Interview mit Wolfgang Bliem, CEO der Grand Casino Luzern AG

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
E-Mail: info@isa-guide.de


Wolfgang Bliem, CEO der Grand Casino Luzern AG und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Grand Casino Luzern Gruppe.
Wolfgang Bliem, CEO der Grand Casino Luzern AG und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Grand Casino Luzern Gruppe.
Wolfgang Bliem, geboren 1963 in Österreich, studierte Handelswissenschaften an der Wirtschaftsuniversität in Wien. Ab 1985 war er für Casinos Austria in verschiedenen Funktionen weltweit in der Casino-Branche tätig. Unter anderem leitete er als Casino Manager Casinos in Argentinien und Ungarn und baute als Geschäftsführer ein Joint-Venture in der Slovakei auf. In weiterer Folge übernahm er die Funktion des Marketing & Vertriebsleiter für Casinos Austria Research & Development, bevor er als Development Manager Schweiz für Casinos Austria International fungierte und später zum Head of Customer Care der Gruppe avancierte.

Während dieser Zeit eignete er sich umfassende Kompetenzen und Erfahrungen in sämtlichen Bereichen des Casinomanagements an. Als ausgezeichneter Branchenkenner führt er seit 1. November 2003 die Grand Casino Luzern AG in der Funktion des CEO und ist Vorsitzender der Geschäftsleitung der Grand Casino Luzern Gruppe.

Neben seinem Magister der Handelswissenschaften hat Wolfgang Bliem in den USA ein Executive Development Program absolviert und ist Mitglied des Advisory Board der Universität Nevada, Reno.

ISA-GUIDE Chefredakteur Reinhold Schmitt: Herr Bliem, seit wann leiten Sie das Grand Casino Luzern?

CEO der Grand Casino Luzern , Wolfgang Bliem: Ich bin seit November 2003 für die Grand Casino Luzern Gruppe verantwortlich.

ISA-GUIDE Schmitt: Was hat sich in dieser Zeit bis dato geändert und was waren die wichtigsten Aufgaben und Akzente seit Ihrem Antritt
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Bliem: In den vergangenen sieben Jahren ist unter dem Dach des Grand Casino Luzern ein vielfältiges Gastro- und Unterhaltungsangebot entstanden, das von den Gästen sehr positiv aufgenommen wird. Dazu gehören das Grand Jeu und das Jackpot Casino, das von Gault Millau und Guide Bleu ausgezeichnete Restaurant Olivo, der Kongress- und Bankett-Bereich sowie das 2004 eröffnete Casineum. Einen Namen weit über Luzern hinaus haben wir uns zudem mit dem Catering von Grossanlässen gemacht.

ISA-GUIDE Schmitt: Ihr Grand Casino Luzern wurde in vielen Jahre mit Preisen und Auszeichnungen überhäuft. Woran liegt das?


Bliem: Grundlage für unsere Markpositionierung ist vor allem ein engagiertes und professionelles Team, das den Erfolg und die Anerkennung unserer Gäste sucht. Neben anderen Auszeichnungen erhielt das Grand Casino Luzern bereits drei Mal die Auszeichnung „Casino of the year“. Überzeugt haben die Juroren in erster Linie das breite Unterhaltungsangebot, die innovativen Ideen, die multifunktionalen Eventkonzepte und das attraktive Spielangebot. Mit dazu beigetragen haben sicher auch die wunderbare Lage direkt am Vierwaldstättersee und das einzigartige Ambiente der einzelnen Räumlichkeiten des stilvollen neobarocken Hauses aus der Jahrhundertwende.

ISA-GUIDE Schmitt: Konnten sie neue Kundenstämme erreichen?


Bliem: Unsere Besucherzahlen steigen seit Jahren. Alleine im Spielbereich konnten wir im vergangenen Jahr 236’000 Gäste begrüssen. Auf einen ebenso hohen Zuspruch stossen die weiteren Angebote in unserem Haus wie das Restaurant Olivo oder das Casineum. Mit unserem Gesamtangebot sprechen wir ein Publikum an, das sich quer durch alle Bevölkerungsschichten und über alle Alterskategorien hinweg zusammensetzt.

ISA-GUIDE Schmitt: Macht das Internetangebot Glücksspiele Ihnen zu schaffen?


