Lotto Rheinland-Pfalz startet Anti-Spielsucht-Kampagne – ISA-GUIDE.de

Lotto Rheinland-Pfalz startet Anti-Spielsucht-Kampagne

Mainz. „Spielen mit Verantwortung“ – unter diesem Motto startete Lotto Rheinland-Pfalz im Presseraum des FSV Mainz 05 eine Kampagne gegen die Gefahren der Spielsucht. Mit dabei waren unter anderem Finanzminister Prof. Ingolf Deubel und der Trainer des FSV Mainz 05, Jürgen Klopp.

Mit der neuen Kampagne, die landesweit in Plakaten und Anzeigen publik gemacht wird, will das Unternehmen aus Koblenz noch mehr als bisher seiner Verantwortung im gesellschaftlichen Bereich gerecht werden. Außerdem wird auf diese Weise eine Vorgabe des Bundesverfassungsgerichts umgesetzt. Die Karlsruher Verfassungsrichter hatten am 28. März in ihrem Urteil zum staatlichen Wettmonopol ausdrücklich auf die Bedeutung des Spielerschutzes und der Suchtprävention hingewiesen.

„Die Welt der Glücksspiele befindet sich derzeit im Umbruch, das staatliche Lotteriemonopol steht derzeit auf der öffentlichen und politischen Tagesordnung. Daher muss auch ein Unternehmen wie Lotto Rheinland-Pfalz sich stark positionieren und mit starken Partnern zusammenarbeiten“, sagte Klaus P. Behnke, der Vorsitzende des Aufsichtsrates von Lotto Rheinland-Pfalz.

Diese starken Partner hat die Lotteriegesellschaft für die neue Kampagne gefunden: Zum einen die Landeszentrale für Gesundheitsförderung (LZG), mit der gemeinsam ein Info-Faltblatt für die Kunden erstellt, eine Hotline eingerichtet und die Internet-Seite www.spielen-mit-verantwortung.de kreiert wurde. „Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass wir als Landeszentrale für Gesundheitsförderung uns in dieser Kampagne engagieren“, sagte deren Geschäftsführer Jupp Arldt bei der Pressekonferenz: „Gemeinsam mit der Lottogesellschaft tun wir alles, um den Spieltrieb der Menschen in die richtigen Bahnen zu lenken.“

Auch Finanzminister Prof. Ingolf Deubel Deubel, der in Rheinland-Pfalz für die Lottoaufsicht zuständig ist, hält diese Kampagne für eine kluge
Entscheidung. „Für manche Menschen birgt das Glücksspiel Gefahren, sie verschulden sich oder werden gar kriminell. Deshalb setzt sich das Land dafür ein, aktiv vorzubeugen – und dazu ist der Sport der ideale Partner. Er ist nicht nur ein starker Vervielfältiger und fördert körperliches Wohlbefinden und die Persönlichkeitsentwicklung, er holt auch die Menschen weg von Fernseher, Internetspielen, Spielautomaten und Wettbüros.“ Deubel bekräftigte, dass sich das Land an den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts ausrichte und beim Betrieb von Glücksspielen die Spielsuchtbekämpfung im Mittelpunkt stehen müsse. Das Vertriebssystem auszuweiten, wie es das Bundeskartellamt jüngst gefordert hat, würde den Spieltrieb anheizen.

Mit im Boot hat Lotto als Gesellschaft des Sportes natürlich auch den Landessportbund, die drei regionalen Sportbünde, die beiden Fußballverbände und die rheinland-pfälzischen Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05, 1. FC Kaiserslautern und TuS Koblenz. Prominente Zugpferde für eine Plakat- und Anzeigenkampagne sind Jürgen Klopp (Trainer von Mainz 05), Milan Sasic (Trainer von TuS Koblenz) sowie die Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern. „Natürlich bin ich gerne als Partner dieser Aktion dabei“, sagte Jürgen Klopp: „Der Sport ist einer der größten Suchtverhinderer und steht damit – ebenso wie Lotto Rheinland-Pfalz – in der Pflicht, sich hier zu engagieren.“

„Mit unseren Partnern bilden wir ein schlagkräftiges Bündnis gegen die Gefahren der Spielsucht und für den Jugendschutz“, sagte Lotto-Geschäftsführer Hans-Peter Schössler. Lotto Rheinland-Pfalz hat seit dem BVG-Urteil sein Werbekonzept völlig neu ausgerichtet und auf Bandenwerbung in den Stadien sowie auf Rundfunkspots und spielauffordernde Werbung verzichtet. Außerdem wird auf den Tippscheinen auf die Suchtgefahr hingewiesen.

Neben Anzeigen und Plakaten, auf denen Klopp, Sasic und die Mannschaft des FCK unter dem Motto „Spielen mit Verantwortung“ vor den Gefahren der Spiel- und Wettsucht warnen, sind auch weitere landesweite Aktionen geplant. Unterstützt wird die Kampagne vom Landessportbund und den Sportbünden Rheinland, Rheinhessen und Pfalz, die auch in ihrer Eigenschaft als Gesellschafter von Lotto Rheinland-Pfalz die Botschaft der neuen Kampagne in die Sportvereine und Jugendarbeit tragen werden.

Die Spielsuchtprävention ist aber nicht die einzige Herausforderung, der sich die Koblenzer Lottogesellschaft derzeit stellt. Aufgrund der jüngsten Entwicklungen und der strengen Auflagen der Landesregierung leidet Lotto Rheinland-Pfalz zunehmend unter der privaten Konkurrenz, die teilweise vom steuerbegünstigten Ausland aus den deutschen Markt überschwemmt, sich nicht an Werbebeschränkungen halten muss und zudem keine Abgaben zu zahlen hat. Lotto Rheinland-Pfalz dagegen gibt von seinen Umsätzen rund 38 Prozent an Konzessionsabgaben und Lotteriesteuern an das Land ab.

Auf einen breiten Schulterschluss mit dem Sport hofft Lotto-Geschäftsführer Hans-Peter Schössler. Sein Gedanke ist ein Bündnis von ODDSET mit dem Deutschen Fußballbund (DFB), der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).

Die Lage ist nach dem aktuellen Beschluss des Bundeskartellamts nicht einfacher geworden. Demnach sollen sich die deutschen Lotto-Gesellschaften gegenseitig Konkurrenz machen können und künftig auch gewerblichen Spielervermittlern die Möglichkeit geben, zum Beispiel in Tankstellen und Supermärkten Lottoscheine anzubieten. „Sollte es so kommen“, sagte Lotto-Aufsichtsratschef Behnke, „konterkariert das den Beschluss des Bundesverfassungsgerichts. Denn wie soll man gegen die Spielsucht vorgehen, wenn man an jeder Ecke Lotto anbietet?“ Außerdem hat das Unternehmen berechtigte Sorgen um seine Verkaufsstellen: „Wenn die Spieler schon im Supermarkt von anderen Anbietern abgefangen werden, gehen sie nicht mehr in unsere Lotto-Verkaufsstellen. Welche Auswirkungen das bei 1400 Lotto-Läden in Rheinland-Pfalz auf Arbeitsplätze haben könnte, möchte ich gar nicht ausführen.“

Daher hofft das Glücksspielunternehmen vor allem auf die Unterstützung der Politik. Finanzminister Prof. Deubel machte jedenfalls klar, dass die rheinland-pfälzische Landesregierung alles tun wird, damit mit Lotto Rheinland-Pfalz auch künftig ein seriöser und dem Gemeinwohl dienender Glücksspielanbieter am Markt sein kann.