Die 34. WSOP in Las Vegas – Nur noch ein Schatten ihrer Vergangenheit?

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
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(rs) Die 34. WSOP (World Series of Poker) im Binions Horseshoe findet in der Zeit vom 15. April – 23. Mai in Las Vegas statt. Neu eingeführt wurden die „Second Chance Tournaments“, die täglich nachts um 23.00 Uhr beginnen. Jeder Spieler bezahlt 200 Dollar plus eine Gebühr von 25 Dollar und erhält dafür 1.000 Punkte. Gespielt wird nach dem Freeze Out System. Diese Neuerung erfuhr viel positiven Anklang und zahlreiche Teilnehmer nutzen diese „Second Chance“, um sich damit einen Platz für das 10.000 Dollar Turnier, das vom 19. – 23. Mai 2003 stattfindet, zu sichern. Auch sind neue Turniere eingebaut worden. Wie diese angenommen werden, wird sich erst noch herausstellen müssen.

Tatsache ist, dass die Teilnehmerzahl zu Beginn der Turnierserie, die über all die Jahre hinweg hunderte von Pokerspielern aus aller Welt anlockte, weit hinter den Erwartungen zurück blieb. Vielleicht mag es mit daran liegen, dass vom 2. April – 18. April die „Bellagio’s Five-Star World Poker Classic 2003“ stattfand.

Bei dem Turnier der „Employees“ waren es ganze 208 Teilnehmer, 2002 spielten noch 272 mit. Auch in den übrigen Spielarten wurden teilweise starke Einbrüche verzeichnet: „Limit Holdem“: 422 Spieler (2002: 610), „Seven Card Stud“: 177 Spieler (2002: 253), „Omaha High Low Split“: 175 Spieler (2002: 339), „No Limit Holdem“: 407 Spieler (2002: 449) usw.

Im „Omaha High Low Split“ belegte übrigens Hans Pfisterer aus der Schweiz den vierten Platz und gewann ein Preisgeld von 28.680 Dollar. Auch Chris Bichler erreichte den 13. Platz beim 5. Event am 23. April im „Seven Card Stud Turnier“. Sein Gewinn betrug 3.650,- Dollar. Das Teilnehmerfeld umfasste 253 Pokerspieler, die ein Buy In von 1.500 Dollar entrichten mussten. Andreas Krause belegte im „Seven Card Stud Split High Low“ den 23. Platz und erhielt dafür 2.040 Dollar. Hier spielten 240 Teilnehmer, die ebenfalls ein Buy In von 1.500 Dollar tätigen mussten.

Durch den Rückgang der Teilnehmerzahl im Jahre 2003 sank auch das Preisgeld. Immerhin war dies ja bisher das Aushängeschild der WSOP.

Die Meinung einiger Teilnehmer spiegelt den Gesamteindruck wieder. Andreas Krause zu ISA-CASINOS: „Es hat sich einfach nicht gelohnt, da mitzuspielen. Es gab kein gescheites Preisgeld für den Einsatz. Ich werde vielleicht noch ein paar kleinere Turniere mitmachen, aber das Große werde ich sicherlich nicht bestreiten.“ Chris Bichler: „Die WSOP im Binions ist schon lange nicht mehr das, was es einmal war. Alleine schon hinsichtlich Organisation und Ablauf können sie sich nicht mit dem des Hotels Bellagio messen. Auch den Service des Binions, welchen sie den Pokerspielern anbieten, ist mehr als schlecht. Nicht einmal ein vernünftiges Buffet bekommt man für sein Geld geboten.“ T. J. Cloutier: „Ich habe bisher noch kein Turnier gespielt. Und ob ich am Großen Turnier teilnehme, weiß ich bis heute noch nicht.“

Besonders hart ging Horst Koch mit der WSOP ins Gericht: „Die WSOP ist nicht mehr das, was sie einmal war. Die großen Preisgelder von einer Million Dollar kann man bereits auch in anderen Casinos in Amerika, ja heute sogar in Europa gewinnen. Der Trend wird sich aber noch weiter entwickeln, viele Casinos werden Turniere mit hohen Preisgeldern anbieten, mit besseren Service als den, den wir hier erleben. Ich denke, dass sie beim gerade laufenden Turnier nicht einmal 500 Pokerspieler für das ‚Große Event‘ zusammenbekommen werden. Und dieses wäre ein Desaster für eine derart bedeutende Veranstaltung. Wie hier gerade gespielt wird und unter welchen Umständen, ist für mich nicht mehr hinnehmbar, ja unterstes Niveau.“

Marcel Luske, einer der bekanntesten und beliebtesten Pokerspieler Europas und „Poker Award“-Gewinner 2001 von Helsinki, flog am 22. April zurück nach Amsterdam. Er meinte vor seinem Abflug: „Ich habe im Bellagio drei Wochen gespielt und auch einige gute Erfolge erzielt. Ich werde wieder zurück nach Las Vegas fliegen, um am ‚Großen Turnier‘ teilzunehmen. An den anderen Turnieren im Binions habe ich das Interesse verloren.“

Salehm Avher Levyn aus Israel – Spitzname „Sendit de Papa“ – ein bekannter Tennisspieler, der vor der Zeit von Boris Becker und Steffi Graf erfolgreich Profitennis spielte und heute noch als erfolgreicher internationaler Tennislehrer arbeitet, meinte in einem ISA-CASINOS-Interview (das später veröffentlicht wird): „Ich denke, dass die meisten Spieler nur noch dieses Jahr zum ‚Großen Event‘ nach Vegas kommen werden. Denn das ist eine ‚Pflichtveranstaltung‘ für alle Pokerfreunde, weltweit. Dies ist das höchste Turnier, vergleichbar mit einem ‚Grand Slam‘ wie beim Tennis. Für die anderen Turniere tragen viele Faktoren dazu bei, dass sie hier derzeit nicht gespielt werden. Eines der Gründe hierfür ist, dass das Bellagio eine große Turnierserie anbot, die vor dem Start der WSOP terminiert worden ist. Aber auch hier müssen die Pokerspieler mit ihren Spielgeldern wirtschaften. Und vom Service her ist nun mal das Bellagio ebenfalls besser. Trotz allem denke ich, wird das ‚Große Turnier‘ wieder ein enormer Erfolg werden. Ich selber werde es aber nur spielen, wenn ich ein Spiel der‚ Satelites’ gewinnen werde.“

Die Meinung der weltweit angereisten Pokerspieler befindet sich auf einen Tiefpunkt. Sicherlich eines der Hauptgründe für die rückläufigen Teilnehmerzahlen. Gilt es abzuwarten, wieviel Spieler am nächsten Poker-Event, das in der Zeit vom 19. – 23. Mai 2003 in Las Vegas stattfindet, nun tatsächlich teilnehmen.