Spielbank Wiesbaden: Aus dem Tagebuch eines Turnierdirektors: „Main Event 1“ oder „1.000 in einer Nacht“

Ich hatte allen Unentschlossenen gesagt, „bitte nicht vor 12“ und, das Gute zuerst, alle haben sich daran gehalten. Aber dann: SMS, Whatsapp, Telefon…, eine Kakophonie verschiedener Nachrichtentöne. Ich will‘s kurz machen, kein Mittagsschläfchen und der Happen mit dem spanischen Freund ist auch ausgefallen! Dafür aber noch 13 Leute im Turnier untergebracht.

Gegen 18:30 Uhr war‘s dann endlich voll: 70 Spieler und eine, wenn auch kurze, Warteliste. Also hoch in die Kantine, wo es außer zwei Brötchen für mich nichts Essbares gab. Wenn ich da an den Brunch vor zwei Tagen zum Schmulder-Abschied zurückdenke! Der Sepp hat mein Hausmittel auch vertragen, hat aber vorsichtshalber zusätzlich noch einen Brandy hinterher geschüttet. Motto: Ein Fels wankt, aber er fällt nicht.

Habe ich gestern noch vom ruhigen Ablauf in der Wiesbadener Turnierarena geschrieben, kochten heute kurzzeitig die Emotionen über. Zwei Spieler, die ich als eher ruhige, besonnene Zeitgenossen kenne, gerieten aneinander. Etwas verblüfft ging ich dazwischen und konnte die beiden beruhigen. Später haben sie sich ausgesprochen und wie Erwachsene die Hand gegeben. Leute, Leute. Mein spanischer Freund saß etwas gelangweilt mitten im Geschehen und fragte mich, ob ich das als kleine Show-Einlage gebucht hätte. Na klar!

Dann wurde sich wieder dem eigentlichen Anlass gewidmet, nämlich dem Pokerspiel. Heute spielen wir bis maximal 3 Uhr oder bis nur noch 30 Spieler im Turnier sind. Meine Erfahrung sagt mir, spätestens um halb drei stehen die 30 Finalisten fest – es wurde sogar noch eine halbe Stunde früher. Der Sepp trabt mit einem fröhlichen „Tschööh“ von dannen und ich mach meinen regulären Dienst zu Ende.

Der morgige Tag wird zwar lang (gab‘s die Woche ‘nen kurzen?), aber entspannt: Keine Akquise, mein Telefon sollte wohl schweigen. Morgen früh bekomm‘ ich Frühstücks-Besuch, da muss ich fit sein. So lass ich die Nacht langsam ausklingen, abgekämpft aber zufrieden. Wenn jetzt noch das Deep-Stack voll wird, dann war das Festival ‘ne runde Sache!

Gute Nacht!

Aus dem Tagebuch eines Turnierdirektors: „Main Event 2“ oder „der längste Tag“

Eine kurze Nacht findet ihren versöhnlichen Abschluss in einem Frühstück mit einigen Leckereien. Und so geh‘ ich zufrieden und wohlig in den längsten Tag der Turnierwoche. Am gestrigen Freitag, Tag 1 des ausgebuchten Main Events, hatten sich 71 Teilnehmer in die Schlacht um 71.000 Euro gestürzt. Am heutigen Final-Samstag sind noch 30 Spieler im Turnier mit einem Average von knapp 50.000 – es droht ein „Stellungskrieg“ apokalyptischen Ausmaßes!

Ich bin um kurz nach drei im Dienst, die ersten Finalisten sind schon da. Am Samstag vor Weihnachten weiß man ja nie, wie es um die normalerweise mehr als ausreichenden 520 Parkplätze am und unter dem Kurhaus bestellt ist. So startet die Finalrunde des Main Events pünktlich um 17 Uhr, alle sind rechtzeitig da. „Alle“, das heißt 29 Herren der Schöpfung und „Mieze“. „Mieze“? Das ist keineswegs despektierlich gemeint, „Mieze“ ist ihr Künstlername und ich freu‘ mich wirklich, dass mal eine Frau im Main Event des X-Mas Turniers so weit gekommen ist. Wie weit sie dann tatsächlich kommen würde, das konnte ich in diesem Moment noch nicht ahnen.

