Interview mit Marion Caspers-Merk – „Den Ankündigungen müssen Taten folgen“

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
E-Mail: info@isa-guide.de


Marion Caspers-Merk, Geschäftsführerin von Lotto Baden-Württemberg

Marion Caspers-Merk, Geschäftsführerin von Lotto Baden-Württemberg

ISA-GUIDE-Chefredakteur Reinhold Schmitt sprach mit Marion Caspers-Merk, der Geschäftsführerin von Lotto Baden-Württemberg. Themen waren dabei u.a. der Geschäftsverlauf 2014, die Planung neuer Lotterieprodukte und der Kampf gegen das illegale Glücksspiel.

Chefredakteur Reinhold Schmitt ISA-GUIDE: Frau Caspers-Merk, in Ihrem ersten Jahr als Geschäftsführerin von Lotto Baden-Württemberg verbuchten Sie satte Einsatzzuwächse. Hat sich dieser Trend 2014 fortgesetzt?

Marion Caspers-Merk: 2013 legten unsere Spieleinsätze um fast zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Das war hauptsächlich die Folge der Änderungen bei unserem Hauptprodukt Lotto 6aus49 im Mai 2013. Aktuell liegen die Spieleinsätze etwa auf Vorjahresniveau. 2014 ist ein Jahr der Konsolidierung.

Schmitt ISA-GUIDE: Inwiefern lassen sich Ihre Spieleinsätze überhaupt kalkulieren? Welche Rolle spielen Jackpots?

Marion Caspers-Merk: Natürlich haben Jackpots im Lotteriegeschäft einen großen Einfluss. Wir stellen fest, dass deren Bedeutung in den letzten Jahren noch zugenommen hat. Allerdings hat sich auch die Wahrnehmungsschwelle erhöht. War früher schon ein Lotto-Gewinntopf mit 20 Millionen Euro tagelang Gesprächs- und Medienthema, setzt dieser Mechanismus heute erst bei höheren Ausspielungssummen ein. Gelegenheitstipper oder Menschen, die sonst überhaupt nicht Lotto spielen, werden so erst später aufmerksam. Entsprechend verändert sich die Einsatzstruktur.

Schmitt ISA-GUIDE: In dieser Woche haben Sie mit dem Verkauf der Lotterie Silvester-Millionen begonnen. Wie war der Start?

Marion Caspers-Merk: Die Silvester-Millionen sind ein starkes Produkt. Wir haben die Lotterie 2010 entwickelt und auf den Markt gebracht. Sie gibt es nur in Baden-Württemberg. Der Start war vielversprechend. Die Erfahrung aus den Vorjahren zeigt, dass der Großteil der Lose in der zweiten Dezemberhälfte abgesetzt wird. Wir sind sicher, dass die Silvester-Millionen auch dieses Jahr wieder vor dem Ziehungstag am 31. Dezember ausverkauft sein werden. Die Ziehung gibt es dann wieder an Silvester – und mit ihr drei neue Millionäre und weitere Gewinner in Baden-Württemberg.

Schmitt ISA-GUIDE: Haben Sie darüber hinaus neue Produkte in der Pipeline?

Marion Caspers-Merk: Wir haben uns zuletzt in einem schwierigen regulatorischen Umfeld bewegt. Für die Entwicklung neuer Produkte war das nicht gerade förderlich. Fakt ist aber, dass wir uns bewegen müssen. Die Kundenwünsche verändern sich – und mit ihnen die Ansprüche an einen staatlichen Lotterieanbieter. Bei unseren Sofortlotterien, also den Rubbellosen, haben wir schon eine Menge erreicht. Geobasierte Modelle sind interessant, die sich an der Oberfläche weg vom Zahlenprinzip orientieren. Der Kunde tippt also nicht seine Glückszahlen, sondern nimmt zum Beispiel mit seinem Standort an der Lotterie teil.

Schmitt ISA-GUIDE: Sie haben immer wieder betont, dass das illegale Glücksspiel eingedämmt werden müsse. Wie ist die aktuelle Lage?

Marion Caspers-Merk: Wir haben hier nach wie vor eine sehr unbefriedigende Situation, gerade im Online-Bereich. Ende Juli kündigte das bundesweit zuständige niedersächsische Innenministerium an, den Banken in Kürze Überweisungen deutscher Spieler an ausländische Glücksspielanbieter bzw. Rücküberweisungen von Gewinnen zu verbieten. Die Tipp24 SE als Beispiel verlor daraufhin rund 100 Millionen Euro ihrer Börsenkapitalisierung. Der Markt hat ein recht gutes Gespür dafür, bei welchen Unternehmen illegale Einsätze erzielt werden. Wir erwarten von den Behörden, dass den Ankündigungen Taten folgen und der Wildwuchs beseitigt wird. Es kann nicht sein, dass in Deutschland illegale Geschäftsmodelle zulasten des Gemeinwohls weiter betrieben werden.

Schmitt ISA-GUIDE: Herzlichen Dank für das Gespräch.

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