Face The Ace: Kann Poker in der Primetime überleben?

Von Michael Friedman

Vor kurzem hatte auf NBC die PokerShow Face the Ace Premiere gefeiert, leider waren die Zuschauerzahlen in den danach folgenden Shows relativ bescheiden. PokerNews hat sich nun mit einigen Branchenkennern darüber unterhalten, ob diese Show erfolgreich werden kann oder nicht.

Face the Ace, wird Samstagabends um 9:00 pm EST ausgestrahlt. In der Show spielen Amateure, die ihren Platz bei Full Tilt Poker gewonnen haben, gegen Full Tilt Pros, wie z.B. Phil Ivey, Chris “Jesus” Ferguson, Erick Lindgren, Mike Matusow, Gus Hansen, Patrik Antonius und andere. Die Amateure treten jeweils in Heads-Up Matches gegen einen Pro an und können im Falle dessen, daß sie gewinnen entweder USD 40.000 nehmen oder ein weiteres Heads-Up gegen einen anderen Pro spielen, wobei es dann aber um USD 200.000 geht. Wenn der Amateur das zweite Heads-Up ebenfalls gewinnt, kann er das Geld nehmen oder wieder alles riskieren und im Finale gegen einen weiteren Pro im Heads-Up um USD 1 Million spielen. Bei jedem Match geht es also um alles oder nichts. Es wird jede Menge dramatische Augenblicke und herzzerreißende Szenen geben, welche das Publikum an ihre Sitze fesseln werden.

Chefredakteur Michael Friedman glaubt fest an den Erfolg
Poker im TV hat es in der letzten Zeit nicht geschafft, wenn es darum ging gute Zuschauerzahlen zu erreichen. Aber Full Tilt’s und NBC’s neues Showkonzept, bei welchem versucht wird eine Show in der Art von “Deal or no deal” im Pokerstil zu präsentieren, wird langfristig erfolgreich sein. Pokerfans sind scharf darauf zu sehen, was passiert, wenn ein durchschnittlicher Spieler gegen einen PokerPro antritt und genau auch diesen Wunsch des Publikums hat NBC mit dieser Show reagiert. Mal abgesehen von den Zuschauerzahlen – diese Show ist einfach nur gut für den Poker-Sport, weil es das Spiel zurück in das Interesse der Öffentlichkeit bringt, nachdem bei der WSOP ja momentan nicht passiert (Pause am Final Table).

Die Leute wollen die besten Spieler dieser Welt sehen
Die Spieler, welche wir zu sehen bekommen, sind das Poker Dream Team und keine zufällig ausgewählten Spieler. Ja, die meisten Leute sehen es gerne, wenn jemand USD 1 Million gewinnt, aber die Mehrzahl der echten Pokerfans sehen sich Poker-Shows an, um die großen Spieler, wie z.B. Phil Ivey und Patrick Antonius dabei beobachten zu können, wenn diese ihre Gegenspieler vernichten. Es ist so, wie wenn man sich einen der frühen Kämpfe von Mike Tyson ansieht. Jeder wusste, daß er irgendwann Schiffbruch erleiden würde und jeder wollte mit dabei sein und keine Sekunde verpassen. Manche Fans würden dafür sterben, wenn sie einen Spieler wie Phil Ivey dabei beobachten dürften, wenn er seine Gegenspieler fertig macht.

Poker hat mittlerweile eine festes Publikum
Sicher haben bei den ersten Sendungen nicht so viele Zuschauer zugeschaut, man sollte aber nie vergessen, daß die Show zur Primetime ausgestrahlt wurde. Es dauert ein wenig, bis sich ein festes Publikum bildet. Letztendlich ist es recht billig eine Show, wie Face the Ace zu produzieren, wenn man dazu im Vergleich eine reguläre Primetime Sendung nimmt. Deshalb kann NBC dieser Show eine Chance geben etwas zu laufen, um sich ein festes Publikum heran zu ziehen. Eins ist sicher – Pokerspieler sind eine loyale Truppe, deshalb wird diese Show auch langfristig die Zuschauerzahlen bekommen, welche sie verdient.

Was läuft denn ansonsten Samstagabend im TV?
Das TV Angebot am Samstagabend ist mehr als bescheiden und könnte einige Highlights vertragen. Es läuft momentan keine andere Show um diese Zeit, deshalb könnte Face the Ace sich durchaus gegen die Konkurrenz durchsetzen. Hoffen wir also, daß bald jemand die Million gewinnt und die Show dadurch bekannt wird, bevor sich NBC dazu entscheidet die Show wieder abzusetzen.

