Geschichtlicher Rückblick Las Vegas (Teil 2)

Reinhold Schmitt
ISA-GUIDE Chefredakteur (V.i.S.d.P.)
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Im letzen Bericht haben wir gesehen, wie die Casinos zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden sind. Anfänglich eher wilde Zockerhallen und Hinterhof-Spiellokale, entwickelte sich das ganze allmählich in Richtung dessen, was wir heute unter einem Casino verstehen. Mit der 1931 in Kraft getretenen Assembly Bill wurden rechtliche Rahmenbedingungen und Grundlagen für ein organisiertes und geregeltes Glücksspiel geschaffen.

Wenn in einem Staat das Glücksspiel erlaubt ist, dann sollte es überall erlaubt sein, so die These der freiheitsliebenden Amerikaner. Überall, das heißt auch, dass es innerhalb von Gefängnissen legal sein müsste? Ja genau. Diese Auffassung vertraten einige Anhänger und bereits kurze Zeit später war sogar im Staatsgefängnis von Carson City ein Casino legalisiert. Das Bull Pen Casino, geführt von und durch Casinoinsassen, bot den Gefangenen die Möglichkeit, während ihrer Zeit hinter Gittern dennoch dem Glücksspiel treu zu bleiben.

Glücksspiel sollte zur Entspannung und als Freizeitaktivität gelten. Voraussetzung war jedoch, und das war eine der Bedingungen, dass der Betreiber des Bull Pen Casinos (selbst ein Gefängnisinsasse) über genügend Kapital verfügen musste, um die Auszahlungen allfälliger Gewinne zu gewährleisten. Dieses 1932 zugelassene Casino musste auch noch eine weitere Bedingung erfüllen, nämlich dass ein Teil des Gewinnes vom Betreiber an einen Wohlfahrtsfond für Ex-Sträflinge abgegeben werden musste.

acesFolgende Spiele wurden im Bull Pen Casino angeboten: Craps, Black Jack, Roulette und Poker, also Spiele, die auch heute noch bei uns bekannt sind. Darüber hinaus gab es auch noch einen Schalter, an dem man auf Pferderennen und sonstige sportliche Ereignisse setzen konnte, quasi ein kleines Wettbüro. Dass dieses Konzept jedoch nicht von allen Seiten begrüsst wurde und es immer wieder heftigen Widerstand gab, ist verständlich. 1967 schließlich, zur Enttäuschung vieler Gefängnisinsassen, wurde das Bull Pen Casino von Carson City geschlossen. Gleichzeitig fand außerhalb der Gefängnismauern ein regelrechter Boom statt. Las Vegas wuchs und wuchs, und wichtige Pioniere aus dem Hotelerie-Geschäft begannen, in das Glücksspiel zu investieren.

Das erste namentlich bekannte Luxus Hotel von Las Vegas eröffnete am 2. Mai 1932: The Meadows Supper Club. Mit einer eigenen Landebahn für reiche Glücksritter, 100 Hotelzimmern, jedoch ohne Klimaanlage, war dies der neue Anziehungspunkt in Las Vegas. Dieses Hotel wirkte wie ein Magnet und zog die Spieler scharenweise an. Es war der absolute Night Spot. Gegründet und geführt wurde dieses Casino von Tony Cornero und seinen beiden Brüdern Frank und Louis. Die Idee bei diesem Hotel und Casino war, das Monopol für Prostitution neben der Möglichkeit, ein Casino zu betreiben, zu erhalten. Im Bezirk, den man “Block 16″ nannte, das Gebiet zwischen Fremont und First Street in Downtown, sollte alles erlaubt sein. Trotz allem wurde Prostitution in Las Vegas nie legalisiert. Im Meadows Supper Club galt das Motto “Every Saturday Night is New Years Eve” (jeden Samstag ist bei uns Silvester).

Bereits nach einem Jahr Betrieb brannte der Meadows Supper Club vollständig nieder. Die Feuerwehrleute weigerten sich, das Feuer zu löschen, da der Club damals noch außerhalb der Stadtgrenzen stand fühlten sie sich nicht verpflichtet einzuschreiten.

Ein zweiter Versuch, das wiederaufgebaute Hotel in die schwarzen Zahlen zu bringen, missglückte. 1937 ging der Meadows Supper Club Bankrott und wurde an einen Investor aus Californien verkauft. Tony Cornero, der ursprüngliche Besitzer des Meadows, zog sich zurück nach Kalifornien, und startete ein Casino auf einem Schiff im Pazifik. Die Gäste wurden mit kleinen Zubringerbötchen zur SS Rex gebracht, bis es 1939 den Behörden zuviel wurde. In einer großangelegten Aktion mit über 200 Agenten wurde das Casino-Boot übernommen und der Betrieb eingestellt. Tony Cornero zahlte sich frei und lebte fortan als Spieler weiter. 1955 erlitt er einen Herzinfarkt an einem Craps Tisch im Desert Inn in Las Vegas, dem er schließlich erlag. Ein Spieler bis zur letzten Sekunde, der seinen Traum bis zum letzten Atemzug gelebt hatte.

Nebst Tony Cornero waren noch andere Pioniere im Casino-Geschäft tätig: Raymond Smith war einer von ihnen. Zusammen mit seinem Sohn gründete er 1935 mit einem Minimal-Investment von lumpigen 500 Dollars den Harold’s Club in Reno. Ursprünglich ein Raum, der gerade mal 7 Meter breit war, aber durch stete Investitionen und Erweiterungen war der Harold’s Club bis in die 70er Jahre hinein eines der grössten Casinos in Nevada.

Eine seiner sensationellen Ideen war es, das Casino unmittelbar an eine befahrene Strasse, mit genügend Parkplätzen, zu bauen damit die Spieler gleich auf einen Sprung vorbeischauen konnten. Früher waren die Spiellokalitäten eher versteckt, in den Hinterräumen oder in den oberen Stockwerken der Saloons eingerichtet. Raymond Smith verstand sehr schnell die Bedeutung dieses wichtigen Marketing Konzeptes. „Pappy“, so nannte man ihn auch in der Spielerszene, war auch bekannt als Erfinder des Mouse Roulette. Eine Maus wurde von einem Loch in der Mitte des Roulette Rades auf dem Kessel losgelassen und fing an, irgendwohin zu laufen. Das Nummernfeld in das sie hineinstieg, war dann die Gewinnnummer.

1937 eröffnete Bill Harrahs als weiterer Pionier ein Casino in Nevada. Es war der Bingo Club in Reno. Harrahs war einer der ersten Casinobetreiber mit Management Philosophien für die Glücksspielindustrie. Bis in die mittleren 70er Jahre entwickelte sich Harrah’s Reno und Harrah’s Lake Tahoe zu den erfolgreichsten Casinos in den U.S.A. Heute ist Harrahs’ mitunter die erfolgreichste Gesellschaft mit unzähligen Casinos, auch in Las Vegas. Darunter zählen u.a. das Harrah’s, direkt am Strip oder das Rio.

Las Vegas war immer noch eine Kleinstadt mit weniger als 20, Einwohnern. Doch das ganze sollte sich bald ändern. Wie es zur Entstehung vom Las Vegas Boulevard kam und was Bugsy Siegel mit Las Vegas noch so alles für Ideen hatte, davon mehr in meinem nächsten Bericht.

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