Interview mit Christian Kaisan – Profi Roulette Spieler aus Leipzig, genannt der Sachse

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
E-Mail: info@isa-guide.de


(rs) Christian Kaisan, geschieden, 3 Kinder, 60 Jahre alt, ist einer der bekanntesten Roulettespieler auf der Welt. Mit seiner Methode, die Beobachtung des Roulette-Kessels als sogenannter „Kesselgucker“, hat er bereits einige Millionen in vielen Casinos auf der ganzen Welt erspielt.
Der „Kesselgucker“, von dem er selber sagt, was für ein bescheuerter Name, stand dem Chefredakteur, Reinhold Schmitt, von ISA-CASINOS, Rede und Antwort.

ISA-CASINOS, Chefredakteur, Reinhold Schmitt: Seit wann spielen Sie schon Roulette und wie kamen Sie zum Spiel?

Christian Kaisan: Begonnen hat alles 1972 in meiner Heimatstadt Leipzig.

Dort gibt es eine Pferderennbahn, die ich regelmäßig besuchte und wo ich auch klein, klein gewettet habe. Eines Tages sah ich Leute, die nach Ende der Rennen vor dem Eingang Campingtische aufbauten und plötzlich war an 10 oder 20 Tischen eine Riesenzockerei im Gange. Es handelte sich um ein Würfelspiel mit Namen „Die Goldene Sechs“. Auf meine Frage erfuhr ich, dass im „neuen sozialistischen Strafrecht“ der Glücksspielparagraf gestrichen worden wäre und alles hier sei nun legal. Daraufhin habe ich das Spiel zu Hause analysiert und festgestellt, dass es an offenen Straßenraub grenzt und mich von Beginn an auf die Seite der Bankhalter geschlagen.

Durch diesen Kontakt erhielt ich nun Einblick in die gesamte, damals schon existierende, Leipziger Spielszene mit ihren Nachtpartien. Vorwiegend wurde das Kartenspiel „Meine Tante – Deine Tante“ gespielt, welches ich auch als Spieler ziemlich schnell beherrschte, weil ich feststellte, dass die jeweiligen Bankhalter meist sehr oberflächlich mischten. Darauf aufbauend ersann ich mir ein System, um dieses auszunutzen, und schon trug man mir häufig die Bank an. Dadurch habe ich praktisch nie die Seite des verlierenden Spielers kennen gelernt, sondern von Anfang an kräftig auf der Seite der Gewinner mitgemischt. Später kam ein Grieche mit einem Kinderroulette und begann 2mal wöchentlich mit diesem Spiel. Nach kurzer Zeit des Mitschreibens habe ich dann in einer knapp 50stündigen Schlacht das Gerät mit seinen mechanischen Fehlern derart zusammengeschossen, dass er mir am Ende der Sitzung alles abtrat. Nachdem ich das Roulette repariert hatte, war ich nun selbst Veranstalter der einzigen Leipziger Roulettepartie. Das blieb mit kleineren Unterbrechungen so bis 1981, als ich nach langem Kampf dann endlich legal in die Bundesrepublik ausreisen durfte.

ISA-CASINOS Spielen Sie mehrere Spiele oder nur Roulette?

Kaisan: Ich spiele seit etwa 1984 ausschließlich Roulette. Eine Weile habe ich mich theoretisch mit Black Jack befasst und, trotz der gewinnbringenden Methode des Kartenzählens, festgestellt, dass ich dafür charakterlich nicht geeignet bin. Neuerdings interessiert mich Poker, wobei ich allerdings immer noch in den Grundlagen herumstochere und mir nicht erlaube, einfach so drauflos zu spielen.

ISA-CASINOS Wie kommen Sie zu dem Spitznamen „der Sachse“?

Kaisan: In den ersten Jahren in der Bundesrepublik lebte ich in Hamburg. Dort war ich mit meinem Dialekt natürlich ein Exote und fiel entsprechend auf. Daraus hat sich dann eben „Sachse“ entwickelt. Es gab Zeiten, da habe ich mich schon nicht mal mehr umgedreht, wenn einer „Christian“ gerufen hat.

