Las Vegas – Eine Krake die den „Wal“ verschlingt: Kapitel 2 – Steve Cyr – voll in Aktion

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
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Die Tagesgeschäfte eines Wal-Casino Host in Las Vegas.

Sie sind für die Elite unter den Großzockern, den Walen, zuständig. Das bedeutet, dass sie heftige private Einschränkungen hinnehmen müssen. Nach dem Motto, “der Tag hat 24 Stunden und wenn das nicht reicht, dann nehmen wir eben noch die Nacht dazu”, muss man sich einen Arbeitstag eines Steve Cyr vorstellen. Ausgestattet mit Beeper und Handy, kann Steve Cyr rund um die Uhr kontaktiert werden und muss immer bereit sein, sollte sich ein Großzocker zur Visite in Las Vegas anmelden.

Las Vegas, eine brodelnde Stadt, die niemals schläft. Action rund um die Uhr und die Besucher die sich nach dieser richten. Eine Hand wäscht die andere. Wer mir heute einen Gefallen macht, dem helfe ich morgen. So der Grundsatz vieler Geschäftspartner. Dazu der folgende Deal, den Steve Cyr mit dem Hardrock Hotel und dem Casino ausgehandelt hat. Jeff Armstrong war ein bekannter Rockstar und gleichzeitig auch ein Black Jack Spieler. Sein größter Wunsch war es, einmal im Hardrock Hotel ein Konzert geben zu können. Doch die Termine der Shows sind meistens begrenzt. Aber dennoch, Steve Cyr bringt den Deal zustande. Er einigt sich mit Armstrong und den Hard Rock Casino Bossen darauf, dass Jeff Armstrong auftreten konnte (sein größter Traum überhaupt). Dafür gibt Armstrong seinerseits dem Casino die Chance, sein Geld zu gewinnen, indem er ein paar Stunden täglich Black Jack spielt, mit einem Einsatz von 10.000 Dollar pro Hand! Quid pro quo.

Während der Show ist auch Steve Cyr im Hardrock Hotel und regelt gleichzeitig andere Geschäfte. Sein Telefon klingelt, ein nächster Highroller hat einen Spezialwunsch, um den sich Steve Cyr kümmern muss. “OK, ich bin unterwegs, komme in 5 Minuten, wer ist der Typ eigentlich? Ach, ist ja egal, ich regle das schon, keine Panik.”

Das Hard Rock Hotel and Casino (Foto: Michael180 / Michael180)

Das Hard Rock Hotel and Casino (Foto: Michael180 / Michael180)

Während Steve Cyr sich von Jeff Armstrong verabschiedet, warten neue Termine. Ein schnelles „give me 5“, und ein cooler Spruch, dann ist Cyr durch den Hauptausgang des Hardrock Casinos verschwunden. Sein Auto steht im Casino Valet, immer direkt abfahrbereit, er kann keine Minute warten, ständig in Bewegung, ständig in Action. Sein nächster “Kunde” ist ein Multimillionär, der sich entschieden hat, für ein paar Spielchen ins Las Vegas Hilton zu kommen. Sein spezieller Wunsch ist die Conrad Villa, in der er nächtigen möchte. Die Conrad Villa ist eine der 3 Penthouse Suiten im 30. Stock des Las Vegas Hilton. Steve Cyr wurde informiert, dass Mr. B bereits beim VIP-Check-In wartet (Highrollers werden nicht mit dem Vornamen begrüßt, aber auch nicht mit dem vollen Nachnamen, um die Privatsphäre nicht zu gefährden). Vom Hard Rock Casino hinüber zum Vegas Hilton sind es nur wenige Minuten mit dem Auto. Steve Cyr parkt im Hilton Valet Parking, wirft den Wagenschlüssel zu einem der bereitstehenden Valet-Boys und ist bereits im Sprung hinüber in die VIP-Lobby.

“Hallo Mister B! Schön, dass Sie mal wieder hier sind. Alles ist für Sie arrangiert, wir haben eine nette Überraschung für Sie”. Cyr hat seinen Job erfüllt. Ein Großzocker bekommt eine Show geboten, an die er sich noch lange zurück erinnern wird. Natürlich wird er auch den Spieltischen einen Besuch abstatten, denn letztendlich geht es nur darum. Das ganze „Drumherum“, wie Showtickets, Dinner-Arrangements und ähnliches, sind nur die Köder, um an das Geld von Mr. B heranzukommen.

