Aktuelles von der WSOP 2006: Phil Hellmuth wurde Zweiter

Ein Artikel von Alex Lauzon

Der 9. Bewerb der, der am 4. Juli mit 622 Teilnehmern, mit einem Buy-in von USD 5.000, begonnen hatte, Hold’em No-Limit, ging am Donnerstag um exakt 14:00 Uhr an den Final Table. Von den mehr als 3 Millionen in Preisgeldern, warteten USD 818.546 auf den Gewinner.

Hier die Liste der Spieler, die sich um das Bracelet – und etwas Kleingeld – streiten sollten:



Platz 1 Vinnie Vinh Der in Texas lebende Vollprofi ging als Chipleader ins Rennen. 784.000
Platz 2 Isabelle Mercier Die Dame aus Quebec war nicht nur der Blickfang am Tisch, auch verfügt sie über nennenswerte Turniererfolge. 301.000
Platz 3 Eugene Todd Der Tournierveterane aus Brooklyn, New York, spielt seit 16 Jahren Poker. 240.000
Platz 4 Marcel Luske Genannt, der „Fliegende Holländer“, einer der großen Stars am Tisch. 458.000
Platz 5 Jeff Cabanillas Ein völlig unbekannter Turnierneuling, der es an den Final Table schaffte. 275.000
Platz 6 Douglas Carli Der Turnierprofi aus Ohio spielte sich bereits 31 Mal in die Geldränge. 273.000
Platz 7 Dan Smith Der junge Kalifornier hatte in 7 Turnier bereits mehr als USD 400.000 gewonnen. 117.000
Platz 8 Thomas Schreiber Ein Profi aus Connecticut, der, trotz ebenfalls mehr als USD 400.000 in Turniergewinnen, dem Rampenlicht ausweicht. 200.000
Platz 9 Phil Hellmuth Der absolute Star am Tisch. Champion des Jahres 1989 und Besitzer von 9 WSOP-Bracelets. 461.000



Phill Hellmut

Isabelle Mercier

Marcel Luske


Der Final Table begann mit Blinds von 8.000/16.000 und einer Ante von 2.000, was die meisten der Teilnehmer ziemlich unter Druck setzte, mussten sie doch ihren Stack rasch aufbauen. Dan Smith, Letzter im Chipcount, versuchte schon in der zweiten Hand seinen Stack zu verdoppeln, doch niemand nahm seine Herausforderung an.

Die erste Verdopplung gelang dem Turnierneuling Jeff Cabanillas gegen Phil Hellmuth, der mit A-Q callte. Cabanillas hatte bloß K-10 vorzuweisen, doch blieb ihm das notwendige Glück nicht versagt und sein König paarte sich.

Die erste dramatische Begegnung ereignete sich, als die Blinds bereits auf 10.000/20.000, mit einer Ante von 3.000, gestiegen waren. Chipleader Vinnie Vinh setzte 61.000 und der Holländer Marcel Luske antwortete mit einem All-in. Mit A-K gegen A-J war Luske klarer Favorit und, als das Board zu keiner Veränderung dieser Situation führte, wurde er zum neuen Chipleader.

In einer weiteren Konfrontation zwischen Phil Hellmuth, Vinnie Vinh und Dan Smith hatte der Champion des Jahres 1989, bei einem Board von 7-5-2-7-A, nichts besseres vorzuweisen als K-10. Beide Gegner legten ihre Karten ab und Dan Smith musste sich als Erster vom Final Table verabschieden.

Mit diesen nicht wirklich gerechtfertigten Calls wollte Vinh vermeiden, in Folge aus dem Pot geblufft zu werden. Doch schon kurze Zeit später nahm er wieder eine Herausforderung zum All-in an, die sich mit K-Q in Karo nicht unbedingt rechtfertigen ließ. Phil Hellmuth, sein Gegner, verfügte über A-10. Der Flop paarte das Ass und zu zwei Karo fiel kein drittes. Vinnie Vinh erreichte damit den 8. Platz.

Phil Hellmuth hatte nun eindeutig die Dominanz am Tisch übernommen. Marcel Luske, der offensichtlich unter schwachen Karten zu leiden hatte, verhielt sich äußerst zurückhaltend und überließ das Schlachtfeld seinen Gegnern, was aber, durch Blinds und Antes, zu einer kontinuierlichen Verringerung seines Stacks führte.

Jeff Cabanillas spielte zwar sein erster Turnier, doch finden wir ihn regelmäßig auf den Cash-Tischen des Commerce Casinos in Los Angeles. Mit Q-8 nutze er seine Position zu einem Semi-Bluff. Turnierveterane Douglas Carli callte seinen jungen Opponenten mit J-9. Der River brachte eine Dame, die Cabanillas nicht wirklich brauchte, und Carli verabschiedete sich damit an 7. Stelle, kurz bevor eine Pause im Turnier eingelegt wurde.