ISA-CASINOS Wo haben Sie schon überall gespielt?

Kaisan: Da möchte ich es einmal bei den wesentlichen Orten und Ländern belassen.

Deutschland: In ca. der Hälfte aller Casinos gespielt und fast alle schon besucht.

Europa: Gespielt in Österreich, Schweiz, Italien, Luxemburg, Belgien, Niederlande, Großbritannien, Frankreich mit Monaco, Spanien, Malta, Dänemark, Polen, Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien, Rumänien.

Ohne zu spielen besucht: Finnland, Portugal, Schweden.

Asien: Macao, Malaysia, Philippinen, Sri Lanka.

Australien: Melbourne, Sydney, Perth, Adelaide, Darwin, Alice Springs, Brisbane, Goldcoast, Hobart.

Süd- und Mittelamerika: Argentinien, Uruguay, Curacao, St. Maarten, Bahamas.

Nordamerika: USA: Las Vegas, Atlantic City, Reno und ca. 30-50 Indianercasinos.

Kanada: Ottawa, Montreal, Niagarafalls.

Südafrika: Sun City (nur besucht).

ISA-CASINOS Wie lange spielen Sie schon Roulette?

Kaisan: Ich habe von 1981 bis 1984 in Hamburg und Hittfeld nur Trockenübungen gemacht, bevor ich so weit war, das Spiel auch praktisch anzugehen.

ISA-CASINOS Man nennt Sie einen so genannten „Kesselgucker“. Was hat es damit auf sich?

Kaisan: Kesselgucker (was für ein bescheuerter Name) werden Spieler genannt, die aus dem Lauf der Kugel und des Kessels Rückschlüsse auf den wahrscheinlichen Einschlagsort der Kugel ziehen und dann schnell noch vor der Spielabsage ihre Jetons platzieren.

ISA-CASINOS Ist das Spiel, das Sie gerade beschrieben haben, auf lange Sicht erfolgreich?

Kaisan: Es kann erfolgreich sein, wenn das Können ausreicht und man sich dem technischen Fortschritt der Geräte, den heutzutage höheren Kesselgeschwindigkeiten und verschiedenen anderen Neuerungen anpassen kann. Ich kenne einige früher sehr erfolgreiche Spieler, die entweder resigniert haben oder wieder in der Masse der Zocker untergegangen sind.

ISA-CASINOS Kann man von dem Roulettespiel, wie Sie es spielen, leben?

Kaisan: Ja, sogar recht komfortabel.
Allerdings nicht überall. In Portugal muss man z.B. erst setzen, dann wird abgesagt und erst dann wird die Kugel geworfen. Dort besteht natürlich nicht der Hauch einer Chance.

ISA-CASINOS Es werden so viele Roulettesysteme angeboten. Meine Frage: gibt es Ihrer Meinung nach todsichere Roulettesysteme?

Kaisan: Meiner Meinung nach ist keines der üblichen „klassischen“ Systeme auf mathematischer Basis geeignet, einen Dauergewinn (und nur darum geht es doch) zu erzielen. Alle Tricks, Kniffe und Winkelzüge sind ungeeignet, die Mathematik aufs Kreuz zu legen.
Ein erfolgreiches Roulettesystem ist ebenso unmöglich wie ein funktionierendes Perpetuum Mobile. Die herrschenden Naturgesetze geben es einfach nicht her. Auch das Gegenteil von gewinnen, nämlich besonders schlecht zu spielen, ist nicht möglich. Jedes System wird nach ausreichend langer Prüfstrecke die von der Spielregel vorgegebenen (-1,35%, -2,7% oder -5,4%) Minusprozente vom Umsatz realisieren. Sehr leicht lässt sich das an einem Live-Rouletteautomaten nachweisen, wo alle Daten registriert werden. Je länger die Prüfstrecke ist, desto mehr nähern sich die praktischen Ergebnisse den theoretisch Errechenbaren an.
Wenn ich das Casino wäre, hätten Systemspieler bei mir freien Eintritt und Gratisgetränke. Sollten sie sogar zusätzlich einen Computer verwenden, bekämen sie auch noch das Essen frei.

