Interview mit Peter Wolf – Geschäftsführer der Baden-Württembergischen Spielbanken

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
E-Mail: info@isa-guide.de


(rs) ISA-CASINOS spricht mit Peter Wolf, Geschäftsführer der Baden-Württembergischen Spielbanken mit den Standorten in Baden-Württemberg: Baden-Baden, Konstanz und Stuttgart.

Stuttgart, Baden-Baden und Konstanz firmieren von August an als Baden-Württembergische Spielbanken GmbH mit Sitz in Baden-Baden – obwohl die Spielbank Stuttgart das größte der drei Casinos ist.

Die Spielbank Stuttgart zählt zu den modernsten und anspruchsvollsten Spielbanken in Deutschland. Mit 650.000 Gästen jährlich hält sie eine Spitzenposition unter den 60 deutschen Spielbanken. Sie ist ein solider Arbeitsgeber für rund 250 Beschäftigte und da sie zu 100% in staatlicher Hand ist, kommen die Steuergelder vor allem gemeinnützigen Aufgaben zugute.

Und das Haus ist bekannt für seine innovative Ausrichtung. So wunderten sich am 25. Juli 2003 dann auch nur Wenige darüber, was die Spielbank Stuttgart anlässlich einer Pressekonferenz als Weltneuheit präsentierte: Der „Euroulette Tisch“ soll Einzug in die Welt der Tischspiele erfahren.

Peter Wolf, Geschäftsführer der Spielbank Stuttgart, ist der Erfinder des neuen Spiels.

400.000 Euro und über zwei Jahre Zeit investierten die Geschäftsführung und die Marketing-Abteilung hinter verschlossenen Türen an der Verjüngung des „Großen Spiels“. Erfahrene Innenarchitekten ließen ihr Know-how mit einfließen. In der Endphase wurde eine sogenannte interne Tischkommission aus Spieltechnikern, Betriebsrat und Saalleitung des großen Spiels hinzugezogen, um das Handling am Tisch für die Mitarbeiter zu optimieren.
Am 25. Juli 2003 wurde in einem feierlichen Eröffnungsakt der von Grund auf neu entwickelte „Euroulette-Tisch“ der Öffentlichkeit vorgestellt – nach rund 250 Jahren Rouletttisch eine kleine Kulturrevolution.

ISA-CASINOS, Chefredakteur, Reinhold Schmitt: Seit wann sind Sie Geschäftsführer der Spielbank Stuttgart?

Peter Wolf: Seit 01. April 1996.

ISA-CASINOS: Welche Funktion üben Sie heute aus?

Wolf: Seit 01. August 2003 bin ich Geschäftsführer der Baden-Württembergischen Spielbanken. Dazu zählen alle 3 Standorte in Baden-Württemberg: Baden-Baden, Konstanz und Stuttgart.

ISA-CASINOS: Sind Sie noch in anderen Bereichen der Spielbank Branche tätig?

Wolf: Nein.

ISA-CASINOS: Sofern Sie schon länger im Spielbankbereich tätig sind: Wo liegen die markantesten Veränderungen?

Wolf: Das reine Spielvergnügen wird immer seltener. Der Gast sucht Anspannung und Entspannung zugleich. Anspannung findet er beim Spiel, Entspannung bei einem Drink an der Bar, im Casino-Restaurant oder bei Live-Musik. All dies muss man dem anspruchsvollen Gast von heute bieten können. Früher in den Gründungzeiten der Spielbanken in Deutschland war eine Spielbank ein gesellschaftlicher Treffpunkt für jung und alt. Sehen und gesehen werden war ebenso wichtig wie sich zu amüsieren. Und genau das will doch auch der Gast von heute. Die Spielbanken haben diesen Trend bereits erkannt und versuchen dies auch umzusetzen.

ISA-CASINOS: Welche Spiele werden in Ihren Häusern angeboten?

Wolf: In allen 3 Häusern bieten wir mittlerweile unsere Neuerung Euroulette erfolgreich an. In allen 3 Spielbanken wird auch noch das Französische Roulette und das Amerikanische Roulette angeboten, ebenso wie Black Jack. Das Baccara-Spiel findet nur in Stuttgart und Baden-Baden statt. In Baden-Baden bieten wir zusätzlich Poker an. Das Automatenspiel ist an allen 3 Standorten vertreten. Konstanz hat seit 01. August 2003 zwei Automatenspielstandorte.

