Interview mit Tim von Toerne – Geschäftsführer der Firma Edict

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
E-Mail: info@isa-guide.de


(rs) Wir sprechen mit Managern, Direktoren, Aktionären und Persönlichkeiten aus der Spielbank- und Casinobranche. ISA-CASINOS hinterfragt Aktuelles und Interessantes für Sie.
Heute sprechen wir mit Tim von Toerne , Geschäftsführer der Firma Edict, die massgeblich an der Entwicklung des Hamburger Online-Roulettes beteiligt ist.

ISA-CASINOS: Können sie uns etwas über die Firma EDICT und ihre Zusammenarbeit mit den Spielbanken und wem sie unterstehen sagen?

Tim von Toerne: Die Firma EDICT ist eine eigenständige Softwarefirma, die Software entwickelt und vertreibt. Ich bin der Geschäftsführer, studierter Betriebswirt. Technischer Leiter ist Ingo Freund, Diplom Informatiker, der jahrelange Berufserfahrung in diesem Bereich hat. Wir haben eine Entwicklungsmannschaft und arbeiten insgesamt mit einem Team von 10 Personen. Extern arbeiten wir noch mit einer Webagentur zusammen, die für uns die graphischen Oberflächen macht, sowie einer anderen Softwarefirma, die uns zusätzliche Kapazität bereitstellt. Die Spielbank selber arbeitet mit einem entsprechenden Kreditkartendienstleister und einer Bank zusammen.

ISA-CASINOS, Chefredakteur, Reinhold Schmitt: Was hat Herr Jahr mit ihrer Firma zu tun?

von Toerne: Die Firma EDICT ist zu 100% im Besitz der Jahr + Achterfeld Beteiligungs KG, somit gehören wir Herrn Jahr, aber rechtlich losgelöst von der Spielbank Hamburg.

ISA-CASINOS: Wie ist die Zusammenarbeit mit der Firma EDICT und der Spielbank Hamburg und dem Unternehmer Herrn Jahr?

von Toerne: Die Zusammenarbeit ist sehr harmonisch und wir haben jetzt über die Jahre hin eine sehr angenehme, ja fast freundschaftliche Arbeitsatmosphäre entwickeln können. Einer unserer Vorteile ist, dass wir nicht als externer Lieferant der Branche gesehen werden, sondern als Teil der Branche.

ISA-CASINOS: Herr Törne, sie waren maßgeblich an der Entwicklung des Live Online Roulette Spiels der Spielbank Hamburg beteiligt.

von Toerne: Die ganze Idee begann bereits schon seit 1997, als Herr Achterfeld und Herr Jahr die Idee hatten zu sagen: „Was ist der nächste Schritt, wie kann und soll es weitergehen für ein klassisches Casino.“ Und damit ist die Idee geboren worden. Herr Achterfeld und Herr Jahr holten sich dann Berater hinzu, um alles erörtern und beraten zu können, was in dem interessanten und neuen Markt Internet alles umsetzbar sein könnte. Zuerst wurde geschaut was es in diesem Markt alles eventuell zu kaufen geben könnte. Es wurde auch mit den zuständigen Behörden gesprochen, die klar sagten, keine Spiele mit Zufallsgeneratoren. Möglich wären reale Spiele aber keine Virtuellen. Diese gab es aber auf dem ganzen Markt noch nicht. Dann wurde beschlossen diese selber zu entwickeln.

ISA-CASINOS: Sie haben sich bei der Entwicklung an das klassische Roulette der Spielbanken angelehnt und diese Software dazu auch so entwickelt?

von Toerne: Genau! Die Idee bei all den Schritten ist immer möglichst eine genaue exakte Abbildung oder eine 1:1 genaue Spielweise des Roulettes so zu programmieren, wie es auch in den Casinos gespielt wird.

ISA-CASINOS: Der User spielt also zu Hause an seinem PC das exakte Roulettespiel wie live in der Spielbank?

von Toerne: Ja! Er spielt dasselbe Spiel mit anderen Spielern zusammen, die live vor Ort in der Spielbank am selben Tisch spielen.

