„Joker“: Erfolgreiches Programm zur Glücksspiel-Prävention von Jugendlichen – ISA-GUIDE.de

„Joker“: Erfolgreiches Programm zur Glücksspiel-Prävention von Jugendlichen

Am Mittwoch (27. September) wird mit dem bundesweiten Aktionstag gegen Glücksspielsucht einmal mehr auf das hohe Suchtpotential von Glücksspielen aufmerksam gemacht. Gerade jüngere Männer ohne Perspektive sind am stärksten gefährdet. Bei der Prävention hilft seit über einem Jahr ein hierfür entwickeltes Programm mit einer App namens „Joker“. Das von Experten der südbadischen Villa Schöpflin gGmbH mit Unterstützung von Lotto Baden-Württemberg entwickelte Präventionspaket wurde zwischenzeitlich erfolgreich evaluiert.

Männliches Geschlecht, geringer Bildungsstand, niedriger sozial-ökonomischer Status, Erwerbslosigkeit und Migrationshintergrund – das sind laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) die einschlägigen Risikofaktoren für problematisches oder pathologisches Glücksspielverhalten. Vor diesem Hintergrund entwickelten von 2015 an Experten der Lörracher Präventionseinrichtung Villa Schöpflin gGmbH mit Unterstützung von Lotto Baden-Württemberg ein innovatives Programm mit einer App, die diese Gruppe gezielt ansprechen sollen.

Das Programm „Joker“ findet seither in der Jugendberufshilfe Anwendung. Es besteht aus einem Workshop mit verschiedenen Unterrichtsmodulen und einem Materialienpaket. Darüber hinaus wurden zusammen mit der Dualen Hochschule Lörrach eine App und eine Homepage entwickelt. Diese werden im Rahmen der Unterrichtsmodule vorgestellt, können aber auch unabhängig von der Teilnahme am Workshop von allen Interessierten genutzt werden. Die App gibt Impulse zur Information und Motivation des Benutzers und erinnert an ein selbst gewähltes Einsatzlimit zur Selbstkontrolle.

Von Mai 2016 bis Februar 2017 untersuchte das Kölner Institut Univation das Präventionsprojekt, um zu prüfen, inwieweit „Joker“ seine Ziele erreicht. Darüber hinaus sollte die Evaluation Informationen bereitstellen, wie das Projekt ggf. weiterentwickelt werden kann. Die Ergebnisse der Untersuchung fielen positiv aus. Insbesondere die hohe Eignung des methodischen Ansatzes für die Zielgruppe wurde hervorgehoben.

„Mit dem Programm und der App haben wir passgenaue Instrumente zur Glücksspielprävention von Jugendlichen entwickelt“, betonte Peter Eichin, Geschäftsführer der Villa Schöpflin. „Die Joker-App soll vor allem dazu motivieren, sich mit dem eigenen Spielverhalten zu beschäftigen. Sie ist auf das mediale Nutzungsverhalten junger Menschen ausgerichtet“, so Eichin weiter.

Sozialkonzept als Grundlage in der Spielsuchtprävention

Bei Lotto Baden-Württemberg ist die Teilnahme an Lotterien und Wetten erst ab 18 Jahren möglich. Dies wird in den rund 3.200 Annahmestellen im Land laufend überprüft – auch mit regelmäßigen Testkäufen. In der Spielsuchtprävention ist das Unternehmen breit aufgestellt. Grundlage ist ein ganzheitliches Sozialkonzept. Dieses Konzept wurde im Jahr 2006 gemeinsam mit der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart (eva) entwickelt und seither kontinuierlich verbessert. Es ist ein fester Bestandteil der Unternehmenspolitik und Voraussetzung für die Erteilung einer glücksspielrechtlichen Erlaubnis. Darüber hinaus kooperiert Lotto Baden-Württemberg als Mitglied des Deutschen Lotto- und Totoblocks seit Anfang 2007 mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Die Vereinbarung mit der BZgA umfasst unter anderem ein bundesweites telefonisches Beratungsangebot für gefährdete Spieler, Hilfsangebote zur Suchtvorbeugung im Internet, einheitliche Informationsmaterialien zur Spielsuchtprävention und eine mediale Aufklärungskampagne.

Bundesweiter Aktionstag gegen Glücksspielsucht

Am 27. September 2017 wird mit dem Aktionstag gegen Glücksspielsucht bundesweit auf das hohe Suchtpotential von Glücksspielen aufmerksam gemacht. Auch in Baden-Württemberg informieren Suchberatungsstellen und kommunale Suchtbeauftragte über die Risiken des Glücksspiels und über Beratungsmöglichkeiten vor Ort. Sie regen mit unterschiedlichen originellen Aktionen zu einer Auseinandersetzung mit dem Thema an. Darüber hinaus werden in diesem Jahr in einem Pilotprojekt auch speziell gestaltete Bäckertüten mit dem Aufdruck „Roggen statt Zocken“ und einem Hinweis auf den Aktionstag an Bäckereifilialen verteilt. Beteiligt sind insbesondere Bäckereien in den Landkreisen Heidenheim und Göppingen, vereinzelt auch in anderen Landkreisen. Diese und weitere Materialien stellt das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg im Rahmen der Kampagne „Spielverderber – die Sucht verdirbt mehr als nur das Spiel“ den Akteuren in den Städten und Gemeinden mit Unterstützung des Ministeriums für Soziales und Integration und der BZgA kostenlos zur Verfügung.