Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 5)

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
E-Mail: info@isa-guide.de


Über Howard Hughes gibt es einiges zu erzählen. Als Sohn eines reichen Ölmillionärs aus Texas zog es ihn schon in den 40er- und 50er Jahren ständig nach Las Vegas, um den Glamour und die Action der Stadt zu genießen. Eigentlich mehr als Casinobesucher und weniger als Spieler. Mit seiner fixen Vision, Las Vegas würde eines Tages eine Million Einwohner haben, begann sein Interesse, in die Hotel- und Casinoindustrie zu investieren. Er hatte auch die Vision das Las Vegas irgendwann seinen eigenen Flughafen hat, der die Gegend um Los Angeles mit Hochgeschwindigkeitszügen erschließen könnte. Wie auch immer, er glaubte an eine große Zukunft dieser Stadt.

Howard Hughes Reichtum basierte auf dem Erbe seines Vaters, welcher seinerzeit mit der Erfindung von Spezialbohrköpfen für Bohrtürme steinreich wurde. Dieses Erbe ermöglichte ihm, in die Hotelindustrie zu investieren. 1957 heiratete er die Schauspielerin Jean Peters in Tonopah Nevada, zog dann aber erst 1966 nach Las Vegas. Als einer der reichsten Menschen in den damaligen USA mietete er, für sich allein, die gesamte 9. Etage im Desert Inn. Dies erregte einige Missstimmung unter dem Management. Denn der 9. Stock war ein „Suite-Level“ und der war eigentlich auch noch für andere High Roller reserviert. Als die Manager versuchten, Howard Hughes zu überreden, einige Suiten für andere Hotelgäste freizumachen, reichte es dem egozentrischen Millionär und er kaufte sich einfach das ganze Hotel. Für 13,2 Millionen übernahm er das Hotel vom Cleveland Mobster Moe Dalitz.

Das Sands Hotel and Casino 1959.

Das Sands Hotel and Casino 1959.

Nichtsdestotrotz verlangte der Besitz eines Casinos auch den Besitz einer Gaming Lizenz, und die hatte Howard Hughes nicht. Mit Geld alleine geht doch nicht immer alles … oder doch?

Ja, auch dieses Problem löste Howard Hughes mit Leichtigkeit. Dank der Mithilfe von Governeur Paul Laxalt, gelang er an die prestigeträchtige Lizenz und war von nun an Casinobetreiber. Diese Lizenz ermöglichte ihm massive Investitionen und eine Expansion im Casino Sektor.

Bereits 1967 kaufte Hughes das Sands Hotel und Casino für 14,6 Millionen Dollar und noch im selben Jahr das Frontier. Er übernahm das Castaways für 3 Millionen, und den Silver Slipper für 5,3 Millionen Dollar. Seine Lizenz als Casinobetreiber bekam er jedoch offiziell erst 1969, doch bis dahin hatte er circa 65 Millionen Dollar in verschiedene Casinos investiert. Innerhalb nur eines Jahres hatte er 4 Hotels, mit annähernd 2.000 Hotelzimmern, gekauft. Dies entsprach damals rund 20 Prozent der gesamten Hotelkapazität.

Allmählich bereitete Hughes Kaufrausch gewissen Leuten Sorge. Selbst bei der Gaming Commission kam der Verdacht auf, Howard Hughes könnte durch seine massiven Käufe eine dominante Rolle übernehmen und den freien Markt gefährden. Als nächstes Projekt hatte Howard Hughes schon das Stardust im Auge. Nach langem hin und her gab die Nevada Gaming Commission schließlich grünes Licht und erteilte dem Multimillionär die Lizenz für das Stardust Hotel. Kaufpreis: 30,5 Millionen Dollar. Später riss er sich auch noch den Harold’s Club in Reno unter den Nagel. Dies war seine letzte große Investition und zugleich der Zeitpunkt, an dem die Gaming Commission Änderungen beschloss. Einfach mit viel Geld Casinos zu kaufen, war fortan nicht mehr möglich.
Ein 1969 in Kraft getretener Gesetzesartikel schrieb einem potentiellen Käufer vor, das er erst einmal eine Lizenz besitzen muss bevor er ein Casino kauft. Allerdings war es nun möglich Aktiengesellschaften zu gründen, bei denen die Aktionäre nicht im Besitz von Lizenzen für das Betreiben eines Spielcasinos sein mussten, der Vorstand und die Gesellschaft dagegen schon. Auf diese Weise war es nun möglich durch Aktienausgabe das entsprechende Kapital zu beschaffen. Dies war der Grundstein für die, später weltbekannten, Casino Resorts.