ISA-CASINOS Ist es richtig, dass Sie bereits weltweit Millionen im Roulette erspielt haben?

Kaisan: Das ist richtig. Dabei sollte aber nicht vergessen werden, dass wir über einen Zeitraum von 20 Jahren sprechen. Außerdem ist das schöne Leben nicht nur schön, sondern auch teuer.

ISA-CASINOS Können Sie uns Ihr Spiel etwas näher erklären?

Kaisan: Ungern. Ich ziehe mich da gern auf Allgemeinplätze zurück, weil ich kein Interesse daran haben kann, potentiellen Konkurrenten auch noch „die Leiter zu halten“.

Also folgendes: Roulette ist ein physikalischer Vorgang. Jeden Vorgang kann man berechnen, wenn ausreichend Daten zur Verfügung stehen. Diese nun zu bekommen, stellt das hauptsächliche Problem dar. Im Prinzip muss man durch ein antrainiertes Gefühl für Geschwindigkeiten imstande sein, zu ahnen, zu fühlen oder zu wissen, wann die Kugel wo einschlägt, wie weit sie noch hoppelt und welcher Zahlenbereich sich dann an ihrem Ruhepunkt befindet. So einfach ist das.

Auch wichtig: Man muss nur den Verlusten ausweichen, dann kommen die Gewinne automatisch.

ISA-CASINOS Wie viel Einsatz benötigt man zu so einem Spiel, wie Sie es machen?

Kaisan: Meist spiele ich so hoch, wie es das Maximum oder mein Spielkapital erlauben. Das bedeutet, ich muss vor allem im Ausland meine Einsätze ins Verhältnis zum mitgebrachten Kapital setzen. Ich rechne so, dass ich etwa 2 Promille meiner Lage pro Zahl und pro Spiel setzen kann.
Beispiel: Wenn ich pro Zahl 200 setzen will, muss ich 100.000 Spielkapital verfügbar haben.

ISA-CASINOS Haben Sie in Casinos auch schon Hausverbote erteilt bekommen?

Kaisan: Davon gab es schon reichlich. Vorwiegend dadurch hervorgerufen, dass mich die Casinos Austria 1991 gesperrt und diese Sperre der halben Welt mitgeteilt haben. Nachdem ich vor dem Obersten Österreichischen Gerichtshof gewonnen habe, müssen sie mich wieder einlassen aber jede Menge deutscher und anderer Casinos denken gar nicht daran.
Alle Sperrgründe, die man sich ausdenken kann, treffen auf mich nicht zu. Bisher hat auch noch nie ein Casino etwas begründet. Man zieht sich auf das „Hausrecht“ zurück und fertig. Leider ist diese Machart, die bereits in der Nähe der Willkür angesiedelt ist, höchstrichterliches geltendes Deutsches Recht. In Österreich muss seit meinem Prozess ein „triftiger Grund“ für eine Sperre vorliegen und die Richter haben noch festgestellt: Gewinne sind kein triftiger Grund.

ISA-CASINOS Spielen Sie immer alleine oder auch mal mit anderen Personen?

Kaisan: Zu Beginn meiner Karriere hatte ich für 9 Monate einen Partner, der aber unerwartet verstarb.

ISA-CASINOS Was war Ihr größter Verlust und der höchste Gewinn beim Roulette?

Kaisan: Mein größter Verlust waren 700.000 Schilling (100.000 DM), die ich etwa 1990 im Casino Bregenz in stark angetrunkenem Zustand verrudert habe. Das war einer der maximal 3 Auftritte, die ich mir in über 30 Jahren mit Alkohol beim Spiel geleistet habe. Sonst trinke ich während des Spiels generell nur Wasser.