Es ist ein spezieller Abend für Steve Cyr. Die beiden größten Zocker der Stadt spielen heute im Vegas Hilton. Dank ihm und seinem enorm geschickten Organisationstalent, kombiniert mit seinen kommunikativen Fähigkeiten, die er sich mit den Jahren als Telemarketingverkäufer von Vitamin-Tabletten angeeignet hat.

Einer dieser Superzocker ist Ed Duvall, mit einem Kreditlimit von 5 Millionen Dollar. Für ihn sind Einsätze bis 100.000 Dollar am Würfeltisch pro Spiel die Norm. Steve Cyr ist gerne bei seinen Spielern, wenn sie an den Spieltischen die Chips fliegen lassen. Ed Duvall, auch bekannt unter dem Namen “Fast Eddie”, ist ein Spieler, der dem Casino gefährlich werden kann, wenn seine Glückssträhne beginnt. Spiele-Sessions, bis zu 24 Stunden ohne Schlaf, dazu ist Fast Eddie durchaus in der Lage. Dank seinem enorm hohen Kreditlimit kann er selbst lange Durststrecken überstehen. Aber wenn der Tisch erst einmal “heiß” wird, das bedeutet wenn der Spieler gewinnt, dann nutzt er seinen Lauf gnadenlos aus und steigert seine Einsätze. Kein Mensch kann 24 Stunden nonstop auf den Beinen sein, ohne dass sich erste Ermüdungserscheinungen zeigen. Doch auch dafür ist gesorgt. Jemand bringt Eddie einen Stuhl, damit er es sich am Craps Tisch bequem machen kann. Schließlich muss das Spiel weitergehen.

Aber Ed Duvall ist auch bei der Konkurrenz eine bekannte Spielerpersönlichkeit, die gleichzeitig um ihn (und sein Geld) buhlten. MGM Grand, Caesar’s Palace, Mirage, sie alle sind bemüht, dass Eddie während seines Aufenthaltes in Las Vegas bei ihnen wohnt und spielt. Alle bieten sie ihm deshalb Geschenke an, von denen unsereins nur zu träumen wagt. Die besten Luxussuiten, Dinnereinladungen in die teuersten und besten Restaurants der Stadt und ausgefallene Geschenke, sofern Ed Duvall bereit war für ein paar Runden Craps oder High Limit Black Jack zu spielen. Das Geschäft mit den Walen ist hart umkämpft, die Konkurrenz schläft nicht. Heute ist Fast Eddie der Gast im Las Vegas Hilton. Steve Cyr ist nicht unbeteiligt an den hohen Verlusten, die er monatlich im Hilton hatte. Der Erfolgsbonus eines Casino Host ist in erster Linie an der Höhe der Gewinne gemessen, den die Wale dem Casino generieren. Je mehr ein Wal verspielt, desto besser für einen Casino-Host wie Steve Cyr. Des einen Unglück ist des anderen Vorteil. So ist es in der eiskalten Casinowelt. Obwohl es für das Casino selbst nicht wichtig ist, ob ein Gast verliert oder gewinnt, wenn es darum geht, ob der Gast seine Suite und alle anderen Geschenke und Einladungen bekommt, so bekommt ein Casino Host nur dann seinen Bonus, wenn sein Gast auch viel verliert.

Und Steve Cyr macht seine Sache gut. Er hattte das Talent und die Gabe, selbst die hartnäckigsten Spieler, die nicht mehr zurückkommen wollten, zurück in die glamouröse Welt des Glücksspiels zu bringen.

Mit 40 Jahren ist Steve Cyr bereits an der Spitze seiner Karriere. Er hat seinen Traumjob in die Wirklichkeit umgesetzt. Als Verantwortlicher für die Casinos bringt er die Großzocker nach Las Vegas. Mittels Supersuiten und sonstigen Geschenken für diese Sorte Spieler hat er es relativ einfach, für hohe Umsätze zu sorgen. Ist ein Wal erst mal im Casino, dann spielt er auch. Und den Job hat sich Steve Cyr im Grunde selbst geschustert. Als er nach Las Vegas kam, um auf der Universität Hotel Management zu studieren, da gab es die Position des Casino Host, wie man es heute kennt, noch nicht. Seine Eltern übernahmen ein Howard Johnson Motel in Salina, Kansas, wo er fleißig mit half und die ersten Schritte in der Hotelgastronomie erlernte. Seine Eltern wollten, dass er eine gute Ausbildung bekam. Zusätzlich war er auf der UNLV in Las Vegas, welches nicht weit entfernt von den Casinos war, für welche er später arbeiten würde. 1983 zog Steve Cyr nach Las Vegas. Es war die Zeit, bevor die ganzen Mega Ressorts öffneten. Das Dunes stand noch, Mirage gab es noch nicht und MGM Grand sowieso nicht, ebenso all die anderen Casinos, die heute, südlich vom Flamingo, am Las Vegas Boulevard stehen. Das Bally’s stand, umgeben von kleinen Motels und Restaurants und weit oben das Tropicana, in der Nähe des Flughafens. Die Casinos der Großkonzerne sollten erst 10 Jahre später kommen.