Nach der kurzen Entspannung folgte eine klassische Turniersituation. Ein All-in zwischen Thomas Schreiber und Jeff Cabanillas, 7-7 in der Hand Schreibers und A-K für Jeff! Der Flop, Q-10-4, Regenbogen, konnte Schreiber nicht wirklich das Gefühl der Dominanz vermitteln, sah er sich doch mit einer Unmenge von vernichtenden Outs konfrontiert. Der River brachte schließlich einen Buben. Während Cabanillas seinen nun beträchtlichen Stack ordnete, verließ Schreiber den Tisch als Sechster und kassierte einen Scheck über USD 146.170.

Die charmante Isabelle Mercier, aus der kanadischen Provinz Quebec, fiel ihrer passiven Rolle an diesem Final Table langsam aber sicher zum Opfer. Ein Verzweiflungs-All-in mit K-3 kostete ihr schließlich ihre letzten Chips und sie verließ den Tisch, einen beachtlichen 5. Platz erzielend, dotiert mit USD 175.404.

Nach dem Abendessen saßen somit noch 4 Spieler am Tisch:

Phil Hellmuth – 1.100.000

Eugene Todd – 740.000

Jeff Cabanillas – 600.000

Marcel Luske – 560.000

Die Blinds waren auf 15.000/30.000, Ante 5.000, und die Devise hieß, den Vorteil von Hellmuth zu brechen. Marcel Luske, dessen Stack für weniger als 20 Big Blinds ausreichte, versuchte ihn aggressiv aus dem Pot zu drängen, doch Phil Hellmuth callte, dem Holländer nur 2.000 Chips vor sich belassend. Als Phil Hellmuth, bei einem Flop von 7-7-4 Luske seine restlichen Chips abverlangte, willigte dieser – es waren nur mehr 2.000 – mit Q-J natürlich ein. Phil Hellmuths K-10 dominierte und der „Fliegende Holländer“ flog aus dem Turnier. Immerhin, sein vierter Rang brachte ihm USD 204.638 ein.

Durch einen geschickten Bluff verbesserte sich die Situation von Jeff Cabanillas gegenüber Phil Hellmuth. Immer mehr in Bedrängnis kam dadurch Eugene Todd. Er und Jeff sahen einen Flop von 6-4-2, Regenbogen, und beide checkten. Als eine 8 am Turn fiel ckeckte Eugen Todd, antwortete auf Jeff Cabanillas Einsatz von 90.000 aber mit einem All-in. Dieser nahm die Herausforderung an und legte 10-10 auf den Tisch, während Todd auf K-8 vertraut hatte. Der River änderte nichts an der Situation und Eugen Todd verabschiedete sich an 3. Stelle mit USD 233.872.

Heads-up saßen sich nun Champion Phil Hellmuth und Turnierneuling Jeff Cabanillas, mit leichtem Vorteil für den Neuling, gegenüber. Während der nächsten drei Stunden, sollte sich die Chipführung jedoch mehrere Male ändern.

Unter den regelmäßigen Teilnehmern bei den World Series of Poker wird der Zahl der gewonnenen Armbänder enorme Bedeutung geschenkt. Während ein großer Turniererfolg von Glück unterstützt sein kann, so ist eine Ansammlung von Bracelets der unumstrittene Beweis für erstklassiges Pokergeschick. Phil Hellmuth besitzt bereits 9 davon und nur zwei Spieler liegen um genau eines voran: Doyle Brunson und Johnny Chan. Und während sich Phil Hellmuth gerade um seine zehnte Tropäe stritt, fanden sich genau diese zwei Spieler im Publikum ein, um den Ausgang der Partie zu beobachten; eine Situation, die sicher ihre psychologischen Auswirkungen auf Phil ausübte.

Das bittere Ende für Phil Hellmuth kann aber sicher nicht auf diesen möglichen psychologischen Effekt zurückgeführt werden, sondern es war einer von vielen Bad Beats, die er über sich ergehen lassen musste. Bei einem Flop von 6-3-4, zwei davon in Karo, setzte Cabanillas 60.000 und Hellmuth antwortete mit einem All-in. Ohne zu zögern willigte Cabanillas ein und legte

auf den Tisch. Ein Paar Dreien mit beidseitigem Straßeneingang. Phil Hellmuth aber hatte das bessere Blatt, zwar keine passende Farbe, doch mit 5-4 verfügte er über den gleichen Sraßeneingang und gleichzeitig über das bessere Paar. Der Turn brachte ihm sogar eine weitere 4, doch dann fiel der River, der Phil Hellmuths Traum vom zehnten Bracelet eine spontanes Ende setze:

Mit USD 483.893 „Trostpreis“ war Phil Hellmuths 2. Platz dotiert, während Jeff Cabanillas, der sein erstes offizielles Turnier spielte, mehr als USD 800.000 und das begehrte Bracelett, im Gewitter der Blitzlichter, überreicht wurden.

Herzlichen Glückwunsch Jeff! Und Phil Hellmuth wünschen wir mehr Glück beim nächsten Anlauf!

Alex Lauzon