Stolzes Jubiläum: Unternehmerisches Urgestein wird 70

Espelkamper Unternehmer Paul Gauselmann wird am 26. August 70 Jahre. Einmalige Karriere vom Einmannbetrieb zum Konzernlenker mit über 5.500 Mitarbeitern weltweit. „Chefentwickler“ mit über 200 Patenten. Soziales Engagement als unternehmerische Selbstverpflichtung.

Automatenpapst, Deutschlands Automatenkönig, der König der Spiele, Mister Automat, der Automaten-Tycoon, Primus oder Sonnenkönig der Automatenbranche: Dieses sind nur einige der zahlreichen Attribute, welche schon über den an einem Sonntag, dem 26. August 1934, also vor 70 Jahren, in Borghorst bei Münster geborenen Paul Gauselmann geschrieben und gesagt wurden. Geprägt wurde sein Leben von den Jahren des Krieges und des Wiederaufbaus in der Nachkriegszeit. „Jede Nacht die Bombenangriffe auf Münster, die Entbehrungen, die Bedrohung, sich durchsetzen müssen mit einfachsten Mitteln, das Improvisieren – das sind Erfahrungen, die mich am meisten geprägt haben“, so Paul Gauselmann.

Als alles in Trümmern lag, musste der Handwerkersohn improvisieren um zu überleben. Er wollte alles andere als Mittelmaß sein und bleiben. Er wollte es besser als die anderen machen – das sollte sein Leben prägen!

Nach dem Besuch der Volksschule in Münster, die Paul Gauselmann 1950 als Bester seines Jahrgangs abschließt, beginnt er zunächst eine Ausbildung zum Fernmelderevisor bei „Telefonbau und Normalzeit“.

Am Ende seiner Ausbildung wird er zu einem sechsmonatigen Sonderlehrgang in die Firmenzentrale von T+N nach Frankfurt eingeladen. Hier schließt er beides mit Auszeichnung ab und beginnt dann seinen Berufsweg als Revisor. Mit 21 Jahren wird er Revisor für T+N in Lengerich. Er war Vorgesetzter von 2 Monteuren, hatte ein eigenes Auto und verdiente rund 370,- Mark – damals schon sehr viel Geld.

Doch ein Kollege von einer Automatenfirma erzählte ihm, dass man dort 600,- Mark im Monat verdienen könne. Paul Gauselmann war Feuer und Flamme. So wechselte er am 12. März 1956 zu einem Automatenunternehmen nach Coesfeld, dem Generalimporteur für amerikanische Wurlitzer-Musikboxen. Trotz langer Arbeitstage findet er immer noch Zeit für sein Hobby, das Tüfteln. Er entwickelt eine Fernwahlbox für deutsche Musikboxen. Im November 1956 präsentiert er seine Erfindung einem Automatenunternehmen in Espelkamp. Der dortige technische Direktor war so begeistert, dass er ihn kurzer Hand einstellte. Diese Fernwahlbox war seine erste Erfindung, das erste Patent, weit über 200 sollten folgen! So zeigt sich schon damals, dass der Weg von Paul Gauselmann ein Weg nach oben sein würde, denn nur wenige Jahre später (1960) wird er Chef der Entwicklungsabteilung für Automaten. Zu verdanken hat Paul Gauselmann diese Position neben seiner fachlichen Kompetenz vor allem auch seinem Ideenreichtum, seinem Erfindungsgeist und vor allem seinem beharrlichen Fleiß.

Seine schier unerschöpfliche Energie kommt auch in dem Schritt zum Ausdruck, welcher Jahre später zu einem Automatenimperium führen sollte. Neben all seiner Arbeit, damals noch eine 48 Stundenwoche mit sechs Arbeitsstagen, trifft Paul Gauselmann 1957 die Entscheidung „Ich mache in Automaten“, indem er nebenberuflich zunächst Musikautomaten aufstellt. Mit 17 Musikboxen begann die unternehmerische Erfolgsgeschichte! Ein Jahr später mit Unterstützung seines Bruders Willi. Später, 1962, sollte ein weiterer Bruder, Eugen, dazu kommen.

