Interview: Vor einem Vierteljahr wurde das gemeinsame Verbraucherschutzkonzept des Düsseldorfer Kreises veröffentlicht – Wo steht die öffentliche Diskussion heute?

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
E-Mail: info@isa-guide.de


Vor drei Monaten hat der „Düsseldorfer Kreis“, eine Initiative von Vertretern staatlicher Anbieter, Wissenschaft, Suchthilfe und privater Glücksspielunternehmen ein gemeinsames Verbraucherschutzkonzept für Glücksspiele in Deutschland veröffentlicht. ISA-GUIDE spricht mit den beiden Gründern der Initiative, Martin Reeckmann, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands deutscher Spielbanken (BupriS) und Knut Walter, Wissenschaftsberater, und Sprecher des Kreises zum Stand der öffentlichen Diskussion.

Chefredakteur Reinhold Schmitt, ISA-GUIDE: Herr Reeckmann, Herr Walter – Sie beide haben den Düsseldorfer Kreis vor vier Jahren gegründet und sind nun seit einem Vierteljahr mit Ihrem gemeinsamen Verbraucherschutzkonzept für Glücksspiele in Deutschland an der Öffentlichkeit. Sind Sie mit der Resonanz auf Ihr Konzept zufrieden?

Rechtsanwalt Martin Reeckmann

Rechtsanwalt Martin Reeckmann

Martin Reeckmann: Durchaus, denn die Resonanz zeigt uns, dass wir mit unserem Konzeptvorschlag den Diskussionsbedarf getroffen haben. Das liegt an dem von uns gewählten Ansatz: Auf der Suche nach einer tragfähigen Glücksspielregulierung wollten wir einen echten Konsensvorschlag für regulatorische Qualitätskriterien auf den Tisch legen, der von einer sehr breiten Basis getragen wird. Das ist uns mindestens gelungen, und unser erstes Diskussionspapier für ein gemeinsames Verbraucherschutzkonzept ist ein echtes Novum. Dass wir damit eine derart große Aufmerksamkeit generieren würden, haben wir nicht erwartet. Tagesordnungen von Verbandstreffen wurden geändert, politische Parteien diskutieren das Thema, Gesprächseinladungen und Gesprächsverbote wurden und werden ausgesprochen. Bemerkenswert.

Knut Walter: Sehr beeindruckt sind wir von der internationalen Resonanz auf unser Konzept. Prof. Bühringer und ich konnten unseren evidenzbasierten Verbraucherschutzansatz auf der weltgrößten Glücksspielkonferenz an der University of Las Vegas vorstellen. Die internationale Spitze der Glücksspielforschung teilt, sowohl unsere Perspektive auf die aktuelle wissenschaftliche Evidenz, als auch die Ableitungen für die Regulierung von Glücksspielen. Aber auch Regulierungsbehörden, wie die Massachusetts Gaming Commission, teilen unseren diskursiven Ansatz.
In Deutschland sind wir leider immer noch nicht an dem Punkt, wo wir uns inhaltlich mit der Wissenschaft austauschen können. Teile der wissenschaftlichen Community sind nach wie vor damit beschäftigt, die Nicht-Anbieter-Mitglieder des Düsseldorfer Kreises wegen ihrer Zusammenarbeit mit staatlichen und privaten Anbietern persönlich zu diskreditieren. Das ist inakzeptabel, weil falsch.

Ebenso falsch und deshalb unredlich ist es zu behaupten, der Kreis sei durch die Unternehmen der Automatenwirtschaft finanziert und einzelne Teilnehmer – ich zum Beispiel – würden ihren Lebensunterhalt mit der Arbeit im Kreis bestreiten. Richtig ist, der Düsseldorfer Kreis wird durch das hohe zeit- und inhaltliche Engagement seiner Mitglieder getragen. Die dadurch sehr niedrigen laufenden Kosten werden von den Teilnehmern selbst oder im Rahmen ihrer hauptamtlichen Berufe finanziert oder auf die, das Engagement ihrer im Kreis vertretenen Mitarbeiter unterstützenden, Glücksspielanbieter umgelegt.

Martin Reeckmann: Unterstellungen, der Düsseldorfer Kreis sei auf Veranlassung der Automatenwirtschaft initiiert worden und werde auch von dort finanziert, entbehren jeder Grundlage, sie sind schon angesichts der Zusammensetzung des Kreises absurd. Wir haben den Eindruck, dass solche Diffamierungen in erster Linie von inhaltlichen Defiziten einzelner Stakeholder ablenken sollen. Stattdessen wäre ein ergebnisoffener Diskurs über die Inhalte unseres Konzepts der richtige Weg. Wir werden sehen, wer sich das zutraut.