ISA-CASINOS: Sie sind auch Erfinder des Euroulette’s. Gibt es hier schon aktuelles an Zahlen oder Ergebnissen?

Wolf: Nach den bisherigen Feststellungen sind wir sehr zufrieden. Die Euroulette-Tische stehen an vordersten Stelle im Ergebnis.

ISA-CASINOS: Immer wieder ist die Rede von der hohen Casinodichte, die es in Europa gibt. Glauben Sie, dass alle Casinos in der Schweiz trotz des zum Teil schlechten Starts wirtschaftlich überleben können?

Wolf: Nach den Meldungen, die wir aus der Schweiz erhalten, werden nicht alle Casinos wirtschaftlich überleben können. Ich denke, die Erwartungen waren zu hoch und jetzt findet bereits eine Konsolidierung statt.

ISA-CASINOS: Wie schätzen Sie die heutige Casinolandschaft ein?

Wolf: Seit Jahren liefern sich Dortmund, Berlin, Stuttgart und Hamburg immer ein Rennen um die ersten 4 Plätze. Stuttgart ist dabei stolz seit 1997 den 3. Platz in der Rangfolge von mehr als 60 Casinos in Deutschland einzunehmen. Die Kurstadtcasinos haben es durch den zurück-gehenden Kurtourismus in Deutschland in den letzten Jahren deutlich schwerer. Die Casinokultur ist vor Ort sehr ausgeprägt, jedoch kommen weniger Besucher als früher. Die Tendenz hält auch weiterhin an, Automatenspieldependancen zu eröffnen.

ISA-CASINOS: Wie beurteilen Sie die ersten Resultate der neuen Schweizer Casinos?

Wolf: In der Schweiz lässt sich eine Parallele zu Deutschland ziehen. Das erfolgreichste Casino ist dort das Casino Baden bei Zürich. Die Spielbank ist hier im direkten Einzugsgebiet einer internationalen großen Stadt angesiedelt. Die reinen Tourismusstandorte haben es dagegen sehr schwer, was bekanntlich bereits zu Schließungen geführt hat.

ISA-CASINOS: Sehen Sie Möglichkeiten, die Attraktivität von Spielstätten zu erhöhen, auch durch Änderungen seitens des Gesetzgebers?

Peter WolfWolf: Wir glauben dass wir in den Spielbanken an der Schwelle zur Umwandlung in richtige Erlebnisbereiche stehen. Die Kundenwünsche nach Unterhaltung müssen eher befriedigt werden. Aber natürlich ist in der heutigen Zeit vielen Kunden die ein oder andere gesetzliche Regelung schwer nahe zu bringen und eine Lockerung dieser würde sicherlich einen positiven Effekt haben.

ISA-CASINOS: Automatenspiele erlangen allein durch ihre technische Innovation immer größere Beliebtheit. Ist das klassische Spiel nicht mehr attraktiv?

Wolf: Das Automatenspiel ist ein schnelles und unkompliziertes Spielangebot. Das Klassische Spiel lebt von dem lebhaften Geschehen am Spieltisch. Es ist hier sehr wichtig die Spielregeln zu kennen. Prinzipiell werden mit den beiden Bereichen ? Großes Spiel und Automatenspiel- zwei verschiedene Zielgruppen angesprochen. Das Automatenspiel steht für neueste Technologie, deshalb ist es nur logisch, dass die Spiele der Glücksspielautomaten immer die neuesten technischen Innovationen bieten. Das Große Spiel ist immer noch attraktiv, doch ich denke, dass auch innovative Spielideen im Großen Spiel das Spielgeschehen wieder interessanter machen können. Gerade deshalb haben wir die neuen Euroulette-Tische etabliert. Doch diesen Weg zu gehen, ist nicht immer einfach und es gehört auch Mut dazu.

ISA-CASINOS: Die Spielautomaten folgen Trends. Ist für Sie das stetige Anpassen am neuesten Generationen sinnvoll oder steht mehr die Spielgewohnheit im Vordergrund?