Als man Howard Hughes nach seinen Beweggründen fragte, Millionen von Dollar in die Casinos von Las Vegas zu investierten, soll er gesagt haben, er glaubte an die Zukunft dieser Stadt und an ein relativ uneingeschränktes Wachstum. Las Vegas sollte eine Stadt werden, die man von Grund auf planen und die sich theoretisch unendlich weit vergrößern könne, vorausgesetzt, dass die Wasserressourcen ausreichen. Das, wie Sie sicher wissen, dürfte sich in den kommenden Jahren für Las Vegas und seine Anwohner zu einer regelrechten Existenzfrage entwickeln. Denn wenn es auch Strom und Geld in Massen zu geben scheint, so ist Wasser doch eher rar in der Wüste Nevadas.

Caesars Palace im Jahr 1970.

Caesars Palace im Jahr 1970.

Mit Howard Hughes und anderen Großinvestoren begann langsam das Zeitalter des “Modernen Las Vegas”. Höher, neuer, schöner, grösser! Das war der Trend für die neuen Hotels. Am Strip war härtester Konkurrenzdruck. Entstanden war eine boomende Stadt rund um den Las Vegas Boulevard. Eine Stadt, gegründet von Spielern, für Spieler. Casinos, für deren Fertigstellung man riesige Baukräne benötigte, und wo schon alleine die Neonleuchtreklamen am Straßenrand oftmals höher waren als ganze Casinos in anderen Ländern. Allein um in der Neonreklame die Buchstaben auszuwechseln, benötigte man die Hilfe einer Fachfirma die mit einem speziellen Kran Mitarbeiter und Ersatzteile zu den Werbetafeln brachte. Diese mussten dann, in schwindelerregender Höhe, die zwei bis drei Meter großen Buchstaben von Hand auswechseln. Denn nur wenn die vorbeifahrenden Autofahrer die Werbetafeln beachten, besteht die Chance, dass sie anhalten und auf einen Sprung ins Casino kommen. Andernfalls fahren sie eben weiter und spielen woanders. Der Markt spielt, nur die Besten überleben.

In den letzten 10 Jahren erlebte Las Vegas einen wahrhaften Superboom. In der Stadt entstanden nun neue Ressorts, sogenannte „Themen-Casinos“. Allen Anfang machte dazu das Caesars Palace, welches 1969 eröffnet wurde. Darüber werden wir noch etwas ausführlicher berichten.

Ressorts wie das MGM Grand, The Mirage, Treasure Island, Excalibur, Mandalay Bay, Luxor, New York New York, Aladdin, Paris, alle haben irgendein Thema zur Vorlage genommen. Beim Paris Hotel, unverkennbar, der Eiffelturm direkt am Strip, in einer etwas verkleinerten Version, oder im Venetian, Canale Grande und Gondeln, die die Touristen für 12 Dollar herumschiffen und der Gondolieri sogar noch irgendwas auf Italienisch singt.

Nur verständlich, dass die ständig grösser werdenden Casinos Unsummen an Geld kosten bis zur Fertigstellung. Daher verfahren die Casinos inzwischen nach einem ähnlichen Konzept. Zunächst entsteht eine Basisversion des Hotels, z.B. Casino Floor, Restaurants, Hotel Tower usw., für rund 2.000-3.000 Gäste. Nach ein paar Jahren Betriebszeit, wenn ein Hotel amortisiert ist oder wenn sich abzeichnet, dass das Casino rentabel ist, wird expandiert. Wenn man auf Fotos schaut, wie die meisten Hotels aussahen, als sie eröffnet wurden, und wie sie heute aussehen, dann wird man erstaunliche Veränderungen feststellen. Das Flamingo von damals lässt sich überhaupt nicht mehr vergleichen mit dem Flamingo, wie es heute am Strip steht. Und auch Caesars Palace, mit seinen neuen Hoteltürmen hat ein ganz neues Aussehen bekommen.