Aufgrund seines auch hier an den Tag gelegten Engagements kann es niemanden verwundern, dass Paul Gauselmann keine zehn Jahre später, 1964, den Schritt in die vollständige unternehmerische Selbstständigkeit wagt, damals bereits mit 15 Angestellten. Damit beginnt endgültig der steile Aufstieg des Unternehmers Paul Gauselmann. Der Umbau gebrauchter US-Musikboxen in einem neuen Gehäuse („das neue Kleid“) stand seinerzeit im Fokus der Aktivitäten. Zu den Gründen des Erfolges äußert Paul Gauselmann: „Meine Industrieerfahrung hatte ich in Espelkamp mit Musikautomaten und elektrischen Zigarettenautomaten gesammelt. Meine technische Ausbildung bei 'Telefonbau und Normalzeit' und das notwendige Durchsetzungsvermögen habe ich von zu Hause mitgebracht. Das Handeln und Managen habe ich in den Nachkriegsjahren lernen müssen.“

Die unvergleichliche Karriere Paul Gauselmanns hat, wie bei vielen anderen Unternehmerpersönlichkeiten auch, natürlich ihre ganz besonderen Höhepunkte, die für die Entwicklung und das Fortkommen von entscheidender Bedeutung sind.

Als einer der wichtigsten Meilensteine im Unternehmerdasein von Paul Gauselmann gilt in diesem Zusammenhang die „Erfindung“ der modernen Spielstätte, der „Merkur-Spielothek“. Diese Idee bewegt den jungen Unternehmer schon einige Zeit und sie soll die Automatenaufstellung in Deutschland von Grund auf revolutionieren. Mit dem Konzept der „Merkur-Spielothek“ führt er die Branche weg vom negativen Image der sogenannten „Spielhöllen“ hin zum attraktiven Entertainmentcenter als Teil des Freizeitmarktes, die sich nun offen, hell und freundlich präsentieren. Seit der Eröffnung der ersten „Merkur-Spielothek“ 1974 in Delmenhorst ist die moderne Spielstätte made by Gauselmann Vorbild in diesem Branchensegment. Mit rund 175 „Merkur-Spielotheken“ in Deutschland entwickelt sich die größte nationale Spielstättenkette, die mit über 30 Outlets auch im europäischen Ausland vertreten ist.

Bereits zwei Jahre zuvor, 1972, wird der Grundstein für die spätere Marktführerschaft im Bereich der Geld-Gewinn-Spiel-Geräte gelegt. Die Idee, nicht nur Händler und Betreiber von Geld-Gewinn-Spiel-Geräten (GGSG) zu sein, sondern vielmehr selber Spielgeräte zu produzieren, reift schon lange in Paul Gauselmann. Doch es bedarf eines äußeren Anlasses, in diesem Fall den Lieferboykott eines großen Herstellers, um diese Idee letztendlich in die Tat umzusetzen. Und so fällt 1972 die Entscheidung zur Entwicklung und dann zur Produktion von Geld-Gewinn-Spiel-Geräten. Vier Jahre dauert es anschließend bis kurz vor Jahresende 1976 die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) die Zulassung für das erste Geld-Gewinn-Spiel-Gerät aus dem Hause Gauselmann erteilt. Der Markenname Merkur (1976 war das Jahr im Zeichen des Merkur) steht von nun an für die erfolgreichsten und beliebtesten Geld-Gewinn-Spiel-Geräte auf dem Markt. Wieder einmal haben Paul Gauselmanns hohe technische Begabung, seine Mathematikverliebtheit und seine positive Spielleidenschaft Früchte getragen. Der Merkur B, wie das damals erste Gauselmann Geld-Gewinn-Spiel-Gerät korrekt heißt, erobert ab 1977 vom Start weg die Branche. Er ist gleichsam das Synonym des unaufhaltsamen Aufstieges der Gauselmann Gruppe.

