Christmas Poker Festival der Spielbank Wiesbaden – ISA-GUIDE.de

Christmas Poker Festival der Spielbank Wiesbaden

Michael Keiner
Poker-Experte
E-Mail: laserase@aol.com


Zu einem echten Pokerfestival hatte die Spielbank Wiesbaden vom 15. bis 18. Dezember eingeladen. Insgesamt 4 No Limit Holdem Turniere mit einem Buy-in von € 300.-, € 600.-, € 250.- und € 400.- standen auf dem Programm.

Im Gegensatz zu den regelmäßigen Montagsturnieren versprachen die etwas höheren Buy-ins ebenfalls einen etwas höheren Preispool und außerdem konnte man für diese Turniere einen Startplatz schon vor der sonst üblichen 7 Tage Frist reservieren. Keine Frage, dass ich hier mit von der Partie sein wollte.

Die Anzahl der Startplätze war auf 70 Teilnehmer limitiert und, wie kaum anders zu erwarten, war der € 300.- Event am Freitag bereits im Vorfeld ausgebucht. Die Pokercrew in Wiesbaden hat ja schon einige Routine in der Durchführung größerer Turniere. Jede Woche finden hier reguläre Events für erfahrene Spieler und auch Neulinge statt. Die Veranstaltungen werden derart gut von der Fangemeinde angenommen, dass alle Turniere fast immer ausgebucht sind.

Trotz des Massenandrangs an Spielern läuft die Organisation wie geschmiert. Gute Leistungen sprechen sich halt schnell herum und so strömen immer mehr Pokerbegeisterte aus ganz Deutschland und den Nachbarländern in dieses Mekka. Erwähnenswert ist auch die Tatsache, dass die Wiesbadener Turniere völlig ohne Teilnahmegebühr veranstaltet werden. Die Buy-ins werden komplett wieder als Preisgeld ausgeschüttet, man erwartet lediglich ein kleines Trinkgeld für die Angestellten von den Siegern „im Geld“.

Die eigentliche Professionalität des Wiesbadener Managements spiegelt sich auch in der Struktur der Veranstaltungen wider. Sie bringen das Kunststück fertig, 1-Tagesturniere auf die Beine zu stellen, die um 3:30 Uhr morgens beendet sein müssen, ohne dass sich die Spieler über zu schnelle Blindsteigerungen beschweren können. Natürlich klappt das nur, wenn die Dealer einen sehr hohen Ausbildungsstandard und die entsprechende Kompetenz mit sich bringen. Und das wurde einmal mehr beim Christmas Poker Festival unter Beweis gestellt. Während des gesamten Events ist mir nicht ein einziger Croupier aufgefallen, der eine Nachschulung nötig hätte!

Bei solchen Voraussetzungen sollte man eigentlich ein paar anständige Resultate in den einzelnen Turnieren erwarten dürfen.

Relativ „normal“ ging das € 300 Turnier am Freitag für mich los. Nach etwa 2 Stunden und 4 gespielten Levels konnte ich meine Chips knapp verdoppeln, ohne mich auf irgendeine direkte Konfrontation einlassen zu müssen. Nachdem die ersten Tische durch das ständig schrumpfende Teilnehmerfeld aufgelöst wurden, fand ich mich plötzlich in einer Runde platziert, die im Vergleich zum restlichen Turnier hauptsächlich durch überdurchschnittlich hohe Aktivität und Aggressivität glänzte. Meine Preflop Raises wurden meistens mit kräftigen Reraises beantwortet und ich war gezwungen, wesentlich tighter als zu Beginn des Turniers zu spielen. Mit Blinds von 400/800 und einem Tablestake von 7.400 sah ich meine Chance in Form von einem Pocketpaar 10 kommen. Preflop erhöhte ich in mittlerer Position auf 3.200 und wurde sofort vom nächsten Spieler all-in geraist. Angesichts der Potgröße und meiner verbliebenen Chips von „nur“ 4.200 entschied ich mich in der Hoffnung auf 2 Overcards bei meinem Gegner zum Call. Die Hoffnung wurde aber sofort enttäuscht, als ich mir K-K ansehen durfte. Keine Hilfe am Board und das war es dann für mich, ab zum Cashgame in die Pot Limit Omaha Partie.