Bliem: Der Bundesrat will das Verbot von Internet-Glücksspielen lockern und diese künftig auch in der Schweiz erlauben. Die entsprechenden Rechtsgrundlagen sind gegenwärtig in Erarbeitung. Wir bereiten uns auf die neue Situation vor und haben einen ersten Schritt mit der Gründung der Casino Online AG gemacht.

ISA-GUIDE Schmitt: Wie gehen sie mit dem Rauchverbot um?


Bliem: Die ab 1. Mai geltenden Nichtraucher-Schutzbestimmungen werden in einer Unternehmensgruppe der Unterhaltungs- und Gastronomiebranche nicht ohne Folgen bleiben. Entsprechend haben wir im vergangenen Jahr Massnahmen in die Wege geleitet, um die gesetzlichen Anforderungen für Nichtraucher- und Raucherbereiche ab dem Frühjahr 2010 zu erfüllen und gleichzeitig den Bedürfnissen der Besucherinnen und Besucher zu entsprechen. Der Spielbereich wird auf dieses Datum hin umgebaut und gliedert sich neu in unterteilte Bereiche, die sowohl für Raucher als auch Nichtraucher ein attraktives Ambiente schaffen.

ISA-GUIDE Schmitt: Fürchten Sie eine eventuelle Konkurrenz sollte Zürich eine Casino Konzession erhalten?

Bliem: Wie die anderen direkt betroffenen Casinos sind wir der Auffassung, dass der Markt in unserem Einzugsgebiet gesättigt ist und ein zusätzlicher Spielbetrieb nicht zu Wachstum, sondern zu einem Verdrängungswettbewerb führen würde.

ISA-GUIDE Schmitt: Wie gehen sie mit der Spielsucht um und wie wird der Spielerschutz gewährleistet?

Bliem: Unser Sozialkonzept ist in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit entstanden und ist eine Zusammenarbeit der Grand Casinos Baden, Bern und Luzern. Darin enthalten sind umfassende Massnahmen zur Prävention und Früherkennung von gefährdeten Gästen sowie Massnahmen zum Schutz von Betroffenen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden mit regelmässigen Ausbildungen geschult und für das Thema sensibilisiert. Im vergangenen Jahr haben wir rund 200 Spielsperren ausgesprochen.

ISA-GUIDE Schmitt: Gibt es neue Angebote in Ihrem Casino?

Bliem: Dem Trend hin zu automatisierten Spielen tragen wir mit einem sich laufend wechselnden Angebot und neuen Spielinnovationen Rechnung. So haben wir im vergangenen Jahr mit dem Multi-Touchbet-Roulette eine Europa-Première lanciert. In der Beliebtheitsskala der Gäste eroberte diese neue Spielvariante schnell einen Spitzenplatz. Diese Geräte, die in Zusammenarbeit mit unserem Team entwickelt wurden, erlauben das gleichzeitige Spiel an bis zu vier Roulettetischen von einem Bildschirm aus.

ISA-GUIDE Schmitt: Wie stehen sie zum Pokern außerhalb der Casinos?

Bliem: Die strengen Regelungen, denen Casinos unterliegen, gelten für Pokerspiele ausserhalb von Casinos nicht. Es sind weder Massnahmen für den Sozial- und Jugendschutz noch gegen die Geldwäscherei gewährleistet.

ISA-GUIDE Schmitt: Was bereitet Ihnen Sorge bei der jetzigen Wirtschaftslage die auch in allen Casinos zu spüren ist?

Bliem: Die kurzfristig ändernden Rahmenbedingungen, wie die Abgabenerhöhung, mögliche neue Konzessionen, geänderte Pokerregulierungen usw. sind die Themen und Herausforderungen, die uns beschäftigen und die wir aktiv bearbeiten. Bei den Besucherzahlen im Casinobereich stellen wir indes keinen Rückgang fest. Jedoch sind die Gäste gegenwärtig zurückhaltender, was Ausgaben anbelangt. Wir sind zuversichtlich, dass sich die Situation bei einem wirtschaftlichen Aufschwung ändern wird.

ISA-GUIDE Schmitt: Herr Bliem, vielen Dank für das Gespräch.