Der Erfolg des ersten Geld-Gewinn-Spiel-Gerätes setzt sich in seinen Nachfolgern fort und so werden die Merkur-Automaten nach und nach zu einer festen Größe in der Branche, die bis dato nur von zwei Herstellern und ihren Produkten beherrscht wird. Der Grund hierfür ist vor allem in den neuen und abwechslungsreichen Features der Gauselmann-Geräte zu suchen und nicht zuletzt in der Eigenschaft von Paul Gauselmann den Spielern „ins Herz zu schauen.“ Denn eines hat er schon früh intuitiv erkannt: Nicht allein die Technik und die Steuerung sind die entscheidenden Faktoren, sondern das Spielsystem. Und was die Beliebtheit der Spielsysteme angeht, liegen die Merkur-Geräte schon Ende der siebziger Jahre weit vorne. Die Maxime Paul Gauselmanns, dass man praktisch kein Spielgerät gegen den Spielgast entwickeln kann, hat für ihn auch noch heute Bestand, ebenso wie das Fingerspitzengefühl für die Wünsche der Kunden. Deshalb ist Paul Gauselmann auch heute noch der größte und wichtigste Ideengeber in der weit über 100 Personen starken Entwicklungsabteilung seines Unternehmens, der adp Gauselmann GmbH (in der gesamten Unternehmensgruppe sind über 600 Menschen in der Entwicklung tätig).

Dank der Kreativität des Unternehmers, der optimalen Spielsysteme und der innovativen Technik der Produkte sowie einem absolut kundenorientierten „Rundum“-Service wird der Neue unter den Automatenherstellern schon zu Beginn der Achtziger Jahre Marktführer, und ist es bis heute geblieben!

In dieser relativ kurzen Zeitspanne wächst die Gauselmann Gruppe kontinuierlich an, zum einen durch die Übernahme anderer Unternehmen oder durch Firmenneugründungen.

Dieser bis heute anhaltende Erfolg, so sagen Freunde über Paul Gauselmann, ist nur möglich, weil er seine westfälische Gründlichkeit immer sehr geschickt mit einer gesunden Portion Ehrgeiz, Selbstbewusstsein, Fleiß und den Blick für das Wesentliche vortrefflich kombinieren kann.

Mit der 1980 gegründeten Gauselmann AG schafft Paul Gauselmann schließlich eine Holding für viele der in der Zwischenzeit entstandenen Unternehmen.

1994 folgt der nächste evolutionäre, strategisch weitsichtig geplante Schritt der Unternehmensgruppe mit der Gründung der Atronic und dem vorangegangenen Entschluss, Casinogeräte für den weltweiten Markt zu entwickeln und zu produzieren. Mit diesem strategisch wichtigen Schritt will Paul Gauselmann gemeinsam mit seinem Sohn Michael und der Unternehmerfamilie der Abhängigkeit von nur einem Hauptmarkt entgehen. Mittlerweile hat sich aus dieser weitsichtigen Entscheidung eine der tragenden Säulen der Gauselmann Gruppe entwickelt. Für das gesamte Atronic-Auslandsgeschäft zeichnet sein Sohn Michael verantwortlich. Mit Atronic führt Michael Gauselmann im übrigen das einzige deutsche Unternehmen, welches über Herstellerlizenzen für den wichtigen amerikanischen Casinomarkt in Las Vegas/Nevada verfügt.

Die Gründung von Atronic ist ebenfalls die Initialzündung für die konsequente Globalisierung der ostwestfälischen Unternehmensgruppe. Neben der schon auf den europäischen Markt agierenden Stella gelingt Paul und Michael Gauselmann 1997 noch ein weiterer Coup. Es werden 50 Prozent der Geschäftsanteile der Firma Bell-Fruit Manufactoring, dem heute führenden englischen Automatenhersteller, erworben. Damit hat Paul Gauselmann auch einen Fuß auf dem für das Automatenspiel großen und wichtigen Markt Großbritannien gesetzt.

Aber nicht nur unternehmerisch war und ist Paul Gauselmann mit ganzer Kraft engagiert, schon früh erkennt er, dass es ohne eine entsprechende Interessenvertretung nicht geht. Dies gilt auch im Hinblick auf die Politik. Schließlich bestimmen Bundes- und Landespolitik den Rahmen des gewerblichen Spieles. Deshalb widmet er sich parallel zum unternehmerischen Handeln auch der aktiven Verbandsarbeit.

