Eddy Scharf: Was das Fliegen mit Poker gemeinsam hat

Tipps für die Leser von ISA-CASINOS

Piloten lernen Probleme auf eine bestimmten Art und Weise anzugehen. Der Laie denkt oft das Piloten besonders schnell reagieren müssen, das ist in aller Regel nicht der Fall, sie müssen „besonders richtig“ reagieren. Sie müssen unter Zeitdruck zu einer richtigen Bewertung und Beurteilung der Situation kommen. Das müssen Pokerspieler auch. Dazu bedient man sich eines Hilfsmittels. In der Fliegerei nennen wir das FORDEC. Facts, Options, Risks and Benefits, Decision, Execution.

Es werden erst einmal alle Fakten zusammengetragen, bevor wir überhaupt die Optionen in Betracht ziehen. Die Risikoabwägung folgt. Die Entscheidung und Ausführung, zum Schluß der Check oder die Überprüfung der Entscheidung um eventuell Korrekturen anzubringen. Einige werden jetzt vielleicht sagen, dass wir das doch in unserem Leben tagtäglich so machen. Eben nicht! In aller Regel berücksichtigen wir nur ein Teil der Fakten und bleiben an der ersten Option hängen die uns adäquat erscheint.

In der Fliegerei ist die Berücksichtigung aller Fakten lebenswichtig, und zwar bevor man voreilige Schlüße zieht, ja nicht nur dass, bevor überhaupt Optionen berücksichtigt werden. Zu oft kommt es vor das die naheliegenste Lösung eben nicht die optimalste ist, und wenn einmal eingeschlagen ist es unglaublich schwierig den Tunnel in dem man sich gedanklich befindet zu verlassen. Was auf den ersten Blick wie eine einfache Sache aussieht, erfordert in Wirklichkeit sehr viel Disziplin.

Was hat das Ganze denn mit Poker zu tun? Oft lese ich in Foren Fragen wie „Wie soll ich AK spielen?“ bestenfalls „Wie soll ich AK in einem NLH Turnier spielen wenn einer vor mir geraised hat?“ was soll ich darauf antworten? Ich kenne ja nur ein Teil, und dazu noch einen verschwindend kleinen Teil der Fakten. Soll ich den Rest erraten? Positon? Level? Gegner? Chipstand? Chipstand der Gegner? Image der Gegner? Eigenes Image? Welche Hände habe ich bisher gezeigt und wie habe ich gespielt? Bin ich meinen Gegnern überlegen, oder ist ein sehr starker Spieler am Tisch? Laufen Nebenwetten? Erst jetzt mache ich mir Gedanken über die Optionen.

Die Optionen beim Poker sind immer klar, wenn vorher gesetzt wird gibt es nur call, fold oder raise, und wenn raise, wieviel. Auch wenn „Fold“ auf den ersten Blick nicht in Frage kommt, sollte die Option nicht unberücksichtigt bleiben. Wird eine Option zu früh verworfen wird sie zu einem späteren Zeitpunkt auch nicht mehr berücksichtigt werden.

Risiken. Was bedeutet ein Call, ein Fold ein Raise für den weiteren Verlauf des Turniers, scheide ich aus, mache ich eine starken Gegner noch stärker wenn ich verliere oder kann ich einen starken Gegner empfindlich treffen. Schadet es meinem Image wenn meine Hand zum Showdown kommt oder wäre es sogar von Vorteil? Wieviel Chips habe ich nach dem Spiel und kann ich danach noch Schaden beim Gegner anrichten? Wenn ich nun aufgrund der Fakten die möglichen Risiken der einzelne Optionen in Betracht ziehe komme ich in der Regel zu einem vernünftigen Ergebnis.

Decision und Execution als Entscheidung und Ausführung sind beim Poker mehr oder weniger dasselbe wenn man von einer möglichen oscarreifen Vorstellung absieht, wie zum Beispiel langes überlegen, Kopf schütteln und dann raisen.

