Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 14) – ISA-GUIDE.de

Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 14)

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
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Downtown Las Vegas (Foto: Rmvisuals / CC BY-SA 4.0)
Downtown Las Vegas (Foto: Rmvisuals / CC BY-SA 4.0)
Die Stadt Las Vegas, inklusive ihrer Vororte Henderson und Summerlin, zählt nunmehr über 1,8 Millionen Einwohner. Die Anzahl der Casinos, inklusive aller Slot Casinos und Restaurants, in denen Spielautomaten aufgestellt werden dürfen, wird auf über 500 geschätzt. Nicht eingerechnet sind hier die unzähligen Spielautomaten die in Tankstellen und Supermärkten stehen. Ja, sie haben richtig gehört, selbst an Tankstellen und in Supermärkten kann man seiner Leidenschaft fröhnen. Für die ganz extremen Spieler unter den Touristen, bietet der McCarran Airport ein eigenes kleines Casino. Hier kann man bereits beim Aussteigen aus dem Flugzeug an den nächst besten Spielautomaten springen und versuchen den ersten Jackpot ab zu kassieren.

Direkt am Las Vegas Strip befinden sich alleine 34 Casino Resorts (von denen einige auch mehrere Casinos betreiben) und wer glaubt, dies sei genug, der täuscht sich gewaltig. Der Boom geht immer weiter und ständig werden neue Projekte realisiert. Unser geschichtlicher Rückblick hat sich bisher vor allem auf die Entwicklungen am Las Vegas Boulevard und in Old Las Vegas, also in Downtown, konzentriert. Der Grund dafür ist, dass man als Tourist für ein paar Tage nach Las Vegas kommt um in einem Hotel am Strip ein zu checken. Von dort aus möchte jeder die ganzen Sehenswürdigkeiten die sich am Strip anbieten, diese auch besuchen. Zweifellos ist der Las Vegas Boulevard die wohl weltweit meist besuchte Touristenattraktion überhaupt. Es gibt keinen Ort auf der Welt, wo sich permanent mehr Touristen aufhalten als hier in Las Vegas. Die Hotels am Strip haben, über das ganze Jahr gerechnet, trotz härtestem Konkurrenzkampf, eine durchschnittliche Zimmerauslastung von über 90%. Allein das muss man sich einmal vor Augen führen.

Das Problem an der Sache ist, irgendwie müssen diese Massen an Menschen auch zu und in die Casinos gelangen. Was dazu führt, das Transfer-Shuttles, Reisebusse sowie hunderte Taxis das Bild am Strip prägen. Mit jedem neuen Hotel Casino steigt das ohnehin schon große Verkehrsaufkommen nochmals deutlich an. Jedes Casino verfügt inzwischen über eigene Zufahrtsstraßen mit mehrspurigen Zu- und Abfahrten zum Hotel. Die dafür nötigen Ampelregelungen sorgen immer wieder dafür, das der Verkehrsfluss ins Stocken gerät. So ist es auch nicht ratsam an einem Samstagabend den Las Vegas Boulevard entlangzufahren, es sei denn man steht gerne im Stau und mag Hupkonzerte. An den Kreuzungen Flamingo Road und Tropicana Avenue findet man inzwischen fünf Spuren auf jeder Straßenseite und selbst das reicht in Stoßzeiten bei weitem nicht aus.

Weltraumaufnahme von Las Vegas bei Nacht. Hier sieht man besonders gut den starken Kontrast der hell erleuchteten Stadt zur dunklen, umgebenden Wüste. (Foto: ISS Expedition 26 crew - NASA Earth Observatory)
Weltraumaufnahme von Las Vegas bei Nacht. Hier sieht man besonders gut den starken Kontrast der hell erleuchteten Stadt zur dunklen, umgebenden Wüste. (Foto: ISS Expedition 26 crew – NASA Earth Observatory)
Natürlich gibt es in Las Vegas nicht nur Touristen, sondern auch Menschen die dort leben um Ihrer Arbeit nach zu gehen. Unter diesen befinden sich nur vergleichsweise wenige die aufgrund Ihrer Spielleidenschaft diesen Wohnort gewählt haben. Denn einer der Gründe warum diese Stadt derart boomt, ist die Tatsache, das es früher keine Umsatzsteuer (Sales Tax) gab. Sie wurde einfach über eine Hotel Steuer refinanzierte. Auch die sehr geringen Lebenshaltungskosten sorgten dafür, das viele Arbeitnehmer aus Kalifornien mit den Jahren nach Nevada übersiedelten. Zwischenzeitlich gehören die damals Paradies ähnlichen Zustände allerdings der Vergangenheit an. So muss man heute auch in Clark County über acht Prozent Sales Tax abführen und der über Jahre niedrige Wasserstand des Lake Mead entwickelt sich, langsam aber sicher, zu einem ernst zunehmenden Problem für die Wasserversorgung der Stadt.