Chefredakteur Matthew Parvis sagt eine Enttäuschung voraus
Glauben Sie mir, ich hoffe wie jeder andere in der Pokerbranche, daß Face the Ace ein Erfolg werden wird. Ich denke aber, daß wir letztendlich darüber reden, was werden könnte und nicht darüber reden, wieviele neue Fans und Spieler die Show zum Poker gebracht hat. Im eigentlichen Sinne scheint die Show eine positive Bereicherung für die TV Landschaft zu sein; Amateurspieler kämpfen im Heads-Up gegen Poker-Superstars um ihre Chance auf den Gewinn von USD 1 Million. Unglücklicherweise wird genau dieser Faktor die Show davon abhalten ihr wahres Potenzial zu erreichen.

Steve Schirripa (Bildquelle: PokerNews.com)
Steve Schirripa (Bildquelle: PokerNews.com)
Der Schirripa Faktor Obwohl Steve Schirripa ja ein unterhaltsamer Charakter ist, wurde er durch die Serie “Die Sopranos” bekannt, wobei diese Serie eigentlich keinen wirklichen Bezug zum Poker hatte (mal abgesehen von einigen kurzen Einblendungen mit illegalen Pokerrunden). In der ersten Episode fragte er Ali Nejad, was den passieren würde, wenn die Spieler All-In gehen. Sicher, der unwissende, unbeholfene Moderator kann unter umständen sehr unterhaltsam sein, in diesem Fall sollte er allerdings die Moderation einfach Ali Nejad überlassen, welcher als Moderator sowohl unterhaltsam ist, als sich auch durch sein Fachwissen auszeichnet.

Alles oder Nichts
Verstehen Sie mich nicht falsch, das Publikum liebt es, wenn Leute sich für den gefährlichen Weg zum großen Geld entscheiden, anstatt das sichere Geld zu nehmen. Es ist eine Sache diese Entscheidung auf Basis des puren Glücks zu treffen, wenn man allerdings beim Poker im Heads-Up gegen die Besten der Besten antreten muss, um das große Geld zu gewinnen, scheint es ebenfalls nicht wirklich sinnvoll zu sein, auf das große Geld zu spekulieren, da es sich dabei sicherlich nicht um sicheres Geld handelt. Wir haben in der ersten Episode miterlebt, wie der Amateur Phil Ivey besiegte. Er entschied sich dafür die USD 40.000 zu nehmen, anstatt auf sein Glück zu spekulieren und gegen einen weiteren Pro anzutreten. Der zweite Amateur wird wohl versuchen zu gambeln und versuchen die Chance auf das große Geld zu nutzen, wobei man davon ausgehen kann, daß dies eine Ausnahme bleiben wird, da es so aussieht, als würden zukünftig die meisten Spieler nach dem Gewinn des ersten Matches den sicheren Weg wählen und sich das Preisgeld gleich ausbezahlen lassen. Ohne daß ich jetzt schon die Resultate kenne, sehe ich schon jetzt schon ein Desaster im Bezug auf das USD 1 Million Dollar Match auf uns zukommen, ein Desaster, welches die anderen Teilnehmer sicherlich davon abhalten wird, diesen steinigen Weg zu wählen.

Motivierend herausgefordert?
Ok, die Pros möchten sich im nationalen TV nicht blamieren und spenden deshalb ihren Gewinn für wohltätige Zwecke. Die Frage ist nun allerdings, ob uns z.B. Phil Ivey hier sein A+ Game präsentieren wird? Die Amateure spielen um Summen, welche für sie astronomisch hoch sind, für die PokerPros handelt es sich eher um Spielgeldbeträge. Ich weiss nicht, wie viel Stolz hier noch mit im Spiel ist; Poker ist halt kein Poker, ohne die Möglichkeit eines signifikanten Geldgewinns bzw. Verlusts beim Spiel. Letztendlich werden uns die Pros ein schludriges Spiel präsentieren, welches ab und an mit dem Gewinn einer hübschen Summe für die Amateure enden wird. Danach wird man dann hören, wie brillant der Amateur doch gespielt hätte. Das eine oder andere Mal werden wir aber auch einen Suckout zu sehen bekommen und das Publikum wird heulen, weil der Amateur durch einen 2-Outer auf dem River USD 200.000 verloren hat und dann auch noch von einem Pro besiegt wurde, welcher sich nicht wirklich auf sein Spiel konzentriert hatte.