Die beiden höchsten Einzelgewinne waren etwa 1989 in Hamburg 122.400 DM, als ich in 34 Spielen mit 4 Nachbarn 18x traf. Bei 400 pro Zahl und 800 Tronc blieb dann die o.g. Summe übrig. 1992 gab es in Kopenhagen umgerechnet auch ungefähr 125.000 DM an einem Tag.
Ein richtiges Schmeckerchen war im Jahre 2000 das „Burswood Casino“ in Perth. Im VIP Room konnte man umgerechnet ca. 1.300 DM pro Zahl setzen. Das Haus war so freundlich, in 3 Tagen 450.000 DM zu verlieren, mir einen Flug (7.000km) nach Sydney über Melbourne und zurück nach Perth zu spendieren und an weiteren 3 Tagen die gleiche Summe nochmals zu verlieren. Bei meinem nächsten Besuch, 3 Monate später (es war schon mein 7. in 18 Monaten), waren sie zwar noch freundlich und haben mir wie immer das Hotel mit allen Kosten geschenkt, aber in den VIP Rom haben sie mich nicht mehr gelassen.

ISA-CASINOS Wie stehen Sie zu Online-Casinos?

Kaisan: Dazu kann ich nichts sagen, weil ich keine Erfahrung damit habe.

ISA-CASINOS Ist in einem Online-Casino Ihr Spiel auch möglich?

Kaisan: Wahrscheinlich nicht, weil die gezeigte Grafik mit dem Zufallsgenerator nichts zu tun hat. Selbst in Casinos mit Live-Roulette ist die Bildübertragung so ungenau, dass ich keine Chance sehe.

ISA-CASINOS Was würden Sie Neueinsteigern, die zum ersten Mal Roulette spielen, empfehlen?

Kaisan: Nimm‘ Deine Frau und eine Summe, die nicht weh tut. Lass Kreditkarten u.ä. zu Hause und verstecke keine Reserve im Auto. Teilt das Geld und spielt an 2 Tischen auf Rot und Schwarz mit Minimum höchstens 1-2 Stunden. Der Rest des Geldes oder gar der Gewinn wird an Ort und Stelle in beste Speisen und gute Getränke umgesetzt und Ihr hattet einen schönen Abend. Anschließend vergisst Du alles, kommst keinesfalls auf die Idee, darüber nachzudenken, wie Du vielleicht doch…………

Es wäre schade um die Zeit und die vergeudete Energie.

ISA-CASINOS Wie sieht Ihr freizeitlicher Ausgleich aus?

Kaisan: Da ich beschlossen habe, gesund 100 zu werden, bemühe ich mich, fit zu bleiben. Ich fahre sehr viel Rad, jogge oder heize mit den Inlinern herum.
Ansonsten treibe ich mich im Internet in den Rouletteforen herum, gebe ein bisschen an, weiß nicht nur fast alles, sondern das Meiste auch besser, beschimpfe halbfreundlich die meiner Meinung nach unverbesserlichen „Rouletteforscher“ oder „Intuitivspieler“ und hoffe mit dieser leichten geistigen Betätigung der Altersverblödung erfolgreich widerstehen zu können.

ISA-CASINOS Meine letzte Frage an Sie: gibt es für Sie ein Lieblingscasino?

Kaisan: Nein, ein richtiges Lieblingscasino habe ich nicht. Das sehe ich eher praktisch: Für mich ist der schlimmste Laden Klasse, wenn ich dort gewinne.

Allerdings habe ich ein Lieblings(Casino)Hotel: Das ist das „Bellagio“ in Las Vegas. Die Wasserspiele im See davor, mit über 1.000 Fontänen und 5.000 Strahlern direkt am Strip und das alles mitten in der Wüste. Streng synchron mit der Musik tanzen die Wasserstrahlen oder schießen bis zu 70m in die Höhe. Für mich das Großartigste, was ich je auf der Welt gesehen habe. Das kann man schlecht beschreiben – man muss es sehen.

ISA-CASINOS: Herr Kaisan, vielen Dank für das Gespräch.