zu den schon seit Jahrzehnten anwesenden südeuropäischen Tätergruppen, sind seit der Öffnung der Grenzen nun auch osteuropäische Banden in Deutschland tätig.
Durch den Zusammenbruch bzw. die fast komplette Auflösung der osteuropäischen Sicherheitsorgane sahen sich einige der damaligen Mitarbeiter gezwungen die Seite zu wechseln. Das heißt: ehemalige Sicherheitsprofis arbeiten heute für das Organisierte Verbrechen. Damit wurde natürlich auch das gesamte taktische und technische know-how weitergegeben und kommt dort zum Einsatz. Dies ist in allen Bereichen der Kriminalität zu beobachten, natürlich auch beim Spielbetrug.Die Gefahren für die europäischen Spielbanken haben sich also zumindest verdoppelt.

Hinzu kommen noch die Spielsüchtigen, die sich ebenfalls vermehrt haben. Ein gewisser Teil davon ist gezwungen seine Spielsucht durch Falschspiel/Spielbetrug zu finanzieren.

Entsprechend müssen die Sicherheitsmaßnahmen/-konzepte angepasst werden.

Spielbetrug

Um eine Spielbank zu schädigen und dadurch enorme Summen zu ergaunern, gibt es unendlich viele Möglichkeiten, die ständig variieren.
Vom klassischen Falschspiel durch „Falschgeben“, teilweise in Zusammenarbeit mehrerer Spieler und/oder Casino-Mitarbeiter, über die Benutzung von präparierten, gezinkten, geinkten oder sonst markierten Karten, Kesseln und Würfeln, bis zur Nutzung von neuesten technischen Geräten, sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

Einige (wenige) verschiedene Beispiele und Arten stichwortartig angeführt:

– Casino-Mitarbeiter/Croupiers stehlen Chips/Jetons (oder Bargeld)

– Casino-Gäste bringen Falschgeld und/oder gefälschte Chips/Jetons in Umlauf

– Croupiers und Mitspieler werden durch Tricks abgelenkt, dabei wird das Spiel manipuliert (z.B. werden Chips/Jetons anderer Spieler gestohlen oder eigene Jetons verschoben)

– Spielbetrüger arbeiten mit Croupiers zusammen, z.B.:

bei Gewinnen wird ein höherer Betrag herausgegeben
gesetzte Jetons (Roulette) werden verschoben
Karten werden falsch gegeben
späteres Setzen wird erlaubt/geduldet
gefälschte Karten, Kessel oder Würfel werden eingesetzt uvm.

Einsatz von präparierten Karten

UV-Farben
IR-Licht
Kartenmuster
gestochene Karten
gezinkte Karten
verschiedene Größen usw.

Einsatz von präparierten Würfeln, die einen rechnerischen Vorteil bringen

präparierte Kessel, die einen rechnerischen Vorteil bei bestimmten Zahlen oder Zahlengruppen ergeben

durch abgeänderte Höhen der Stege – durch variable Geschwindigkeiten

Einsatz (anderen) technischer Geräte durch die Täter:

Funk
IR-Kameras
UV-Licht
Scanner
Impulsgeber (Armband, Uhr, Schuhsohle)usw.

Manipulation an Spielautomaten / beim Automatenspiel, (darauf wird hier zunächst nicht näher eingegangen)

Aktuelles Beispiel:

Spielkarten werden bereits bei der Herstellung mit IR-Markierungen versehen.

Diese werden (beispielsweise durch Mitarbeit eines Croupiers) in die Schlitten oder an die Spielplätze verbracht. Mittels einer versteckten Mini-UV-Kamera wird der Kartenschlitten auf einen Monitor nach außerhalb übertragen (IR-Farben können nur über einen Monitor für das menschliche Auge sichtbar gemacht werden). Der Mittäter kann erkennen, welche Karte als nächste ins Spiel kommt (oder welche Karten die Gegenspieler haben) und dies seinem Kompagnon über Funk mitteilen.
Das benutzte Infrarot-Spektrum konnte nur mit einem speziellen Gerät erkannt werden. Da das Infrarot-Spektrum aber jederzeit von den Tätern geändert werden kann, muss entsprechende Technik zur Erkennung eingesetzt werden.

Durch die ständige bessere Qualität und Miniaturisierung der technischen Geräte können diese immer besser von den Tätern eingesetzt werden. Teilweise sind Geräte als Handy getarnt usw.

Sicherheitsmaßnahmen

Die durch die Täter/Tätergruppen entstandenen Schäden können selbstverständlich nicht genau erfasst werden. Um ernormen Verlusten vorzubeugen, müssen die verschiedensten Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden.

Dies beginnt bei der Einlasskontrolle/-registrierung und endet (wenn überhaupt) beim Einsatz Verdeckter Ermittler.

