Sportzertifikate: Sportwetten an der Börse

Rechtsanwalt Martin Arendts, M.B.L.-HSG

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Seit zwei Wochen können Sportwetten an der Börse gehandelt werden. Die Ex-tra Sportwetten AG (http://www.ex-tra-sportwetten.at) mit Sitz in Wien, eine Tochtergesellschaft der Berliner Effektengesellschaft, verbrieft Sportwetten als Ex-tra SportZertifikate. Bei diesen Zertifikaten handelt es sich um auf den Inhaber lautende Schuldverschreibungen mit variabler Rückzahlung. Ein Handel mit den SportZertifikaten findet seit dem 7. März 2007 an der Börse Frankfurt Smart Trading und der Wertpapierbörse Berlin-Bremen im Freiverkehr statt.

Da die Ex-tra Sportwetten AG als Emittent der Zertifikate als Wetthalter fungiert, hat sie beim Magistrat der Stadt Wien eine Bewilligung zum gewerbsmäßigen Abschluss von Wetten beantragt und auch erhalten. Einsteigen will Ex-tra mit Zertifikaten auf die in Deutschland und Österreich beliebtesten Sportarten Fußball und Formel-1-Rennen. Auch für die 2008 in der Schweiz und in Österreich stattfindende Fußball-Europameisterschaft und die Champions League soll es Zertifikate geben.

Aktuell werden seit letzter Woche zwei Arten von Zertifikaten auf die Fußball-Bundesliga gehandelt: Meisterzertifikate und Platzierungszertifikate. Beim Meisterzertifikat erhalten Besitzer bei Fälligkeit 100 Euro, falls die betreffende Mannschaft deutscher Fußballmeister wird. Ansonsten gehen Inhaber des Zertifikats leer aus. Ein Beispiel: Das Meisterzertifikat auf Schalke 04 kostet aktuell 42,10 Euro. Dies entspricht bei einer Zahlung von 100 Euro im Gewinnfall am Laufzeitende einer Buchmacherquote von 2,38. Je schlechter ein Verein platziert ist, desto niedriger ist der Kurs des Meisterzertifikats. So kostet das Papier auf Werder Bremen aktuell 31,90 Euro, auf Bayern München 23 Euro und auf den VfB Stuttgart 12,70 Euro.

Bei der zweiten Art, dem Platzierungszertifikat, hängt die Höhe der Rückzahlung vom Rang am Ende der Bundesligarunde 2006/2007 ab. Platz eins bedeutet eine Rückzahlung von 100 Euro, für Platz zwei gibt es 95 Euro. Jeder Platz weiter hinten in der Tabelle schmälert den Gewinn um weitere 5 Euro. Für Platz 15 sind das dann noch 30 Euro. Die Abstiegsränge 16 bis 18 gehen leer aus. Die Kurse der Platzierungszertifikate spiegeln in etwa den Tabellenstand wider: Vorn sind Schalke 04, Werder Bremen, der VfB Stuttgart und Bayern München. Interessanter ist für Trader das Tabellenmittelfeld, da dort mehrere Vereine eng beieinander sind. Jeder Platz nach oben oder unten macht daher bereits rund zehn Prozent Kursveränderung aus.

Als Argument für an der Börse gehandelte Wetten und Wettbörsen bringen Ökonomen wirtschaftliche Vorteile ins Spiel. So könnten sich Fußballklubs durch den Handel mit Sportzertifikaten gegen sportlichen und damit finanziellen Misserfolg absichern. Denkbar ist auch eine Rückabsicherungsmöglichkeit für Buchmacher. Im Unterschied zu klassischen Wetten können Wettkunden bei Zertifikaten während der Laufzeit ihre Position wieder glattstellen und Gewinne (oder Verluste) realisieren. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Transaktionskosten gerade bei kleinem Kapitaleinsatz den Gewinn noch ein Stück schmälern können.

Den von der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) gebilligten Basisprospekt vom 16. Februar 2007 sowie die einzelnen Zertifikatsbedingungen hat Ex-tra auf der Internet-Seite hinterlegt. Ein öffentliches Angebot in Deutschland ist – wohl aus rechtlichen Gründen – zunächst nicht vorgesehen. Die Zulassung zum Handel mit den Ex-tra Sportzertifikaten ist von der Tradegate AG Wertpapierhandelsbank, einer weiteren Konzerntochter der Berliner Effektengesellschaft AG, beantragt worden. Tradegate stellt fortlaufend An- und Verkaufskurse und ermöglicht so einen fortlaufenden Handel. Neben dem Handel im Freiverkehr soll auch auf der elektronischen Handelsplattform TRADEGATE unter der Internetseite www.sportzertifikate.de gehandelt werden können.