Auf der Universität belegte Steve Cyr praktisch sämtliche verfügbaren spiel bezogenen Seminare. Seine Lieblingsvorlesungen waren die von Michael Gaughan, dem Besitzer des Barbary Coast Hotels. Einem Casino, welches fast eingezwängt wirkte zwischen dem Giganten Flamingo und – auf der anderen Seite der Flamingo Road – dem Bally’s Hotel Casino.

In Las Vegas ist es nicht unüblich, dass die Angestellten der Casinos selbst auch Spieler sind. Die allergrößten Zocker sind dafür bekannt, dass sie genau wissen, was ein Spieler will und daher wurden sie auch teilweise so erfolgreiche Casino Manager. Bobby Baldwin beispielsweise, Manager Gaming Operations des Bellagio, ist selbst ein professioneller Pokerspieler. Und weit zurück, ehe er daran glaubte, jemals das schönste und beste Casino der Welt leiten zu dürfen, war er täglich bei den Pokerrunden in Las Vegas anzutreffen.

Eine jener Vorlesungen von Michael Gaughan war mitbestimmend für die Zukunft des Steve Cyr.
Gaughan fragte ihn: “Spielst du gelegentlich?”. Obwohl Steve Cyr damals noch nicht einmal 21 Jahre alt war, konnte er diese Frage mit einem “Ja” beantworten. Und jetzt kam der entscheidende Test an Steve Cyr. Gaughan gab ihm den Auftrag, in den kommenden Tagen einmal spielen zu gehen und zwar mit etwas mehr Geld, als er normalerweise einsetzen würde. Er wollte, dass sein durchschnittlicher Einsatz höher sein müsste als es gemäß all den vielen Anleitungen und Systemen sinnvoll wäre. Anstatt dass er 5 Dollar auf einmal spielte, sollte er nun 20-25 Dollar setzen.

Der Test verfehlte den Zweck nicht! Steve Cyr spürte das Adrenalin hochkommen, wenn es um mehr Geld geht als man sich eigentlich leisten konnte. Die Gier, noch mehr gewinnen zu wollen, wenn der Tisch heiß ist und der Stress, wenn man im Antilauf gefangen wird, die Gefahren, wenn man die Grenze überschreitet, die einem zeigt, dass man mit Geld, welches man für die Miete und sonstige Rechnungen aufwenden sollte, eben nicht spielen sollte. Es war die entscheidende Lektion, die Steve Cyr lernte, und die ihn auf den richtigen Weg bringen sollte.

Später, nachdem er seine Ausbildung auf der Universität beendet hatte, fing er im Barbary Coast als Schalter-Angestellter im Sports Boot (Wettbüro) an. Außerdem arbeitete im Casino Pit als Black Jack, Craps und Roulette Dealer. Dies machte er eigentlich nur um die Spiele kennen zu lernen. Er arbeitete ohne Bezahlung und bekam auch keinen Anteil von den Trinkgeldern. Ebenfalls saß er im Überwachungsraum hinter den Monitoren und überprüfte das Geschehen im Casino. Später bekam er einen Arbeitsvertrag und arbeitete in Vollzeit für das Barbary Coast. Die ganze Casinoatmosphäre zog ihn in den Bann und dank seinem Mentor, Michael Gaughan, hatte er den Einstieg geschafft. Er war im Geschäft. Aber der Casino Floor war nicht das, was er sich für die kommenden 30 Jahre vorstellte. Er wollte immer ins Casino Marketing. Ein Besuch im Desert im Jahre 1987 sollte ihn auf die Idee bringen von der bis dahin keiner etwas wusste. Neben der Hauptlobby sah er einen Bereich, der die Bezeichnung „VIP-Lounge“ hatte. Neugierig, was es damit auf sich haben würde, betrat er diesen Raum und kiebitzte ein bisschen, stellte ein paar diskrete Fragen, und da begannen seine Ideen konkrete Formen anzunehmen.

Wie Steve Cyr den Einstieg ins Casino Marketing schaffte, lesen Sie im nächsten Teil.

Hier finden Sie eine Übersicht aller bisher erschienen Teile dieser Artikelserie.

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