Zur Besteuerung der Casinos: Im Vergleich zu europäischen Casinos, welche Abgaben an den Staat in der Größenordnung zwischen 50 bis zu extremen 90% leisten müssen, wird ein Casino in Nevada gerade mal um 9 – 10 Prozent seiner Einnahmen erleichtert. Das ermöglicht den Casinos einerseits im harten Konkurrenzkampf zu bestehen und andererseits den Gästen und Besuchern etwas zu bieten, wofür wir in Europa häufig zusätzlich bezahlen müssen. So sind gratis Getränke in den Casinos selbstverständlich in Nevada und für Spieler gibt es Bonussysteme die jedem je nach Anzahl der Spiele und Höhe des Einsatzes, zu kostenlosen Mahlzeiten oder einem Zimmer verhelfen.

Alle Casinos benutzen eine relativ geschicktes Marketingkonzepts, die sogenannten Players Cards. Der Spieler bekommt eine persönliche Players Card, die aussieht wie eine Kreditkarte. Diese kann er an den Spielautomaten einfach in das Gerät schieben oder am Spieltisch dem Croupier überreichen. Ein Spieler erhält nun, unabhängig ob er gewinnt oder verliert Punkte gut geschrieben. Dabei steigt die Anzahl der Punkte pro Dollar meist nicht linear mit dem Einsatz, sondern der Spieler erhält bei einem hohen Einsatz, wesentlich mehr Punkte als er kumuliert mit mehreren niedrigen Einsätzen erreichen würde.

Las Vegas Valley im Morgengrauen, aufgenommen aus dem Stratosphere Tower. Im Hintergrund sieht man den Lichtstrahl des Luxor. (Foto: Ville Miettinen / CC BY 2.0)
Las Vegas Valley im Morgengrauen, aufgenommen aus dem Stratosphere Tower. Im Hintergrund sieht man den Lichtstrahl des Luxor. (Foto: Ville Miettinen / CC BY 2.0)
Meist handelt es sich dabei um ein kombiniertes Cash-Back System mit zusätzlichem Bonusprogramm. So erhält der Spieler in der Regel umgerechnet 10 Dollar Rückvergütung pro 1.000 Dollar Umsatz und hat zusätzlich die Chance in den Genuss diverser Vergünstigungen bis hin zu kostenlosen Mahlzeiten, Geschenken oder sogar einem gratis Übernachtung zu bekommen. Häufig bieten die Casinos auch besondere Angebote für Neukunden an. So erhält man oft allein für die kostenlose Registrierung, ein T-Shirt, Kartenspiele und andere Souvenirs als Begrüßungsgeschenk. So lohnt sich die Players Card auch für Spieler mit wenig Umsatz.

Bei den Tisch Spielen ist die Berechnungsgrundlage ganz ähnlich wie bei den Automaten, nur das hier der tatsächliche Einsatz und das Einsatzverhalten des Spielers ausgewertet wird und nicht wie viel Geld in Chips gewechselt wurde. Denn wer 1.000 Dollar wechselt und dann nur mit 5 Dollar Einsatz spielt ist für das Casino logischerweise weniger profitabel wie ein Spieler, der sich für 500 Dollar Chips geben lässt, und gleich mit Bet 25 spielt.