Wolf: Wie eben bereits erwähnt, erwartet der Gast immer die neueste Spielvariante im Automatenspiel. Es ist deshalb aus unserer Sicht nur sinnvoll hier die nötigen Investitionen bereit zu stellen. Der Erfolg des Automatenspiels in Stuttgart beruht auf diesem Konzept.

ISA-CASINOS: Sind die Dependancen zukunftsträchtig?

Wolf: Wir sehen Baden-Baden und Konstanz nicht als Dependancen. Es gibt durch den Zusammenschluss zu den Baden-Württembergischen Spielbanken drei gleichwertige Betriebsstätten, die jede für sich wirtschaftlich arbeiten muss. Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt unsere Konzepte in Baden-Baden und Konstanz umgesetzt und denken, dass diese die Grundlage für eine weitere Zukunft von Baden-Baden und Konstanz sind, die auch den Erfolg sichern sollen.

ISA-CASINOS: Turniere sind ein attraktives Special wie zum Beispiel das Poker oder Black Jack. Allerdings nehmen immer weniger Interessierte teil. Viele beklagen die überhöhten Startgelder in Europa. Sehen Sie hier Handlungsbedarf?

Wolf: Wir sehen hier derzeit keinen Handlungsbedarf, da bei unseren bisherigen Baccara-Turnieren in Stuttgart keine Startgelder erhoben wurden.

ISA-CASINOS: Was halten Sie vom Baccara in den Spielbanken und welche Chancen räumen Sie diesem Spiel weiter ein?

Wolf: Baccara ist ein sehr exklusives Spiel. Es kann nicht in jeder Spielbank angeboten werden, da immer genügend Spieler für ein Spiel zusammen kommen müssen. In einer Großstadt stehen die Chancen deshalb weitaus besser als in einem kleinen Casino, diese Grundvoraussetzung zu erreichen. Wir können mit Stolz sagen, dass Stuttgart die einzige Spielbank in der gesamten Bundesrepublik ist, die Baccara täglich anbietet und wo auch täglich gespielt wird.

ISA-CASINOS: Gut geschultes Personal ist das Nonplusultra im Spielbank-Sektor. Wie sieht bei Ihnen die Aus- und Fortbildung der Beschäftigten aus?

Wolf: Wir führen in allen 3 Häusern erfolgreich innerbetriebliche Fortbildungsmaßnahmen und Schulungen durch.

ISA-CASINOS: Die wirtschaftliche Talfahrt konnte bislang nicht zum Stillstand gebracht werden. Inwieweit sind auch Ihre Spielbanken betroffen?

Wolf: In Stuttgart konnten wir in 2003 einen Zuwachs verzeichnen, somit haben sich unsere Anstrengungen gelohnt. Für die beiden Spielbanken Baden-Baden und Konstanz kann ich noch keine Aussage treffen, da wir für ein komplettes Jahr noch keine Vergleichszahlen vorliegen haben.

ISA-CASINOS: Das Internet nimmt zwischenzeitlich einen bedeutsamen Raum im Informationsfluss für Konsumenten ein. Wie sehen hier Ihre Aktivitäten aus?

Wolf: Unsere Aktivitäten beschränken sich auf den Informationscharakter. Wir sind gerade dabei für alle 3 Spielbanken einen neuen Internetauftritt zu gestalten, der frischer wirkt. Ziel ist es die Erstbesucher anzusprechen.

ISA-CASINOS: Wie stehen Sie zum Online-Casino und würden Sie in diesem Bereich auch Aktivitäten anstreben?

Wolf: Wir hoffen, dass alle Casinos einen gemeinsamen Weg zum Thema Online-Casinos finden werden. In Baden-Württemberg ist die rechtliche Grundlage jedoch noch nicht gegeben.

ISA-CASINOS: Immer mehr Spielbanken stellen sich auch dem Problem der Spielsucht und werden damit ihrem gesellschaftlichen Auftrag gerecht. Welche Aktivitäten unterstützen Sie diesbezüglich in Ihrem Unternehmen?

