Differenziertes Bild bei der Ordertätigkeit auf der IMA in Düsseldorf und erfreulicher Zuwachs bei den Besucherzahlen – ISA-GUIDE.de

Differenziertes Bild bei der Ordertätigkeit auf der IMA in Düsseldorf und erfreulicher Zuwachs bei den Besucherzahlen

Abschlussbericht IMA 2012, 23. Januar 2012

Vor dem Hintergrund eines neuen Glücksspiel-Änderungsstaatsvertrages und ersten Länder-Spielhallengesetzen stellt sich die Ordertätigkeit auf der IMA sehr unterschiedlich dar. Bei langfristigen Investitionen war die Branche auf der Messe vorwiegend zurückhaltend. Güter, die in bis zu fünf Jahren abzuschreiben sind, wurden dagegen deutlich stärker nachgefragt. Hintergrund ist, dass die Gesetzgeber in den Ländern mehrheitlich darauf abzielen, die Branche in fünf Jahren auf breiter Ebene zu enteignen.

Düsseldorf. Nach vier Tagen auf dem Düsseldorfer Messegelände schließt die 31. IMA ihre Tore. Mit 9.512 Besuchern und einer Steigerung von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet die Messe der Deutschen Automatenwirtschaft einen erfreulichen Besucherzuwachs. Dies gilt besonders mit Blick auf die sehr unsichere Gesetzeslage. In Bremen und Berlin gibt es schon neue Landes-Spielhallengesetze. In anderen Ländern sind sie angekündigt. Durchweg mit Existenz vernichtenden Folgen für Hersteller, Handel und Betreiber von Spielstätten. In fünf Jahren müssen demnach alle bisher erteilten Konzessionen erneut beantragt werden. Ausschlusskriterien sind dabei vielfach: Mindestabstände zu Kitas, zu Schulen, zu Kirchen und zu anderen Spielstätten. Damit legen die Gesetzgeber in den Ländern ein Netz von No-Go-Standorten über Städte und Gemeinden, die einem totalen Verbot des gewerblichen „Groschenspiels” nahe kommen. Hinzu kommt das beabsichtigte Verbot von so genannten Mehrfachkonzessionen, die bereits seit 1984 vom Bundesverwaltungsgericht für zulässig erklärt wurden. Verständlich, dass vor diesem Hintergrund die Verunsicherung groß ist. Auch ein Grund dafür, dass die Besucherzahlen gestiegen sind, denn in solchen Zeiten erwarten Unternehmer von Ausstellern und Verbänden Produkte und Ratschläge für die Zukunft.

Mehr als schwarz für ihre Zukunft sehen Auszubildende und Mitarbeiter der Branche. Deshalb mussten Gäste der IMA auf ihrem Weg zur Eröffnungsfeierlichkeit durch ein beeindruckendes Spalier von Azubis gehen. 250 junge Leute waren angereist um mit Plakaten, Transparenten und T-Shirts auf ihre Situation aufmerksam zu machen. In enger Zusammenarbeit mit den IHKs hatte die Branche viele Jahre dafür gefochten, zwei spezielle Ausbildungszweige als Automatenfachkraft zu eröffnen, die jetzt als Folge der Politik in den Ländern wieder quasi abgeschafft werden. Neben den jungen Menschen bangen mehr als 70.000 Arbeitskräfte um ihre Zukunft in der Automatenwirtschaft. Mehr als 70 Prozent davon sind Frauen.

Wenn es nach Siegfried Kauder, dem Vorsitzenden des Rechtsausschusses im Deutschen Bundestag, geht, dann haben diese Menschen aber eine Zukunft. Während der Eröffnungsfeier der IMA hat er ihnen zugerufen: „Der Staat darf nicht Konkurrenz einfach platt machen und vom Feld fegen, weil er die Möglichkeit hat, Verordnungen zu erlassen. Meine Damen und Herren, ich finde es beschämend, dass eine Berufsgruppe sich mit Hilfe von Gerichten zur Wehr setzen muss, damit Recht auch Recht bleibt. …. Was im Augenblick im Bereich Spielhallen passiert, ist etwas, das ein Berufspolitiker nicht hinnehmen darf.”

