
Ein Markt im Wandel
Historisch war Glücksspiel in Peru vor allem durch landbasierte Casinos und Spielautomaten geprägt. Bereits früh setzte der Staat auf eine Lizenzierung und Besteuerung dieser Angebote, was Peru innerhalb Lateinamerikas zu einem vergleichsweise regulierten Markt machte. Lange Zeit blieb der Online-Bereich jedoch weitgehend ungeregelt – ein Zustand, der in vielen Ländern der Region bis heute anhält.
Mit der schrittweisen Einführung klarer gesetzlicher Vorgaben für Online-Glücksspiel und Sportwetten änderte sich das Bild grundlegend. Betreiber wurden verpflichtet, Lizenzen zu beantragen, Steuern zu zahlen und technische sowie organisatorische Anforderungen zu erfüllen. Für den Staat eröffnete sich damit nicht nur eine neue Einnahmequelle, sondern auch die Möglichkeit, Kontrolle und Aufsicht auf einen Bereich auszuweiten, der zuvor kaum regulierbar war.
Heute gilt Peru als einer der fortschrittlicheren Glücksspielmärkte Lateinamerikas. Internationale Anbieter haben den Markt längst entdeckt, gleichzeitig bleibt der Staat bemüht, nationale Interessen und regulatorische Standards durchzusetzen.
Dreistellige Millioneneinnahmen für den Staat
Die zuletzt veröffentlichten Zahlen machen deutlich, welche wirtschaftliche Bedeutung der Glücksspielsektor inzwischen erreicht hat. Innerhalb eines Jahres flossen dem peruanischen Staat Einnahmen in Höhe von über 100 Millionen US-Dollar zu – je nach Berechnung und Zeitraum sogar deutlich mehr. Diese Gelder stammen aus verschiedenen Quellen: aus Steuern auf landbasierte Casinos, auf Spielautomaten, aus Online-Glücksspiel sowie aus Sportwetten.
Besonders auffällig ist der wachsende Anteil des Online-Segments. Während klassische Casinos weiterhin eine stabile Einnahmequelle darstellen, verzeichnet der digitale Bereich deutlich höhere Wachstumsraten. Sportwetten und Online-Casinos profitieren von der hohen Internetdurchdringung, der jungen Bevölkerung und der zunehmenden Akzeptanz digitaler Zahlungsformen. Für die peruanische Regierung sind diese Einnahmen nicht nur ein fiskalischer Erfolg, sondern auch ein Beleg dafür, dass Regulierung und Besteuerung im Glücksspielbereich funktionieren können – zumindest aus wirtschaftlicher Sicht.
Verteilung der Glücksspielsteuern
Bemerkenswert ist die Art und Weise, wie die Einnahmen aus dem Glücksspiel in Peru verteilt werden. Anders als in manchen europäischen Ländern fließen die Mittel nicht ausschließlich in den allgemeinen Staatshaushalt. Stattdessen ist eine Aufteilung vorgesehen, bei der verschiedene öffentliche Bereiche profitieren.
Ein Teil der Einnahmen geht direkt an den Staat, ein weiterer an das Gesundheitswesen, insbesondere an Programme mit gesundheitspolitischem Bezug. Zusätzlich erhalten das zuständige Ministerium für Außenhandel und Tourismus sowie das nationale Sportinstitut Mittel aus den Glücksspielsteuern. Diese Zweckbindung soll sicherstellen, dass die Gelder nicht nur zur Haushaltskonsolidierung beitragen, sondern auch in gesellschaftlich relevante Bereiche zurückfließen. Was dabei jedoch auffällt: Eine explizite, klar ausgewiesene Zweckbindung für die Prävention oder Behandlung von Glücksspielsucht ist bislang nur begrenzt erkennbar. Zwar fließen Mittel in den Gesundheitssektor, doch eine direkte Verbindung zwischen Glücksspielerträgen und spezifischen Spielerschutzprogrammen wird öffentlich kaum transparent gemacht.