Die ersten Cashgamer trudeln ein und so laufen kurz nach 18 Uhr schon drei stabile 5/10er Tische. Bei diesem Anblick könnte man meinen, es würde nirgendwo im Rhein-Main-Gebiet Poker gespielt außer bei uns! Die neun Tage Dienst am Stück spür‘ jetzt aber doch in den Knochen und mir schwant Fürchterliches, als ich sehe, welch starkes Turnierpoker von den Akteuren abgeliefert wird. Das geht lang!

Also, ich in die Kantine – nur um festzustellen, dass ich schon wieder darben muss. Irgendwann, ich glaub‘ so gegen halb elf, war dann „Finaltisch“. Das Wiesbadener Urgestein, den „Käpt‘n“, hat es als 11. Erwischt. Ganz ganz unglücklich mit der deutlich besseren Hand, ein Riesen-Pech. Aber Kopf hoch, Gerd, heute kommt noch das Deep-Stack, da wird’s wieder!

Na, jetzt werden sie wohle befreit aufspielen, dachte ich. Aber Denkste, zäh wie das Putenschnitzel in der Kantine zog sich der Endkampf. Sepp flachst erst noch rum, aber irgendwann stehen wir zwei da und rechnen. Es würde knapp werden. Sauber! Wieder nix mit dem Lugana als Betthupferl und Einschlafhilfe. Verflixt!

Aber irgendwann geht ja alles vorbei. „Mieze“ hat sich auf einen tollen 3. Platz gekämpft und dann waren es nur noch zwei! Schnell wurden sich die Beiden handelseinig und Andreas Hafner durfte sich ganz oben aufs Podest stellen. Andreas Hafner?? Ein Phänomen: Letztes Jahr habe ich ihn angemeldet und er hat das Turnier gewonnen und dieses Jahr gibt es einen Titelverteidiger!! Klasse!

So, jetzt nix wie heim, ich bin erledigt, jetzt nur noch Füße hoch! Auch über das morgige Deep-Stack brauch ich mir keine Gedanken zu machen, das ist seit den Abendstunden ausverkauft. Also, liebe Leser … noch einmal schlafen. Gute Nacht!

Fünf Turniere pro Woche, das kultige X-Mas Festival und täglich ein saftiges Cashgame – mehr Poker geht nicht in Rhein-Main

Daniel Effendy (2) – Andreas Hafner (1) – Marcus Engelmann (3)

Daniel Effendy (2) – Andreas Hafner (1) – Marcus Engelmann (3)

Die Gewinner des Turniers:

1. Andreas Hafner (D)19.470,- € Deal
2. Daniel Effendy (D)16.740,- € Deal
3. “Mieze”9.230,- €
4. NN6.390,- €
5. Marcus Engelmann (D)4.970,- €
6. NN4.260,- €
7. NN3.550,- €
8. Vincent Wagner (D)2.840,- €
9. NN2.130,- €
10. NN1.420,- €

Die Pokernacht in Zahlen:

  • 129 Pokerbegeisterte
  • 17 Uhr Turnierbeginn
  • 1.000 € Texas Hold’em
  • 20.000 Start-Chips, Leveltime 40 Minuten
  • 71 Turnierspieler
  • 6 Turniertische
  • 71.000,- € Preisgeldpool
  • 4 Cash-Tables im Klassischen Spiel mit 5/10 (250)
  • 2 PokerPro-Tische im Automatenspiel mit 1/2 (40-80)/Bad-Beat-Jackpot 24.831 €

Turnierleiter: Sebastian Richter

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