WSOP-Geschichte (Teil 3) – Wie aus dem Funken ein Lauffeuer wurde – ISA-GUIDE.de

WSOP-Geschichte (Teil 3) – Wie aus dem Funken ein Lauffeuer wurde

Zum Jubiläum der World Series of Poker haben wir eine kleine Serie über die WSOP sowie Poker im Allgemeinen vorbereitet. Im ersten Teil widmeten wir uns dem Weg des Kartenspiels nach Las Vegas. Im zweiten Teil blickten wir auf die ersten beiden Dekaden der WSOP zurück und im dritten Teil folgen nun die Neunzigerjahre sowie die WSOP im neuen Jahrtausend.

Stu Ungar selbst trat 1990 erneut ins Rampenlicht, war aber durch extremen Drogenkonsum gezeichnet. Beim Main Event hatte er große Chancen auf einen weiteren Titel, verpasste aber aufgrund eines Zusammenbruchs den letzten Spieltag und wurde auf Platz neun ausgeblindet. Im Folgejahr garantierte Jack Binion eine Million US-Dollar für den Sieg beim Main Event und über 200 Spieler folgten dieser Verlockung. Sieger wurde Brad Daughtery, der damit das bis dato größte Preisgeld aller Zeiten kassierte.

1997 gab es das erste Mal über 300 Teilnehmer beim Main Event. Vor dem Turnier überredete Billy Baxter kurzfristig seinen Freund Stu Ungar zum Spielen. Da Ungar mal wieder pleite war, übernahm Baxter das Buy-in und „Stuey“, der den ersten Tag nur sehr knapp überstand, riss sich am Riemen und wurde zum dritten Mal Weltmeister.

Kurz vor dem Millennium sorgte Henry Orenstein für den nächsten Durchbruch in der Pokergeschichte. Der 1925 geborene Orenstein ist Pokerspieler, Unternehmer und Erfinder. Aber weder sein solides Abschneiden bei den Main Events 1993 (12./$ 19.200) und 1995 (8./$ 51.900) noch sein Bracelet-Gewinn 1996 im Seven Card Stud sorgten für den nötigen Wirbel. Es war das Patent der Holecam, das die TV-Übertragungen revolutionierte. Ab sofort waren die Zuschauer nicht mehr vom eigentlichen Geschehen ausgeschlossen, denn endlich wussten sie genau, welche Karten die Spieler hielten.

Zwar noch ohne Holecams, aber mit bereits über 500 Teilnehmern startete das 21. Main Event der WSOP mit neuem Rekordteilnehmerfeld. Chris Ferguson war am Ende der Sieger, gilt aber trotz seines unbestrittenen Könnens als einer der glücklichsten World-Champions. Mit einer ordentlichen Führung ging er in das Heads-up gegen T. J. Cloutier. Der Altmeister kämpfte sich zurück und war fast gleichauf, als er mit gegen Fergusons antrat. Ferguson traf die Neun, gewann das Turnier und T. J. Cloutier verpasste zum dritten Mal ganz knapp den Sieg (1985: Runner-up, 1989: 3. Platz).

Poker lief nun auch abseits der WSOP im Fernsehen, verbreitete sich rasant und fand auch den Weg ins Internet. Bereits 2002 fand der erste World Cup of Online Poker auf PokerStars statt. Im gleichen Jahr startete die World Poker Tour und bei der WSOP war Robert Varkonyi, der mit $ 2.000.000 Siegprämie eine neue Rekordsumme abkassierte, der neue Weltmeister – im Übrigen zum ersten Mal mit gefilmten Karten der Spieler.

Der endgültige Durchbruch kam allerdings 2003. Chris Moneymaker sicherte sich einen Seat für das Mega-Event, indem er ein Satellite auf PokerStars gewann. Bei der WSOP ließ er dann 838 Spieler hinter sich und war auf einen Schlag eine Legende. Der „Moneymaker-Effect“ sorgte 2004 für ein unglaubliches Teilnehmerfeld von über 2.500 Spielern. Greg Raymer kassierte die noch unglaublichere Summe von $ 5.000.000 – das Doppelte wie Moneymaker im Vorjahr. Zum ersten Mal wurde auch ein Spieler des Jahres gewählt und Daniel Negreanu holte sich mit einem Bracelet und fünf Finalteilnahmen diese Auszeichnung.

2005 wurde dann alles noch einmal in den Schatten gestellt, als über 5.600 Spieler den WSOP-Main-Event in eine völlig neue Dimension brachten. Allerdings hatte das Binion´s Horseshoe ausgedient und Harrah´s Entertainment – die die Rechte an der WSOP samt der Marke Horseshoe gekauft hatten – siedelten (fast) die komplette World Series of Poker ins Rio Hotel & Casino um. Nur die letzten beiden Tage des Main Events wurden noch im Binion´s ausgespielt. Sieger und um 7,5 Millionen US-Dollar reicher war der Australier Joe Hachem.

Den nächsten großen Wendepunkt – positiv wie auch negativ – gab es bereits im folgenden Jahr. Zum ersten Mal wurde komplett im Rio gespielt und mit 8.773 Teilnehmern wurde die bis heute bestehende Höchstmarke für ein Casino-Turnier gesetzt. Jamie Gold gewann den Main Event und sicherte sich mit über $ 12.000.000 eine absolute Traumsumme. Doch hier fingen auch schon die ersten Negativschlagzeilen an. Gold fand sich kurz danach in einem Rechtsstreit wieder, da er einem Freund die Hälfte des Gewinns versprochen hatte.

