Wenn Nachhaltigkeit und Fleischkonsum harmonieren

Alexander Wellmann lädt auf Schloss Benkhausen zum Sechs-Gänge-Menü

Maik Ostendorf (von links), Larissa Mattlage, Alexander Wellmann und Mark Wehmer freuen sich auf einen Abend, der im Zeichen des nachhaltigen Genusses steht. (Foto: Merkur Group)
Maik Ostendorf (von links), Larissa Mattlage, Alexander Wellmann und Mark Wehmer freuen sich auf einen Abend, der im Zeichen des nachhaltigen Genusses steht. (Foto: Merkur Group)
Espelkamp - Dem erhobenen Zeigefinger kann Alexander Wellmann nicht viel abgewinnen. Für den Rödinghauser ist die richtige Ernährung in erster Linie eine Frage des Maßes und nicht des Moralisierens. Fleischverzehr und eine ressourcenschonende Lebensweise sind für ihn kein Widerspruch. Wenn Tiere artgerecht gehalten würden, das Fleisch nicht industriell erzeugt, sondern regional verarbeitet werde, sei gegen einen moderaten Konsum nichts einzuwenden. „Für mich ist Fleisch in erster Linie ein Genussmittel“, erklärt der 37-Jährige.

Diese undogmatische Perspektive brachte er nun rund 50 Gästen in der Rentei von Schloss Benkhausen näher – und stieß auf reges Interesse. Bei einem exquisiten Sechs-Gänge-Menü ließen sich die Anwesenden von diesem Ansatz überzeugen. Auf der Karte fand sich nicht nur der Feldsalat in Bio-Erdapfel-Vinaigrette, sondern auch Kraftbrühe vom Huhn, das Schnitzel aus der Oberschale sowie die Schweineleber „Berliner Art“. Mit dieser Haltung passte die Veranstaltung zur Philosophie von Schloss Benkhausen. „Auch wir legen großen Wert auf Nachhaltigkeit in Kombination mit hochwertigen Zutaten“, erläuterte Direktorin Larissa Mattlage. Das Tagungshotel wurde im vergangenen Jahr mit dem Nachhaltigkeitszertifikat „GreenSign“ ausgezeichnet, das den Verantwortlichen am Schloss einen vorbildlichen Umgang mit Ressourcen und Biodiversität bescheinigte.

Alexander Wellmann ist auf seinem Hof in Rödinghausen ursprünglich als Selbstversorger gestartet. Wenig später gründete der zweifache Vater das Unternehmen „elseLiebe“, mit dem er nachhaltige Lebensmittel vertreibt. Dabei hat er besonders auf das bunte Bentheimer Schwein gesetzt, eine alte Rasse, die langsamer wächst, älter wird und aufgrund der ausgeprägten Fettschicht dauerhaft draußen lebt. Diese Reise kommt nun an ein Ende: Der Online-Handel hatte nicht die notwendige Schlagkraft entfaltet, um das kleine Unternehmen weiterzuführen. „Ich finde das nicht schlimm“, erläutert Wellmann, der unter der Woche in Vollzeit bei einem Herforder Bekleidungsunternehmen als Controller arbeitet. „Wichtig ist mir, dass ich meine Idee verfolgt habe und mir nicht den Vorwurf machen muss, es nicht probiert zu haben.“ Wer sich den Zuspruch an diesem Abend ansieht, kann kaum glauben, dass die Geschäftsidee des maßvollen Umgangs mit hochwertigen Lebensmitteln nicht funktioniert hat. Vielleicht war die Zeit einfach noch nicht reif dafür.