So erlebte ich die World Series of Poker 2005 im Casino Rio in Las Vegas – Teil 1

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Am Sonntag, den 05. Juni kam ich nachmittags in Las Vegas mit dem Condor Direktflug an. 6 Wochen World Series of Poker lagen vor mir, Hoffnungen, Wünsche, Erwartungen waren reichlich im Reisegepäck.

Las Vegas hat 2 Gesichter:

Für jemand, der die Stadt kaum kennt und nur kurze Zeit bleibt, kann es sich zu einem sehr teuren Trip entwickeln. Die Glamourhotels locken mit riesigen Werbeschildern und für ein einigermaßen komfortables Zimmer ist man schnell 200 US$ pro Nacht los. Dann kommen noch die Nebenkosten und der schnelle Griff zum Mineralwasser in der Minibar kann durchaus mit 6 bis 8 US$ zu Buche schlagen. Kennt man die Stadt gut, kann man hier aber auch sehr preiswert leben, Information ist die halbe Miete in der Gamblermetropole. Statt eines teuren Hotelzimmers miete ich mir meistens ein Apartment (~ 1.250 $ für 6 Wochen), und einen Mietwagen (economy, ~ 850 $ für 6 Wochen). Zum Auffüllen des riesigen Kühlschrankes geht es in den um die Ecke gelegenen Supermarkt und dann kostet der Griff zum Mineralwasser auch nur noch 40 Cent.

Nachdem ich mich also halbwegs gemütlich eingerichtet hatte, zog es mich dann doch ins RIO Convention Center, dem neuen Austragungsort der WSOP. 2005 ist der Beginn einer neuen Ära; der reichlich angeschlagene „Binion´s Horseshoe“ Downtown wurde 2004 von der Harrahs Gruppe übernommen, die auch Besitzer des RIO Hotels sind. Aufgrund des enormen Pokerbooms in den USA und dem daraus zu erwartenden Ansturm wurde die WSOP also kurzerhand ins RIO verlegt. Der Horseshoe platzte schon letztes Jahr aus allen Nähten.

Der größte Pokerraum, der jemals auf diesen Planeten exestiert hat.

Registration zur WSOP im Rio Las Vegas Im RIO angekommen, verschlug es mir erstmal die Sprache. Das ist wohl der größte Pokerraum, der jemals auf diesem Planeten existiert hat. 200 Tische in einem riesigen Saal mit einem Geräuschpegel wie in der Abflughalle eines internationalen Flughafens. Es gab einen Turnierbereich, in dem manchmal bis zu 3 Turniere parallel liefen, einen Cashgamebereich und ein sog. „single table satellite“ Areal.

Und die Dimensionen dieses Raumes waren durchaus nötig. Niemals vorher habe ich so viele Pokerspieler zur gleichen Zeit am gleichen Ort gesehen. Event #3, 1,500 US$ buy in Limit Holdem sah 2.300 Teilnehmer, obwohl alle 200 Tische mit 11 Spielern besetzt waren, mussten noch 100 Leute auf die Warteliste als „Alternates“. Diese Alternates konnten erst ins Turnier einsteigen, nachdem die ersten Spieler bereits aus dem Turnier ausgeschieden waren. Angesichts der hohen Teilnehmerzahl ging dies jedoch recht schnell und innerhalb einer Stunde hatten alle „Alternates“ ihren Platz. Großes Kompliment an die Turnierleitung, Floorpersonen und Dealer, die den Ansturm anscheinend recht mühelos bewältigten.

Nur eine Toilette für 2000 Personen

Allerdings zeigten sich hier auch erste Schwächen der Veranstaltung: In der Umgebung des Convention Centers gab es nur eine Toilette mit ca. 20 Plätzen. Man stelle sich vor, was passiert, wenn die Turnierpause eingeläutet wird und 2.000 Personen ihren menschlichen Bedürfnissen nachgehen wollen. O.k., man stellt es sich besser nicht vor. „Gerüchte besagten, dass geheime Lagepläne des RIO mit eingezeichneten versteckten Toiletten zu horrenden Schwarzmarktpreisen gehandelt wurden.“

Ein weiterer Minuspunkt:

Im Foyer des Pokerraumes hatten verschiedene Händler Ihre Stände wie auf einem Flohmarkt aufgebaut. Neben Zigarren (die natürlich im Saal selbst nicht geraucht werden durften), Spielchips, offiziellen Turnierfotos (zu Preisen, bei denen man vermutet, dass die Kamera mit inbegriffen ist), Poker Fashionware (ja, es gibt mittlerweile eigenständige Kreationen für den modebewussten Pokerspieler), hatte Harrahs ein Buffet mit Essen und Getränken aufgebaut. Der Schock kam dann an der Kasse: 1/8 Stück einer Mikrowellenpizza 7,50 $, zzgl. 1 Becher Kaffee aus der Thermoskanne 3 $, 1 Apfel oder 1 Banane 1,50 $. Prinzipiell ist ja nichts dagegen einzuwenden, dass der Veranstalter hier auch einen schönen Profit einfahren möchte, aber diese Preise grenzen schon an Abzocke. Bei den Veteranen der World Series wurden schon erste Stimmen laut, die sich die Veranstaltung zurück in Binion´s Horseshoe wünschten. Der Vorteil dort: Raus aus dem Turnierbereich und man stand direkt auf der Freemont Street, mitten im Leben. Der Wettbewerb in Downtown sorgte für faire Preise und Abwechslung. Im RIO ist man schon etwas isoliert und auf Gedeih und Verderb den Angeboten der Harrahs Gruppe ausgeliefert.

Aber zurück zur Arbeit:

Hunderte von Pokerspieler im Rio Las Vegas Was macht der ambitionierte Turnierspieler, der leider noch nicht zu den glücklichen auserwählten Teilnehmern mit einem Sponsorenvertrag gehört, um sich die Startgelder für die Turniere zu verdienen? Er spielt „one table satellites“. Diese Miniturniere werden mit unterschiedlichsten Buy ins zwischen 125 $ und 1.030 $ angeboten. Sobald 10 Spieler Platz genommen haben, wird das Satellite gestartet und der Gewinner bekommt den gesamten Preispool abzüglich einer Gebühr von 100 bis 180 $ (je nach buy in), die das Haus einbehält.

Ich spiele am liebsten Satellites mit einem Buyin von 325 $ oder 525 $. Die Höhe des Startkapitals und die Steigerung der Pflichteinsätze begünstigen hier etwas mehr den Geschicklichkeitsfaktor. Es herrscht hier reges Interesse, da auch öfters Zuschauer und Fans vom Pokervirus befallen werden und mit der Teilnahme ein bisschen „WSOP Luft“ schnuppern möchten. Es lohnt sich also, ein wenig auf die Zusammensetzung der einzelnen Satellites zu achten und nicht gleich den erstbesten verfügbaren Platz zu nehmen.

Ich spiele insgesamt 4 Satellites und gewinne 2 davon. Das macht einen Nettoprofit von 6.000 $, den ich in buy in Jetons für die großen Turniere ausbezahlt bekomme. Schöner Start!

Euer Michael

Lesen sie im 2 Teil
Mein erstes Turnier mit Daniel Negreanu und T.J. Cloutier