ISA-CASINOS: Erkennt das der virtuelle Gast? Gibt es einen Chatraum oder andere Möglichkeiten?

von Toerne: Nein, das erkennt er selbst verständlich, da es in einer Spielbank nicht gestattet ist, Gäste in Bild und Ton festzuhalten. Er sieht aber live, wie der Croupier die Kugel wirft und kann das Spiel verfolgen bis die Roulettekugel fällt und die Zahl angezeigt wird. Er sieht also das gesamte Live-Spiel, sowie dessen Verlauf.

ISA-CASINOS: Welche Sicherheitsvorkehrungen haben sie in ihrem Programm eingebaut?

von Toerne: Also, erst einmal ist die normale Verbindung, die der Nutzer zu uns aufbaut, in dem Moment, in dem er sagt: „Ich möchte in den Bereich Online Spiel-Casino gehen“, wird die Datenübertragung mit 128 Bit verschlüsselt, eine sog. SSL-Verbindung.

ISA-CASINOS: Ist das ist die höchste Sicherheitsleistung, die es auf dem Markt gibt?

von Toerne: Richtig. Es ist weiterhin so, dass unser Rechenzentrum selber auch mit der Abschirmung her mit Firewalls und einer ausgeklügelten Kommunikations-Architektur so abgeschottet ist, so dass von außen kein Unberechtigter auf unsere Rechner zugreifen kann.

ISA-CASINOS: Was machen sie bei Stromausfällen, die auch passieren können?

von Toerne: Wir haben in unserem Rechenzentrum, das alle wichtigen und notwendigen Sicherheitsvorkehrungen hat, auch eine Notstromversorgung. Es ist also sehr abgesichert. Zugangskontrolle, verschiedene Stromquellen, Klima- und Löschanlage – alles ist vorhanden. Für den Fall der Fälle, dass alles mal „down“ sein sollte, wird das Spiel unterbrochen, das letzte Spiel, das gespielt wurde, gilt als Stand und Einsätze, die danach getätigt werden sollten, werden zurückgebucht und gutgeschrieben. Es kann kein Einsatz verloren gehen, selbst wenn das Rechenzentrum wider Erwarten abbrennen sollte, da wir mehrere hundert Meter entfernt ein Zweitarchiv haben und jeder Schritt mitprotokolliert wird. Keiner kann also seinen Einsatz verlieren, es ist alles rekonstruierbar und dieses ist uns auch von der prüfenden Gesellschaft bestätigt worden.

ISA-CASINOS: Wann beginnt das Live-Spiel für den Nutzer und woher weiss er, wann es beginnt und wann die Live- Übertragung endet?

von Toerne: Es wird täglich von 15.00 Uhr bis 3.00 Uhr gespielt. Auf der Hompage der Spielbank zeigt zusätzlich eine Uhr an, wann es beginnt und wann das letzte Spiel erfolgt.

ISA-CASINOS: Die Live Übertragungszeit ist die reale Zeit?

von Toerne: Es gibt keine Verzögerung des Signals, wann die Zahl gefallen ist und auch die Videobilder sind stets aktuell Wir benutzen kein „Streaming“, weil unserer Meinung nach die Bilder dabei zu unscharf werden. Wir benutzen eine Serie von Einzelbildern, die dazu führen das man sehr präzise sehen kann, in welches Fach die Kugel gefallen ist, leider sind die Bilder dabei etwas „ruckeliger“, als man es vom Fernsehbild kennt.

ISA-CASINOS: Wie sind die Nutzungsbedingungen des Gastes und was muss er dabei tun?

von Toerne: Der erste Schritt für den Benutzer ist die Registrierung. Er gibt seine Daten bei uns auf der Webseite ein, das sind im Endeffekt dieselben Daten die er bei einem normalen Spielbankbesuch auch macht. Er druckt dann seine angegeben Daten mit seinem dazugehöreigen Spielvertrag aus und sendet ihn mit einer Kopie seines Personalausweises per Post zu.