Zudem hatten die Verantwortlichen der WSOP Fehler gemacht, was die 37. Ausgabe der World Series in ein schlechtes Licht rückte. Beim $ 50.000-H.O.R.S.E. kam es zu einem Zwischenfall, da Spieler bemängelten, die Karten würden leicht markierbar sein oder wären sogar teilweise markiert.

Beim $ 2.000-Shoot-out wurde die Struktur eines bereits gestarteten Turniers geändert. Anstelle von Fullring-Tischen wechselte man ins Shorthanded-Format, was für allerlei Unmut bei den Spielern sorgte. Bei Event #5 kamen durch Fehler seitens des Flurpersonals zusätzliche Chips ins Spiel und sogar beim Main Event gab es lange Zeit Ungereimtheiten, da anscheinend ganze zwei Millionen an Chips plötzlich zusätzlich im Spiel waren. Internetmedien (unter anderem Pokerwire und PokerNews) stellten den Zuwachs fest und sorgten kurzzeitig für helle Aufregung. Immerhin befand sich das größte Pokerturnier der Welt in der Endphase und die zusätzlichen Chips waren nicht unerheblich.

Wenige Wochen nach dem Main Event räumte Gary Thompson, Leiter des WSOP-Nachrichtendienstes, Fehler seitens des Personals ein. Die zusätzlichen Chips waren tatsächlich ins Turnier geraten, und zwar beim Austausch der 5.000er-Chips ins Turnier. Hinter den Kulissen wurde weiter ermittelt und auch die Nevada Gaming Comission (NGC) schaltete sich ein. Seltsam war, dass rund ein halbes Jahr nach dem Zwischenfall Harrah’s einen Rückzieher machte und einen Fehler beim Color-up ausschloss. Da jedoch die NGC ermittelte, durften auch keine Details veröffentlicht werden.

PokerNews ermittelte auf eigene Faust weiter und brachte mehr Informationen ans Licht. Aus Interviews mit Spielern, Mitarbeitern der WSOP und Flurpersonal des Harrah´s sowie einer Analyse der Chipstände aus diversen Quellen wurde Folgendes festgestellt: Der Austausch der Chips fand vor einer Pause statt und viele der Spieler waren nicht am Tisch, weil sie sich etwas die Beine vertreten wollten. Die Chipleader zu diesem Zeitpunkt, Jamie Gold und Allen Cunningham, wurden nicht begünstigt. Mit ziemlicher Sicherheit soll Kevin O’Donnell mit rund einer Million begünstigt worden sein, was ihm am Ende aber nichts brachte. Ein Täter oder gar ein geplanter Betrug wurden jedoch nie konkretisiert.

Ende 2006 wurde dann auch der Unlawful Internet Enforcement Act (UIGEA) verabschiedet, der die weltweite Internetpokerindustrie in eine Krise zog. Diese hatte auch auf die WSOP Auswirkungen, waren es doch vor allem die unzähligen Internetspieler, die Jahr für Jahr für einen starken Zulauf sorgten. Damit begann die World Series of Poker 2007 quasi mit einem Neubeginn für Harrah’s und alles sollte perfekt ablaufen. Fehler gab es trotzdem.

Die zuvor hochgelobten Poker-Peekcards entpuppten sich als Reinfall, da teilweise 9er- und 6er-Karten verwechselt wurden. Um Platz für nun 55 Events zu bieten, wurde der sogenannte Pokerpavillon – ein überdimensioniertes Bierzelt – errichtet. Der große Nachteil war jedoch, dass dieser keinen Schutz vor dem rauen Klima der Wüste bot. Während man im Rio selbst aufgrund der starken Klimaanlage eine Jacke benötigte, war der Pavillon ein Backofen. Die 5.000er-, 10.000er- und 25.000er-Chips hatten allesamt Orange als Grundfarbe, was das Auseinanderhalten schwierig gestaltete. Schwarze Trennwände sorgten am Final Table zwar für Sichtschutz, aber auch für enormen Frust bei den Railbirds. Es gab also viel Raum für Verbesserungen.

Im letzten Jahr wurde dann eine World Series of Poker der Extraklasse präsentiert, lediglich die schier endlosen Schlangen zur Registration waren den Teilnehmern weiterhin ein Dorn im Auge. Auch das verzögerte Finale im November fand im Großen und Ganzen guten Anklang. Der Däne Peter Eastgate wurde mit 23 Jahren zum (neuen) jüngsten Weltmeister aller Zeiten und kassierte über neun Millionen Dollar Preisgeld. Die $ 10.000-Worldchampion-Events wurden ins Programm aufgenommen und kamen bei den Spielern gut an.

Damit beenden wir den „Geschichtsrundgang“ durch die stolzen 40 Jahre der WSOP. Im letzten Teil der Serie stellen wir kurz die 40 größten Champions aller Zeiten vor und widmen uns intensiv dem bisher wohl wichtigsten und einflussreichsten Spieler.

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