Stellungnahme zur World Series of Poker Kritik – ISA-GUIDE.de

Stellungnahme zur World Series of Poker Kritik

Lisa Horn
Jeff Shulman hat sich unüberhörbar über das WSOP-Management und seine Umgangsweise mit den Spielern beschwert. Erst später stand fest, dass er unter den letzten 9 Spielern sein würde – hat er jetzt seine Meinung geändert? Nicht wirklich, doch er hat in seinem Cardplayer – Magazin zur Causa Stellung genommen.

ESPN hat die Exklusivrechte für die weltweite WSOP Berichterstattung, dieser Deal bringt der WSOP viel Geld ein, denn die Rechte wurden von ESPN teuer gekauft. Auch Bildmaterial ist heiß begehrt und kostet viel Geld. Wer sich dem strengen Kostenmandat der WSOP nicht unterwirft hat eben kein Bildmaterial, keine Filmchen und muss sich mit dem geschriebenen Wort zufrieden geben. Das ärgert natürlich Herausgeber wie Jeff Shulman. Sein Cardplayer Magazine konnte keinen Exklusivvertrag mit der WSOP abschließen, es wäre zu teuer und das sei unverschämt tönte Shulman.

Shulmans Reaktion war eine öffentliche Kritik am WSOP Management und der Durchführung des weltgrößten Poker Turniers. Abgesehen davon sei das Bracelet furchtbar hässlich und er würde es in den Müll werfen – falls er es gewinnen sollte. Die Spieler würden hier schlecht und respektlos behandelt und außerdem gäbe es schließlich wichtigere Dinge als ein Bracelet der WSOP. Harte Worte, die verbittert klingen.

Der 34-Jährige Jeff Shulman ist der Sohn des Poker-Profis und Card Player Media CEO Barry Shulman. Sohn Jeff hat als Teenager bei einem Sommer-Camp mit dem Pokerspiel begonnen und soll damals $ 10,- am Tag gewonnen haben. Eine gute Ausgangsposition um im Poker-Business zu bleiben. So haben Sohn und Vater die Card Player Media Gruppe zu einem der führenden Unternehmen in der Poker-Berichterstattung gemacht. Das Cardplayer Magazin ist nicht nur für Poker Spieler/innen interessant, sondern massentauglich geworden.

Shulman Junior hat 1999 seine professionelle Karriere als Pokerspieler begonnen und war 2000 bereits das erste Mal bei der WSOP dabei. Damals wurde er vom Gewinner Chris „Jesus“ Ferguson aus dem Turnier gekickt und belegte Platz 7. Mit den Jahren hat er viele, viele Cashes bei WSOP-Turnieren gehabt, war immer wieder unter den Top-10 bei WPT Events und erreichte immer wieder Top Platzierungen bei namhaften US-Turnieren wie den World Poker Classics.

Die harsche Kritik von Jeff Shulman gegenüber der WSOP wurde auf die strengen Rechtevergaben zurückgeführt. Der Herausgeber würde sich damit „rächen“, wenn er das Bracelet als „Müll“ bezeichnete. Doch nachdem seine öffentliche Kritik sich in vielen Medien wiedergefunden hatte, raffte sich Shulman zu einer Stellungnahme auf, um das „Missverständnis“ klarzustellen. Schließlich wird er im November mit acht Mitstreitern wieder am Pokertisch sitzen, da sollte man es sich nicht ganz mit den Veranstaltern verscherzt haben.

Zuerst einmal möchte Shulman klarstellen, dass seine Kritik nichts mit geplatzten Medien-Deals zu tun habe. Auch wenn Card Player 2005 und 2006 einen Mediendeal mit der WSOP hatte, plädiert der Herausgeber für einen fairen Medienzugang aller Medien und nicht nur auf einzelne, zahlungskräftige Firmen. Es hätte damals schon Uneinigkeit über die Berichterstattung gegeben, deshalb hatte man sich 2007 von einander getrennt und Shulman sei immer noch froh über diese Entscheidung.

Grundsätzlich habe seine Kritik mit der Enttäuschung zu tun, wie der Ablauf der WSOP gehandhabt würde. Früher hätten die Veranstalter Poker geliebt, verehrt und es waren zuerst die Spieler und das Pokerspiel im Vordergrund. Das hätte sich mit den Jahren geändert und die „Mission Poker“ wäre entglitten, in den Händen von ein paar Büro-Menschen. Es hätte fehlerhafte Entscheidungen gegeben, Spieler/innen die extra angereist waren, wurden abgewiesen und das Spielfeld war unausgeglichen – denn es hätte Spieler/innen gegeben, die anderen gegenüber bevorzugt behandelt wurden.

Was das Bracelet betrifft, so ändert Shulman seine Meinung nicht: sollte er im November wirklich das Bracelet gewinnen, dann würde er es aber nicht mehr in den Müll werfen, sondern alternative Veräußerungen anbieten, wie eine Versteigerung für den guten Zweck oder ein Turnier für alle Ausgeschiedenen des Main Event, bei dem der Hauptgewinn das Bracelet sein würde.

Wer letztendlich der Gewinner der Final Nine sein wird, das wird sich erst im November weisen – derzeit setzten aber die meisten auf Phil Ivey und weniger auf Shulman.