ISA-CASINOS: Wer kommt alles an die Daten der angemeldeten Spieler heran?

von Toerne: Die persönlichen Daten sieht die Rezeption, zu Abrechnungszwecken die Buchhaltung, sowie der beauftragte „Supervisor“.

ISA-CASINOS: Werden die Daten auch an das Finanzamt weitergegeben?

von Toerne: Natürlich nicht, es werden absolut keine Daten von der Spielbank an irgend jemanden weitergeleitet, abgesehen vom Bruttospielertrag insgesamt, d.h. das Finanzamt hat keinen Einblick wer bei uns spielt und wieviel er eventuell gewinnt.

ISA-CASINOS: Wie ist das Abrechnungssystem geregelt, sind feststehende Summen oder Limits vorgeschrieben?

von Toerne: Grundsätzlich werden keine Einzahllimits vorgeschrieben. Meist ist es auch so, dass die Kreditkarte in sich schon festgelegte Limits hat, über die ein Kunde verfügen kann. Zur Zeit haben wir die Kreditkarte auch als einzigstes Zahlungssystem eingeführt. Überweisungen würden auch insbesondere nicht gehen, da wir täglich alle Gewinner ausbezahlen und ihr Gewinn ihnen über ihr Kreditkarte wieder gut geschrieben werden. Dieses würde sich bei einem Überweisungssystem aber schwierig gestalten. Wir arbeiten aber daran, andere Alternativen einzuführen.

ISA-CASINOS: Kostet dieses System aber dem Spieler nicht die täglichen Gebühren die dabei anfallen?

von Toerne: Sämtliche Ein- und Auszahlungsgebühren, die dadurch entstehen, übernimmt die Spielbank.

ISA-CASINOS: Welche Altersbeschränkung haben sie für die Spieler, die sich an dem Live Roulette Spiel beteiligen.

von Toerne: Wir halten uns auch hier an die Spielordnung der Spielbank Hamburg, das heisst ab 18 Jahre darf man spielen, solange man in keiner Deutschen Spielbank aus finanziellen Gründen gesperrt ist.

ISA-CASINOS: Arbeiten Sie auch mit ausländischen Casinos zusammen?

von Toerne: Wir werden im ersten Schritt mit Deutschen Spielbanken zusammenarbeiten. Selbstverständlich werden wir auch schauen, je nach Marktakzeptanz und Marktdurchdringung, wie weit wir mit anderen Casinos zusammenarbeiten werden und können. Natürlich nur mit staatlich konzessionierten Casinos in vollständig regulierten Ländern.

ISA-CASINOS: Mit wem arbeiten sie im Bereich Casino außerdem zusammen?

von Toerne: Wir haben natürlich durch die Modifikation des „Novomatic“-Tisches auch enger mit „Novomatic“ zusammen gearbeitet. Dies ist aber keine längerfristige „Partnerschaft“, sondern war einfach für dieses Projekt eine gute Zusammenarbeit. Wir werden in Zukunft, wenn es sich anbietet und es sinnvoll erscheint auch mit anderen Partnern zusammenarbeiten.

ISA-CASINOS: Haben sie vor, wenn ihre Projekte Erfolg zeigen, damit auf den ausländischen Markt zu gehen?

von Toerne: Natürlich. Solange die Anbieter, die wir dann beliefern, sich an die Spielregeln halten, wie sie auch bei den Deutschen Casinos sind, also nicht da, wo es rechtlich nicht gestattet wird.Am Anfang werden wir uns aus Kapazitätsgründen erst einmal auf den deutschen Markt beschränken. Weil wir hier glauben, dass wir in der Kombination aus Software und Betrieb dieser Software, Spielbanken ein Angebot schaffen können, was sonst keiner kann. Das heißt das wir nicht nur in Deutschland konzessionsfähiges Produkt haben, sondern auch, dass wir den Betrieb mit deutschem Personal in Deutschland sicherstellen und über deutsche Banken abwickeln können.