Der letzt Punkt ist wieder wichtig. Check. Stimmte meine Beobachtung? Lag ich mit meiner Entscheidung richtig? Auch das scheint eine Binsenweißheit zu sein, merkwürdigerweise wird sie fast immer ignoriert. Es ist nämlich nicht leicht das Spiel des Gegners und sein eigenes zu analysieren wenn man gerade gegen einen 2 Outer verloren hat. Übrigens wenn man gewonnen hat auch nicht.

Muß man jetzt so vorgehen wenn man ein guter Pokerspieler werden will? Mit Sicherheit nicht, aber es hilft. Wenn ihr demächst beobachtet das ein Spieler voreilige Schlüsse zieht, dann muss das kein schlechter Spieler sein aber einige Aspekte des Spiels werden ihm wohl für immer verborgen bleiben.

Eddy Scharf
  • zweifacher WSOP-Gewinner im USD 1500 Limit Omaha
  • einer der erfolgreichsten Pokerspieler in Deutschland
  • Pilot von Beruf
Man muss vom Weg abkommen, um nicht auf der Strecke zu bleiben. Manchmal weiß man gar nicht richtig was im Pot liegt, wenn man auch mal andere Wege geht. Eddy Scharf wollte seine Ausbildung zum Piloten nicht im Mief einer deutschen Schule absolvieren, und landete im Spielerparadies Arizona. Der Tapetenwechsel führte schnell zum Geldwechsel, und der Aufstieg von Eddy Scharf zum erfolgreichsten Pokerspieler Deutschlands war nur noch Formsache.

Während seiner Ausbildung an großen Passagierflugzeugen zog es den zukünftigen Berufspiloten an den Wochenenden nach Las Vegas. Als braver deutscher Skatspieler betrachtete er Poker nur als Glücksspiel, bis er feststellte, dass es immer die gleichen Jungs waren, die als Gewinner vom Pokertisch aufstanden. Als ihm klar wurde, dass es in Wirklichkeit weniger um Glück als um Grips und Geld ging, wollte Eddy das Pokerspiel von der Pike auf erlernen.

Da Eddy weiter an der Karriere als Pilot und dem Familienleben festhielt, brauchte er für die harte Pokerausbildung etwas länger. Aber während er seinen Lebensunterhalt im Flugzeug verdiente, verschlang er alle Bücher über Poker, die er bekommen konnte, und besuchte regelmäßig Pokerturniere während der Flugpausen in den Vereinigten Staaten.

1995 verschlug es Eddy auch beruflich in die andere Richtung. Poker erfreute sich in Europa einer immer größeren Beliebtheit, und Eddy musste zum Pokern nicht mehr so weit fliegen. Er begann Stud- und Omaha-Cashgames in den regionalen Casinos zu spielen, und dort ging er regelmäßig als Gewinner vom Tisch.

In den folgenden fünf Jahren wurde Eddy ständig an den Finaltischen in ganz Europa gesichtet. Im Jahr 2001 reiste er wieder nach Las Vegas und nahm am $ 1500 Limit Omaha Event teil. Dort nahm er bekannte Spieler wie Allen Cunningham und David Slansky vom Tisch, der Autor eines der Bücher, mit denen Scharf während seiner Pokerausbildung intensiv gearbeitet hatte. Am Ende stand er mit dem goldenen Bracelet des Turniers vom Tisch auf. Im Jahr 2003 verteidigte er seinen Titel, und 2004 kam er auf einen hervorragenden fünfzehnten Platz im WSOP-Main Event, und bestieg den Flieger zurück nach Deutschland mit 275.000 US-Dollar Siegprämie in seiner Pilotentasche.

Deutschlands erfolgreichster Pokerspieler ist regelmäßiger Co-Kommentator bei Übertragungen von Pokerveranstaltungen im Deutschen Sport-Fernsehen (DSF). Wenn er nicht gerade um die Welt fliegt oder große Live-Turniere spielt, dann landet Eddy Scharf online bei Full Tilt Poker.net.

Erzählen Sie uns Ihre Bad Beats und gewinnen Sie!