Das PokerNews Interview: Barry Greenstein (Teil 1) – ISA-GUIDE.de

Das PokerNews Interview: Barry Greenstein (Teil 1)

Barry Greenstein nimmt in der heutigen Pokerszene eine einzigartige, zentrale Position ein. Da er bereits seit Jahrzehnten sein Geld mit Pokern verdient, wird er oft mit der alten Generation von Pokerspielern in Verbindung gebracht. Also mit jenen Spielern mit denen er sich seit vielen Jahren am Poker Tisch misst und mit denen ihn mittlerweile eine Freundschaft verbindet. Dabei steht er momentan eher in Verbindung mit den jungen Post-Pokerboom Spielern. Verantwortlich dafür ist mehr oder weniger sein Sohn, der professionelle Pokerspieler Joe Sebok und dessen Poker-Strategie und Entertainment Internetseite PokerRoad.

PokerNews unterhielt sich mit Greenstein über die Vergangenheit und die Zukunft des Pokers. Die World Poker Tour Championship 2009 fand im Bellagio statt und dieses Interview wurde an einem leeren Spieltisch im Bobby’s Room geführt, während am Nachbartisch Doyle Brunson, Phil Ivey, Eli Elezra, Sam Farha und einige andere Spieler das berühmte “Big Game” spielten. Greenstein unterhielt sich mit uns über unterschiedliche Themen – seine eigene Pokerkarriere, den Status von Poker in einer zeitgenössischen Kultur, die Zukunft von PokerRoad, die kommende WSOP und über das Thema, ob Mathematik idiotisch ist oder nicht.

PokerNews: Viele von uns wurden auf Berry Greenstein erst aufmerksam, als bekannt wurde, daß er alle seine Gewinne für wohltätige Zwecke spendet – der “Robin Hood des Poker“. In denke die Wohltätigkeit ist immer noch ein wichtiges Thema für Sie – Sie haben gerade am Jennifer Harman Wohltätigkeitspokerturnier im Venetian teilgenommen…

Barry Greenstein: Ja, das war ich. Habe etwas Geld gespendet.

PN: Ich weiss, daß es nicht ganz richtig ist, wenn behauptet wird, daß Sie alle ihre Pokergewinne für wohltätige Zwecke spenden.

Greenstein: Nein, dies ist im Moment nicht richtig. Als ich anfänglich Geld spendete, dachten viele Leute, daß ich ein superreicher Kerl wäre, welcher sein Geld mit Symantec (die Softwarefirma für welche Greenstein arbeitet) gemacht hätte. Was Sie nicht wussten, war die Tatsache, daß ich mein Geld nicht durch Symantec verdient hatte, sondern das von mir gespendete Geld ausschließlich von meinen Pokergewinnen stammt. Für mich persönlich sind die Spiele, bei welchen ich Geld gewinnen kann, nicht mehr so wie vorher. Turnierpoker hat mich eine Menge Geld gekostet, ebenso Online Poker, es gibt nicht mehr so viele gute Live-Games, an welchen ich teilnehmen könnte. Außerdem ist die Wirtschaftslage nicht wirklich gut. Wie viele der anderen Pokerspieler habe ich in den Aktienmarkt und in Immobilien investiert und wie wir alle wissen, lief es in den letzten Jahren mit diesen Anlageformen nicht so gut. Ich habe einige Millionen verloren.

Ich habe momentan nicht mehr den Bankroll, über welchen ich vor einigen Jahren verfügte, als ich meine Turniergewinne noch einfach so spenden konnte. Außerdem spiele ich damals nicht viele Turniere. Ich hatte Glück, habe einige Turniere gewonnen und eine Menge Geld gespendet, aber damals war meine finanzielle Lage auch noch viel besser als zur heutigen Zeit. Ich engagiere mich immer noch für Children Incorporated (eine internationale Hilfsorganisation für Kinder) und mache jede Menge für die Organisation. Es geht aber mehr um die Dinge, welche ich für die Wohltätigkeit mache, ich spende nicht mehr das Geld, was ich noch vor einigen Jahren gespendet hatte.

PN: Sie haben in anderen Interviews schon erklärt, daß Sie ihren Erfolg um Leben nicht auf Poker begründen, außerdem haben Sie nie wirklich gesagt, wieviele Turniere Sie gewonnen haben. Sie haben drei WSOP Bracelet’s, einige WPT-Titel und viele andere Titel gewonnen – Was denken Sie, war ihr größter Turniererfolg?

Greenstein: Das war ohne Frage mein erster World Poker Tour Gewinn (bei der Jack Binion World Poker Open im Jahr 2004). Ich habe nicht viele Turniere gespielt. Ich war im ersten Jahr der WPT nicht, wie viele andere Spieler, herumgereist. Ich war nicht richtig mit dabei. Dann hatte ich aber die Idee mit dem Spenden für wohltätige Zwecke und dies hat mir die Motivation gegeben. Ich wusste, daß wenn ich es schaffte die Millionen zu gewinnen und diese dann zu verschenken, dies für mich eine gute Sache wäre und ich damit außerdem einer Menge Leute helfen könnte. Ich dachte mir, daß andere Leute meinem Beispiel folgen würden. Deshalb war ich überaus motiviert meinen Plan umzusetzen. Wenn ich nun zurückblicke, muss ich feststellen, daß ich ganz schön viel Glück hatte. Ich meine zu dieser Zeit – —es passiert ja sehr oft beim Poker, daß man ein gutes Gefühl hat, denkt man wäre der beste Spieler und könnte jeden besiegen. Ich wollte etwas Gutes tun, und habe mein persönliches Ziel erreicht, alles hat einfach perfekt gepasst. Sie wissen ja, nur weil ich geplant hatte, es zu tun, bedeutet dies noch lange nicht, daß es auch so kommt, im speziellen bei Pokerturnieren.