Der Mainevent mit einem Buy-in von € 600.- startete am Samstag ebenfalls um 20 Uhr, war aber als Zweitagesveranstaltung ausgeschrieben. Bei Erreichen der letzten 20 Teilnehmer sollte das Turnier gestoppt und am nächsten Tag um 17 Uhr fortgesetzt werden. Relativ früh in der Anfangsphase hatte ich ordentlich Glück und floppte ein 9er Set, mit dem ich mich aufdoppeln konnte. Bei zugegebenermaßen etwas passiven Mitspielern war es nicht schwer, anschließend die Kontrolle am Tisch zu übernehmen und als das Turnier gegen 1 Uhr morgens mit noch 20 Spielern gestoppt wurde, war ich mit 69.700 Chips zweiter Chipleader, der Durchschnitt lag bei 24.000. Natürlich keimten zu diesem Zeitpunkt schon gewisse Hoffnungen auf den Turniersieg auf. Leider änderte sich die Situation am nächsten Tag drastisch, als ich gegen 17 Uhr wieder auf der Matte stand. Die Neuverteilung der Sitzplätze brachte den Chipleader an meinen Tisch. Es handelt sich um einen äußerst sympathischen Zeitgenossen, der aber leider, vorsichtig ausgedrückt, als „unbluffbar“ gilt. Furchtlos callte er nahezu jedes Raise, war in etwa 80 aller Spiele involviert und hatte den Lauf seines Lebens. Sechsmal in Folge konnte er als Underdog mit nur 28 gewinnen und beförderte 7 Spieler eigenhändig vor dem Finaltisch ins Aus. Ich dagegen konnte kein einziges Spiel gewinnen, jeder Klauversuch wurde durch die extreme „Callbereitschaft“ meines Gegners vereitelt und schließlich hatte ich nur noch knapp 20.000 an Chips, als der Finaltisch losging.
Bei Blinds von 2.500/5.000 gab es eigentlich keine taktischen Überlegungen mehr. Einige Male konnte ich mit all-in Moves die Blinds einsammeln und als noch 7 Spieler übrig waren, hatte ich mich immerhin wieder auf 33.000 Chips berappelt. Trotzdem wurde es höchste Zeit für eine Verdoppelung. K-J in Pik waren am Dealerbutton ein exzellenter Vorwand, wieder mal alle Chips in die Mitte zu stellen. Aber diesmal wollte sich unser Chipleader nicht vertreiben lassen, schließlich musste er ja sein Big Blind verteidigen und callte mit J-10. Keine so schlechte Ausgangslage, dachte ich noch, doch mein Gegner schien unverwundbar zu sein. Er riverte eine Straße und ich konnte auf ihr den Heimweg antreten. Das Preisgeld in Höhe von € 1.800 konnte in diesem Zusammenhang höchstens als kleines Trostpflaster bezeichnet werden.

Kurz und schmerzlos gestaltete sich dann das € 400 Turnier am Montag für mich. Grundsätzlich wollte ich es während der ersten Levels ruhig angehen, sammelte einige Male die Blinds ein und wartete geduldig auf eine vernünftige Hand, die eine Verdopplung der Chips versprechen würde. Nach ca. 90 Minuten war es dann soweit: Blinds 100/200, ein loose-aggressive Spieler in früher Position raist auf 500, 2 Plätze weiter gibt es eine Erhöhung auf 2.000 und ich finde im Small Blind ein Paar Könige. Nur kurz überlegt und schon wandern meine 4.800 an Chips in die Mitte. Der ursprüngliche Raiser foldet seine Hand, während der Reraiser noch im gleichen Augenblick callt und mir Pocket Asse zeigt. Ohne Hilfe vom Board werde ich wieder zum Cashgame geschickt.

Fazit: Auch wenn meine persönliche Bilanz mit nur einem 7. Platz insgesamt etwas dürftig ausgefallen ist, überwiegen deutlich die positiven Eindrücke. Die Mannschaft der Spielbank Wiesbaden hat einen tadellosen Job hingelegt und mit diesem Festival die deutsche Pokerturnierszene wirklich bereichert.

Euer Michael