Das Rating findet nach einem gewissen Schlüssel statt, wobei folgende Überlegung angewendet wird: Durchschnittlicher Profit für das Casino = Average Bet x Anzahl Spiele pro Stunde x Hausvorteil. Und nach diesem Prinzip schüttet das Casino einen Teil dieses theoretischen Profits an den Spieler aus. So kann es passieren, dass man innerhalb eines Abends 5.000 Dollar beim Black Jack gewinnt, und darüber hinaus noch die Suite und den Restaurant Besuch frei Haus bekommt. Willkommen in Las Vegas, meine Damen und Herren.

Natürlich ist das Ziel hinter solchen Bonusprogrammen, das selbe wie überall auf der Welt: Kundenbindung. Besser der Spieler verspielt sein gerade gewonnenes Geld im eigenen Casino, statt das er zur Konkurrenz geht, denn davon gibt es bekanntermaßen genug in Vegas.

Mit den Jahren haben Marketing Analysten versucht, die verschiedenen Spielertypen irgendwie einzuordnen. Grundsätzlich teilt sich der Markt hier in zwei große Fraktionen auf, einerseits die „Locals“ also die Einheimischen und andererseits die Touristen. Während ein Tourist pro Las Vegas-Trip im Durchschnitt rund 300 Dollar verspielt, verliert ein Einheimischer bei seinem Besuch im Casino vielleicht 30 Dollar. Aber man muss bedenken das ein Tourist vielleicht ein- bis zweimal im Jahr nach Las Vegas kommt, der Einheimische hingegen geht ein- bis zweimal pro Monat ins Casino. Womit der effektive Wert eines Einheimischen mindestens genauso hoch, wenn nicht sogar höher, einzuschätzen ist, wie der Wert eines Touristen.

Fassade des ursprünglichen Show Boat Casinos im Jahr 1961. (Foto: Ferris H. Scott)
Fassade des ursprünglichen Show Boat Casinos im Jahr 1961. (Foto: Ferris H. Scott)
Diesen Fakt hat als erstes das Showboat Casino im Jahr 1954 erkannt und mit hohem Risiko, weit abseits vom Las Vegas Boulevard, ein Casino eröffnet und dieses über Jahrzehnte sehr erfolgreich betrieben. Nicht in Downtown oder am Strip sondern einfach irgendwo in der Stadt und so für die Einheimischen viel einfacher und bequemer zu erreichen. Andere Casinos folgten dem selben Prinzip: Sams Town Hotel and Gambling Hall eröffnete 1979 und wurde seither immer wieder erweitert und ist heute noch in Betrieb. The Bingo Palace, ein Casino welches sich auf der anderen Seite der Interstate 15 befindet und heute unter dem Namen Palace Station residiert, war das erste Casino der inzwischen sehr erfolgreichen Station Casinos Gruppe. Das Gold Coast Casino, sollte sich als weiterer Locals Favorit erweisen. Es ist heute noch im Geschäft und hält sich tapfer gegen die Konkurrenz, wie das Rio Hotel das sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindet. 1986 eröffnet durch Michael Gaughan, dem Sohn von Jacky Gaughan, der ja bereits Jahre zuvor eine phantastische Karriere hinlegte und mit seinen Beteiligungen am Flamingo, El Cortez und Union Plaza Geschichte schrieb.

Aufgrund des scheinbar nie endenden Booms und dem konstanten Wachstum dieser Stadt, wurden immer neue Casinos für die Einwohner gebaut. So eröffnete 1991 am Westrand der Stadt das “Santa Fe Casino” mit einer eigenen Eishalle, Boomtown Hotel und R/V Park öffnete 1994, dann das Hard Rock Hotel, welches 1995 hinzukam und natürlich der unglaubliche Sprung an die Spitze aller Locals Casinos durch die Station Casinos Gruppe mit ihren Casinos Boulder Station, Sunset Station, Texas Station und Green Valley Ranch. Dem folgten noch die Übernahme des „The Reserve“ in Henderson, einem Themen-Casino, welches den Besucher in den Urwald zurückversetzen sollte und welches später erst von der Fiesta Gruppe übernommen, in Fiesta Henderson umbenannt, und anschliessend von der Station Casinos Gruppe aufgekauft wurde.

Alle diese Casinos sind bis heute sehr erfolgreich, da sie sich gezielt an den Bedürfnissen und Erwartungen der Einheimischen orientieren und nebenbei auch den ein oder anderen Touristen ansprechen.

