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Bodog kommt nicht zur Ruhe

Von Lisa Horn

Am 30. Juli hat www.forbes.com über heikle Ermittlungen im Bezug auf Bodog berichtet. Die US-amerikanische Regierung hätte USD 24 Millionen von US-Konten beschlagnahmt, weil diese angeblich auf Gewinnzahlungen von Bodog verweisen, das wäre ein Verstoß gegen den UIGEA. Vor kurzem hat das Poker-Portal Pokerlistings einen Entgegnungsbrief des Bodog CEO Alwyn Morris veröffentlicht – dieser weißt alle Vorwürfe von sich.

Vor drei Monaten hat der kanadische Bodog Gründer Calvin Ayre die Geschäftsführung seines Unternehmens an Alwyn Morris übergeben. Immer wieder wurde Ayre für seinen hedonistischen Lebensstil kritisiert. Er wolle sich aus der Schusslinie ziehen und zur Ruhe kommen, waren die Kommentare nach Ayres Abgang. Das Unternehmen bleibt dennoch in den Schlagzeilen.

Mitte der 90er Jahre begann der kometenhafte Aufstieg des Unternehmens. Ayre strahlte 2006 als Milliardär vom Cover des Forbes Magazins. Knapp USD 7,3 Milliarden Dollar setzte das Unternehmen jährlich um. Dann ein herber Einbruch – der UIGEA wurde 2006 verabschiedet. Die Hauptklientel von Bodog waren US-Amerikaner. Seit damals war Ayre immer wieder gerichtlichen Angriffen ausgesetzt, Untersuchungen wurden eingeleitet, ob nicht doch noch Zahlungen an US-Bürger getätigt würden. US-amerikanischen Spielern ist es durch den UIGEA untersagt Gewinne von Glücksspielseiten, die nicht in den USA beheimatet sind, ausgezahlt zu bekommen.

Jahre lang war der Unternehmenssitz im Kahnawake Reservat in Kanada, die Server wurden von der Mohawk Internet Technologies geführt. Im September 2007 wurde das Nordamerika-Geschäft durch die Morris Mohawk Group neu lizensiert und zugelassen. Der Stammesvorsitzende Alwyn Morris wurde Geschäftsführer und diesen Februar übergab Ayre dann das gesamte Geschäft an Morris.

Genau jenes Magazin von dem einst Ayres Gesicht strahlte, berichtet nun über unangenehme Ermittlungen. Dabei werden Details aus den Akten der Staatsanwaltschaft preisgegeben. Insgesamt sollen bis dato USD 24 Millionen von zwei US-Konten beschlagnahmt worden sein, die Herkunft des Geldes verweist anscheinend auf Bodog. Es handelt sich um Konten von Online-Payment-Unternehmen.

Die Gerichtsakten sollen die durchdachte internationale Zahlungsstruktur von Bodog belegen bzw. offenlegen. Demnach soll Bodog über ein Netzwerk von Firmen und Finanzunternehmen Schecks an US-Amerikaner ausgestellt haben. Diese Wege wurden von der Staatsanwaltschaft zurückverfolgt – die Gelder beschlagnahmt und eingefroren. Die Bodog Transaktionen sollen zerschlagen werden. Laut Forbes hat die Staatsanwaltschaft Baltimore aber bis dato noch keine offizielle Stellungnahme abgegeben, auch von einem Strafverfahren ist noch nicht die Rede. Die bekannten Details deuten aber auf einen möglichen Prozess hin.

Auch Bodog wurde kontaktiert – bis gestern gab es auch von dort keinen Kommentar. Gestern aber veröffentlichte Pokerlistings einen Brief von Bodog CEO Alwyn Morris.
Darin erklärt er zu allererst, dass trotz dieser Ermittlungen alle Einlagen von Bodog Kunden gesichert seien, die Spieler keine Sorge um ihre Gewinne haben müssten. Der Forbes Artikel sei missverständlich formuliert und entspreche nicht den Tatsachen. Es wurden zwei Zahlungsprozesse eingefroren, beide hätten keinen direkten Bezug auf Bodog. Morris betont außerdem, dass bis dato alle Auszahlungen an Bodog Kunden – auch seit den beiden Beschlagnahmungen – getätigt wurden.

Bei den USD 14,1 Millionen handle es sich um Geld des Online-Payment-Unternehmens „JBL Services“. Zahlungen von Bodog Kunden seien hier getätigt worden – die Aktion hätte aber JBL durchgeführt. Morris weist diesen Vorwurf zurück. Auch die in Nevada beschlagnahmten USD 9,9 Millionen von Zippypaments.com seien kein Bodog Kapital gewesen.

Abschließend verweist Morris noch auf die komplexen Strukturen von Online-Payment-Unternehmen. Weil die gesetzlichen Voraussetzungen von Land zu Land verschieden seien. Trotzdem seien diese Unternehmen in der Regel gut über gesetzliche Auswirkungen, im Bezug auf ihr Business, informiert und halten sich daran.

Bodog kommt also auch nach Ayres Abgang nicht zur Ruhe – das Online-Portal zählt aber dennoch zu einem der beliebtesten Pokerräume.