Geschichten von der WSOP: Helden und Herzschmerz auf dem Weg zum November – ISA-GUIDE.de

Geschichten von der WSOP: Helden und Herzschmerz auf dem Weg zum November

Elissa Harwood

Das Rio hat seine Tore bei der diesjährigen WSOP bis November geschlossen. Die Tische wurden abgebaut und wieder eingelagert und die unzähligen Lampen wurden demontiert. Glücklicherweise bleibt uns noch der Main Event Final Table im November und die Stories um die November Nine werden uns dabei helfen die Wartezeit zu überbrücken. Bis November wird es sicher hunderte von Artikeln zu dem Phänomen Mizrachi geben, deshalb präsentieren wir Ihnen nachfolgend einige packende Szenen aus den spannenden letzten Tagen bevor die endgültige Zusammensetzung der November Nine feststand.

Das Leben ist ein Zirkus: In den Main Events der letzten Jahren sahen wir Pros (die Prop Bets verloren hatten) mit unglaublichen Outfits, beginnend mit Spielern, welche Babystrampler trugen hin bis römischen Toga-Trägern. In diesem Jahr trug ein unbekannter Spieler die beste Verkleidung, er hatte sich ein Batman Kostüm übergestreift und Tom Dwan trug einen Anstecker mit Peter Jetten’s Gesicht. Der Hype um Pokerspielende Hollywood Promis schien in diesem Jahr etwas geringer auszufallen. Hank Azaria war der einzige bemerkenswerte Non-Poker Promi, der es bis zum Tag 3 schaffte. Das gesamte Event war irgendwie in diesem Jahr nicht so pompös, es war drehte sich alles mehr um das Business. Es scheint so, dass Poker einen Schritt nach vorne gemacht hat, hin zu einem “Game of Skill“, was allerdings für die Zuschauer, die wegen dem Entertainment in das Rio gekommen waren, nicht unbedingt vorteilhaft war.

Strip Poker: Im Gegensatz zu den fehlenden Promis konnte man in diesem Jahr feststellen, dass verhältnismäßig viele Porno-Stars und Playboy-Models am Main Event teilnahmen. Es war schon eine kleine Völkerwanderung von Hollywood nach Las Vegas, was allerdings nicht wirklich positiv für das Image von Poker in der Öffentlichkeit ist. Das Jahr der Frau führte wohl dazu, dass viele Poker-Seiten ihr Geld beim Main Event dazu nutzten als Sprecherinnen Models mit knappen Outfits zu engagieren, die keine Ahnung vom Pokern hatten. Die Playmates Sarah Underwood, Shanna Moakler und die Pornodarstellerin Samantha Ryan waren nur einige der Spielerinnen, die wegen dem “Sex-Faktor” gesponsert wurden und somit “Dead Money“ in den Preispool brachten. Ok, Underwood sieht echt nett aus, muss sie aber deswegen gleich am Spieltisch sitzen, Werbung für Victory Poker machen und $ 10K durch check-fold vergeuden? Warum blieb Underwood mit ihrem komplett durchsichtigen Shirt nicht einfach im Zuschauerbereich und machte dort mit einem einfachen Aufnäher Werbung für Victory Poker?

In diesem Jahr waren beim Main Event nur 3% der Teilnehmer weiblich (im letzten Jahr 5%). Nicht eine einzige Frau schaffte es bis zum Tag 7 und dies obwohl Pros, wie z.B. Vanessa Selbst, Lauren Kling und Maria Ho zu Beginn des Events über ansehnliche Chip-Stacks verfügten. Als noch 270 Spieler im Event waren, gehörten dazu zwei Spielerinnen. Breeze Zuckerman, die Frau, welche die beste Position im diesjährigen Main Event belegte, schied auf Platz 121 aus, was dazu führte, dass sich viele Leute fragten, weshalb in der Main-Event Endphase keine Frauen mehr mitspielten. Was erwartet man denn auch, wenn die Sitze durch Models besetzt sind, die ROI nicht von OPI unterscheiden können? Wenn man nach Frauen sucht, welche mit den männlichen Spielern mithalten können, sollte man nicht damit anfangen, diese Frauen im Playboy zu suchen.

Die Agenten der Finsternis:

In den Medien wurde sehr viel über die “blutsaugenden” Agenten berichtet, die sich während des Main Events in den heiligen Hallen des Rios tummelten und deren Anzahl immer höher wurde, je weniger Spieler noch im Turnier verblieben. Horden von aggressiven Agenten drängten in jeder Pause zu den Spielern und es schien so, als wäre die Anzahl der Agenten in diesem Jahr wesentlich höher als in den letzten Jahren. Am TV-Table zu sitzen ist eine große Sache und die Spieler benötigen Agenten, um die lukrativsten Deals für die Werbeaufnäher aushandeln zu können (natürlich erhalten die Agenten dann ebenfalls ihren nicht unerheblichen Anteil). Es sieht aber schon irgendwie komisch aus, wenn ein Mann im Anzug einen ESPN Kameramann anfleht, damit dieser die Visitenkarte an einen der Spieler hinter der Absperrung weitergibt. Es ist außerdem sehr traurig, wenn man Spieler sieht (in der sicherlich stressigsten Situation ihres Lebens), die in den Pausen eigentlich etwas Ruhe finden möchten, es aber nicht schaffen, weil sie sogar auf der Toilette von den teilweise überaus aufdringlichen Agenten bedrängt werden.

