Poker Backstage – Edgar Stuchly

Von Lisa Horn

Edgar Stuchly
Edgar Stuchly
Er ist seit 2007 Pokermanager der Casinos Austria und hat mit der Einführung der CAPT eine der erfolgreichsten Turnierserien im deutschsprachigen Raum zu verantworten. Als Casino-Angestellter muss sich der Poker-Fan aber zurückhalten, dafür locken ihn Turniere im Ausland, wie die EPT. PokerNews hat Edgar Stuchly zu einem Interview gebeten, um über seinen Beruf und Poker im „Backstage“ – Bereich zu plaudern:

Wie sind Sie zum Casino-Business gekommen?
Nach dem Abschluss der Matura war ich auf der Suche nach einem Arbeitsplatz. Ich habe einige Sachen ausprobiert, war aber einfach mit den Aufgaben und den Perspektiven nicht zufrieden. Ich war ein paar Mal als Gast im Casino Bregenz und von der Atmosphäre von Anfang an fasziniert.

Wie kamen Sie dann zu den Casinos Austria?
Im Frühjahr 1992 wurden für die Eröffnung unseres zwölften Casinos in Innsbruck und für die Erweiterung des Casino Bregenz per Inserat Croupiers gesucht. Da habe ich mich dann beworben.

Woher kommt Ihre Begeisterung für Poker?
Ich habe mich schon vor vielen Jahren in dieses Spiel verliebt. Schon in der Zeit vor meiner beruflichen Tätigkeit bei den Casinos Austria habe ich mit meinen Freunden Poker gespielt. Damals war es allerdings noch Five Card Draw.

Seit Mai 2007 sind Sie nun Poker-Manager bei den Casinos Austria, was hat sich alles in diesen fast 3 Jahren getan?
Sehr viel. Wir haben zuerst einheitliche Rahmenbedingungen und Strukturen geschaffen und haben das Pokerangebot in allen zwölf Casinos erweitert bzw. eingeführt. Im Sommer 2007 haben wir dann als Kick-off eine Sit&Go Aktion gestartet, an der mehr als 10.000 Spieler teilgenommen haben. Seit 2008 gibt es die Casinos Austria Poker Tour (CAPT), die als die wichtigste Tour im deutschsprachigen Raum bezeichnet wird und in ganz Europa ein Begriff ist. Die letzte Station der CAPT ist die Poker EM im Grand Casino Baden. Durch die Austragung einer Texas Hold’em EM mit 4.000 Euro Startgeld und dem Nations Cup mit 20.000 Euro Buy-in hat die EM wieder den Stellenwert bekommen, der ihr zusteht. Außerdem haben wir mit der Sit&Go Championship und Beat’em all – Europas größtem Pokerturnier – weitere Events eingeführt, die heute nicht mehr wegzudenken sind. Vor zwei Jahren ist unser Pokerroom win2day.at online gegangen und die Österreicher können sich schon ab 2 Euro Einsatz für die CAPT Main Events online ihr Turnierticket erspielen. Gemeinsam mit win2day und dem ORF haben wir auch die Pokershow „Tisch 8“ produziert, die ein Riesenerfolg war. Die Anmeldemöglichkeiten und die Akkreditierung mit automatischer Platzauslosung bei unseren Turnieren sind einzigartig und mit der flächendeckenden Anschaffung von Mischmaschinen haben wir sowohl in die Sicherheit investiert als auch auf ein Gästeanliegen reagiert. Heute hat jedes Casino einen Pokermanager. Die Kollegen unterstützen mich in Ideenfindung, Planung und Umsetzung der Events und sind lokal die Ansprechpartner für die Anliegen unserer Gäste.

Wie würden Sie die Entwicklung von Poker in Österreich beschreiben?
Der Boom ist vor ein paar Jahren von den USA nach Europa übergeschwappt. Seit damals ist die Nachfrage ständig gestiegen. Ich gehe aber davon aus, dass wir 2009 die Spitze erreicht hatten und sich der Markt in den nächsten Jahren konsolidieren wird.

Und wie sehen sie das im europäischen Vergleich?
Gleich wie in Österreich.

Sie spielen selbst auch gerne Poker, in Österreich dürfen sie das ja nicht, aufgrund ihrer Tätigkeit als Pokermanager. Blutet da nicht manchmal das Herz?
Den Angestellten von Casinos Austria ist es grundsätzlich nicht gestattet, in unseren Casinos zu spielen. Das ist auch gut so, denn es würde sicher kein gutes Bild machen, wenn ein Mitarbeiter bei einem Turnier 100.000 Euro gewinnen würde. Natürlich blutet da manchmal des Herz und ich würde gerne bei unseren Events mitmachen. Das spricht für die Qualität unserer Turniere.

Apropos Alltag: wie schaut ein typischer Arbeitstag im Leben des Edgar Stuchly aus?
Ich sitze circa sechs Stunden vor dem Computer und telefoniere im Schnitt zwei Stunden.

Und wie sieht der aus, wenn gerade Mega-Events wie die EM in Baden am Laufen sind?
Bei Großveranstaltungen wie der CAPT und der Poker EM bin ich natürlich so viel wie möglich vor Ort. Das können dann schon mal 14 Stunden werden. Zehn Tage nur arbeiten und schlafen, das kostet schon dementsprechend Kraft und geht an die Substanz. Aber es macht auch Riesenspaß.

Können sie mir ein kurzes Resumé zur CAPT geben?
Ich bin mit der Entwicklung sehr zufrieden. Wir sind schon auf einem sehr hohen Niveau und die CAPT ist zur eigenen Marke geworden. Das ist auch der Verdienst der Organisationsteams vor Ort unter der Leitung der lokalen Pokermanager und unserer Croupiers, die hervorragende Arbeit leisten.

Vor ein paar Jahren hatte es noch den Anschein, dass die Casinos Austria den Zug „Poker“ mit seinem Boom ein wenig verpasst hätten. Wie schaut es heute aus, alles aufgeholt?
Ich glaube nicht, dass wir etwas verschlafen haben. Aber Qualität braucht seine Zeit. Bevor man auf einen Trend aufspringt, sollte man gut planen und auch gut vorbereitet sein. Daher rührt auch unser jetziger Erfolg. Wir veranstalten jedes Jahr mehr als 500 Turniere, die CAPT und die Poker EM. Jedes Jahr kommen ungefähr 200.000 Gäste zum Pokern in unsere zwölf Casinos. Wir sind die klare Nummer 1 am Markt.

Wenn wir schon über Zukunft sprechen: was haben Sie 2010 vor?
Wir werden unseren erfolgreichen Weg fortsetzen, weiterhin auf die Wünsche und Anliegen unserer Gäste eingehen und ein attraktives Pokerangebot anbieten. Persönlich möchte ich etwas mehr Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden verbringen und als Sieger des WSOP Main Events zur CAPT nach Velden anreisen. (lacht)