Barcelona, mi amor!

Es gibt 2 Städte auf meiner Europa-Tour, die liebe ich ganz besonders. Die eine Stadt ist Wien und die andere –natürlich – Barcelona!

Wie die meisten Turnierjunkies bin ich auch schon am Montagnachmittag angekommen, um an der Heads Up Weltmeisterschaft teilnehmen zu können. Ganz spanisch, wurde die Auslosung für die ersten Begegnungen mal eben von 21 Uhr auf 23 Uhr verlegt. In meiner Begleitung befanden sich 11 Qualifikanten von 888.com, um die ich mich besonders kümmern sollte, da 888 auch gleichzeitig der Titelsponsor des Events ist.

Aber wir sind ja, wie auch die Spanier, flexibel genug und verlegten das Begrüßungsdinner für unsere Helden kurzerhand vor. Bei Sushi, Tapas und diversen Mochitos feierten wir unsere Ankunft kräftig. Mein Brötchengeber hatte sich wirklich nicht lumpen lassen und einen VIP Bereich in einem der heißesten Clublokale im Bereich der Strandpromenade angemietet. In sichtlich gelöster Stimmung erwarteten wir dann gegen etwa 23:45 Uhr, was nach spanischen Maßstäben tatsächlich 23 Uhr entspricht, das Ergebnis der Auslosung.

Im ersten Heat am Dienstag musste ich gegen einen Spanier ran, den kein Mensch aus der Szene kannte. Er spielte reichlich passiv, callte aber auch ausgeprägte Raises von mir mit einem Schulterzucken. Bluffen war also verboten! Und mein spanischer Freund traf die Flops, was das Zeug hielt. Als ich schließlich preflop mit Pocket K-K meine ganzen Chips reinstellte und er mir Pocket A-A zeigte, war ich ohne Hilfe vom Board auf 4.000 unten und er grinste mich über einen Berg von 36.000 Chips breit an. Aber ich konnte mich mit etwas Glück innerhalb einer halben Stunde auf 11.000 zurückkämpfen und witterte wieder Morgenluft.

Mittlerweile war mir aufgefallen, dass er absolut jedes Raise von mir callte, auch wenn es im Verhältnis zum Pot ziemlich groß ausfiel. Als ich mit 9-7 in der Hand und einem Flop von 5-6-8 die Nuts hielt, ging ich nach seiner Wette von 1.000 (2.000 im Pot) all-in. Er callte mich mit K-5 und eine 3 am Turn machte den River belanglos. Nach dieser Hand war es leicht, ich raiste ihn jedes Mal unverhältnismäßig hoch, wenn ich eine gute Hand hatte und konnte sicher sein, dass er bezahlte. Nach dreieinhalb Stunden gewann ich mein Match.

Am Mittwoch spielte die 2. Gruppe und ich nutzte den freien Tag, um das Potlimit Hold’em Turnier mitzuspielen. Um etwa 18:30 Uhr ging es mit 101 Spielern los und was als leichte Abendunterhaltung begann, wurde plötzlich richtige Arbeit. Gegen 2:30 Uhr stand der Finaltisch und ich fand mich als 4. Chipleader wieder. Der Finaltisch gestaltete sich wesentlich zäher und langlebiger, als ich ursprünglich vermutete. Mir lief die Zeit davon, da ich ja am nächsten Mittag schon wieder mein 2. Heads Up Match bestreiten sollte und ich wenigstens ausgeschlafen ans Werk gehen wollte. Um 4:30 Uhr waren wir noch zu Dritt und das Casino machte bald die Pforten zu. Uns wurde angedroht, dass wir am nächsten Mittag weiter zu spielen hätten. Einen Finaltisch zu Dritt und gleichzeitig ein Heads Up Match um die Weltmeisterschaft spielen, wie soll das in der Praxis gehen?
Also willigte ich entgegen meiner normalen Prinzipien in einen Deal auf Basis des Chipcounts ein, was mir letztlich den zweiten Platz im Turnier sicherte.

Mein zweiter Heads Up Gegner war eine extrem harte Nuss. Ein junger Däne, der meist in den Highlimit Omaha Cashgames zu finden ist und ganz genau wusste, wie er Heads Up zu spielen hatte, saß vor mir. Die erste Stunde spielte ich ziemlich tight, warf oft die Hand auf seine permanenten Raises hin weg, hielt mich aber einigermaßen stabil. Nach etwa 90 Minuten nutzte ich mein Rock-Image für einen riesigen Bluff, der auch durchging und mich zum 2:1 Chipleader machte. Danach hatte ich den Dänen viermal all-in. Zweimal gewann er einen Coinflip, einmal sogar eine 28 Prozent Chance, als er mit A-8 offsuit all-in ging und ich mit A-10 callte. Aber beim vierten Mal hatte ich ihn. Er raiste mit K-3 all-in und ich callte mit K-J. Meine Hand hielt und jetzt bin ich immer hin unter den letzten 32.

Euer Michael