Ein Spiel der Namen: Wenn das Main Event voranschreitet und die Spieltische immer leerer werden, wird man von Harrah’s auf ungewöhnliche Weise unterhalten. Irgendwann wird damit begonnen jeden eliminierten Spieler namentlich mit seiner Heimatstadt durchzusagen und da natürlich Spieler aus der ganzen Welt teilnehmen, sind die Namen der eliminierten Spieler ab und an recht schwierig auszusprechen. Zu unseren Lieblingsnamen gehören unter anderem: Michiel Sijpkens, Jakob Toestesen, Meenakshi Subramaniam und Flavio Ferrarizumbini. Die Nachrichtenschreiber haben ihren Spaß mit Namen wie David Assouline, Mads Wissing und Fokke Beukers.

Heartbreak Hotel:

Das Rio ist natürlich nicht nur ein Platz, wo Träume wahr werden, es ist auch ein Platz, wo Träume zerstört werden. Und kein zerstörter Traum sorgte für mehr Aufmerksamkeit in den Medien, als das Scheitern von Matt „mcmatto“ Affleck. Er gehörte in der Phase vor dem Final Table zu den Favoriten. Im Jahr 2009 beendete er Tag 4 als Chip-Leader, als noch 130 Spieler verblieben belegte er noch eine Top-Position, schied dann aber letztendlich auf Platz 80 aus. Im Jahr 2010 gehörte Affleck am Tag 4 zu den Chip-Leadern. Schaffte er es in diesem Jahr sich weiter vorne zu platzieren? Es schien tatsächlich so, als würde er es in diesem Jahr schaffen. Er schlug sich bis zum Tag 8 hervorragend und gehörte bei 15 verbleibenden Spielern zu den Top 5. Dann bekam er A [key:card_clubs]A [key:card_spades] auf die Hand und ging auf dem Turn mit 17 Millionen Chips All-In. Das Board war 10 [key:card_diamonds] 9 [key:card_clubs] 7 [key:card_hearts] Q [key:card_diamonds]. Er lag zu diesem Zeitpunkt gegen Jonathan Duhamel’s J [key:card_clubs] J [key:card_hearts] weit vorne. Der River war für Matt ein Desaster, die 8 [key:card_diamonds] brachte Duhamel eine Straight und das Turnier war für Affleck beendet. Matt zeigte sich betroffen und Tränen rannen von seinen Wangen. Mit Sicherheit fühlten alle Zuschauer seine Trauer und litten mit ihm.

Wie geht es weiter:

Die ersten 7 Tage des Main Events vergingen relativ schnell. An jedem dieser Tage wurden weniger als 5 Level gespielt, ein Spaziergang für die Spieler, das Personal und die Medienvertreter, die sich bei den Prelim-WSOP Events bereits an 16-Stunden Tage gewöhnt hatten. Viele dachten, dass die kurzen Tage zu Problemen führen würden, die Action blieb jedoch während allen Tagen gleichbleibend – bis die “Final 10“ am letzten Tag um Mitternacht feststanden. Die Zuschauermassen tobten und die Mizrachi Fans jubelten ihrem Idol zu. Alle Augen ruhten jedoch auf Brandon Steven, der mit weniger als 10 Big Blinds am Spieltisch saß. Da er die Chance hatte sich für die November Nine zu qualifizieren, wollte Brandon natürlich nicht kampflos aufgeben. Ein langer Kampf – letztendlich schied er nach 6 Stunden hartem Kampf auf Platz 10 aus (Preisgeld $ 635.011). Er verlor einen Coin Flip und räumte seinen Platz für die verbleibenden 9 Spieler, die nun einen Platz in den November Nine sicher hatten.

Nachdem die verbleibenden Spieler für die Fotos posiert hatten und die Zuschauer langsam den Saal verlassen hatten, begannen die Mitarbeiter mit dem Abbau. Um die Mittagszeit war kaum noch etwas von der WSOP zu erkennen und das Rio Convention Center war schon fast wieder in seinem ursprünglichen Zustand. Was aber in den letzten sieben Wochen passierte wird, werden wir sicherlich nicht so schnell vergessen werden. Die Legenden, die begonnen haben und die Legenden, die noch beginnen werden, suchen sich einen anderen Ort bzw. ein anderes Event. Aber die WSOP-Show ist noch nicht ganz beendet. Nun ist es an der Zeit zu beobachten, wie sich die November Nine Mitglieder in den nächsten 4 Monaten weiterentwickeln werden und zu entscheiden, welcher von ihnen das Zeug zum Star hat und über die Fähigkeiten verfügt die Show nach vorne zu bringen