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Geheimnis gelüftet: Anfänge des Grabhügels reichen bis in die Jungsteinzeit zurück

Wurzeln von Schloss Benkhausen beginnen um 2.800 vor Christus

Los geht es: Mit einem XXL-Bohrer hatten die Archäologen Bodenproben aus dem Grabhügel des Schlosses entnommen.

Schloss Benkhausen ist reich an historischen Fakten und Geschichten – und nun kommt ein weiteres bedeutendes Kapitel hinzu: Denn der Erdhügel, in dem sich die Gräber der Familie von dem Bussche Münch befinden, hat eine Vorgeschichte, die deutlich weiter zurückreicht als bislang bekannt. Die LWL-Archäologie zu Westfalen hat in Zusammenarbeit mit Archäobotanikern und Geoarchäologen Hinweise gefunden, dass die Wurzeln des Grabhügels wohl sogar bis in die Jungsteinzeit zurückgehen. Bei den Bodenproben wurden Materialien gefunden, die der Zeit zwischen 2.400 und 2.800 vor Christus zugeordnet werden können.

„Uns ist schon bei den Bodenbohrungen eine sehr interessante Schicht aufgefallen“, erklärt der Archäologe Dr. Hans-Otto Pollmann, der die Untersuchungen zusammen mit Dr. Frank Schlütz (Universität Göttingen) sowie Dr. Marlen Schlöffel und Dr. Steffen Schneider (Osnabrück) durchführt. „Im Labor hat sich dieser Eindruck bestätigt. Wir können nachweisen, dass es im Kern des heute sichtbaren Grabhügels einen weiteren, älteren Hügel gibt. Dieser ist aus ausgestochenen Grasstücken, sogenannten Soden, aufgeschichtet.“ Die Datierungen deuten darauf hin, dass dort, wo die Familie von dem Bussche Münch ihre Begräbnisstätte errichtet hat, in der Jungsteinzeit bereits ein Grabhügel stand. Diese Erkenntnis deckt sich auch mit einem Tagebucheintrag von Sophie von Kossecki (geb. von dem Bussche Münch), der Tochter des letzten Schlossherrn von Benkhausen. Sie hatte bereits vermutet, dass der Hügel, auf dem ihr Großvater ein Denkmal errichten ließ, früher ein Hünengrab gewesen sei. „Das scheint so zuzutreffen“, bestätigt der Wissenschaftler, doch die Hypothese von einem mittelalterlichen Burghügel ist noch nicht ganz vom Tisch.

Vielschichtig: Dr. Hans-Otto Pollmann (links) und Dr. Frank Schlütz begutachten die unterschiedlichen Erdschichten des Grabhügels.

„Wir freuen uns sehr, dass die Geschichte des Schlosses um eine solche Dimension erweitert worden ist“, erläutert Angelika Gauselmann, die das Projekt von Seiten des Schlosses federführend betreut hat. Zumal dieses neue Kapitel auch für die Geschichte der Stadt Espelkamp von Interesse sein dürfte. Denn die gemachten Funde sind ein Beleg dafür, dass die Gegend bereits in der Jungsteinzeit besiedelt gewesen ist. „Es waren wahrscheinlich Halbnomaden, die sich der Viehwirtschaft und der Getreidezucht gewidmet haben“, vermutet Dr. Hans-Otto Pollmann. Für den Archäologen sind die Befunde „ein Hinweis auf frühe Besiedlung und ein Stück Frühgeschichte, das zur Espelkamper Stadtgeschichte gehört“. Die Fachleute sind aktuell noch damit beschäftigt, die Resultate in einem wissenschaftlichen Abschlussbericht zu finalisieren. Trotzdem werden sie schon am Tag des offenen Denkmals, der am Sonntag, 12. September, auch am Schloss stattfindet, von ihren Erkenntnissen berichten. Von 13 bis 17 Uhr wird es im Stundentakt kurze wissenschaftliche Erläuterungen am Grabhügel geben. Auch im Schloss werden Führungen stattfinden.

Die Bodenbohrungen sind vor gut einem Jahr entnommen worden. Paul Gauselmann persönlich hatte die Untersuchungen finanziert, um der Frage nach der Vorgeschichte auf den Grund zu gehen. Es war darüber spekuliert worden, ob eine Turmhügelburg aus dem Mittelalter oder sogar eine Grabstätte aus der Bronzezeit die Vorgänger des Grabhügels gewesen sein könnten. Jetzt reichen die Wurzeln sogar noch weiter als ursprünglich vermutet. „Das Rätsel zu lösen, war eine harte Nuss“, berichtet Dr. Pollmann, „aber es hat viel Spaß gemacht.“ Die Erkenntnisse sollen zukünftig auf einer Informationstafel präsentiert und allen Besucherinnen und Besuchern des Schlosses zugänglich gemacht werden.