Barcelona, ich mag Dich trotzdem immer noch!

Nach dem geradezu euphorisierenden Start in Barcelona kann ich Euch heute eigentlich nur von herben Niederlagen berichten.

Mein drittes Heads Up Match gab noch allen Anlass zu Optimismus. Ich traf auf Ole Suntlin, einen schwedischen Profi, den ich schon aus einigen highstaked Potlimit Omaha Cashgame Partien und diversen Nolimit Hold’em Runden kannte. Ole ist ein junger, sehr sympathischer Zeitgenosse und darüber hinaus seit Jahren ein erfolgreicher Pokerpro, dem ich entsprechend viel Respekt entgegen brachte. Ich stellte mich auf ein langes Match ein. Aber diesmal erwischte ich wirklich gute Karten und oft traf er mit etwas schlechteren ebenfalls den Flop, so dass es für ihn manchmal unvermeidlich wurde, mich auszubezahlen. Nach gut 90 Minuten hatte ich ihn erstmalig All-in, bei einem Flop von 10-9-2 zeigte er mit K-10 klar die bessere Hand gegen meine 9-7 und gewann sein All-in verdient. 30 Minuten später hatte ich ihn zum zweiten Mal All-in, diesmal hatte ich mit 9-9 gegen sein A-9 die Nase vorn. Meine Hand hielt und ich war unter den letzten 16 Spielern.

Der nächste Gegner, ein Online-Qualifikant aus Frankreich, erschien mir einfacher als jeder andere zuvor. Zweimal hatte ich einen 2:1 Chiplead, doch er konnte immer wieder über eine Wunderkarte am River zurückkommen. Ich sah das relativ gelassen, da ich ihn mittlerweile wie ein offenes Buch lesen konnte und er ziemliche Konzentrationsschwächen zeigte. Nach 90 Minuten finde ich A-A am Button und raise von 600 auf 1.600. Er bezahlt und am Flop kommt 9s-6c-2d. Er spielt 2.000, ich raise ihn auf 6.000 und er geht all-in. Ich weiß, dass ich ihn habe und bezahle sofort. Er dreht ein Paar 7 um und ich habe ungefähr 92 Prozent, das Spiel zu gewinnen. Turn Bube, River 7! Er hatte gerade mal 150 mehr an Chips als ich, wenn er die Hand verliert, wäre er also weg vom Fenster gewesen. Mein Auftritt in Barcelona war pokertechnisch bis dahin ziemlich fehlerfrei, aber ihr wisst ja, wie das mit der Varianz so ist. Trauriges Endergebnis: Gemeinsamer 9. Platz. Gewinne ich das Match, bin ich mindestens 5.

Im Euro 2.000 Nolimit Hold’em Turnier habe ich schließlich wie ein Osterhase gespielt. Es ging extrem gut los. Gleich nach 20 Minuten konnte ich mein Stake von 10.000 auf 20.000 verdoppeln, als ich mit K-K gegen Q-10 bei einem Flop von 2-5-10 antrat und mein spanischer Gegner meine potsized Wette in Höhe von 2.000 mit einem All-in beantwortete. Meine Könige hielten und danach war ich in ausgezeichneter Position und konnte praktisch ohne weitere Showdowns meinen Chipcount auf 30.000 vergrößern.

Das Unheil nahm seinen Anfang, als unser Tisch aufgelöst wurde. An meinem neuen Tisch saß ein recht aggressiv wirkender junger Amerikaner, der versuchte, den Tisch zu dominieren. Auf einen seiner zahlreichen Raises auf 1.600 (vierfacher Big Blind) antwortete ich mit einem Reraise auf 5.600, als ich A-K fand. Er fragte mich, wie viel ich an Chips noch hätte und nach meiner Antwort, dass ich ihn covern würde, bezahlte er nach. Bei einem Flop von K-8-7 checkte er und ich spielte 8.000 an. Er raiste sein All-in und ich musste noch 3.000 nachbezahlen. Er deckte A-A um und hatte mich schön reingelegt. 40 Minuten später finde ich in mittlerer Position Pocket 6-6, raise etwa den dreifachen Big Blind auf 1.800. Der gleiche Spieler reraist auf 5.000, ich folde mein Pocket-Paar und er zeigt mir mit einem breiten Grinsen 7-2 offsuit. Eine Runde später raise ich mit A-J suited wieder den dreifachen Blind und wieder reraist er mich. Jetzt war ich ziemlich angestochen und wollte eine Entscheidung, also nahm ich meine restlichen 8.000 Chips und ging all-in. Er callte und drehte zum zweiten Mal Pocket A-A um und schickte mich nach Hause. Ich muss zugeben, dass ich hier wirklich schlecht gespielt habe. Ich ließ mich von ihm provozieren, verlor kurzfristig die Nerven und handelte unüberlegt. Fehler kommen vor, man muss sie sich nur verzeihen können…

Hier in Barcelona steht für mich noch die Fernsehmoderation der weiteren Heads Up Matches an (wäre wirklich cool gewesen, wenn ich mich selbst hätte anmoderieren dürfen), sowie ein 400 Euro Buy-in Potlimit Omaha Turnier, dass ich ebenfalls spielen werde. Am Donnerstag geht es dann ab nach Vegas zur WSOP. Von dort werde ich Euch selbstverständlich wieder Bericht erstatten.

Euer Michael