Aber es kam so, wie ich es geplant hatte und ich konnte mit dem Geld eine Menge guter Dinge tun, worauf ich wirklich stolz war. Es war für meine ebenfalls Familie eine gute Sache, da ich bis zu diesem Zeitpunkt nur jemand war, welcher Poker spielte und Zeit verschwendete, in welcher ich bei anderen Dingen erfolgreich hätte sein können. Nachdem ich dies geschafft hatte – und damit meine ich nicht den Gewinn des Pokerturniers, sondern die Tatsache, daß ich mit meinem Geld einer Menge Leute helfen konnte – war meine Familie wirklich stolz auf mich. Mit meiner Familie meine ich meine Schwestern und Brüder, meinen Vater und meine Kinder. Sie waren bei der ganzen Sache mit vollem Herzen mit dabei.

PN: Es ist interessant mitzuerleben, wie sich die Einstellung im Bezug auf Poker und Pokerspieler im letzten Jahr verändert hat. Man muss nicht weit in der Geschichte zurückgehen, um zu einem Zeitpunkt zu gelangen, an welchem die Ansichten zum Thema Poker noch ganz anders waren. Welchen Status hat Poker ihrer Meinung nach heute in unserer Kultur?

Greenstein: Ich denke die Gambler wurden immer als eine Art “cooler” Jungs im TV und in den Kinofilmen dargestellt. Heute geniesst Poker eine viel höhere Legitimität. Im Fernsehen sind wir mittlerweile kleine Berühmtheiten. Ich denke die Leute verstehen mittlerweile auch die negativen Aspekte des Glücksspiels besser – egal ob es sich um Gambling beim Poker, an der Börse oder in der Geschäftswelt handelt. Leute können ihr Geld verlieren. Aber die erfolgreichen Gambler, denke ich, wurden bereits vor dem Poker-Boom respektiert. Früher hat z.B. Omar Sharif den Gambler gespielt oder James Bond hat ein Glücksspiel gespielt. Da die Leute sich nun Poker im TV ansehen können, hat dies das Interesse am Poker gesteigert und es gehört mittlerweile zu unserer Kultur, da viele Leute endlich verstanden haben, daß beim Poker mittlerweile alles auf einem viel höheren Level abläuft, als zu früheren Zeiten. Die Zuschauer kennen die Kartenwertigkeiten, sie wissen, wann die Spieler einen Flush Draw haben, sie wissen ob die Spieler bei einem All-In bluffen oder nicht.

Mittlerweile kennen mich eine Menge Leute aus dem TV und noch niemand hat zu mir gesagt:” Sie sind ein Pokerspieler – das ist nicht gut”. Es werden mehr so Dinge gesagt wie:“ Sie sind das Vorbild meines 8-jährigen Jungen“. Ich denke Poker wird heute komplett anerkannt. Die einzigen negativen Äußerungen kommen von der religiösen Rechten oder aus dem Kongress und vieles davon ist einfach nur erfunden. Der Antrieb dafür ist das Geld. Es gibt Abgeordnete, welche dafür Geld erhalten, die Leute von der Rechten zu vertreten und dann jedem erzählen es wäre rein moralisch bedingt. Ist es aber nicht! Vielleicht gehen diese Abgeordneten nach Hause und spielen nachts Online Poker, nachdem sie tagsüber so gehandelt hatten, als würden sie Poker ablehnen.

PN: Es ist nun 1,5 Jahre her, seit die Internetseite PokerRoad Online ging und die Seite wächst weiterhin ständig. Was denken Sie, woher kommt das?

Greenstein: Ja stimmt, die Seite wächst ständig, auf jeden Fall was den Content angeht. Wir sind der Meinung, daß wir eine echte Nische entdeckt haben. PokerNews ist ganz vorne mit dabei an der News-Front und die Jungs von PokerNews machen einen super Job. Aber unsere Nische ist das Entertainment – unsere Radio-Shows, unsere TV-Web-Shows, die ganze Sache mit der Comedy und unsere Foren. Bei den Dingen, mit denen wir uns beschäftigen, sind wir sicherlich im Bezug auf Poker die Internetseite mit den besten Inhalten. Wir sind der Meinung, daß wir uns in unserem Red Pro Forum mit Strategiefragen auf dem höchsten Level beschäftigen. Wir sitzen hier im Bobbys Room. Sie sehen hier alle meine Freunde: Doyle Brunson, Phil Ivey, Eli Elezra u.s.w. Wenn ich zu meine Freunden sage, daß sie während der WSOP etwas für PokerRoad tun sollen, werden sie es tun. Und niemand hat solche Freunde wie ich.