Bereits 1966 ist Paul Gauselmann Vorstandsmitglied im Deutschen Automaten-Verband e.V. (DAV) in Nordrhein-Westfalen. 1970 wird er Vorsitzender dieses Verbandes und Vize-Präsident des deutschen Aufstellerverbandes ZOA (Zentralorganisation der Automatenunternehmer). Seit 1981 steht er an der Spitze des Verbandes der Deutschen Automatenindustrie e.V. (VDAI) und übernimmt den Ehrenvorsitz des DAV. Seit dieser Zeit führt Paul Gauselmann einen verantwortlichen und weitsichtigen Dialog mit Politik und Gesellschaft. Bei allen Problemen behält er stets einen kühlen Kopf und bleibt seiner Devise treu, dass man sich auch in schwierigen Zeiten nie unterkriegen lassen soll: Bei genauer Betrachtung ist nichts so negativ, als dass es nicht noch etwas Positives hätte.

Aber Paul Gauselmann ist nicht nur Unternehmer und Verbandsrepräsentant. Er ist ebenfalls ein durch und durch begeisterter Sportler, Mäzen und Familienmensch. Familienleben hat für ihn, seine Frau, seine vier Söhne, seine vier Schwiegertöchter und seine sieben Enkelkinder einen hohen Stellenwert. Das achte Enkelkinder hat sich schon angekündigt.

In seiner Freizeit spielt Paul Gauselmann leidenschaftlich Tennis – und das ist wirklich so! Im Tennisverein Espelkamp-Mittwald e.V. (TVE), dessen Ehrenvorsitzender er ist, schlägt Paul Gauselmann deshalb nicht einfach nur ein „paar Bälle über's Netz“. Mit seiner Mannschaft nimmt er regelmäßig erfolgreich an Turnieren teil. In der Saison 2005 wird er mit seinen Tenniskameraden Erwin Scholz, Hagen Kaiser, Folker Seemann, Hansjürgen Meier, Roland Scholz, Rudi Perplies, Erhard Schiffner und Jacob Martens nach einem erkämpften Aufstieg in der höchsten Klasse Westfalens, der Westfalenliga, spielen. Durch seine maßgeblichen Impulse und Entscheidungen und sein Engagement hat Paul Gauselmann ebenfalls dazu beigetragen, dass die 1. Herren des TVE in die Zweite Tennisbundesliga aufgestiegen sind und damit den Namen Espelkamp über die Grenzen Ostwestfalens hinaus bekannt machen.

Eine besondere Vorliebe hat Paul Gauselmann aber auch für den Handball. Die sportliche Erfolgsstory des neuen TuS-N-Lübbecke wäre seit 1999 ohne sein Engagement nicht denkbar. Mit Ausdauer hat der „heimliche Meistermacher“ den angeschlagenen Bundesligisten saniert und sportlich auf die Erfolgsspur gesetzt.

Eine besondere Verpflichtung ist für Paul Gauselmann auch das soziale Engagement. Dies beweist der Unternehmer und seine Familie seit vielen Jahren. Trotz seines beispiellosen Erfolges vergisst er nie den Blick zur Seite. Finanziell und ideell unterstützt Paul Gauselmann z. B. die „Deutsche Schlaganfall-Stiftung“, das Kaiser-Wilhelm-Kulturdenkmal
und viele weitere sportliche, kulturelle, ökologische und soziale Projekte.

Zu seinem 65. Geburtstag ruft Paul Gauselmann darüber hinaus die Gauselmann-Stiftung mit einer Million DM Grundkapital ins Leben. Durch Zustiftung verfügt sie heute über ein Stiftungskapital von einer Million EURO.

Für sein vielfältiges soziales, kulturelles und sportliches Engagement, sowie für seine Verdienste um die Deutsche Automatenwirtschaft wird Paul Gauselmann 1993 das Bundesverdienstkreuz verliehen. Rund ein Jahrzehnt später wird der ostwestfälische Unternehmer auf Vorschlag des damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Wolfgang Clement im Zuge der Höherstufung mit dem Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet.

Der wichtigste Faktor für seinen Erfolg bleibt aber für Paul Gauselmann seine Familie: „Ein Mann in meiner Position muss ein intaktes Zuhause haben, das ihm den Rücken freihält. Ohne meine Frau Karin, die die Kinder hauptsächlich erzogen hat und die mir auch in schwierigen Zeiten mein bester Ratgeber war, hätte ich dies alles nicht leisten können.“