Interview mit Dr. Friedhelm Repnik, dem künftigen Vorsitzenden der Rentenlotterie Glücksspirale

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
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„Die Glücksspirale strotzt vor Kraft“

Glücksspirale unter neuer Führung: Dr. Friedhelm Repnik wird ab dem 1. April 2011 bundesweiter Vorsitzender der Rentenlotterie. Ein Interview mit dem baden-württembergischen Lottochef über die ruhmreiche Marke, den Traum von der Sofortrente und die guten Taten der Glücksspirale.

ISA-GUIDE: Herr Dr. Repnik, die Spieleinsätze für den Klassiker Lotto 6 aus 49 stagnieren. Dagegen legte die Glücksspirale in den letzten Jahren stark zu. Was sind die Gründe für diesen Boom?

Dr. Friedhelm Repnik: Der Begriff Boom ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen, doch es stimmt natürlich: Die Einsätze der Glücksspirale haben sich zuletzt sehr erfreulich entwickelt. Sie waren 2010 um fast ein Drittel höher als drei Jahre zuvor. Der bundesweite Spieleinsatz lag im vergangenen Jahr bei über 245 Millionen Euro. Die Glücksspirale ist eben eine starke und schillernde Marke mit einer großen Tradition. Sie strotzt von Kraft – und das nicht nur, weil sie 2010 ihren 40. Geburtstag feierte.

ISA-GUIDE: Die Glücksspirale gibt es schon seit 1970
?

Dr. Friedhelm Repnik
Dr. Friedhelm Repnik
Repnik: Ja, die Glücksspirale wurde ursprünglich als „Olympia-Lotterie“ zur Mitfinanzierung der Spiele 1972 in München gegründet. Sie war ein Gemeinschaftswerk des Nationalen Olympischen Komitees, des Deutschen Lotto- und Totoblocks und des Fernsehens. Die Lotterie gab es zunächst nur acht Wochen im Jahr. Jeweils am Ende der Spielzeit wurden in einer großen Samstagabend-Fernsehshow die Gewinnzahlen gezogen. Ich kann mich noch gut daran erinnern: Roberto Blanco, Udo Jürgens und Rudi Carell waren da zu Gast.

ISA-GUIDE: Was gab es damals zu gewinnen?

Repnik: Anfangs gab es Geld- und Sachpreise wie Eigenheime, Weltreisen, VW-Käfer oder Fernsehgeräte als Gewinne. Seit 1987 wurde als Hauptpreis das so genannte „zweite Gehalt“ ausgeschüttet. Das waren seinerzeit rund 3.000 DM im Monat. Später folgte dann die Monatsrente.

ISA-GUIDE: Und die liegt heute bei 7.500 Euro?

Repnik: Ganz genau, wenn die siebenstellige Gewinnzahl exakt mit den sieben Ziffern der Losnummer übereinstimmt, ist die Sofortrente fällig. Das sind mindestens 7.500 Euro im Monat.

ISA-GUIDE: Warum „mindestens“?

Rentenlotterie Glücksspirale
Rentenlotterie Glücksspirale
Dr. Friedhelm Repnik Die genaue Höhe ist abhängig vom Alter und Geschlecht des Gewinners. Würde zum Beispiel ich als Jahrgang 1949 gewinnen, läge die Rente bei über 9.800 Euro im Monat. Die jeweilige Gewinnhöhe ist selbstverständlich genau geregelt und dokumentiert. Der Rentenanspruch ist übrigens auch vererbbar.

ISA-GUIDE: Wie vielen Menschen glückte dieses Kunststück zuletzt?

Repnik: Passend zum Jahr 2010 bundesweit genau zehn Glücksspilzen, die meisten davon in Bayern. Gleich 87 Spielteilnehmer waren in der zweithöchsten Gewinnklasse erfolgreich und durften sich über je 100.000 Euro freuen. Insgesamt hat die Glücksspirale im vergangenen Jahr Gewinne von mehr als 96 Millionen Euro ausgeschüttet.

ISA-GUIDE: Und was passiert mit den Geldern, die nicht an die Gewinner fließen?

Repnik: Davon profitiert vor allem das Gemeinwohl. Schon das Grundprinzip der Lotterie vor 40 Jahren hieß: „Glück für Spieler und soziale Einrichtungen“. Diesem Leitgedanken ist die Glücksspirale treu geblieben. Die heutigen Destinatäre sind die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, der Deutsche Olympische Sportbund und die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. Der vierte, gleich hohe Teil der Fördersumme geht an Organisationen, die auf Länderebene in den Bereichen Natur- und Umweltschutz, Suchtbekämpfung oder Kirche gemeinnützig tätig sind.

ISA-GUIDE: Über welche Zahlengrößen sprechen wir hier?

Repnik: 2010 kamen dem Sport, dem Denkmalschutz, der Wohlfahrtspflege und den Bundesländern mehr als 68 Millionen Euro zugute. Die gesamte Fördersumme lag so um 7,5 Prozent höher als 2009. Insgesamt hat die Glücksspirale in den vergangenen 40 Jahren soziale und gemeinnützige Projekte mit rund 1,5 Milliarden Euro unterstützt. Dieser einmaligen Förderung droht aber große Gefahr.

ISA-GUIDE: Gefahr aus welcher Richtung?

Repnik: Die Gefahr liegt in der Öffnung des Sportwettensektors für kommerzielle Anbieter, wie er aktuell diskutiert wird. Dies könnte zu einem Domino-Effekt führen, so dass der gesamte Glücksspielmarkt innerhalb kurzer Zeit kommerzialisiert wäre. Die seit Jahrzehnten bewährte Förderung des Sports, der Kunst und Kultur, der Denkmalpflege und des Sozialbereichs aus Mitteln der staatlichen Lotterien und Wetten kann nach einer Marktöffnung nicht aufrechterhalten werden. Das muss den Beteiligten klar sein.

ISA-GUIDE Herr Dr. Repnik, vielen Dank für dieses Gespräch.