Präventive Maßnahmen:

– Registrierung der Gäste beim Einlass (gesetzl. vorgeschrieben)
– Echtheitsprüfung der Pässe
– Verbot für auffällige Spieler und Spielsüchtige (auch Betrunkene)
– Einlasskontrollen
– Geldprüfung bereits beim Wechsel und bei der weiteren Verarbeitung
– Markierung von Chips/Jetons u.a. zur Echtheitsprüfung (RFID, WHD)
– ständige Überprüfung von Geld, Karten, Würfeln, Kesseln, Chips/Jetons auf Echtheit (auch während des Spielbetriebes)
– ständiger unregelmäßiger Wechsel des Personals an den Spielplätzen
– bestimmte Verhaltensregeln für das Personal
– klar definierte organisatorische Abläufe
– ständiger Wechsel des Spielmaterials auch während der Spiele
– Überprüfung der Räume auf fremd angebrachte Technik (Scanner, View-Finder, UV-, IR-Detektoren etc.),
– ständige Überwachung/Aufzeichnung der Räume, Spieltische, Spieler, Personal usw. durch geeignete Videotechnik
– zusätzliche (sporadische) Überwachung durch geeignete, geschulte verdeckt eingesetzte Kräfte (extern), teilweise auch mit mobiler Technik (Video)
– Bestreifung des Casino-Geländes und der Umgebung
– Einsatz von Technik zur Erkennung anderer Technik (Scanner/Almaz/View-Finder, s.o.)
– Einsatz von Technik zur Erkennung von IR- und UV
– Personenschutz von Gewinnern
– Überprüfung des Personals und der eingesetzten Mitarbeiter (Hintergrundrecherchen)
– Überwachung von Baumaßnahmen usw.

Die meisten dieser Maßnahmen werden von den Spielbanken bereits durchgeführt, könnten aber teilweise noch ausgebaut werden. Sie sind aber auch den Tätern bekannt und sollten deshalb variiert werden.

In allen Spielcasinos werden die Spieltische und die Räume mit Video-Kameras überwacht und das Spielgeschehen aufgezeichnet. Diese Aufzeichnungen können aber meist nur zur Klärung von Spielabläufen und Meinungsverschiedenheiten mit Spielern herangezogen werden. Das eigene Personal kann/darf damit nicht ständig überwacht werden (BetrVG). Auch ein Einsatz solcher technischen Mittel z.B. bei einem Verdacht gegen einen Croupier, erfordert die Einwilligung des Betriebsrates. Diese wird in der Regel nicht gegeben.

Somit muss auch hier auf das Mittel der Observation (ohne technische Mittel) durch externe Ermittler zurückgegriffen werden.

Repressive Maßnahmen:

Diese präventiven Maßnahmen erfordern einen hohen zeitlichen, personellen und technischen Aufwand. Trotzdem kann keine absolute Sicherheit gewährleistet werden. Es werden somit repressive Maßnahmen – sprich: Ermittlungen – notwendig sein, um weitere Schäden zu vermeiden.
Die Polizei wird nur tätig, wenn ein konkreter Verdacht gegen bestimmte Täter vorliegt. Und auch dann verfügt sie nur über wenig und ungenügend ausgebildetes Personal und veraltete Technik. Weiterhin wird beim Einsatz von Polizei nicht unbedingt diskret vorgegangen.
Es muss deshalb auf externes eigenes Personal zurückgegriffen werden.
Diese Kräfte müssen besonders zuverlässig, charakterlich gefestigt, geschult und erfahren sein.

Sie müssen:

– die Spiele und deren Abarten
– die festgelegten Verhaltensweisen der Croupiers
– die Verhaltensweisen der Spieler und Gäste
– die Betrugsmöglichkeiten
– die Techniken/technischen Möglichkeiten
– die Casinos
– die rechtlichen Grundlagen
– und die anderen Modalitäten (gesetzl. Vorgaben, Kreditgeber, Prostituierte, Permanenzen usw.)
bestens kennen.
Außerdem muss die EK sich unauffällig und sicher bewegen können und Erfahrung in Observationen (Beobachtungs-/Kombinationsgabe) mitbringen.
Eingesetzte Verdeckte Ermittler müssen über entsprechend abgesicherte Legenden und Ausstattungen verfügen.

Auch bei den technischen Geräten muss man den Tätern immer einen Schritt voraus sein. Das heißt, es muss stets Technik eingesetzt werden, die in der Lage ist die neueste Technik der Tätergruppen zu erkennen.

Das wiederum heißt, dass das Sicherheitspersonal über die aktuellen Tatbegehungsweisen der Täter informiert sein muss und technisch geschult und ausgerüstet ist, dass es diese neueste Technik der Täter erkennen kann.
Vielen Dank für die Unterstützung an die Firma eurosec gmbh