ISA-CASINOS: Entspricht ihre Software dem internationalen Stand?

von Toerne: Von der Technik gehen wir davon aus, dass wir ihnen ebenbürtig sind. Wir haben auch Finessen drin, die den Deutschen Markt betreffen, die andere noch nicht haben. Wie zum Beispiel ein komplettes Buchhaltungs- System nach GOBS Standard und eine Software Prüfung von Deutschen Wirtschaftsprüfern. Was die Anzahl der Spiele betrifft, sind wir natürlich etwas limitiert. Wir werden in Kürze die neue Version des Roulettes anbieten, die dann auch optisch ein schönes Erlebnis wird. Von 2D dann auf 3D und dem Hamburger Tisch sehr realistisch nach empfunden.

ISA-CASINOS: Haben sie auch vor, in ferner Zukunft andere Spiele zu entwickeln und anzubieten?

von Toerne: Nicht in ferner Zukunft, in naher Zukunft. Dieses ist bereits in Entwicklung, da es auch nachgefragt wird. Wir hoffen, dass wir dieses langfristig auch in Hamburg anbieten werden. Wir bieten in Hamburg nur Roulette an, da hier nur eine Konzession für Roulette da ist.

ISA-CASINOS: Welche Spiele planen sie denn?

von Toerne: Natürlich die klassischen Spiele, wie Black Jack, Video Pokerspiele, Multiplayer Poker Varianten und auch Slots. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Aber es wird immer in Anlehnung an die klassischen Spielen der Casinos sein.

ISA-CASINOS: Haben sie bereits mit anderen Spielbanken, außer Hamburg, Geschäftskontakte in diesem Bereich?

von Toerne: Es ist kein Geheimnis, dass wir mit Wiesbaden zusammen arbeiten und wir sind auch mit andere Spielbanken im Gespräch.

ISA-CASINOS: Aber mit Wiesbaden ist etwas geplant?

von Toerne: Auf jeden Fall.

ISA-CASINOS: Was machen sie gegen die Spielsucht?

von Toerne: Die Spielbank Hamburg ist die erste Spielbank in Deutschland, die die „20 Fragen“ der anonymen Spieler auf der Webseite aufführt. Dies ist ein Selbsttest, entwickelt von den „Gamblers Anonymous“, der dann später von den „Anonymen Spielern“ ins Deutsche übersetzt wurde. Dieses sind 20 Fragen die sich jeder Casinobesucher selber stellen sollte und wo er sieht, inwieweit man gefährdet ist. Beantwortet man zu viele Fragen positiv, sollte man sich beraten lassen, wo, daß sagen wir natürlich auch. Dieses sollte sich auch ein jeder mal ansehen der ein normales Casino besucht. Jeder Spieler kann in unserer Software dann von vorn herein seinen Einsatz selber limitieren und wenn er doch darüber hinausgehen sollte, wird er zuerst gewarnt und wenn er selber dann darüber gehen will, wird er automatisch angemeldet. Wir haben solche Sicherheiten für die Spieler eingebaut und werden auch weiter daran arbeiten, weitere Spielerschutzmaßnahmen in unsere Lösung zu integrieren. Die Spielbank Hamburg arbeitet in dieser Angelegenheit auch sehr eng mit dem Büro für Suchtprävention hier in Hamburg zusammen.

ISA-CASINOS: Was ist das persönliche Ziel des Tim von Törne?

von Toerne: Mein persönliches Ziel ist, EDICT als den Dienstleister in Deutschland zu etablieren, mit dem man auf jeden Fall reden sollte, wenn man ein Online Casino Projekt plant. Wir können dem Anbieter ein leistungsstarkes Paket aus Software UND Betriebsdienstleistungen schnüren. Daraus entsteht für den Spieler ein interessantes Spielerlebnis verschiedenster Casinospiele, einem guten Kundendienst und für den Spielbankunternehmer eine vernünftige, kostenoptimale Betriebsform, in der wir ihm soviel Arbeit wie möglich abnehmen.

ISA-CASINOS: Ich bedanke mich für das Gespräch und wünsche ihnen und Ihrem Hause alles gute.

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