Die Backfeen aus dem Internet – Casino Wiesbaden gewinnt die Versteigerung – Spende geht an die Frankfurter Stiftung Waisenhaus

Plätzchen im Internet zu bestellen ist nichts Ungewöhnliches; die Bäckerinnen bei einer virtuellen Auktion zu ersteigern, schon. Erst recht, wenn der Erlös für einen guten Zweck verwendet wird. Das Wiesbadener Casino erhielt den Zuschlag und spendet nun 2500 Euro für ein Franfurter Waisenhaus.

VON THOMAS BACH

Wiesbaden · 14. Dezember · Mit einem Pinsel bestreichen Kathrin Beckmann (22) und Bianca Bußmann (23) in der Kantinenküche des Wiesbadener Casinos Zimtsterne mit Zuckerguss, während Nicole Schütz (23) Vanillekipferl mit Puderzucker bestreut. Rund 600 Plätzchen backen die drei jungen Frauen an diesem Tag für den guten Zweck.

Ihre Dienste als Bäckerinnen haben sie in einem großen Internet-Auktionshaus angeboten. Den Zuschlag unter den etwa 70 bis 80 Bietern erhielt das Wiesbadener Casino für genau 1323,33 Euro. Die Belegschaft der Spielbank hat den Betrag auf 2500 Euro aufgerundet und wird ihn zusammen mit den „Weihnachtsengeln“ am Donnerstag, 18. Dezember, an ein Frankfurter Waisenhaus übergeben.

„Die Idee zu der Aktion kam uns ganz spontan“, erzählt Kathrin Beckmann, die in Eschborn wohnt. „Eine fing damit an, dass wir ja Plätzchen backen könnten“, ergänzt Bianca Bußmann aus Frankfurt, „und dann ergab eins das andere.“ Die Idee, ihre Dienste über ein Internet-Auktionshaus anzubieten, habe nahe gelegen.

Manuela Phorst (31) aus Hattersheim hat sich die Formalitäten der virtuellen Versteigerung gekümmert. Auch sie steht nun mit Nikolaus-Mütze und grüner Spielbankschürze in der Küche und unterstützt die drei Bäckerinnen: Sie knetet und rollt Teig, formt Vanillekipferl und sticht Zimtsterne und Mürbeteigplätzchen aus. „Wir sind alle fanatische Backfeen“, erzählt Kathrin. „Die Plätzchen für zuhause haben wir schon gebacken, da haben wir geübt“, ergänzt Nicole Schütz.

Hilfe erhalten die vier Sekretärinnen, die alle im selben Eschborner Unternehmen arbeiten, an diesem Tag von Casino-Croupier Zoltan Kugler, der nach einem alten Familienrezept Nussplätzchen backt. Kugler hat seinen Teig mitgebracht, die vier Frauen haben Mehl, Zucker, Eier und Backpulver gestellt bekommen. „Von wegen viele Köche verderben den Brei“, sagt Kugler und lacht.

Die Internetseite mit den Bäckerinnen wurde 12 500mal aufgerufen. „Eine davon war ich“, sagt Casino-Sprecherin Kerstin Peterson. „Ich fand es eine klasse Idee und habe den Chef und den Betriebsrat gefragt, ob wir mitbieten wollen.“ Das Geld dazu stammt aus Eintrittserlösen und Tombola-Einnahmen der Weihnachtsfeier.

Seit fünf Jahren sammeln die rund 250 Casino-Mitarbeiter auf diese Art Spenden für einen guten Zweck. Unterstützt wurden damit bereits Jugendfreizeiten, Erdbebenopfer und die Stiftung „Bärenherz“. In diesem Jahr kamen rund 5000 Euro zusammen. Ein Teil davon kommt durch die Back-Aktion dem Frankfurter Waisenhaus zugute, „der andere Teil soll einer anderen Organisation gespendet werden“, sagt Kerstin Peterson.

Der Vorschlag, das Geld einer Einrichtung der Frankfurter Stiftung Waisenhaus zu überlassen, stammt von den Backfeen selbst. „Die konnten es gar nicht richtig fassen und haben sich gefreut wie die Honigkuchenpferde“, erzählt Manuela Phorst.

Aber nicht nur das Waisenhaus profitiert von der Aktion: „Den Nutzen, den wir dabei haben, sind die leckeren Plätzchen“, sagt Casino-Sprecherin Kerstin Peterson. Einen Teil des Gebäcks erhalten die Spielbank-Gäste, einen Teil die Belegschaft, und der Rest soll zusammen mit dem Scheck über 2500 Euro den Kindern im Waisenhaus übergeben werden.

Auch Spielbank-Geschäftsführer Klaus Gülker zeigt sich begeistert. Auf beiden Backen kauend formt er das „o.k.“-Zeichen mit den Fingern. „Wir könnten uns ja für Ostern zusammentun und Osterhäschen backen“, regt er an.

Ob die Aktion wiederholt wird, wollen die Frauen noch nicht bestätigen. „Vielleicht“, sagt Kathrin Beckmann und lächelt verlegen. Aber bis Ostern ist ja noch ein bisschen Zeit.