Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 6)

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
E-Mail: info@isa-guide.de


Wir schreiben das Jahr 1968: Jay Sarno, der das Caesars Palace bauen ließ und seine Anteile und Geschäftstätigkeiten an Clifford Perlman für sagenhafte 60 Millionen Dollar übertrug, hatte schon eine neue Vision: The World of Circus Circus!

Der heutige Eingang des Circus Circus. (Foto: Mutari / GFDL)

Der heutige Eingang des Circus Circus. (Foto: Mutari / GFDL)

Anfänglich noch ohne Hotelzimmer, eröffnete dieses Casino 1968 in einem authentischen Zirkuszelt, ursprünglich nur mit Casino-Spielen und einigen Zirkus-Attraktionen. Das Zelt, damals wie heute noch im klassischen Pinkweiß, mit einer Karnevaletage für Kinder, verschiedenen Restaurants und anderen kleinen Geschäften und Attraktionen, traf voll den Geschmack der vergnügungsorientierten Wochenendtouristen aus Kalifornien. Trapezkünstler, Clowns, Jongleure, Zauberer, alles sollte angeboten werden, um die Gäste zu begeistern. Der Erfolg lies nicht lange auf sich warten. Das Konzept schlug ein wie eine Bombe.

Ein Spieler, der damals zum ersten Mal als kleiner Junge in Las Vegas war, erinnert sich: “Es war unglaublich. Ich erinnere mich an die Hochseilakrobaten und an den Jahrmarkt wo ich an verschiedenen Ständen spielen konnte. Meine Eltern gaben mir einige der Quarters, die sie an den Spielautomaten gewonnen hatten, damit ich mich oben in der Kinderetage an den Ständen vergnügen konnte. An irgend so einer Schießbude gewann ich einen riesigen Pink Panther, der jedoch im Flugzeug, auf der Heimreise, ziemlich viel Platz beanspruchte. Unten im Casino sah ich Reihen von piepsenden und klimpernden Spielautomaten und Tische, an denen Leute saßen und Karten gespielt haben. Ich wusste genau, dass ich eines Tages einer dieser Menschen sein würde, die dort spielen. Ich kannte die Spiele natürlich nicht, wusste aber damals schon das dies meine Zukunft sein würde. Und Jahre später war ich dann in Las Vegas und Circus Circus war noch fast so wie früher, einfach nur viel grösser, und halt etwas vom Alter gezeichnet. Aber der Reiz dieses Casinos ist für mich noch immer derselbe geblieben.”

Wie dem Beobachter vor 40 Jahren aufgefallen war, so fand das Glücksspiel damals wie heute nur auf der untersten Etage des Casinos statt. Darüber befindet sich auch heute noch ein Sicherheitsnetz für die Hochseilakrobaten. Die Anzahl Hotelzimmer wurde von anfänglich 400 auf heute über 3.000 aufgestockt. Circus Circus hat inzwischen mehrere Hoteltürme und einen zusätzlichen Trakt mit weiteren Zimmern, die an den Wochenenden mehrheitlich ausgebucht sind.

Circus Circus galt zeitweilig zu den bestgeführten Casinos im operativen Geschäft. Zur Circus Circus Enterprises (später Mandalay Resort Group) gehörten auch das Slots-a-Fun Casino direkt vor dem Circus Circus (zwischenzeitlich ins Circus Circus integriert), das Mandalay Bay, Luxor, Excalibur, und weitere. 2005 wurde die Mandaly Resort Group letztendlich vom Branchenriesen MGM Resorts International geschluckt.

Aufnahme des heutigen Circus Circus bei Tag. Zwischen den Hoteltürmen wirkt das Zelt geradezu unscheinbar. (Foto: Bobak Ha'Eri / CC BY 3.0)

Aufnahme des heutigen Circus Circus bei Tag. Zwischen den Hoteltürmen wirkt das Zelt geradezu unscheinbar. (Foto: Bobak Ha’Eri / CC BY 3.0)

Circus Circus verfolgte im übrigen eine andere Unternehmensphilosophie als beispielsweise Caesars Palace oder Las Vegas Hilton. Im C-C sollte die Mittelschicht angesprochen werden. Das breite Geschäft für die Masse, welches letztendlich mehr Geld generieren würde als die paar Highrollers, die mit dem Privatjet eingeflogen werden wollten und für die stets eine Luxus Suite mit Butler bereitstehen muss. Ok, mit dem Wandel der Zeit mussten die Standards etwas angehoben werden. So war das Mandalay Bay in den 90ern eine der ersten Adressen in Las Vegas, quasi das Flaggschiff von Circus Circus Enterprises. Daher auch die Namensänderung des Unternehmens auf Mandalay Bay Group. Im Mandalay Bay werden auch High Limit Players angesprochen, und die Hotelpreise überstiegen den Durchschnitt bei weitem.

Eine weitere Persönlichkeit, die in Las Vegas neue Maßstäbe gesetzt hat, ist Kirk Kerkorian. Der ehemalige Jet Pilot der US Airforce begann recht früh, mittels der eigens gegründeten Fluggesellschaft Trans International Airlines, mit einem Touristentransfer zwischen Kalifornien und Las Vegas. Die Fluggesellschaft wurde 1968 für 104 Millionen Dollar verkauft, und mit Teilen vom Erlös kaufte sich Kirk Kerkorian grössere Anteile der MGM Studios in Los Angeles, sowie weitere Anteile der Western Airlines (heute Delta Air Lines). Darüber hinaus erwarb er eine Parzelle in Nevada, wo später ein neues Großprojekt seinen Anfang nehmen sollte. Die Parzelle war leicht östlich vom Las Vegas Boulevard, an der Paradise Road, also genau ein Block östlich, zwischen dem heutigen SLS Hotel und dem früheren Riviera.