Reinhold Schmitt, ISA-GUIDE: Herr Reeckmann, Sie sind Vorstandsvorsitzender eines Wirtschaftsverbandes und Mitglied des Düsseldorfer Kreises. Ist der Kreis nicht auch nur eine andere Art von Interessensvertretung?

Knut Walter

Knut Walter

Martin Reeckmann: Natürlich vertritt der Düsseldorfer Kreis Interessen – allerdings nicht die Partikularinteressen seiner Mitglieder, sondern die des gesellschaftlichen Gutes von Spieler- und Verbraucherschutz. Und alle Mitglieder des Kreises sind Staatsbürger dieses Landes und haben ein großes Interesse daran, dass seine föderale Demokratie nicht durch Sonderwege beschädigt wird. Zur Erinnerung: Aktuell steht der Ausstieg Hessens aus dem Glücksspielstaatsvertrag auf der politischen Tagesordnung – das wäre der zweite Versuch eines Alleingangs mit zwar verständlich erscheinenden Motiven, der aber Bürger und Verbraucher eher irritiert als schützt.
Unser Thema bei der Glücksspielregulierung ist also eher das übergeordnete Gesellschaftsinteresse, anstelle der sonst zu vernehmenden Sonderinteressen. Mir ist schon klar, dass das hochgesteckt klingt, aber eine solche Haltung kann jeder einnehmen, der seine Partikularinteressen ehrlich deklariert und bewertet und nicht zum ausschließlichen Dreh- und Angelpunkt seiner Beiträge macht. Das geht im Düsseldorfer Kreis als eine Art Think Tank deutlich besser als in Wirtschaftsverbänden. Verbände dienen der legitimen Meinungsbildung und Interessenvertretung ihrer Mitglieder, eignen sich aber mit ihren Strukturen und festen Glaubenssätzen eher nicht zum problemlösenden Diskurs. Und nach mehr als zehnjähriger Improvisationsgesetzgebung zum Glücksspiel kann niemand mehr ernsthaft behaupten, die Probleme seien gelöst.

Reinhold Schmitt, ISA-GUIDE: Wie muss man sich nun die weitere Arbeit des Kreises vorstellen?

Martin Reeckmann: Wir werden unser Konzept weiterhin allen relevanten Gruppen vorstellen und, wenn das gewünscht wird, Details und Konsequenzen der von uns formulierten Qualitätskriterien diskutieren. In den Fällen, wo wir dies bereits tun konnten, war die Zustimmung zu unserem Konzept am Ende überwältigend groß – wir sind also auf dem richtigen Weg.

Knut Walter: Auch inhaltlich werden wir weiter an unserem Konzept arbeiten. So präzisieren wir zum einen gerade unser Verständnis und die tragfähige Argumentation des deutschen Lotteriemonopols, das wie gesagt alle Mitglieder des Kreises anerkennen.
Zum anderen bereiten wir Werkstattgespräche vor, die der Konkretisierung unserer Qualitätskriterien dienen. Themen werden hier Spielersperre, Identifikation und Verifikation, Limit-Politik und die Gestaltung der Schnittstellen ins Hilfesystem sein.

Martin Reeckmann: Und wir werden den Kreis nach der Sommerpause um namhafte Persönlichkeiten erweitern.

Reinhold Schmitt, ISA-GUIDE: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Mitglieder des Düsseldorfer Kreis:
Prof. Dr. Gerhard Bühringer, TU Dresden
Prof. Dr. Jörg Ennuschat, Ruhr-Universität Bochum
Dr. Daniel Henzgen, Löwen Entertainment GmbH
Robert Hess, Schmidt Gruppe Entertainment GmbH
Josef Kron, Löwen Play GmbH
Martin Reeckmann, Bundesverband deutscher Spielbanken gegr. 2008 als BupriS e.V. Steffen Stumpf, Westdeutsche Spielbanken GmbH & Co. KG
Knut Walter, Scientific Affairs
Axel Weber, WestLotto
Günther Zeltner, Evangelische Gesellschaft Stuttgart e.V.

Kontaktadresse:
Düsseldorfer Kreis
Initiative für Qualität und Verbraucherschutz im Glücksspielwesen

Französische Straße 55
10117 Berlin

Ansprechpartner:
Knut Walter
Telefon: +49 (0)30 2809 5012
Email: knut.walter@duesseldorfer-kreis.de

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Ein Kommentar zu diesem Artikel

  1. Torsten Stegner
    Geschrieben am 14.07.2016 um 14:31 Uhr

    Äußerst glaubhaft, dass der “Düsseldorfer Kreis” nicht die Partikularinteressen seiner Mitglieder, sondern gesellschaftliche Interessen vertritt. Das ist ungefähr so glaubhaft wie dass die Lotteriegesellschaften der Bundesländer keine fiskalischen Interessen verfolgen.

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