Einigen Hotels bereitet aber bereits die Grundfinanzierung erste Probleme. Das neue Aladdin hatte von Anfang an Schwierigkeiten den Break-Even zu erreichen, und war bereits nach kurzer Zeit faktisch bankrott. Und warum? Weil es keinen Umsatz macht? Nein! Es macht Umsatz, sogar sehr viel Umsatz. Aber die Gewinne reichen nicht aus, um die Unkosten zu decken. Und so ging der Gesellschaft nach kürzester Zeit die Luft aus. Liquide Mittel fehlten, die Schuldenfrage schien unlösbar und so musste teures Geld aufgenommen werden um den weiteren Betrieb zu gewährleisten. Letztendlich waren aber alle Bemühungen umsonst und das Aladdin musste schließen. Nach einem weitreichenden Umbau wurde es im April 2007 als Planet Hollywood Resort und Casino neu eröffnet.

Das New Aladdin kurz bevor es geschlossen wurde. (Foto: Vicentes Loboda)

Das New Aladdin kurz bevor es geschlossen wurde. (Foto: Vicentes Loboda)

Der finanzielle Einfluss durch große und mächtige Finanzgesellschaften war auch erst durch die Gesetzesänderungen im Jahr 1969 möglich. Bis dahin war es einem Casino nicht gestattet, Geld von Teilhabern zu bekommen, welche nicht über eine Casinolizenz verfügten. So musste also jeder Aktionär selbst eine Konzession als Casinobetreiber besitzen. Doch je grösser und aufwendiger diese Casinos wurden, um gegenüber der Konkurrenz überlebensfähig zu sein, desto mehr Geld kosteten sie bis zur Fertigstellung. Nicht alle Betreiber hatten genügend liquide Mittel. Also musste allenfalls Geld von anderen Seiten beschafft werden. Womit wir wieder beim Einfluss der Unterweltbosse von der Ostküste wären.

Bereits früh war der Bedarf an Luxus Hotels ziemlich groß. Dies erkannte, wie wir wissen, Benjamin Siegel, der 1946 das Flamingo bauen ließ, sehr schnell. 1966 sollte jedoch noch einmal ein ganz neuer Standard gesetzt werden. Jay Sarno’s Project “Caesars Palace”, ein 19 Millionen Dollar Hotel und Casino, eröffnete am 5. August 1966. Die Kosten für die spektakuläre Eröffnungsfeier alleine überstiegen die Millionen Dollargrenze bei weitem! Auf der Besucherliste waren nicht weniger als 1.800 Gäste eingetragen. 2 Tonnen Filet Mignon musste herbeigeschafft werden, 30.000 frische Eier, über 50.000 Gläser Champagner und dazu noch die grösste, jemals aufgegebene Bestellung an Russischem Kaviar!

Die ursprüngliche Version des Caesars Palace bestand aus einem 14 stöckigen Hotelturm mit 680 Zimmern und Suiten, einem Casino, welches heute schon eher als klein gelten würde, und einem Circus Maximus mit 800 Sitzplätzen für Showanlässe oder sportliche Wettkämpfe. Darüber hinaus gab es natürlich noch unzählige Restaurants und hunderte von Spielautomaten, die überall im Casinofloor verteilt standen.

Caesars Palace wurde 1969 verkauft an Clifford Perlman, für eine sagenhafte Summe von 60 Millionen Dollar! Perlman verfolgte eine eigenartige aber dennoch erfolgreiche Marketingstrategie. Er begann sein Casino bekannt zu machen, indem er Werbespots im Fernsehen lancierte, in Filmen, oder indem er sportliche Superevents veranstaltete. Boxkämpfe mit Schwergewichtsweltmeister Muhammed Ali kämpften im Caesars Palace um den Titel. Solche Superfights finden auch heute noch regelmäßig in Las Vegas statt und ziehen tausende von Glücksrittern in die Stadt und an die Würfel- und Black Jack Tische.

Im nächsten Bericht erfahren Sie mehr über Circus Circus und die Casinos, die in den 80er-Jahren gebaut wurden und Las Vegas immer aufregender und interessanter machten.

Hier finden Sie eine Übersicht aller bisher erschienen Teile unseres Las Vegas Rückblicks.

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