1969 erwarb Kirk Kerkorian das Flamingo Hotel und benutzte dieses Casino als Ausbildungsstätte für die Mitarbeiter seines neuen Super Hotels.

Das International Hotel öffnete schließlich am 2. Juli 1969, die Baukosten bis zur Fertigstellung sollen über 60 Millionen Dollar betragen haben, eine damals unvorstellbare Summe. Das Hotel bestand aus einem 24stöckigen Turm und galt damals als das grösste jemals gebaute Hotel und Casino. Das Casino alleine hatte über 10.000 Quadratmeter Spielfläche, eine noch nie dagewesene Größe. Es gab die unterschiedlichsten Restaurants mit deutscher, italienischer, japanischer und mexikanischer Küche.
Zur Eröffnungsparty waren führende Politiker geladen, und natürlich auch andere Persönlichkeiten wie Cary Grant, Phyllis Diller, George Raft, Nancy Sinatra, Nataly Wood. Zur Unterhaltung der Gäste wurden Superstars wie Elvis Presley oder Barbara Streisand engagiert. Elvis Presley bekam sein eigenes Theater und füllte in den 7 Jahren, in denen er mit dem International unter Vertrag stand, die 2.000 Plätze im Show-Theater permanent. Das International ging bereits 1970 zusammen mit dem Flamingo an die Hilton-Gruppe über. Aus dem International wurde das berühmte Las Vegas Hilton welches 2012 in Las Vegas Hotel & Casino umbenannt wurde und aus dem wiederum 2014 das Westgate Las Vegas Resort & Casino wurde.

In der Annahme, dass aus der Paradise Road eine Art “Parallel-Strip” entstehen würde, gab Kerkorian bekannt, dass mit dem Erlös aus den beiden Casino-Verkäufen ein neues Projekt entstehen sollte, wovon die Welt bisher noch nicht zu träumen wagte. Gemeint war damit Kerkorians Traum vom MGM Grand.

Früher das International Hotel, heute das Bally's Hotel and Casino. (Foto: Eric Gaba)

Früher das International Hotel, heute das Bally’s Hotel and Casino. (Foto: Eric Gaba)

Das MGM Grand, heute bekannt unter dem Namen Bally’s, welches an der Ecke Flamingo, Las Vegas Boulevard, zwischen Paradise Road und Vegas Strip steht, war also der nächste Streich. Die Bautätigkeiten begannen 1972. Die Eröffnung, zu der auch Dean Martin eingeladen war, fand am 5. Dezember 1973 statt. Das Hotel bestand aus 2.100 Zimmern, einer unvorstellbaren Zahl, die auch nach heutigen Maßstäben noch als beachtenswert gilt. Das Casino kostete bis zur Fertigstellung 106 Millionen Dollar.
Im MGM Grand wurden 4.000 Mitarbeiter beschäftigt, 7 Küchen waren für das leibliche Wohl der Gäste verantwortlich. Das Casino galt nun als das grösste der Welt mit 10 Oversize-Craps Tischen und über 70 Black Jack Tischen, 6 Roulette Tischen (was aufzeigt, dass die Amerikaner nie besonders am Spiel mit der kleinen weißen Kugel interessiert waren und eher die Karten liebten) und einem Pokerroom mit 16 Tischen sowie weitere Spiele.
Donn Arden’s Show “Jubilee” sollte sich zur Supershow über Jahrzehnte hinaus entwickeln und wurde insgesamt 34 Jahre im Jubilee! Theatre gezeigt, bevor sie 2016 eingestellt wurde.

Mit der Fertigstellung des MGM Grand galt die Ecke Flamingo/Las Vegas Boulevard als “The Dynamic Corner” von Las Vegas. Auch heute noch ist dies der meistbesuchte Platz der Stadt. Kleine Casinos wie das Barbary Coast oder Burbon Street profitierten von dieser Tatsache und verkaufen ihren Besitz lange nicht an übermächtige Konkurrenten wie die Park Place Entertainment Group, die längst eine Übernahme anstrebte.
Doch die Lokalität war die reinste Goldgrube, so dass kein Investor der Welt hier verkaufen würde. Das Barbary Coast Casino lief quasi vollautomatisch, man musste den Gästen nicht einmal etwas besonderes bieten, außer der Tatsache eben, dass man dort spielen konnte. Die Tische waren jeden Abend voll und die Automaten rasselten vor sich hin. In den 80er-Jahren kaufte die Bally’s Corporation das MGM Grand von Kirk Kerkorian, der sich neuen Projekten und Plänen widmen wollte.

Während sich also am Las Vegas Strip ein Hotel an das andere reihte und die Konkurrenz ständig grösser wurde, entstand in Downtown, Las Vegas, dort, wo einst alles anfing, ein anderer American Dream: The World Series of Poker, ein auch heute noch geschützter Begriff für das prestigeträchtigste Poker Turnier der Welt, nahm seinen Anfang im Binion’s Horseshoe Hotel and Casino. Etwas mehr über die lokalen Gründer von Downtown und über die weitere Entwicklung der Stadt in den 80er-Jahren können Sie in unserem nächsten Bericht erfahren.

Hier finden Sie eine Übersicht aller bisher erschienen Teile unseres Las Vegas Rückblicks.

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