Nur noch auf die Gerichte hofft ein Großteil der Deutschen Automatenwirtschaft. Und da ist man zuversichtlich, weil eine breite Phalanx renommierter Rechtswissenschaftler den neuen Glücksspiel-Änderungsstaatsvertrag nahezu einhellig als verfassungs- und europarechtswidrig einstuft. Trotzdem haben sich die unsicheren Zukunftsaussichten natürlich auf das Orderverhalten der Messe niedergeschlagen. Langfristiges bleibt in den Regalen. Für das Geschäft der nächsten, in Rechtssicherheit überschaubaren Jahre, werden Spielstätten- und Gastroaufstellung aber deutlich optimiert. Spielgeräte, Geldmanagement für Spielstätten, Innenausstattung und Softwareupdates für den Geschäftsbetrieb standen im Zentrum des Interesses. Der Siegeszug der Multigamer im Geldgewinn-Spielbereich ist nicht aufzuhalten. Ein Grund dafür ist: Immer geringere Stundenkosten für den Spielgast, rücken das Spiel in die Nähe jeder anderen, erkauften Freizeitbeschäftigung. Mit einem stündlichen, vom Fraunhofer-Institut ermittelten Durchschnittsaufwand von 10,89 Euro, sind Kino, Fitness, Ski fahren oder auch der Diskoabend nicht preiswerter, eher teurer und nicht selten weniger spannend. Auch ein Grund für den Erfolg der Geräte: Spielautomaten mit mehr als 30 Spielen und kreativen Video-Animationen reiten auf der internationalen Erfolgswelle der iGeneration.

Sehr gut entwickeln sich die Sportwettbereiche der IMA. Herrschte im vergangenen Jahr hier noch ein Rechts-Chaos, ausgelöst durch Stadt und Landesregierung, konnten die Aussteller in diesem Jahr ruhig ihrem Geschäft nachgehen und sehr großes Interesse vermelden. Ausgelöst ist dieses Interesse durch den weltweiten Boom dieses Wett-Themas. Die Sportwettszene hofft auf einen Liberalisierungsumschwung in ganz Deutschland, dem stärksten Markt Europas. Die größten Hoffnungen setzt man dabei auf ein Nein zum neuen Glücksspiel-Änderungsstaatsvertrag durch die EU-Kommission. Kritik der Anbieter: Die beabsichtigte Vergabe von nur 20 Lizenzen bundesweit sei rein willkürlich und die beabsichtigte Steuerbelastung weit über jedem internationalem Niveau.

Sehr zufrieden auf der IMA waren auch die Anbieter im Bereich der Bowling-World. Offensichtlich überlegen derzeit Betreiber von Spielstätten durch Investitionen in diesem Bereich ihr Geschäft zu diversifizieren und etwas krisensicherer zu machen. Umgekehrt interessieren sich Betreiber von Bowling-Bahnen verstärkt für Unterhaltungsgeräte und Warenautomaten. Zwei Messebereiche, die sich seit Jahren positiv ergänzen.

Auf ein Machtwort der EU und der Gerichte hofft auch Paul Gauselmann, der Vorsitzende des Industrieverbandes (VDAI) der Deutschen Automatenwirtschaft. Nach seinen Aussagen hat die Automatenwirtschaft in den vergangen fünf Jahren viele Milliarden Euro investiert, die bei einer Übergangsfrist von 5 Jahren in keiner Weise zu amortisieren sind. Mietverträge, meist mit einer Laufzeit von 10 bis 15 Jahren, langfristige Abschreibungen in Bau und Ausstattung und immer längere Amortisationszyklen machen dies unmöglich. Folglich kündigt Gauselmann Schadensersatzprozesse an. Die Schäden werden von Rechtswissenschaftlern auf über vier Milliarden Euro beziffert. Treffen werden diese Schadensersatzforderungen im Fall des Falles die Kommunen, vielleicht ein Grund, warum sich Landespolitiker derzeit offenbar nicht sonderlich für die Rechtslage zu interessieren scheinen, so Gauselmann.

Die IMA wird im Jahr 2013 vom 15. bis 18. Januar am gleichen Ort stattfinden.