Wirtschaftlicher Erfolg trifft auf soziale Verantwortung
Der wirtschaftliche Erfolg des peruanischen Glücksspielmarktes wirft daher zwangsläufig die Frage nach der sozialen Verantwortung auf. Mit wachsendem Angebot steigt auch das Risiko problematischen Spielverhaltens – eine Erfahrung, die nahezu alle regulierten Glücksspielmärkte weltweit teilen.
In Peru ist die Datenlage zur Glücksspielsucht deutlich dünner als etwa in Europa oder Nordamerika. Es existieren keine regelmäßig veröffentlichten nationalen Studien, die die Prävalenz problematischen oder pathologischen Spielens systematisch erfassen. Hinweise aus dem Gesundheitswesen und aus Medienberichten deuten jedoch darauf hin, dass Glücksspielprobleme zunehmen, insbesondere in urbanen Zentren wie Lima. Fachleute verweisen darauf, dass die zunehmende Verfügbarkeit von Online-Angeboten neue Herausforderungen mit sich bringt. Niedrige Zugangshürden, permanente Erreichbarkeit und aggressive Vermarktung können das Risiko erhöhen – vor allem für junge Erwachsene und einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen.
Prävention und Hilfe: ein blinder Fleck?
Während der regulatorische Rahmen für Anbieter vergleichsweise klar ist, bleibt der Bereich Prävention und Hilfe bislang weniger sichtbar. Zwar gibt es in Peru allgemeine Programme zur Behandlung von Suchterkrankungen, doch spezifische, auf Glücksspielsucht zugeschnittene Angebote findet man kaum.
Im Unterschied zu vielen europäischen Ländern existieren keine landesweit bekannten Fachstellen oder spezialisierten Beratungsnetze, die explizit für Glücksspielprobleme zuständig sind. Betroffene sind häufig auf allgemeine Suchthilfeangebote angewiesen, die Glücksspiel nicht immer als eigenständige Problematik behandeln.
Aus europäischer Perspektive fällt dieser Unterschied besonders auf. In Ländern wie Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist die Prävention von Glücksspielsucht fest in staatliche Strategien eingebunden, häufig finanziert aus Glücksspielabgaben oder Lottomitteln. Peru steht hier offenbar noch am Anfang einer Entwicklung, die mit dem rasanten Marktwachstum Schritt halten muss.
Regulierung als Chance – und Verpflichtung
Gleichzeitig bietet die bestehende Regulierung eine Chance. Da der peruanische Staat den Glücksspielmarkt aktiv steuert und besteuert, verfügt er grundsätzlich über die Instrumente, um auch Spielerschutzmaßnahmen systematisch auszubauen. Die Einnahmen sind vorhanden, ebenso die administrativen Strukturen.
Internationale Erfahrungen zeigen, dass eine frühe Investition in Prävention langfristig nicht nur soziale, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bringt. Frühzeitige Aufklärung, niedrigschwellige Beratungsangebote und klare Schutzmechanismen können dazu beitragen, Folgekosten zu begrenzen und das Vertrauen in den regulierten Markt zu stärken. Für Peru sollte sich damit weniger die Frage stellen, ob Spielerschutz notwendig ist, sondern vielmehr, wie er konkret ausgestaltet werden soll.
Ein Markt mit Signalwirkung für Lateinamerika
Unabhängig von diesen offenen Fragen gilt Peru bereits heute als ein Referenzmodell für andere Länder der Region. Die Kombination aus Regulierung, Besteuerung und Marktöffnung unterscheidet das Land deutlich von Staaten, in denen Glücksspiel weitgehend unreguliert stattfindet.
Internationale Beobachter sehen in Peru einen möglichen Blaupause-Markt: ein Land, das zeigt, wie staatliche Kontrolle und wirtschaftliche Dynamik miteinander vereinbar sein können. Ob dieses Modell langfristig erfolgreich bleibt, wird jedoch auch davon abhängen, wie konsequent soziale Aspekte berücksichtigt werden.