Ausbau von Spielerschutz trotz angespannter Wettbewerbssituation

Prävention, Sozialkonzepte, Kooperation mit externen Beratungsinstitutionen

Baden-Baden, 17. Mai 2016. Im neuen „Jahrbuch Sucht 2016“ beziffert die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) Folge-Kosten von Alkohol- und Tabakmissbrauch mit etwa 119 Mrd. Euro. Zudem nennt es 1,5 Millionen Abhängige von Schlaf- und Beruhigungsmitteln sowie 215.000 pathologische Glücksspieler. Die DHS schreibt: „Die Bruttospielerträge in deutschen Spielbanken sind 2014 zurückgegangen… Insgesamt sind die Umsätze auf dem gesamten deutschen Glücksspielmarkt 2014 jedoch gestiegen…. Verantwortlich hierfür sind die 269.000 aufgestellten gewerblichen Geldspielautomaten in Spielhallen, Imbissbetrieben und Gaststätten.“ Die DHS fordert daher mehr Prävention.

„In einem schwierigen Wettbewerbsumfeld erfüllen staatliche Spielbanken weiter ihren öffentlichen Auftrag, legales Glücksspiel in einem sicheren Umfeld anzubieten. Dazu gehört auch, den Spielerschutz kontinuierlich auszubauen. Die Spielbanken kommen also nicht nur der Auflage nach, dem Spieltrieb eine legale Möglichkeit zur Entfaltung zu geben. Sie berücksichtigen auch mögliche Folgen. Beides fließt in Sozialkonzepte ein. Viele Spielbanken gehen dabei den auch von Wissenschaftlern empfohlenen Weg, zusätzlich zu internen Maßnahmen mit externen Institutionen zu kooperieren“, sagt Otto Wulferding, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Spielbanken Verbandes DSbV.

So arbeiten etwa die Baden-Württembergischen-Spielbanken (Casinos Baden-Baden, Stuttgart, Konstanz) zusammen mit der Evangelischen Gesellschaft Stuttgart e.V. (eva), um potentielle Interessenkonflikte zu vermeiden. Dabei übernimmt die Spielbank keine therapeutische Aufgabe. Sie stützt und schult vielmehr die Mitarbeiter in ihrer Kompetenz, abweichendes Spielverhalten frühzeitig zu erkennen und Problemspieler auf Hilfe durch eva hinzuweisen. Die Baden-Württembergischen Spielbanken entwarfen dazu bereits vor 16 Jahren ein Präventionskonzept, das zu einem Sozialkonzept weiterentwickelt wurde. Sie betreiben damit proaktiv Aufklärung über sich im Dialog mit Betroffenen. Ein Beispiel dafür ist der Spielerschutztag im November 2015: Vertreter der Spielbank, Wissenschaftler und Betroffene trafen sich, um über Spielsucht und suchtpräventive Maßnahmen zu sprechen. Es war das erste Mal, dass diese Initiative von einer Spielbank ausgeht.

Wulferding: „Spielerschutz orientiert sich an Maßstäben des Verbraucherschutzes, der Produktverantwortung und der Corporate social responsibility. Er ist Teil der Spiel- und Unternehmenskultur. Spielerschutz ist im Wettbewerb mit anderen aber auch in der öffentlichen Diskussion ein benchmark für ein gesellschaftlich akzeptiertes Produkt. Dieser Wettbewerb wird verschärft durch illegale Anbieter im Internet. Sie verzichten auf Sozialkonzepte, Prävention, face-to-face-Beratung. Die Spielsituation vor dem PC hat nichts gemein mit der sozialen Atmosphäre in einem Casino“.

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2 Kommentare zu diesem Artikel

  1. T. Papadopoulos
    Geschrieben am 17.05.2016 um 17:41 Uhr

    Mehr Prävention als die gewerblichen (legalen) Spielhallenbetreiber in Deutschland macht keiner. Dies wird von den staatlichen Spielbanken gerne anders dargestellt. Wer sich aber mit der Materie befaßt und auskennt, hat die staatlichen Spielbanken schon längst enttarnt. Das Spiel des „schwarzen Peter“ zuschieben und auf eigene Unzulänglichkeiten abzulenken, das beherrschen sie.
    Die Spielbanken, zumindest die staatlichen, haben Umsatzückgänge, nicht jedoch die privat geführten staatlich konzesionierten Spielbanken! Es kommt halt drauf an, wie man etwas betreibt. Selbsbedienungsladen mit Behördenmetalität oder privat geführtes Unternehmen, das bestimmt nicht weniger Verbraucherschutz realisiert. Trotz allem wird sich in Zukunft immer mehr im Internet abspielen! Das ist die Realität, vor der alle und vor allem die verantwortlichen in der Politik und Regierungspräsidien Ihre Augen verschließen bis nichts mehr umumkehrbar ist.

  2. Robert Ziegler
    Geschrieben am 18.05.2016 um 13:55 Uhr

    Hallo, also die lieben staatlichen Spielbanken bieten legales Glücksspiel in einem sicheren Umfeld an, das soll heißen? Blitzschutzanlage auf dem Spielbankendach? Polizeischutz für Kunden/Spieler? Kein verlieren, sondern nur gewinnen möglich, also Gewinngarantie? Wie sagte so treffend der Geschäftsführer der saarländischen Spielbanken Herr Burkhart in einem Zeitungsbericht:“ Wir sind die Guten der Bösen“!!! Unglaublich diese Doppelmoral der Spielbankenbetreiber!!! Und unsere weltfremde, nach immer mehr Diätenerhöhungen strebende, Politikelite glaubt dies auch noch!!! MFG Robert Ziegler Saarbrücken

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