Wolf: Die Spielbank Stuttgart war die erste Spielbank in Deutschland, die sich offensiv mit dem Thema Spielsucht auseinander setzte und den Gästen eine Beratungsmöglichkeit durch erfahrenes externes Personal anbot. Wir schlossen dazu eine Kooperation mit der evangelischen Gesellschaft Stuttgart zur Betreuung von Gästen mit problematischem Spielverhalten. Die Kooperation wird auch heute noch erfolgreich fortgeführt. Der Gast kann ein umfangreiches und facettenreiches Beratungsangebot kostenlos in Anspruch nehmen. Darüber hinaus wurde das gesamte spieltechnische Personal für das Thema in Schulungen sensibilisiert. Das Konzept von Stuttgart wird auch auf die anderen beiden Spielbanken Baden-Baden und Konstanz übernommen.

ISA-CASINOS: Mit dem Begriff „Spielbanken“ und „Casinos“ verbinden die Konsumenten nicht nur das Ambiente, sondern auch das Glück des großen Gewinns. An welche großen Ausschüttungen, die Ihre Gäste erfahren haben, erinnern Sie sich?

Wolf: Ich erinnere mich an eine Gewinnausschüttung im Automatenspiel der Spielbank Konstanz. Ich durfte einem glücklichen Gewinner einen Scheck mit der Gewinnsumme von 1,5 Mio. DM übergeben. Der Gast war derart überwältigt, dass er relativ sprachlos den Scheck entgegen nahm und das Casino durch den Hinterausgang verließ.

ISA-CASINOS: Spielbanken und Casinos werden einerseits mit schillerndem Ambiente in Verbindung gebracht, andererseits führen Horrorgeschichten über Verluste in unvertretbarer Höhe bei den Besuchern zu negativen Eindrücken. Was müsste man Ihrer Meinung nach tun, um das Innenleben von Spielbanken und Casinos der Bevölkerung näher zu bringen?

Wolf: Die negativen Einzelfälle werden gerne von der Presse aufgegriffen und verfälschen das Bild. Er wird der Eindruck vermittelt, dass ein Besuch ausreicht, um in problematisches Spielverhalten zu geraten. Das ist absolut falsch. Hier werden von Seitens der Medien Hemmungen und Ängste innerhalb der Bevölkerung aufgebaut. Unser Ziel muss es sein, diese Ängste und Hemmungen wieder abzubauen. Eine Spielbank ist ein gesellschaftlicher Treffpunkt, wo man auch hingehen kann, ohne zu spielen. Und das muss man den Menschen wieder näher bringen.

ISA-CASINOS: Bis vor Jahren galt eine strenge Kleiderordnung beim Besuch von Spielbanken. Zwischenzeitlich gelockert, legen aber trotzdem die meisten Häuser auch heute noch sehr viel Wert auf große Abendgarderobe. Wie sehen Sie dies?

Wolf: Noch gilt in unseren Spielbanken angemessene Kleidung. Die Spielbanken sind nicht die Modeschöpfer und Wächter, es erfordert Toleranz und gleichzeitige Strenge, um das angemessene Niveau zu erreichen.

ISA-CASINOS: Was fällt Ihnen spontan ein, wenn Sie an amüsante Begebenheiten während Ihrer Tätigkeit denken?

Wolf: Ich erinnere mich an eine „Roulette-Schlacht“ auf Sylt. Ich war dort für einige Jahre Geschäftsführer für die Spielbank Westerland. Drei Spieler lieferten sich 2 Tage lang ein richtiges Duell am Roulette, wo es um hohe Beträge ging. Doch auch ich als Geschäftsführer versprach mir viel von diesen 3 Gästen. Am ersten Tag ging das Duell 1:0 für die Spielbank aus, doch am nächsten Tag war das Glück wieder auf Seiten der drei Spieler und die Spielbank Sylt ging aus dieser zweitägigen Roulette-Schlacht mit einem Minusergebnis heraus. Die Spieler haben wir nie wieder gesehen.

ISA-CASINOS: Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, was fällt Ihnen, mal abgesehen von Reichtum, spontan ein?

Wolf: Gesundheit, Gelassenheit und relativ geringer Ärger.

ISA-CASINOS: Wie sieht Ihr freizeitlicher Ausgleich aus?

Wolf: In meiner wenigen Freizeit lese ich sehr gerne.

ISA-CASINOS: Vielen Dank für das Gespräch.

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