Las Vegas liegt irgendwo mitten in einer riesigen Wüste in der es eigentlich nicht viel zu sehen gibt, außer man sorgt dafür das es etwas zu sehen gibt. Als Tourist geht man den Las Vegas Boulevard oder die Fremont Street entlang und bestaunt die Prachtbauten, spielt an den Automaten oder vergnügt sich an den Würfeltischen. Ein Einheimischer dagegen hat sich bald satt gesehen an dem ganzen Glanz und Glamour, für diesen zählt am Ende nur „Value“! Und genau das ist es was diese Locals Casinos bieten. Davon abgesehen sind die zwei wichtigsten Freizeitbeschäftigungen, wie in den meisten anderen Städten auch, Restaurant- und Kinobesuche. Um also als Locals Casino den Marktkriterien zu entsprechen verfügen diese über mehrere Restaurants die dem Besucher Qualität zu sehr fairen Preisen bieten, und mehrere Kinosäle mit HD-Grossraumleinwand und High-End Soundsystem.

Gold Coast Hotel and Casino (Foto: John Phelan / CC BY 3.0)
Gold Coast Hotel and Casino (Foto: John Phelan / CC BY 3.0)
Die Locals Casinos bieten aber auch für Touristen einen Mehrwert. Die Pay-Outs an den Spielautomaten sind höher und die Casinos bieten meist auch bessere Cash-Back Programme an. Dazu bieten die Hotelzimmer meist ein spürbar besseres Preis-/Leistungsverhältnis als die Casinos am Strip und man ist auch ein wenig abseits der ganzen Hektik. Denn während an einem Samstag in einem der Casinos am Strip die Tische völlig überladen sind und es schwierig wird, einen Platz im Restaurant zu bekommen, kennen die meisten Casinos in der Innenstadt solche „Peaks“ nicht. Doch auch die Locals Casinos haben mit der Zeit an Größe zugelegt, und häufig deuten schon die gewaltigen Parkplatzanlagen auf ein gewisses Besuchervolumen hin. Neben den, meist um das Casino verteilten, Parkplätzen gibt es häufig noch Tiefgaragen oder Parkdecks. Diese sind meist leicht zu finden, genauso wie die vielen Eingänge zum Casino, denn ein Gast soll ja keine unnötigen Wege zurücklegen um ins Casino zu gelangen.

So ist es auch für jeden Las Vegas-Besucher ratsam einen Mietwagen zu buchen. Denn auch wenn der öffentliche Nahverkehr in Vegas in den letzten Jahre ausgebaut wurde und der Verkehr für einen Autofahrer häufig eine reine Geduldsprobe ist, ist es doch die einfachste Variante, alle Seiten von Las Vegas kennen zu lernen. Denn diese Stadt hat weit mehr zu bieten als den Las Vegas Boulevard. Zahlen und Statistiken belegen, dass ein Tourist in der Regel drei bis vier Tage in Las Vegas verweilt. In dieser Zeit verbringt er die meiste Zeit entweder mit Essen, Spielen, am Pool oder sonstigen Vergnügungen. Leider ist es in diesen drei Tagen schlicht nicht möglich, diese Stadt richtig kennenzulernen, planen Sie für Ihren Trip also am besten etwas mehr Zeit ein.

Damit endet unser Geschichtlicher Rückblick. In unserem kommenden Schlussbericht erhalten Sie, quasi als kleinen Bonus, noch ein paar wertvolle Tipps, die Sie bei Ihrem nächsten Aufenthalt in Vegas sicher gut gebrauchen können. Denn letztendlich zählt doch nur eins: dass Sie Spaß haben in Las Vegas. Ein Urlaub bei dem Sie sich echt vergnügen und tolle Erinnerungen mit nach Hause nehmen – ganz egal, ob Sie etwas Geld gewonnen oder verloren haben – und Sie sich sagen können: “Ok, ich habe verloren, aber im Grunde habe ich gewonnen, eine Erfahrung, die ich in meinem Leben nicht mehr missen möchte”.

Hier finden Sie eine Übersicht aller bisher erschienen Teile unseres Las Vegas Rückblicks.